… to go macht unglücklich

August 8th, 2008 § 7 comments

Neulich erklärte mir mein kleiner Cousin, dass „Beer to go“ jetzt unheimlich angesagt sei. Auf meine Frage, warum er sein Bier nicht einfach im Sitzen trinkt, antwortete er mit einem abschätzigen und verständnislosen Blick: „Keine Zeit, bei drei Parties am Abend.“ Das ist das schlimme Dilemma, in dem sich Jugendliche dieser Tage befinden. Ein „Abi to go“ wäre unter diesen zeitknappen Umständen wünschenswert.

Ich werde wohl nie verstehen, wieso Menschen morgens ihre Zeit lieber mit hektischem Gesicht in endlosen Schlangen vor amerikanischen Kaffeebräu-Häusern verbringen, statt in der heimischen Küche gemütlich was Eigenes aufzubrühen. Das ganze Leben scheint aus lächerlichen „to go“ s zu bestehen. Alles wird mund-, zeit- und idiotengerecht auf das Leben des Durchschnittsmenschen zurechtgebastelt. Und dieser Durchschnittsmensch scheint in irgendeiner Form von diesem Hasen in Alice im Wunderland mit der riesen Uhr abzustammen, der immerfort ruft: „Keine Zeit, keine Zeit!“

Theodor Fontane hat es vor mehr als 100 Jahren schon auf den Punkt gebracht, als er feststellte:„Die große Stadt hat nicht Zeit zum Denken und, was noch schlimmer ist, sie hat auch nicht Zeit zum Glück. Was sie hundertfältig schafft, ist nur die „Jagd nach dem Glück“, die gleichbedeutend ist mit Unglück.“ Also: Allen allmorgendlichen Kaffee-Jägern viel Spaß weiterhin! 

§ 7 Responses to … to go macht unglücklich"

  • LÄÄÄsterschwester says:

    In Köln biste der OBERHORST wenn Du nicht den “Coffee to go” in der Pfote hälst…
    Aber geil sind doch auch die Jogger…mit 2x 0,5L Fläschchen in beiden Ärmchen…

  • Laura says:

    das ist für´s ärmchen-muskel-training beim laufen…und natürlich für den wasserhaushalt. 5-6 liter am tag müssen schon sein, sagt vroni ferres…deswegen stinkts auch überall in köln nach pisse!

  • Judith says:

    Jetzt im LIDL im Angebot: ein Trinkfläschchengurt. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann S…b..s einen Kaffetrinkgürtel “double lowfat, absolute decaf, sugarfree” anbietet…

  • Laura says:

    OH MEIN GOTT! —-Stück Kuchen?

  • Judith says:

    Aber nur den ohne Backmischung ;-)!

  • Laura says:

    das war russischer-quark-zupfkuchen-selbstgemacht-*ehrlich*

  • Anna Licht says:

    Der faule, aber pfiffige Mensch brüht seinen Kaffee während der Morgentoilette, füllt ihn in den praktischen Themorsbecher und hat so wertvolle Minuten des Schlafes gewonnen. Und was Warmes zum Dranfesthalten in der S-Bahn. Für Letzteres gäbe es zwar auch andere Möglichkeiten, aber seien wir ehrlich – neben den meisten von denen möchte man eigentlich noch nicht mal sitzen müssen.

    Und Essen geht eh erst später.

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