Schauspieler – eine Geißel des 21. Jahrhunderts

Es gibt Leute, auf die kann man ganz getrost verzichten. Auf Teile der deutschen Schauspieler-Zunft zum Beispiel. Es will wirklich niemand hören, ob Frau Ferres oder Herr Ferch nach einem abgedrehten Film “im Herzen barfuß” waren oder nicht. Schon allein für diese schäbige Reminiszenz an Rosamunde Pilcher müsste man Ohrfeigen verteilen.

Aber statt sich dämlich mit solch verbalem Weichspüler vorzukommen wird fröhlich weitergemacht. Denn ein Schauspieler kann nicht nur schauspielern. Er/ Sie/ Es kann Bücher schreiben, eine eigene CD aufnehmen und Regie führen. Sie können vorbildlich ihre Kinder erziehen (die meist schlauer sind als alle anderen Kinder), sie machen Werbung, tanzen in einem Musical mit, demonstrieren für den Weltfrieden und engagieren sich ganz arg für Benachteiligte, nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber, dann ist es noch gütiger. Sie können auch prima bei Kerner/ Jauch/ Gottschalk/ Beckmann/ Will/ Christiansen/ Illner/ Maischberger (etc.) sitzen und sich bar jedes Wissens großmäulig zu Politik/ Tagesgeschehen/ Wirtschaft/ Soziologie und Kultur äußern.

Das eigentlich Schlimme hierbei ist, dass sich manche Menschen tatsächlich von diesem Geschwätz etwas annehmen. Und bei der nächsten Wahl lieber nicht Angela Merkel wählen, weil der oder die gesagt hat, dass Angie doof aussieht und auch keine gute Politik machen kann. Frau Merkel könnte man aus den vielfältigsten Gründen nicht wählen und doch fällt einem Schauspieler nur der eine Grund ein: Eine seltsame Frisur kann keine gute Politik machen. – Die Menge johlt.

Solche Ansichten von Schauspielern hört man oft. Sie haben ein Talent in ihrem Beruf lange Dialoge auswendig zu lernen, aber kaum sollen sie allein ein komplexes Themenfeld analysieren und sich dazu äußern, kommen sie über einen simplen Satz nicht hinaus. Da ein Schauspieler aber nur selten Zeit hat über sich selber nachzudenken, glaubt er weiter, dass er alles kann und weiß. Quasi wie Gott. Nur der tut einem wenigstens noch den Gefallen nicht ständig bei “Wetten … dass?” rumzuhängen.

January 30, 2008

Ich mag Kinder…wirklich!

Seit ein paar Tagen pflege ich wieder meine Migräne. Wenn mich jemand fragt warum, antworte ich: „Wegen dem Wetter.“ Dass es natürlich ganz andere Gründe sind verschweige ich tunlichst. Seit der Roland in Hessen bekundet hat auch Grundschüler in den Knast sperren zu wollen, mag ich gar nichts mehr zu diesem Themenbereich sagen, aus Furcht man könnte mich in der nächsten Karnevalssitzung nicht mehr zur Prinzessin wählen.

Und dabei bin ich der festen Überzeugung, dass manchen Eltern die Worte Kochs wie ein Schalmeien-Konzert vorgekommen sein müssen, beim Anblick ihrer Sprösslinge. Schließlich würde man sich über ein paar schöne Tage freuen, während der Junior hinter Gittern mal die Seele baumeln lässt. Aber nun wird wohl doch nichts daraus und die letzte Hoffnung bleibt die Kathi Saalfrank mit ihrer stillen Treppe.

Ich wohne seit zwei Jahren gegenüber einer Ganztags-Grundschule. Zuerst dachte ich mir: Prima, ich mag Kinder. Doch dann kam alles ganz anders. Im ersten Sommer saß ich lesend auf meinem Balkon, als Kinder vom Schulhof aus über die Straße hinweg meinen Balkon als Basketballkorb umfunktionierten. Meine Geranien in den Terrakotta-Schalen waren nicht mehr zu retten und vielen meinem Nachbar fast aufs Auto. Ich hingegen kam mit einer lädierten Sonnenbrille davon. Da dachte ich mir: Ok, gehst du halt in den Park zum Lesen. Lesen wird ohnehin überbewertet.

An die regelmäßigen Weckrufe Morgens um halb acht, wenn sich die Kinder freundlich mit „Ey du Arschficker“ oder „Fick dich du Wichser“ begrüßten, gewöhnte ich mich rasch. Auch gewöhnte ich mich daran, dass Eltern ihre Kinder jeden Meter zur Schule hinfahren und sie wieder abholen und dabei ein riesiges Verkehrschaos fabrizieren (weil die meisten Frauen ja immer zu große Autos fahren müssen und damit rangieren, wie mit einem Panzer Leopard).

An Grillfeste, pöbelnde Lehrer („Zieh den Kevin mal hinter der Treppe hervor, bevor ich mich vergesse!“ und ähnliches), an den LKW der jeden Tag mit laufendem Motor das Mittagsessen anliefert, nachmittäglichen Dauerlärm (der meist so ähnlich klingt wie morgens um kurz vor acht) – an all dies konnte ich mich bis jetzt gewöhnen. Nur eins setzt mir im letzten halben Jahr extrem zu: Die Trommel-Bongo-AG, die sich bei schönem Wetter auf dem Schulhof zum Üben einfindet und meine Migräne wieder herausfordert. AUA!

January 29, 2008

„Alles verdummt mich!“*

Früher wollten Kinder Astronaut oder Tierärztin werden. Ich persönlich wünschte mir Eisverkäuferin zu werden und bildete mich seit frühsten Kindertagen in diesem Bereich gewissenhaft aus.

Heute ist alles anders. Heute sagen die Kinder sie müssen nichts lernen. Heute wollen Kinder entweder Popstar oder Model werden. Zumindest aber Milliardär mit ein paar Bunnys und ganz wenig Arbeit.

An den Erst-Semestern ist dieser Trend zusehends zu beobachten. Die Hälfte, die da fröhlich antritt und sinnlos Gelder vergeudet, ist zu doof zum Schunkeln und kommt meist über das Grundstudium (sprich: Einführungsklausuren) kaum hinaus. Stattdessen wird in der Cafete abgehangen und über wirklich wichtige Themen gesprochen: Mucki-Bude, Sonnenstudio, Klamotten, Fingernägel, Discos, Frisuren und vergisst darüber – ach weh – das Studieren (weil man meint die Uni sei eine riesige Jugendfreizeitstätte).

Wenn es also schon so desolat um die geistige Elite Deutschlands (haha), die Akademiker, bestellt ist, kann man sich in etwa vorstellen, wie es um den Rest steht. Ja, es darf sich gegruselt werden!

Aber wer trägt Schuld an dem ganzen Dilemma? Mama und Papa? Tante Gisela mit den roten Fingernägeln? Heidi? Der Problem-Bär? Als erstes sind – schauschau – die Medien schuld. Allen voran die Fernsehanstalten, die uns mit absolutem Dreck vollpumpen. Wer schon ganz allein und selbstständig denken kann, schaltet ab. Der Rest sitzt mit offenem Mund davor und lernt. Dann kommen die Printmedien, die nur vor- und abgekaute Knochen weiterverarbeiten oder einspeicheln, die ihnen hingeworfen werden. Von einer „Preßfrechheit“, über die sich Goethe noch beschweren konnte, findet man weit und breit nichts. Schade!

Schließlich die Politiker, die eines ganz klar für sich erkannt und genutzt haben: Wenn alle dumm bleiben oder werden, hat man freie Hand. Deswegen gibt man dem Volk in regelmäßigen Abständen ein paar Hausaufgaben an die Hand, mit denen dann alle so beschäftigt sind, dass für Gedanken an Politik keine Zeit und kein Nerv mehr bleibt.

Im Moment müssen sich die Raucher das Rauchen abgewöhnen, die Autofahrer süße Plaketten aufs Auto kleben oder ihr Auto umrüsten, Arbeitnehmer müssen sich Gedanken um ihren Job machen und nebenbei was für die Rente tun, Versicherungen abschließen und sparen. Und schon bald werden Karl Lauterbach und die Ulla im Supermarkt einem die Chips aus der Hand schlagen und einen zum nächsten Fitnessstudio oder Ernährungsberater prügeln. „Gesundheit“ ist der neue Wirtschaftszweig, der sich in den vielfältigsten Formen breit macht und uns auf Trapp hält. Auf die Gesundheit zu achten ist mittlerweile ein Fulltime – Job, da bleibt kaum noch Zeit für Bildung, wenn man abends abgekämpft und hungrig seinen Blutdruck misst, während man sich den Ernährungsplan eines Beraters durchliest, der vom Postboten auf Ernährungsberater umgeschult hat.

Irgendwann werde ich hoffentlich alt sein und mich freuen, dass ich in meinem Leben überproportional viel für meinen Geist getan habe, mit dem ich ja bis zum Schluss durchhalten muss. N´ schöner Bizeps hält nicht so lange.

*Zitat: T. Fontane

January 28, 2008

Uni: Leben, Leiden und kein bisschen Hoffnung (Teil 1)

Am Ende meiner Laufbahn als Studentin stand die Exmatrikulation. Mehr nicht. Ich stand in einer schmucklosen Schlange mit Menschen bei deren Anblick ich mich fragte, ob ich eventuell doch bei einem Popstars-Casting gelandet sei. Der Mann im Studierendensekretariat konnte mich aber schnell beruhigen, während er mich aus der Matrikel elektronisch strich: „Die sehen jetzt hier alle so aus. Is wohl Mode.” Er wies bei diesen Worten auf eine junge Frau (meine Mutter würde Bordsteinschwalbe sagen), die goldene Highheel-Stiefel trug, sich die Haare wie Cindy Lauper auf Speed hochtoupiert und in dem Gewusel auf dem Kopf auch noch ein buntes Stirnband kunstvoll mit eingearbeitet hatte. Dass sie selbstredend auch noch ein Oberteil trug, an dem sich allerlei Gebamsel befand und das bis zum Bauchnabel ausgeschnitten war, versteht sich von selbst. Die folkloristische Bauernmalerei im Gesicht auch. Die hautenge Jeans, die sie dazu trug, roch schon von weitem nach den Chemikalien, die in Indien, die kleinen Kinderhände zum einfärben benutzen müssen. Man wusste nicht, ob man lachen oder heulen sollte.

Zwischen diesen beiden Extremen pendelte im Grunde mein ganzes Studium. Es gab oft was zu lachen über die Rechtschreibung, Credit-Points, Professoren, Mitarbeiter, Mitstudenten, die Fachschaftsratprostituierten undundund. Weniger witzig war das, was das Studium an organisatorischen Dingen umgab. Und damit meine ich jetzt nicht, wie man es schafft an einem Abend sowohl die Mediziner- als auch die Sportler-Party zu besuchen.

Das leidigste Thema unter den vielen anderen war das Latinum. Leider habe ich damals in der Schule Französisch in der siebten Klasse gewählt und alle, die mit einer Gnaden-Vier das Latinum errungen haben ausgelacht. Ich fand es lächerlich eine tote Sprache zu lernen, mit der man bestenfalls ein Praktikum im Vatikan machen kann.

Heute sehe ich das anders. Hätte ich ein Kind, müsste es zum Einschlafen Kassetten vollgesprochen mir lateinischen Vokabeln hören. Es müsste sich alles zum hellenistischen Osten, den Gracchen, Kimbern, Marcus Tullius Cicero (und das wäre kein singender Hütchenträger) und die gesamte römische Geschichte und Kultur anhören. Statt Gute-Nacht- Geschichten gäbe es De re publica, De legibus, De inventione, Academici libri und viele andere herzerwärmende Werke. Morgens auf dem Schulweg müsste das Kind deklinieren und konjugieren. Ich wäre unerbittlich.

All das würde ich natürlich nur machen, um dem Kind viel Leid zu ersparen. Es soll nicht, wie seine Mutter einst sechs Wochen, sechs Tage die Woche, acht Stunden am Tag in einem Sommer-Latein-Crash-Kurs für tausend Euro sitzen müssen, in dem getanzt und gesungen wird. Es soll nicht unter diesen meschuggenen „Regeln,” die nichts mit dem eigentlichen Inhalt des Studiums zu tun haben leiden. Auch soll es nicht unter furchteinflößenden Dekanen leiden, die schlecht Kritik ertragen können und den Muff unter den Talaren anscheinend ganz in Ordnung finden. – Ach, am besten das Kind macht ne´ Ausbildung, dann reg´ ich mich nicht uff.

January 25, 2008

Utilitarist müsste man sein…

Ein Utilitarist hat es leicht, denn für ihn ist das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl Zielpunkt seines Handelns. So fördert der Einzelne über das Gemeinwohl sein eigenes Wohl. Er denkt demnach nicht in erster Linie an sich, sondern an alle. Klingt komisch, ist aber so.

Ein Beispiel: Hätte ein zeitreisender Utilitarist im Jahre 1930 Hitler in einem See kurz vor dem Ertrinken um Hilfe schreien gehört, hätte er ihn ersaufen lassen. Denn das Glück bzw. Leben des Schäferhundliebhabers kann nicht über das von Millionen anderer Menschen gestellt werden.

Anderes Beispiel: Hätte damals niemand Jörg Pilawa eine eigene Sendung im Fernsehen gegeben und ihn schön beim Rundfunk gelassen, müsste man sich nicht ständig sein dummes Grinse-Palawa (ich weiß, dass es Palaver heißt) in zig Sendungen anhören.

Man muss als Utilitarist freilich auch ein bisschen Hellsehen können. Aber das ist ja in der heutigen Zeit, dank vieler Sendungen im Nachtprogramm, kein Problem mehr. Ich sage nur: Kurze Frage, kurze Antwort oder Channeling to Africa mit der weißen Hexe vom Niederrhein (die übrigens eine eigene Internetseite hat auf der sie ihre Dienste feilbietet und ihre drei Katzen vorstellt: Hokuspokus, Fauler Zauber und den kleinen Nepper Schleppper).

Aber zurück zum Thema: Warum hat Benthams und Mills ethische Auffassung kaum Nachahmer gefunden? Weil jeder an das größtmögliche Glück für sich selber denkt. Und da sind wir wieder bei dem allseits beliebten “Jeder ist schlecht”.

Bei diesem kleinen Wörtchen frage ich mich immer wieder: Wer ist eigentlich jeder? Ist jeder niemand? Oder ist jeder alle? Ist jeder Uschi und Klaus oder nur Hans-Peter? Dieses Wörtchen macht es einem aber auch nicht besonders leicht, wenn es so schwammig wie manch ein Paragraph aus dem Strafgesetzbuch daher kommt.

In Ingeborg Bachmanns Malina heißt es zwar: “Jeder ist niemand”, aber kann man einem lyrischen Ich glauben, das naja, sagen wir mal eine multiple Persönlichkeit ist?

Fakt ist, dass dieses Wort meistens Menschen benutzen, die meinen ihren eigenen Aussagen mit dem Zusatz: “Jeder sagt das” oder “Jeder sieht das so, wie ich” mehr Gewicht verleihen zu können. Sie meinen jeder wäre ein Totschläger!

Ich persönlich habe deswegen gegen “jeder” eine Art Aversion entwickelt. In manchen Themenbereichen finde ich, hat jeder nichts zu suchen. Deswegen kann im Bezug auf die Welt-Schlechtheit bei mir auch nicht jeder persé schlecht sein, alle auch nicht, niemand sowieso nicht. Mancher Mensch ist schlecht. Und deswegen mag ich mich von Bentham und Mill auch nicht ganz verabschieden (Jungs, noch ist nichts verloren!)

January 25, 2008

Traumberufe

Manche Berufsgruppen sind mir äußerst suspekt. Was bringt psychisch gesund veranlagte Menschen dazu Proktologe zu werden? Wer hat denn bitte Interesse daran, sich mit Mastdärmen, Kohlrausch-Falten, Analkanälen, Stuhlgängen, Analfissuren, inneren und äußeren Schließmuskeln zu beschäftigen? Schon allein der Blick in mein Medizinbuch zu dieser Thematik verursacht Herpes bei mir.

Klar, irgendwer muss es ja machen. Aber fragen darf man sich ja schon, ob bei den Kollegen alles geschmeidig im Oberstübchen ist.

Ebenso habe ich mich mal gefragt, warum Männer Frauenärzte werden. Wie will ein Mann denn wissen, wie man sich als Frau mit Regelschmerzen fühlt? Kann man ein nüchternes, unverfängliches wissenschaftliches und ärztliches Interesse weiterhin beibehalten, wenn Heidi Klum auf dem Patientinnenstuhl liegt oder man ihr die Brüste abtastet?

Der Vater eines Klassenkameraden war Frauenarzt und sein Zögling erzählte brühwarm von den Patientinnen seines Vaters in den Pausen. Die Unterrichtsreihe im Fach Biologie: Aufklärung, konnte man sich in unserer Klasse getrost sparen.

Ein weiterer Beruf, bei dem ich nicht verstehe, warum ihn manche freudig ergreifen ist der des Metzgers. Man wühlt sich hier ja schließlich nicht durch Eingeweide, zersägt Knochen und beschmiert sich mit Unmengen von Blut, weil man Leben rettet. Während es mir schon schwer fällt auf eine verletzte Stelle ein Pflaster zu kleben, zersägt mancher am Tag 200 Tiere. Neulich lief im Fernsehen eine Reportage über den Alltag in einem Schlachthaus. Jeder hat da seine Aufgabe, die er gewissenhaft acht Stunden am Tag erledigt. Einer tötet acht Stunden am Tag mit einem Bolzengerät Tiere und schaut ihnen dabei zum letzten Mal in die weitaufgerissenen Augen, einer wuchtet sie an die Haken, ein anderer sägt die Tiere in zwei Hälften, u.s.w. -Jetzt mal ehrlich: Was denkt einer, der acht Stunden am Tag Tiere umbringt und zerlegt? Bestimmt überlegt er sich nicht: „Ach, in zwei Stunden Feierabend, dann schön was leckres Essen und dann ab auf die Couch und Mozart hören.“

So, wie Verkäuferinnen hinter der Fleischtheke im Supermarkt auch nach einiger Zeit aussehen wie Schweine oder Kühe, so muss doch auch der Metzger sein Metier völlig verinnerlicht haben und nebenbei wie ne´ grobe Leberwurst stinken. So was geht doch nicht spurlos an einem vorbei. Da muss doch was sadistisches und menschlich abgestumpftes hängen bleiben. Genauso, wie bei denen, die in einem Tierversuchslabor arbeiten. Wenn man bei Peta auf der Seite die Videos durchklickt, kann einem da nur angst und bange werden. So jemandem möchte ich an einem schlechten Tag nicht im dunkeln begegnen.

Dass ein Zusammenhang zwischen Tierquälerei und Gewaltausübung gegenüber Menschen besteht, ist wissenschaftlich nachgewiesen. Jemand, der als Kind einem Hund einen Böller in den Po steckt, wird kein netter Erwachsener. Und jemand, der den ganzen Tag Tiere tötet, kann auch kein ausgewiesener Menschenfreund sein.

Im Umkehrschluss soll das aber auch nicht heißen, dass andere sympathischere Berufsgruppen keine Schläger, Mörder und Irre sind. Und außerdem gibt es bestimmt auch zarte Metzger, die einer Kuh, die vor ihnen steht und auf ihren Tod wartet, noch einmal über das Fell streicheln und ihr gut zureden.

Aber folgende von mir entwickelte Formel, habe ich festgestellt, stimmt immer: Wer nicht gut zu Tieren und Pflanzen ist, ist auch nicht gut zu Menschen.

January 24, 2008

Pssssssst! Ich werde abgehört.

Seit sieben Jahren spielt sich regelmäßig bei Telefongesprächen mit Bekannten Folgendes ab: Wir rattern erst einmal alle Schlagwörter zum Thema Terror runter. Haben wir dann Osama, Achse des Bösen, Bombe, Tokio Hotel, 11. September, Afghanistan, Anschlag, Taliban freudig aufgesagt steht einem normalen Telefongespräch nichts mehr im Wege.Dieses Ritual hat selbstredend einen Sinn oder zumindest eine Vorgeschichte. Nach dem 11. September, nach dem freilich nichts mehr wie vorher war (das muss man zu diesem Datum ja immer dazu sagen), erfolgte in Deutschland die viel erwähnte Raster-Fahndung. Meine älteste Schwester hatte eine Bekannte, die aus einem sogenannten Schurkenstaat stammt. Diese Bekannte hat einen Bruder und der lief durch die Raster-Fahndung und erregte temporäres Interesse (zur Beruhigung: ohne jeglichen Grund).

Also wurden er und sein Umfeld überwacht, abgehört – wie auch immer. Als meine Schwester dies eines Tages beiläufig erwähnte, setzte sich bei mir die Vorstellung fest, dass wir als Familie nun alle abgehört würden. Fortan vernahm ich ein aufdringliches Klicken in der Telefonleitung, manchmal brachen Gespräche ab oder es war ein Rauschen zu hören. Für mich war klar: Ich werde abgehört. Die denken ich sei eine Terrorzelle (was meine Eltern ohnehin schon lange behaupteten). Also fing ich an, in Telefongespräche ein paar Schlagwörter einzuarbeiten.

Der Höhepunkt in diesem ganzen Mensch-BND-ärgere-dich-nicht war zweifelsohne, als ich einen verdunkelten Kleinlaster über Wochen immer wieder vor meinem Haus parken sah. “Aha,” dachte ich “jetzt werde ich wohl beschattet.” Ich gebe zu, dass ich mir ein bisschen wie eine Geheimagentin vorkam. Allerdings muss ich auch der Vollständigkeit halber erwähnen, dass ich zu diesem Zeitpunkt stark meinen Migräne-Medikamenten verfallen war (bei deren Einnahme man keine Maschinen bedienen und kein Auto fahren darf) und unter starkem psychischen Stress stand.

Die Erkenntnis, dass all dies wohl eine Art Verfolgungswahn bei mir ausgelöst hat, kam an einem Montag. Plötzlich dachte ich mir, dass ich keine Lust mehr habe beim Pinkeln oder Fernsehen belauscht zu werden. Also lief ich schnurstracks aus dem Haus auf den Kleinlaster zu und klopfte heftig gegen die Tür. Diese öffnete sich und drei Männer in Malerklamotten schauten mich prüfend an. Einer fragte mich, was ich denn von ihnen möchte. Als ich forsch sagte: “Ich weiß genau, was sie hier machen,” hob der eine sein Salami-Brot und entgegnete: “Mittagspause”.

Eine Nachfrage bei meiner Lieblingstelefongesellschaft, der Telekom, ergab, dass mit meiner Leitung etwas nicht stimmte. Was im übrigen immer noch der Fall ist, denn manchmal meldet sich ein fremder Mann, wenn man meine Nummer wählt. Aber nun gut, man ist ja Kummer gewöhnt. Und die Malerarbeiten im Nebenhaus sind nun auch endlich abgeschlossen.

January 24, 2008

Ich bin die coolste Bloggerin, weil …

 Obwohl mein Blog tatsächlich erst seit etwas mehr als einer Woche online ist, bewerbe ich mich jetzt um die Auszeichnung zur BlogNewcomerin 2008. In meinen Gedanken besteht dieses Blog nämlich bereits seit ich den Kindergarten verlassen habe musste.  Wie das so ist, ich kam in den dann folgenden 20 Jahren nicht dazu, dieses Blog zu beginnen, musste Traumata verarbeiten, bin viel umgezogen und gereist, Behörden-Willkür nahm mir die Zeit usw. usw. usw.

Also, ich bin die coolste Bloggerin, weil …

  1. ich immer noch mit einem uralten Elsa 56K-Modem in’s Netz gehe
  2. ich an diesem Contest teilnehme, obwohl ich doch sonst als sehr zurückhaltend gelte
  3. ich mich für den Erhalt der Sättigungsbeilage einsetze. Denn sie ist und bleibt beliebt, besonders bei Vegetariern
  4. ich mich von Vielem Manchem überzeugen, aber zu Nichts zwingen lasse
  5. ich gefährliches Halbwissen mit gutem Gewissen zum Besten gebe
  6. ich mir aus “Rang, Titel, Orden und dergleichen Nippes”, wie Storm es so schön formulierte, überhaupt nichts mache. Zumindest tue ich so.
  7. jeder auf meinem Blog machen kann, was ich will
  8. ich diesen Titel dringend brauche. Da ich ja jetzt blogge, kann ich per Definition / Kodex / Tribunal / Manifest keine Journalistin mehr sein werden. Dies wiederum bedeutet, ich muss irgendwann zwangsläufig als A- oder Pro-Bloggerin meinen Lebensunterhalt mit Adsense-Anzeigen bestreiten. Die Auszeichnung zur “BlogNewcomerin 2008″ wäre ein wichtiger Meilenstein auf meinem Weg dorthin. Alternativ bliebe mir natürlich ein fulminater Einstieg in die PR-Branche … mal gucken.
  9. ich mir seit Montag durchgehend “8 Mile” ansehe, um mich auf dieses Gebattle vorzubereiten. Ich kann schon so gucken wie Eminem, so von unten nach oben, ihr wisst schon … egal.
  10. ich mich selber nicht dafür halte.

Zehn. Das muss doch reichen.

January 24, 2008

“Man lasse sich nicht durch allgemeine Übereinstimmung bedrängen und durch Mode hinreißen”*

Es ist widerlich. Diese immense Anzahl an Suchtkranken, die sich um einen breit machen und man weiß nicht mehr wohin. All diese psychisch labilen Wracks, die einen vollqualmen, anlallen, ansporteln, einen drängen mit zu kiffen, oder die einem ihre spitzen Knochen entgegen halten. Bald werde ich wohl nach Usbekistan in ein Baumhaus auswandern müssen.

Die Sucht dieser Leute ist dabei gar nicht das Schlimmste, sondern deren Auswüchse. Damit meine ich in erster Linie die Therapie-Gespräche, die ich unentgeltlich mit solchen Freaks führen muss, weil ich ja auf irgendeine Art (Freundschaften lehne ich kategorisch ab) mit diesen Menschen verbunden bin. Hätte ich für jedes Gespräch zehn Euro verlangt, könnte ich jetzt eine Herren-Boutique in Wuppertal eröffnen und müsste mir keine Gedanken um einen Job machen.

Da qualmt dich der Raucher an und spricht von der Leere, die er ohne Glimmstengel empfindet. Von dieser Leere manövriert er geradewegs auf seine schlechte Kindheit zu, wo das ganze Dilemma angefangen hat. Natürlich hat er seine erste Zigarette nicht aus freien Stücken angezündet, sondern der Gruppenzwang hat ihn dazu getrieben und freilich lockte die Coolness. Aufhören sei nun schwierig, weil man dann ja einen Ersatz brauche und fürchte, dass dieser in Naschwerk zu finden sei. Und für eine gesunde Lunge möchte man schließlich keinen dicken Arsch riskieren.

Über den Quartals-Säufer gibt es eigentlich kaum etwas zu sagen, da er selber kaum ansprechbar ist – schon gar nicht am Wochenende. Wenn er denn dann mal Lust hat zu quatschen, tut er dies ohne Rücksicht auf Tageszeiten und die eigene körperliche Verfassung. Anrufe in den frühen Morgenstunden oder auch Besuche muss man in Kauf nehmen, denn auch dieses arme Wesen hat eine schlimme Kindheit durchgemacht oder zumindest gerade eine Trennung hinter sich. Irgendein Grund lässt sich bei dieser Spezies immer finden: Hauptsache, es knallt!

Der Sportler, der nachts um den Block läuft und sich riesig fühlt, benimmt sich leider auch seinen Mitmenschen gegenüber so. Frei nach dem Motto: Wer keinen Sport macht ist doof. Und wenn Sport keinen Schweiß verursacht ist es auch keine echte sportliche Tätigkeit, die man ausübt. Diskutieren ist zwecklos, da der Sportler so viel trainiert, dass dummer Weise wenig Zeit für geistige Ertüchtigungen bleibt. Wenn er denn mal einen geraden Satz herausbringt, der nicht von Sportler-Drinks und den neusten Fitness-Kursen handelt, dann hört man deutlich heraus, dass man in all dem einen Ausgleich zu einem miesen Alltag, sprich Berufsleben, sucht. Diese Menschen werden oft gemobbt oder fühlen sich verfolgt (deswegen auch das viele Gerenne).

Die Kiffer sind die Schlimmsten. Denn Kiffen macht ja bekanntlich dumm (endlich gibt es Studien, die das belegen, was ich in der Praxis schon immer festgestellt habe). Es gibt drei Arten von Kiffern. Der eine grinst breit und lebt im Off. Der zweite Typ Kiffer gickert und findet sogar plötzlich den Mond und die Sterne ultra lustig. Und der letzte ist entweder depressiv oder latent aggressiv. Auf jeden Fall labern einem die beiden letzten eine Frikadelle ans Ohr und sprechen auch mal gerne die großen Ungerechtigkeiten der Welt an, weil sie meinen plötzlich den absoluten Einblick zu haben. Entweder kiffen Leute, weil es ihnen zu gut geht und sie sonst nichts wissen mit sich anzufangen, weil sie in der Gruppe schlecht Nein sagen können, oder weil sie gerade in einer Scheiß-egal-Phase sind (die dauert bei manchen ein ganzes Leben).

Zum letzten Grüppchen ist auch nicht viel zu sagen. Denn zum einen sieht man sie ja kaum und sie haben mit abnehmendem Gewicht auch immer weniger zu sagen. Mittlerweile gibt es ja so viele Formen von Essstörungen, wie Joschka Fischer und Gerhard Schröder zusammen Frauen hatten, dass man gar nicht mehr durchblicken kann und möchte. Das Schlimme ist, dass man sich geduldig jahrelang alles, von den Hänseleien in der Schule bis zum gestörten Verhältnis zur Mutter, anhört und dann glaubt geholfen zu haben. Aber anstatt einer Besserung geschieht genau das Gegenteil. Das Wissen um die seelischen Baustellen, soll nun den momentanen Zustand entschuldigen. Verständnis wird eingefordert, das aber dann bei einer Körpergröße von 1,75 m und einem Gewicht von 40 Kilo ein Ende hat. Nicht nur äußerlich ist von diesem Menschen kaum etwas übrig, auch charakterlich erkennt man ihn nicht mehr wieder. Lügen wird zum Opium. Nicht zu essen ist ein Triumph, über sich und über alle anderen. Und irgendwann nach Jahren muss man einsehen, dass ein guter Freund in diesem Falle gar nichts wert ist.

*Zitat: Goethe

January 23, 2008

Seelenheil Deluxe für nur 7,50 Euro im Monat

Luther hat einmal gesagt: „Der Verstand ist eine Hure, die mit dem mitgeht, der am meisten bietet.“ Ich meine zumindest mich zu erinnern, dass diese Worte von Luther stammen, obwohl sie mir jetzt, so geschrieben, ziemlich fortschrittlich erscheinen. Kirche und Fortschritt in einem Atemzug zu nennen, halte ich für äußerst gewagt, aber nun gut. Schließlich bemühen sich die Kirche und ihre Vertreter zusehends auch ein bisschen Pepp in die eingeschlafene Beziehung zu ihren Schäfchen zu bringen. Sei es jetzt, dass der Papst Schuhe von einem bekannten und teuren italienischen Designer trägt, statt Sandalettos aus einem klitzekleinen kalabrischen Dorf oder, dass die Protestanten mit Hilfe von Musik-auf-Höhe-der-Zeit junge Menschen ködern wollen. Aber den Schäfchen ist das trotz aller Bemühungen relativ brause. Was bietet Kirche denn heute schon noch, dass man als Freier mitkommen möchte?

Wer auf seinen Lohnstreifen guckt und bemerkt, dass da Geld abgebucht wird, weil man irgendeiner Konfession angehört, wird ungehalten. Manche wissen, bis zu diesem Anblick noch nicht einmal, dass sie überhaupt Kirchenmitglied sind. Und dann kommt natürlich schnell die Frage: Wofür buchen die eigentlich was ab? Gilt der alte Spruch denn immer noch: Der Taler im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt? Soll das etwa alles sein? 

 Neulich stand ein Jüngling vor meiner Tür und hielt mir eine dünne Zeitung entgegen. Dies sei die neuste Ausgabe der Zeitung meiner Gemeinde, verkündete er mir. Und für nur 7, 50 Euro im Monat könne ich sie abonnieren (und mir einen noch schöneren Platz im Himmel sichern). „Woher haben sie meine Adresse?“ fragte ich ohne freundliches Vorgeplänkel und ärgerte mich, dass diese Kirchen-Clique mittlerweile schon aufdringlicher war als die Vertreter von Vorwerk. „Die steht hier im Gemeinde-Verzeichnis,“ und er hielt mir eine tadellos angefertigte Excel-Tabelle mit meinem Namen in Spalte drei entgegen. „Ach, ich gehöre einer Gemeinde an.“ „Jaja, sie sind ja hier gemeldet und die St. Josefs-Gemeinde ist ihre Gemeinde,“ ereiferte sich der junge Mann. „Das fällt der St. Josefs-Gemeinde aber früh ein, dass ich zu ihr gehöre. Ich wohne jetzt seit zwei Jahren hier und keiner hat sich mal bei mir gemeldet, mich begrüßt, besucht, angerufen, gefragt wie es mir geht oder mal ne Karte geschrieben. Das ist doch enttäuschend, das macht doch eine nette Gemeinde nicht, oder? Und jetzt soll ich der Gemeinde zum Dank jeden Monat 7,50 Euro überweisen und so einen Wisch, der sich Zeitung schimpft mitfinanzieren, in der Insider-Informationen stehen, die mich ja gar nicht tangieren können, weil ich ja kein aktives Mitglied der Gemeinde bin? Ich sitz morgen auf dem Amtsgericht und melde mich aus ihrem Verein ab!“

Als ich die Tür dann schwungvoll zugemacht hatte, merkte ich, dass ich da ein wenig über das Ziel hinausgeschossen war und riss die Tür noch einmal auf, um dem Verdutzten, der immer noch auf meiner Matte mit offenem Mund stand in christlicher Manier zu sagen: „Das war jetzt nicht gegen sie persönlich!“

January 22, 2008

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