Stopfleber- Ich könnt´ kotzen!

February 28th, 2008 § 9 comments § permalink

“Krebse haben es gern, lebendig gekocht zu werden. Das ist kein Witz, wie häufig kann man das hören und hat es schon selbst gesagt. Der Mensch besitzt die Eigenschaft, Leiden, die er nicht sehen will, auch nicht zu sehen. Und Leiden, die von ihm selbst verursacht werden, will er nicht sehen … Krebse haben es gern, lebendig gekocht zu werden.” Wie seltsam, dass schon Lew Nikolajewitsch Tolstoi dieses Phänomen zu seiner Zeit erkannt und es zu Papier gebracht hat.

Leider passiert das in der heutigen Zeit weniger. Als Mensch, der über das, was er isst gründlich nachdenkt und anschließend beschließt Vegetarier zu werden, macht sich das Gros lustig. Statt sich zu fragen, ob man in der Lage wäre, das, was man essen möchte selber zu jagen, zu töten, zu zerlegen und zuzubereiten, wird herzhaft zugelangt und sich gedacht: “Is ja eh schon tot. Mir doch egal”.

Umso erfreulicher ist es, dass sogar Prince Charles nun Front gegen solch abartigen Unappetitlichkeiten wie Gänsestopfleber macht. Seinen Küchenchefs wurde untersagt diese Spezialität auf den königlichen Tisch zu bringen. Außerdem will der Prinz die königliche Empfehlung für eines seiner bevorzugten Delikatessengeschäfte überprüfen lassen, da dieses Gänsestopleber im Sortiment führt. Auch eines der bekanntesten britischen Restaurants hat letzte Woche die Stopfleber aus seinem Menü gestrichen.

Die Produktion von Foie Gras ist in Großbritannien schon längst verboten, der Import jedoch zulässig. In letzter Zeit wird der Protest gegen diese Spezialität jedoch immer lauter, nicht zuletzt wegen der unvorstellbaren Tierquälerei, die dahinter steckt: “Jährlich werden alleine in Frankreich etwa 15 Millionen weiblicher Küken direkt nach der Geburt am Fließband aussortiert und lebend in den Schredder geworfen, da für die Foie gras Produktion nur Erpel verwendet werden, s. Video: http://www.stopgavage.com/enquete/video.php.

In großen Industriehallen werden Tausende von Vögeln in enge Käfige eingepfercht. Sie können weder aufstehen, noch sich umdrehen oder auch nur die Flügel ausstrecken. Mit einem langen Metallrohr, das ihnen gewaltsam durch die Speiseröhre in den Magen gestoßen wird werden die Tiere gestopft, so dass die Leber in nur 2-3 Wochen auf das 10-fache ihres normalen Gewichts anwächst: Atemnot, Halsverletzungen, Knochenbrüche, Leberzirrhose, Herzversagen, Nierenversagen und Leberblutungen. Alleine in Frankreich sterben jedes Jahr 1 Million Gänse an den Folgen des Stopfens.

Bei der Schlachtung werden die Vögel kopfüber an den Füßen aufgehängt und auf dem Fließband in ein Elektrobad getaucht. Vögel die ihre Köpfe einziehen bleiben unbetäubt und ihnen wird bei vollem Bewusstsein die Kehle durchgeschnitten. Fotos: http://www.stopgavage.com/photos.php” (Quelle: Peta)

Wer was dagegen unternehmen will, findet E-Mail Adressen auf der Peta-Seite …

Verschwörungstheorien… heute: Kaspar Hauser

February 26th, 2008 § 2 comments § permalink

Ich bin eine großer Fan von Verschwörungstheorien. Auf diesem Feld gibt es nur Weniges, das ich als abstrus abtun würde. Zum Beispiel die Theorie, dass Fleurop Lady Diana ermordet hat, um den Blumenverkauf anzukurbeln. Oder aber die These, dass Bill von Tokio Hotel in Wahrheit Nena ist.

Ansonsten glaube ich fast alles: Elvis lebt, Marilyn wurde ermordet und die Bin Ladens und die Bushs sind eine freundschaftlich verbundene Rasselbande …

Welche Theorie mich aber schon seit Jahren nicht mehr loslässt (weil sie im Grunde leicht aufzuklären wäre) ist die über Kaspar Hausers Abstammung. Kaspar Hauser wurde an einem Pfingstmontag im Jahre 1828 in Nürnberg aufgelesen. Der 16-jährige Junge konnte nicht sprechen und sich nur ungelenk bewegen. Er hatte zwei ominöse aber nicht sehr aufschlussreiche Briefe bei sich, die seine Herkunft erläutern sollten. Als man ihm auf der Polizeiwache die Hand führen will, um ein Kreuz unter das  Protokoll zu setzen, ergreift er die Feder und schreibt seinen Namen: Kaspar Hauser.

Die Öffentlichkeit fängt an sich nach und nach immer mehr für den seltsamen Jungen und seine Herkunft zu interessieren. Der oberste Kriminologe des Königreichs Bayern, Anselm Feuerbach, nimmt sich schließlich des Falles an. Seine Aufzeichnungen über Kaspar mit dem Titel: Verbrechen am Seelenleben des Menschen, wird das erste grundlegende Werk über den Findling und erscheint 1832. Feuerbach geht den Gerüchten über Kaspars adeliger Abstammung nach. Warum wird dieser Junge nicht vermisst? Und er folgert: “[...], dass ein verschlepptes Kind nur dann nicht als verschollen gilt, wenn es für tot gehalten wird. Will man also Kaspars wahre Identität herausfinden, so muss man ihn unter den Verstorbenen suchen.” Feuerbach kommt der Gedanke jemand könnte das Kind durch ein todkrankes in der Wiege ersetzt haben, das dann darauf stirbt. Er geht zurück bis in das Jahr von Kaspars Geburt, 1812, und forscht in den Stammbüchern aller europäischen Fürstenhäuser nach Fällen von Kindstod. Eine eindeutige Spur führt nach Baden. In Karlsruhe regiert seit Generationen das Geschlecht der Zähringer das Großherzogtum.

Am 29. September 1812 wird im Schloss zu Karlsruhe ein Junge geboren, dessen Eltern die Großherzogin von Baden Stephanie und Großherzog Karl von Baden sind. Nur wenige Wochen nach seiner Geburt, in der Nacht des 16. Oktobers, erkrankt der Thronfolger plötzlich und stirbt kurz darauf aus unerklärlichen Gründen. Der Sarg des namenlosen Säuglings wird in der Familiengruft beigesetzt. Feuerbach glaubt, dass in diesem Sarg jedoch nicht der wahre Thronfolger liegt. Feuerbach beginnt im Generallandesarchiv in Karlsruhe nach einem Jungen zu forschen, der genauso alt wie der Prinz ist und dessen Eltern in Beziehung zum Karlsruher Hof gestanden haben.

In den Geburtenregistern der Jahrgänge ab 1812 findet sich tatsächlich ein Junge, der am 26. September in Karlsruhe geboren wurde. Der Vater war Arbeiter bei Hof und stand im Dienst der Gräfin Louise Karoline von Hochberg. Diese Gräfin hatte ein Motiv für ein Vertauschen der Kinder: Die Hochberger Linie war nicht thronberechtigt, es sei denn alle männlichen Erbfolgeberechtigten der linken, der Zähringer-Linie sterben. Nach dem Tod des Großherzogs von Baden, war also der Weg frei für die Hochberger Linie.

Aus Kaspars weiterem Leben und verschiedenen Begebenheiten könnte man noch mehr Indizien für diese Theorie ableiten. Es sind jedoch allesamt schwache Beweise, die für die Prinzentheorie sprechen würden. Schließlich fußen sie auf den Traum – Erinnerungen Kaspar Hausers und stehen somit unter dem Verdacht erfunden zu sein. Ebenso sind die zwei auf Kaspar ausgeübten Attentate zu bewerten, da es für beide keinerlei Zeugen, außer Hauser, gab.

Erst in der neueren Zeit konnte man bessere Erkenntnisse im Fall Kaspar Hauser gewinnen. 1996 ließ “Der Spiegel” zwei Stoffproben von der blutigen Kleidung Kaspars entnehmen und in unterschiedlichen Genlaboren untersuchen. Dabei wurden die Blutflecken mit dem Blut direkter Nachkommen des Hauses Baden verglichen. Am 25. November trat Stefan Aust vor die Presse: “Das Ergebnis der Gesamtuntersuchung, der Vergleich ist, Kaspar ist nicht der Prinz von Baden. Das wird manche Leute enttäuschen, aber das ist ein eindeutiger Beweis.”

Was Der Spiegel jedoch bei seinen Untersuchungen nicht bedacht hatte war, dass das Blut auf den Kleidungsstücken vielleicht gar kein Blut von Kaspar Hauser ist. Darüber hinaus hätte man sich auch denken können, dass wenn heute Beweisstücke aus der Asservatenkammer verschwinden können, dann ist es vielleicht auch möglich, dass ein 170 Jahre altes Beweisstück irgendwann mal vertauscht wurde.
2001 wird eine neue Untersuchung eingeleitet. Es werden Schweiß- und Haarproben von Kaspars Hut und einigen Haarlocken aus dem privaten Nachlass des Ansbacher Gerichtspräsidenten Feuerbach genommen. Es bestätigt sich das, was man vermutete: Die Blutflecken auf der Unterhose stimmen nicht mit dem genetischen Code der anderen Proben überein.

Schließlich vergleicht man den DNA-Code von einem direkten Nachkommen der Fürstin Stephanie mit dem Kaspar Hauser zugeordneten Code. Hier finden sich in allen wesentlichen Positionen bis auf eine Übereinstimmungen. Bis heute kann man demnach nicht ganz ausschließen, dass Hauser ein biologischer Verwandter zum Hause Baden ist.

Die Lösung des ganzen Rätsels findet sich in der Gruft des Hauses Baden. Der Zutritt wird jedoch bis heute von der Familie Baden niemandem gewährt …

Jürgen! Ich bin dein Vater!

February 22nd, 2008 § 1 comment § permalink

Manchmal überlege ich, ob Menschen wie Jürgen Drews wohl auch Eltern haben. Ich meine richtige Eltern, die ihrem Sohn was beigebracht, auf seine Bildung geachtet und ihn gefördert haben, ihm anerkennend auf die Schulter klopfen und stolz auf ihn sind.

Wenn ja, wie muss es dann wohl heute in diesen Menschen aussehen? Fragen sie sich, was sie besser oder lieber gar nicht gemacht hätten, sind sie beschämt, erfreut oder haben sie ihren Sohn schon vor langer langer Zeit zur Adoption frei gegeben? Ist Jürgen Drews vielleicht das erste Retorten – Baby? Und hat man sich nach ihm entschlossen erst einmal ein paar Jahre Pause zu machen, um die Fehler in der Methode auszumerzen?

Fragen über Fragen, die ich mir trotzdem ganz klar beantworten kann. Ich habe da eine Theorie, die mir nach einem Abend mit viel Wein und viel Fernsehen gekommen ist: Christian Ströbele könnte der Vater von Jürgen Drews sein.

Ichweißichweiß, das klingt seltsam, könnte aber doch möglich sein. Die Parallelen zwischen beiden sind einfach frappierend. Der Eine ist für die Grünen das, was der Andere für den Schlager ist: Peinlich, mediengeil, nervig, unmodern und schon längst über den Zenit.

Außerdem setzen sich beide für die Umwelt ein. Der Christian mit den Grünen und der Jürgen dadurch, dass er auf Körperhygiene und gewaschene Kleidung nicht so viel wert legt und so der Umwelt einen Dienst erweist (wer schon einmal mit dem Jürgen zusammen in einem Flugzeug saß und seine Käsefüße und das ranzige 80er Ralph Lauren Jacket bewundern durfte, weiß worüber ich hier spreche).

Ich könnte mir ohne weiteres vorstellen, dass Herr Ströbele irgendwann in den 50ern (oder 40ern? Wie alt ist der Drews eigentlich?) eine junge Dame kennengelernt, ihr mit seinen buschigen Augenbrauen ordentlich den Hof gemacht und sie dann begattet hat. Dadurch, dass er sich mit falschem Namen vorgestellt hat, war es der jungen Frau nicht möglich den Vater ihres noch ungeborenen Kindes ausfindig zu machen. Dem Jürgen hat sie dann irgendwann reinen Wein eingeschenkt. Und um es nicht schlimmer für den Jungen zu machen, als es ohnehin schon war, behauptete sie, dass sie auf einer Spanienreise mit dem König bekannt gemacht wurde und er aus diesem kurzen und heftigen Flirt hervorgegangen sei.

Deswegen singt Jürgen Drews auch immerzu dieses Lied, welches ihn als König von Mallorca ausweist. So versucht er seinen leiblichen Vater auf sich und seine noch nicht gestellten Ansprüche aufmerksam zu machen. Irgendwann, so hofft Drews, wird der König seinen Sohn anerkennen und ihm Mallorca als vorgezogenen Erbteil überschreiben.

Das wird Juan Carlos natürlich nie tun, denn er kennt Jürgen Drews und seine Mutter nicht. Und deswegen finde ich, dass Herr Ströbele nun endlich mal seine Missetat gestehen und somit der fragwürdigen Karriere und der Suche eines verzweifelten Mannes ein Ende bereiten könnte!

Verlogene Urlaubsgrüße … (2)

February 21st, 2008 § 0 comments § permalink

Ein Karten-Cover

Hier ein dreistes Beispiel dafür, dass auch Kartenvorderseiten lügen können….

Uni: Leben, Leiden und kein bisschen Hoffnung (Teil 2)

February 21st, 2008 § 0 comments § permalink

In der Uni lernt man prinzipiell alles, was man für das weitere Leben braucht:

  • Inhalte sind unwichtig und werden generell überbewertet
  • effektives Lernen und Leisten mit minimalstem Aufwand bei Vortäuschung von immens vieler Arbeit ist möglich
  • Powerpoint ist kein Fitness-Zentrum
  • Auf Partys lernt man nicht den Mann fürs Leben kennen, dafür aber Krankheiten, die für eine kleine Wegstrecke ein ständiger Begleiter sein werden und jucken können
  • Autoritäten machen auch Fehler, müssen sich dafür aber nicht zwingend entschuldigen
  • Beamten im Verwaltungsapparat sind überall gleich und müssen sich auch nicht entschuldigen
  • Unsinniges Lernen von Dingen, die man nie wieder braucht, kann nicht durch ungezügelte Wutausbrüche ersetzt werden
  • Ein Kommilitone ist kein Kommunist
  • Mitstudenten sind ,wenn es darauf ankommt, nicht loyal und sitzen überall, nur nicht im gleichen Boot (zum abschreiben aber dann schon)
  • Auf  Frauenparkplätzen parken immer auch Männer und behaupten dann solche Sachen: “Ich warte auf meine Mutter.”
  • Bei Gruppenarbeiten wird klar: über den Kindergarten sind die meisten Menschen emotional und intellektuell  noch nicht hinweg
  • Auch intelligente Frauen können intrigieren, kratzen, beißen und schlagen
  • Humor ist was für Klassenclowns, aber doch nicht für die geistige Elite- zum Lachen also bitte in den Keller!
  • Gefährliches Halbwissen reicht meistens aus, um Eindruck zu schinden und von weiteren Fragen abzusehen
  • Ein Dekan ist ein Dekan, ist ein Dekan, ist ein Dekan (und kein Pelikan, der seine Beute im Schnabel frisch hält, bis er sie verschlingt …)
  • Hausmeister haben es oft schwer, leihen einem aber trotzdem gern mal eine Zigarette
  • Die meisten Frauen, die in der Mensa arbeiten heißen Gabi oder Gerda
  • Lügen dient nicht der Wahrheit, aber dem persönlichen Weiterkommen
  • Irgendwann hat jedes Elend sein Ende

Wildkatzen-Content

February 15th, 2008 § 1 comment § permalink

Die Europäischen Wildkatzen sind vom Aussterben bedroht
www.bund.net/wildkatze

Ihr habt Euch verdient!

February 12th, 2008 § 0 comments § permalink

Der Spruch fällt mir meist bei Pärchen ein, die jeder für sich schon so unerträglich sind, dass beide zusammen das Maß an Erträglichkeit geradezu sprengen. Im Grunde ist man aber froh, dass sich diese zwei Arschlöcher gefunden haben. Konkrete öffentliche Beispiele hierfür sind zum Beispiel die Beckhams. Wenn die sich nicht gefunden hätten würde jeder einzeln sein Unheil im Blätterwald treiben und der Leser müsste es doppelt ausbaden.

Während mir dieser Spruch sonst immer nur im kleinen in den Sinn kommt, so kam er mir vor ein paar Tagen in großem Stil in den Sinn. Und zwar, als ich las, dass der Deutsche Kulturrat sich über das Sendeformat Deutschland sucht den Superstar echauffiert. Man mokierte die “mediale Brutalität”, “den “grenzenlosen Voyeurismus” und die “Lust an Erniedrigung.”

Bei diesen Worten dachte ich achselzuckend: Liebe Kulturfreunde, willkommen im 21. Jahrhundert! So sieht unsere Gesellschaft in weiten Teilen nun einmal aus. Diese Gesellschaft hat Bohlen und die zwei Azubi-Assis verdient. Mehr noch, diese Gesellschaft wäre irritiert, auf Entzug und würde die Welt nicht mehr verstehen, wenn es anders im Fernsehen zugehen würde. Die Zeiten, wo jemand aus freien Stücken liest, ins Museum oder Theater geht, humanistisches Gedankengut pflegt und Mitglied der Klassik Stiftung Weimar ist, sind größten Teils vorbei. Der Zug ist abgefahren und daran ändern auch so Pseudo-Newcomer nichts, die das Bücher schreiben in irgendeinem Sommerkurs gelernt haben oder ihr Theater-Studium mit eins abgeschlossen haben. Das interessiert keine Sau, abgesehen von einer kleinen elitären Minderheit in Deutschland.

Ein Professor an der Uni hat einmal gesagt, dass es eine viel größere Kunst sei für den Massengeschmack zu schreiben, als für wenige Intellektuelle. Der Geschmack der Massen muss mit einem möglichst breit angelegtem Spektrum getroffen werden, damit es profitabel wird. Und da muss man sich nicht wundern, wenn Bohlens Buch “Meine Hammersprüche” bei den Jugendlichen besser ankommt, als “Effi Briest”.

Bohlens Sprache und seine Beleidigungen versteht jeder. Sie sind platt, dumm, unter der Gürtellinie und zeugen nicht gerade von einer hohen Intelligenz (auch die Grammatik wird gern über den Haufen geschmissen), aber so sieht eben diese Gesellschaft, in der wir leben, aus. Und deswegen ist diese Jury in der besagten Sendung nicht mehr als ein unfreiwilliger Spiegel, der allen vorgehalten wird.

Will man das ändern, dann reicht es nicht das dürre Fingerchen in die Menge zu halten und sich das offensichtlichste mediale Beispiel herauszupicken. Das kann jeder Depp.

Aberglauben- wer´s glaubt!

February 12th, 2008 § 3 comments § permalink

Beerdigungen sind selten eine lustige Angelegenheit. Das liegt zum einen an unserem Kulturkreis und zum anderen an der buckeligen Verwandtschaft.

Die letzte Beerdigung, an der ich teilgenommen habe lief folgendermaßen ab: Zuerst begrüßte uns der Bestatter vor der Trauerhalle, der aussah wie eine Mischung aus Buddy Holly, Elvis und Danny DeVito. Dann schnappte sich mein kleiner Cousin den Wagen, der für die Trauerkränze gedacht war und fuhr ein paar Senioren beinah über den Haufen. Woraufhin meine Tante ihm ein paar Ohrfeigen verpasste, die ihn schließlich zum Weinen brachten. Davon fühlte sich meine andere Tante dann so angesteckt, dass sie anfing ganz fürchterlich zu schluchzen und zu weinen. Meine Mutter, meine Schwestern und ich folgten. Nach der Trauerfeier fragte Elvis uns dann, ob uns die Feier gefallen hätte (was soll man darauf antworten?- “Das nächste Mal könnte der Organist noch mal ein bisschen mehr in die Tasten hauen und der Pfarrer nicht so bedröppelt gucken, aber sonst kann man sie wirklich weiter empfehlen!”).

Beim Leichenschmaus meckerte mein Onkel über den zu laschen Kaffee, meine Mutter über den Kuchen und meine Tante über meinen Onkel, den sie ja angeblich noch nie hat leiden können. Am Ende empfahl sie meiner Tante einen guten Scheidungsanwalt und in die Feier kam plötzlich Leben…

Das eigentlich interessante waren aber die urbanen Legenden, die jeder zum Thema Tod beisteuern konnte. Meine Mutter meinte, dass wir froh sein könnten, dass der Opa nicht erst nach Sonntag beerdigt wurde, denn sonst kommt der Tod und holt den Nächsten.

Meine Tante zischte mir in der Trauerhalle zu mich ja nicht umzudrehen, denn das würde den Tod herausfordern. Mein Cousin musste alle gesammelten Blätter, Kastanien und so weiter am Ausgang des Friedhofs fallen lassen, denn “man nimmt nichts vom Friedhof mit”, meinte mein Onkel. Meine Cousine hingegen konnte dem Ganzen etwas Positives abgewinnen und verkündete, dass wenn jemand in der Familie stirbt, in den nächsten zwei, drei Jahren jemand ein Baby bekommen würde.

Ein anderer Onkel meinte, dass wir alle froh sein könnten nicht am ersten August geboren zu sein, denn dann müssten wir früh sterben. Dieser Tag sei nämlich ein Unglückstag, da an diesem der Teufel angeblich aus dem Himmel geworfen wurde.
Am Ende solcher Tage des unfreiwilligen Zusammenkommens, ist man froh, wenn man alle Benimmregeln des Aberglaubens eingehalten hat, um nicht irgendein vernichtendes Schicksal prophezeit zu bekommen.

Und ohnehin weiß ja jeder aus der Literatur: Hätte Ödipus den Orakelspruch nicht gehört und versucht dem Prophezeiten aus dem Weg zu gehen, hätte er seine Mutter nicht angegrabbelt und seinen Vater nicht erschlagen. -Also: Wenn mal wieder jemand abergläubischen Grusel zum Besten gibt, einfach weghören.

Kölle Alaaf! Erdogan erobert das Rheinland

February 11th, 2008 § 0 comments § permalink

“Ja is denn immer noch Karneval,” wird sich der ein oder andere fastende und nunmehr wieder nüchterne Karnevalist fragen, angesichts des gestrigen Spektakels in der Köln Arena. Tage zuvor war die gesamte Stadt für den sich auf Stimmenfang befindlichen Erdogan mit Plakaten in ausschließlich türkischer Sprache bestückt worden. Am gleichen Tag wurden Türken, die aus ganz Deutschland und anderen angrenzenden Ländern eigens angereist waren, vor der Halle gefragt, warum sie heute hier seien (die protestierenden Kurden vor der Halle übrigens nicht). Die Antworten variierten, waren im Keim aber übereinstimmend: Tayyip Erdogan schaffe es den hier lebenden Türken das Gefühl zu vermitteln, dass jemand für sie da sei, der ihnen hilft und sie unterstützt. Und das bräuchten alle in Deutschland lebenden Türken, die sich hier eben nicht willkommen und aufgehoben fühlen.

Ich wusste genau, was diese Menschen bei diesen Worten meinten. Schon oft habe ich mich genauso gefühlt, wenn ich in der Dortmunder Nordstadt unterwegs war. Eine Deutsche unter vielen Türken. Unterwegs in einer Gegend, in der es türkische Vermieter, Friseure, Sportvereine, Brautgeschäfte, Bäckereien, Banken, Reisebüros, Supermärkte, Apotheken, Restaurants und vieles mehr gibt. Niemand braucht hier deutsch zu sprechen, weil es ohnehin fraglich wäre, ob ihn jemand verstehen würde. Und willkommen kann man sich hier beim besten Willen auch nicht wirklich fühlen.

Aber was heißt denn schon: Sich willkommen zu fühlen? Selbst bei meinen Eltern heißt es hin und wieder, wenn ich durch die Tür komme: “Was, du schon wieder?” Im Supermarkt um die Ecke grüßt man zwar freundlich, aber wehe ich suche zu penibel Obst und Gemüse aus, dann heißt es: „Grabbeln se da ma nich alles so an!” Beim Arzt sitze ich ohne Termin und als Nicht-Privatpatient Stunden rum, beim Einsteigen in Bus und Bahn werde ich häufig angerempelt oder man drängelt sich vor mich, mein Nachbar schikaniert mich, Freunde versetzen mich oft, am Flughafen werde ich immer besonders gründlich abgetastet, bei Polizeikontrollen muss ich immer meinen Verbandskasten zeigen und bei H&M rennt mir jedes Mal der Hausdedektiv durch den Laden hinterher. Nein, ich fühle mich hier nicht willkommen, beim besten Willen nicht und ich kenne ne´ Menge Menschen, denen es ähnlich geht.

Sich-Wohlfühlen ist nämlich immer eine individuelle Sache und kein Völker-Problem. Dass manch türkische Menschen, wie Necla Kelek ja sehr anschaulich in ihren vielen Büchern immer wieder betont, ein Problem mit Individualität, einer eigenen Meinung und einem autarken Leben, losgelöst von Familie haben, ist dem ganzen Thema wenig zuträglich. Und deswegen geht mir dieses ewige Genöle und Fingerzeigen und Anprangern der meisten Türken hier in Deutschland gewaltig auf den Zeiger. Die sitzen in ihren Klein-Anatolien-Vororten und erklären uns, was sie an uns nicht mögen und was wir unbedingt ändern müssen, damit sie sich hier wohlfühlen. Und dann kommt Herr Erdogan und verkündet, dass Assimilation ein Verbrechen sei und die eigene Kultur über allem stehe.

Wenn das nicht im Grunde so abgeschmackt und traurig wäre, könnte man beinah schon wieder über diese ganze verlogene Blender-Veranstaltung in Köln und das türkische Oberhaupt und seine verquere Logik lachen. Aber es wird einem im Halse stecken bleiben.

Consumable Correctness

February 7th, 2008 § 0 comments § permalink

Ich fahre ungern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wegen der vielen Viren und Bazillen und den Menschen, auf und in den diese sitzen. Gestern musste ich aber mal wieder.

Alles verlief tadellos, bis ich mein Mobiltelefon aus der Tasche kramte und ein älterer Herr sich schräg gegenüber so lange aufdringlich räusperte, bis ich hingucken musste. Dann hob dieser lässig eine Augenbraue und sagte für alle Mitfahrer unüberhörbar:

“Mit so einem Dreckshandy von so einer Drecksfirma würde ich nicht mehr telefonieren. Lesen sie denn keine Zeitung?”

Alle Leute guckten auf mich und mein Dreckshandy und der Rentner erwartete bei so viel Courage anscheinend Szenenapplaus. “Nein, ich guck mir immer nur die Bilder in der Zeitung an und so Massen-Autismus war ohnehin noch nie meine Stärke, aber danke für den freundlichen Hinweis.”

Das hätte ich sagen sollen, stattdessen tat ich so, als würde ich mich nicht angesprochen fühlen und verfiel ins Grübeln: Oh Allmächtiger! Warum gabst du mir nur dieses Handy von dieser gottlosen finnischen Firma? Warum gabst du mir vor diesem Schurken-Handy ein anderes ruchloses Handy von Siemens, das ich aus Angst vor Übergriffen auch schon entsorgen musste und für immer in die Handy-Hölle geschickt habe?

Damals war ich so verzweifelt und wusste nicht wohin mit meinem Wunsch nach mobilem Telefonieren, sodass ich nun bei diesem Verräter landen musste. Doch bevor ich vom Bahnsteig aus den Gang nach Fair-Trade-Canossa antreten konnte, musste ich bei mir zu Hause für Ordnung sorgen.

Ich fing bei den Lebensmitteln an, die ich in einem Laden gekauft habe, der im Bunde mit Scientology stehen soll – raus damit! Oder die Klamotten von einem schwedischen Modeunternehmen – alles Kinderarbeit in Billiglohn- und Entwicklungsländern. Die Eier im Kühlschrank – von unglücklichen Hühnern. Äpfel, Kartoffeln, Milch – von verzweifelten Bauern. Die Holzmöbel – von unschuldigen Naturhölzern. Das Katzenfutter mit Thunfisch – die armen Delphine. Körperlotion, Shampoo, Duschgel, Kosmetika – alles an wehrlosen Tieren getestet. Alles Drecks- und Teufelszeug! Pfui! Da werfe ich mich lieber ins Eva-Kostüm, ziehe in eine Höhle, trinke meinen Morgenurin und warte bis zum Frühling, um mich auf den Wiesen wälzen zu können.

Vielleicht darf ich dann aber auch mit meinem guten uralten Handy wieder unbehelligt in der Öffentlichkeit telefonieren …

Where am I?

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