Verdauung- ein heikles Thema

Ein Euphemismus ist der kleinere und freundliche Bruder der Lüge. Großen Anklang findet er überall dort, wo man Beschönigungen benötigt. Zum Beispiel in der Werbung. Mein derzeit liebstes Beispiel hierfür sind die Werbekampagnen mit linksrührenden Joghurtkulturen und den dazu passenden Joghurtdrinks.

In jedem Werbebeitrag zu dieser Sparte kann man Frauen sehen, die mit einem schmerzverzerrten Gesicht und sichtlichem Unbehagen an ihren Bauch fassen und sagen: “Du, ich fühl´ mich heute so aufgebläht.” Das bedeutet in den Bildern der Werbewelt meist soziale Isolation. Die eine Frau kann beim Ballspielen ihrer glücklichen und nicht aufgeblähten Freunde nur unter dem Baum sitzen und zugucken. Die andere wird durch ihre klügere Freundin belehrt, die ihr einen Joghurt in die Hand drückt, der ihr neue Lebensfreude ermöglichen soll.

Aus gutem Grund fragt sich der Zuschauer welche heimtückische Krankheit all diese Frauen jeden Alters so hinterrücks beschleicht und warum sie darüber bisher noch nicht bei stern tv Auskunft erteilt haben. Aber auch hier ist nur wieder der fleißige Euphemismus am Werk und hilft den Werbestrategen über solch unschöne Worte wie Verstopfung, Blähung, träge Verdauung, hinweg. Dass das kein reines Frauenproblem ist, beweist mir immer mein Nachbar sehr eindrucksvoll im Hausflur, während ich aufgrund der Gerüche halb in Ohnmacht falle.

Warum kann man denn nicht einfach sagen: “Du, ich muss heute unheimlich viel furzen und möchte deswegen nicht unangenehm auffallen. Ich bleibe lieber zu Hause.” Oder (wie der Ruhrgebietler ganz ungenant sagen würde): “Ich kann in letzter Zeit unheimlich schlecht kacken.”

Warum immer diese Umstände und irreführenden Erklärungen zu einem Thema, mit dem nun wirklich jeder ausreichend Erfahrung hat. Warum wird ständig ein großer Bogen um alles, was auch nur entfernt etwas mit Darm und Konsorten zu tun haben könnte, gemacht? Selbst im eigenen Bekanntenkreis hört dieses Genieren nicht auf. Da sagt eine Freundin auf einer Party zu mir: “Ach nee, das Chili con Carne esse ich nicht. Da bekomme ich immer so Magenprobleme von.” Ich antworte: “Stimmt ich bekomme von Bohnen auch immer Blähungen.” - Betretendes Schweigen und in die Luft gucken (Oh mein Gott, Laura furzt!).

Heutzutage kann man sagen, dass man Herpes, Schuppenflechte oder Fußpilz hat, man kann sagen, dass man hoch verschuldet ist und nun auf Herrn Zwegat wartet es zu richten, man kann sagen, dass man Deutschland sucht den Superstar guckt- niemand findet daran etwas anstößig oder ekelig. Aber wenn es dann um etwas so wichtiges wie Verdauung geht, dann tun alle so, als hätten sie sich Darm und Magen vor Jahren entfernen und an die Stelle ein duftendes Rosenbeet setzen lassen. Und zum Proktologen geht natürlich auch niemand – selbst wenn es notwendig wäre.

Selbstverständlich muss ich nicht wissen, ob mein Opa fluffigen Stuhlgang hat oder wie oft meine Mutter am Tag auf die Toilette geht, aber mal darüber zu sprechen, was man gegen Blähungen oder Verstopfungen tun kann, finde ich sehr hilfreich. Und da brauche ich keinen Joghurt, der von Doktor Kawashima mit irgendwelchen Kulturen angereichert wurde, damit es im Darm wieder fluppt.

March 30, 2008

Liebe Anne, wir sind enttäuscht! Dein Programmbeirat

Auf höchst rätselhaften Wegen gelangte eine interne und auf gar keinen Fall für die Öffentlichkeit gedachte Analyse über die ARD-Talkshow Anne Will in die Süddeutsche Zeitung. Mit Sicherheit völlig unbeabsichtigt. Ein Versehen. Unerklärlich. -Ein Fall für Mulder und Scully…

Man sei darüber enttäuscht, dass es keine Änderungen gegenüber dem Vorgänger-Format Sabine Christiansen gegeben hat, so das Zitat des Programmbeirat-Berichts. Außerdem sei Frau Will starr und wenig flexibel in der Diskussion und darüber hinaus unsicher in den Fakten. -Mit anderen Worten: Früher, in Sabines kleinem Saftladen, war alles besser.

Die Gäste langweilten sich aufrichtig. Und die Spitzenpolitiker verirrten sich meist nur in die Sendung, um einem persönlichen Bein-Fetisch, angesichts Frau Christiansens immer kürzer werdender Röcke, frönen zu können. Das aufregendste war der Blick aus dem Studio-Panorama-Fenster. Wenn man bei dieser Talkshow vor dem Fernseher keinen Schlaf fand, tat man es auch in der gesamten Sonntagnacht nicht.

Weiter bedauert der Programmbeirat das Format Hart aber fair mit Frankie Plasberg nicht auf den Sonntagsendetermin verlegt zu haben. Wie Hendryk M. Broder schon zu dieser Sendung treffend feststellte, verdiene diese eher den Namen Hart aber feige. Und die oberlehrerhaften Einschübe a la: Herr…, wir hätten da mal eine Frage…, sind nicht unbedingt besser als die bemängelten Einspieler bei Anne Will. Außerdem kommen zu Herrn Plasberg ohnehin nur die Politiker, die es karrieretechnisch eh schon hinter sich haben. Mehr als unmotiviertes Gruppenkuscheln kommt bei der Sendung also auch nicht rum.

Merke: Eine Sabine, die nur physisch anwesend ist und mit Kopf und Beinen wackelt und ein Frank, der schlauer als zehn Dumme tut, sind allemal besser als eine intelligente lesbische Frau. Vielleicht sollte die ARD jetzt einfach ihre Quoten-Nutten ins Rennen um alle zu moderierenden Sendungen schicken: Harald Schmidt für die Zielgruppen ab 40 und Oliver Pocher für den Rest….dann kann der Programmbeirat auch wieder seiner Hauptbeschäftigung nachgehen und machen, was er am besten kann: Eierschaukeln.

March 25, 2008

Von Bürokraten und Hosen

Ich hatte schon immer Probleme mit Hosen. Das fing schon in der Grundschule an. Da sollte ich auf dem Geburtstag eines Klassenkameraden doch mal zeigen, wie toll ich Ballett tanzen kann. Die spontane Kür wollte ich am Ende mit einem Spagat krönen. Der Spagat gelang aber im Schritt gab es ein für mich undefinierbares Geräusch, das alle Umstehenden mit lautem Gelächter kommentierten. Den Rest des Festes verbrachte ich sitzend.

Später probierte ich es mit Jeans-Schlaghosen. Das sah schick aus und machte einen schlanken Fuß. Bei einem Schulausflug war der Fuß aber dann doch so schlank, dass er sich in einem Hosenbein verfing, im Schlag hängen blieb und mich eine 30-stufige Treppe hinabstürzen ließ. Die äußeren Wunden verheilten, das innere Misstrauen gegenüber Hosen wuchs.

Als ich von meinem Auslandsjahr wieder nach Hause fliegen wollte, kehrte ich noch rasch in den Duty-Free Shop ein. Als ich an der Kasse endlich dran war – hinter mir standen schätzungsweise 100 Leute – ging ich schwungvoll in die Hocke und vernahm ein mir wohlbekanntes Geräusch (alle anderen vernahmen es ebenso). Dieses Mal war die Hose vom Schritt bis zum Hosenbund entzwei und ich musste mir meinen Wintermantel umbinden. Nach elf Stunden Flug hatte ich das Malheur vergessen, sprang aus dem Flugzeug, zum Kofferband, zu meinen Eltern und wurde erst an den Vorfall erinnert, als ein wildfremder Rotzlöffel rief: “Na, Sie haben aber einen schönen Schlüpfer an!”

Ab da war ich durch mit dem Thema Hosen. Es war ja ganz gleich, ob ich sie mir zu groß kaufte, aus leichtem oder ganz festen Stoff, auf Hüfte geschnitten oder Taille. Ich kann machen was ich will, diese Ausgeburt der Modehölle mag mich nicht!

Vielleicht ist das mit den Hosen genauso, wie mit Beamten – sie mögen mich nicht. Wir passen einfach nicht zusammen, haben uns in all den Jahren auseinandergelebt.

Ich kann auf ein x-beliebiges Amt kommen und es ist so, als ob per Funk schon am Eingang durchgegeben wurde: “Achtung, sie kommt! Fertig machen zum ärgern!!”

Irgendwo tauchen aus ihren Gesetzbüchern immer neue, scheinbar willkürliche Regeln auf und ich muss es ausbaden. Statt einem Amtsbesuch für eine popelige Angelegenheit brauche ich zehn und muss dann noch mit dem Sachbearbeiter Kaffee trinken gehen.

Manchmal habe ich den Eindruck die stammeln ihre Paragraphen runter, die sie sich in der Mittagspause bei einem großen Schluck aus dem Flachmann ausgedacht haben. Es weiß ja eh niemand so genau, was die da in der Amtsstube den lieben langen Tag so treiben. Hinter verschlossenen Türen werden da bestimmt wilde Partys gefeiert und wenn dann die ersten Nummern wieder aufgerufen werden sitzen alle brav, dumm, gestresst und latent aggressiv auf ihrem Bürostuhl und schikanieren unbescholtene, Rock tragende Bürger/innen wie mich.

March 25, 2008

Ein Herz für Minderheiten: Charlotte Roches Feuchtgebiete

Schon als Kind konnte ich es nicht leiden, wenn auf Leuten kollektiv rumgehackt wird. Wenn alle Kinder in der Klasse Gabi doof fanden, fand ich sie erst recht dufte. Wenn der Klassenclown Jan einen von zig Tadeln kassierte, kommentierte ich das laut in Richtung der Lehrerein mit: Dusselige Kuh.

Ich habe ein Herz für Minderheiten, für Einzelkämpfer und halte es gern mit Voltaire: “Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.” Natürlich sind Volldeppen von diesem Schutz und meiner Sympathie ausgeschlossen.

Charlotte Roche und ihr erstes Buch Feuchtgebiete gehören definitiv zu den schützenswerten Dingen dieser Tage. Im Grunde kann ich gar nicht verstehen, warum allseits die Nase gerümpft und laut im Chor: Pfui! gerufen wird. Freilich werde ich das Buch auch nicht in meine Top fünf der liebsten und besten Bücher aufnehmen, aber es wird auch nicht in der Negativ-Top-Fünf landen.

Selbstverständlich habe ich mich darüber gewundert, dass Roche nicht als erstes in Buchform über ihren früheren Arbeitgeber und die dort herrschenden Gepflogenheiten oder über die Musikindustrie erzählt hat. Nun hat sie sich aber dafür entschieden einen – zugegeben – wackeligen und platten Plot mit einer Protagonistin zu wählen, die sprachlich gesehen eine nervige Katastrophe ist. Ich wusste nicht, dass man das Wort Muschi in so zahlreichen Variationen wie: Muschihygiene, Muschiwaschen, Muschiflora, Muschigeschmack, Muschigeruch, Muschiregel, Muschihygieneselbstexperiment, Muschischleim, Muschifalten, Muschilamellen, Muschijucken, u.s.w. auf nur ein paar Seiten verwenden kann.

Auch habe ich mich nie sonderlich dafür interessiert, ob jemandem bei einer Intim-Rasur oder bei dem Herausziehen eines Haares im Intimbereich einer abgeht. Mich interessiert ferner nicht, ob und wie sich jemand gerne durch Analverkehr befriedigen lässt oder ob jemand gerne Popel, Krusten, Eiterpickel, getrocknetes Sperma, Scheidenflüssigkeit oder abgestorbene Hautschuppen isst. Es ist mir völlig egal. Und der Umstand, dass das jemand erzählt, überrascht mich auch nicht sonderlich. Der Endverbraucher von heute ist Kummer gewöhnt …

Was für einen belanglosen Mist muss man sich tagtäglich im Fernsehen oder in der Zeitung durchlesen. Da fragt auch keiner, ob es mich interessiert, dass Paul Kuhn wieder Klavier spielen kann. Ich lese es aber trotzdem und sage: Glückwunsch, Paulchen!

Interessen sind nun einmal unterschiedlich. Ich kann es schließlich auch nicht verstehen, wie sich allen Ernstes ein Buch über Monate in den Bestsellerlisten ganz oben halten kann, das nicht viel mehr als ein mittelmäßig geschriebenes Tagebuch über eine öde Wanderung ist.

Und doch muss man auch mal festhalten, dass Charlotte Roche mit ihrer Hauptfigur der Helen Memel ein kleiner Glücksgriff gelungen ist. Sie lässt dieses junge Mädchen lauter schockierende und abstoßende  Dinge sagen und trotzdem treiben diese den Leser nicht von dieser Figur weg. Geschickt werden Sequenzen eingestreut, in denen man erahnen kann, dass die liebsten Hobbys dieses großen Teenagers nicht nur ficken, saufen und popeln sind. Helen züchtet Avocadobäume. Dieses Hobby sieht sie als Kinderersatz. Erst vor kurzem hat sie sich sterilisieren lassen, um den familiären Kreislauf der Nervenschwäche, Gestörtheit und des Unglücklichseins zu durchbrechen: “Ich kann nämlich nur noch Avocadobäume kriegen. Bei jedem neuen Baum muss man fünfundzwanzig Jahre warten, bis er selbst wieder Früchte trägt. Ungefähr so lange muss man als Mutter auch warten, bis man Großmutter wird.”

Es sind genau diese Stellen, die wie Brandraketen im ganzen Text immer wieder aufleuchten und dem Leser vermitteln, dass er da nicht von einer Nymphomanin und ihren Geschichten unterhalten wird. Helen Memel ist im Grunde und hinter diesen ganzen ausgiebigen und widerlichen Beschreibungen ein kleines, verunsichertes, enttäuschtes, armes Scheidungskind-Würstchen, bis zu den Haarspitzen voll mit Komplexen, Traumata und Zwängen.

Und, wie um hinter diese Einsicht ein Ausrufezeichen zu setzen, sagt Helen über sich: “Ich wurde von meiner Mama zu einer sehr guten Lügnerin ausgebildet. Sodass ich mir alle Lügen sogar selber glaube.” Was kann man diesem Mädchen überhaupt glauben?

Diese Frage bleibt, auch nachdem man das Buch ausgelesen hat. In erster Linie denkt man an die Helen Memel, die mit ihrem Leben, ihren Eltern und ihrer Vergangenheit nicht klarkommt und nicht an die Helen, die in den Puff geht.

In Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten heißt es an einer Stelle: “Geben sie uns zum Anfang eine Geschichte von wenig Personen und Gegebenheiten [...] in der die Menschen erscheinen, wie man sie gern mag, nicht vollkommen, aber gut, nicht außerordentlich, aber interessant und liebenswürdig. Ihre Geschichte sei unterhaltend [...] und hinterlasse uns einen stillen Reiz weiter nachzudenken.” – Mission erfüllt, Frau Roche!

March 22, 2008

Die Telekom – oder sie wissen nicht was sie tun!

Bei einer Krake habe ich mich aus biologischer Unkenntnis oft gefragt, ob das Große in der Mitte wohl weiß, was der Rest so macht. Ist ja bestimmt nicht leicht so viele Arme (oder Beine?) zu koordinieren, da kann schon mal was unbemerkt aus der Reihe tanzen. Bei der Telekom scheint es ein ähnliches Kraken-Prinzip zu geben. Ich habe einen ganz einfachen, unbescholtenen Anschluss, der jeden Tag brav seine Arbeit macht und niemandem etwas tut.

Das passte der Telekom scheinbar nicht und ich wurde wochenlang regelmäßig von irgendwelchen Menschen angerufen, die mir das Telefonieren und Surfen einfacher machen wollten. Manchmal habe ich mir zum Spaß den ganzen Quatsch angehört, um am Ende zu sagen: “Ach nee, lassen se mal. Ich wechsle bald zu Arcor. Das lohnt nicht mehr.”

Und trotzdem ging es immer weiter, bis ich schließlich einwilligte den XXL-Spar-Surf-and-Comfort-DSL 50000-Wireless-Super-Anschluss-Tarif zu wählen. Hierfür schickte man mir Zubehör, welches ich ganz leicht selber installieren könnte. Konnte ich aber nicht. Also rief ich kostenpflichtig bei einer Nummer der Telekom an. Der Mitarbeiter sprach in einem breiten ostdeutschen Dialekt und hatte einen Sprachfehler- ich verstand nichts! Da ich schnell die Geduld bei technischem Schnickschnack verliere, packte ich den ganzen Kram wieder ein und schickte ihn Retour.

Nach ein paar Wochen bekam ich meine Monatsrechnung, auf der wurde ganz normal, so als ob ich diesen Tarif nutzen würde, abgerechnet. Die Dame von der Telekom erklärte mir, dass das Paket nie angekommen sei und ich deswegen nun den Tarif und die vertraglich festgelegten Leistungen im vollem Umfang zahlen müsse, es sei denn ich hätte den Retour-Schein noch. Hier kamen mir meine guten alten ostpreussischen Gene zugute: Kind, wirf nichts weg!

Ich faxte also den Schein durch, sagte ich wolle gern wieder normal telefonieren, ohne XXL-Home-Zone-Spar-und Komfort-Trallala und dachte die Angelegenheit sei erledigt. Stattdessen bekam ich drei Wochen später ein Schreiben, in dem man mir zu meinem neuen Vertrag Call-Time-Speed-Wireless 2000 gratulierte. Am Telefon sagte man mir, den hätte ich vor einer Woche am Telefon abgeschlossen. Da war ich allerdings im Urlaub. Egal, der Mitarbeiter pochte darauf, dass ich diesen Vertrag abgeschlossen hätte.

Um das Ganze zu verkürzen und meine unzähligen Wutausbrüche auszusparen: Nach vier Wochen, schätzungsweise 50 Telefonaten (meine Mutter war schon ganz pikiert, da ich mit der Telekom mehr telefonierte als mit ihr), sagte man mir in irgendeiner Zentrale in München, dass manche Call-Center-Mitarbeiter wohl einfach irgendwelche Verträge im Namen des Kunden abschließen und hoffen es fällt dem Kunden bis zur Widerrufsfrist nicht auf. Danach hätte man dann auch keine echte Chance aus so einem Vertrag wieder rauszukommen. Die Dame entschuldigte sich am Telefon und ich äußerte den Wunsch nie wieder von irgendeinem Telekom-Mitarbeiter angerufen zu werden. Scheinbar hat man sich diesen Wunsch zu Herzen genommen.

Ich bleibe trotzdem Kunde bei der Telekom, weil ich ja nun ein halbes Studium zu Tarifen, ihren Bezeichnungen, Preisen den Hierarchien der Telekom und den Machenschaften absolviert habe, sodass ich mich nun schwerlich in ein anderes Telekommunikations-Unternehmen einarbeiten könnte. Mir fehlt schlicht die Zeit alle Arme und Beine eines Unternehmens zu begutachten und mir zu überlegen, wo sie als nächstes hinpacken, um mich – ihren geschätzten Kunden – zu schröpfen und zu veralbern.

March 20, 2008

Und die Heidi sprach: Fit sollt ihr sein!

“Ich sag meinen Mädchen immer: Ihr müsst fit sein. Das ist die Hauptsache.” Hört man diesen Satz so pur, ohne dass man weiß wer ihn gesprochen hat und wo und in welchem Zusammenhang dies geschehen ist, könnte man annehmen, es ginge um Nutten in einem Puff. Und die Puff-Mutti höchst persönlich hätte gesprochen.

Stellt man sich aber eine Minni-Maus Stimme auf Helium dazu vor und den Gesprächspartner Reinhold Beckmann, kommt man ganz schnell auf die Lösung: Heidi Klum äußert sich zu den jungen Frauen in ihrer neu aufgelegten Sendung Germany´s next Topmodel. Die müssen keineswegs eine Essstörung haben, um an dem Spektakel teilzunehmen, will Heidi uns mit dem Satz beruhigen.

Zum einen ist das natürlich absolut richtig. Denn was die jungen Damen unbedingt brauchen ist etwas ganz anderes: Einen IQ unter 60, wenig Selbstwertgefühl, keine Aussichten auf eine geregelte Arbeit oder Ausbildung, den Hang zum Exhibitionismus und ein Alter, das möglichst unter 20 Jahren liegt.

Zum anderen ist dieser Satz jedoch völlig falsch (wie auch Herr Beckmann schmunzelnd feststellte). Was ist denn fit? Ausdauer- oder Leistungssportlerinnen kann sie damit ja wohl kaum meinen. Denn die haben mit Sicherheit keine Model-Figur. Um Sport auf einem gewissen Niveau ausüben zu können, braucht man nämlich Kraft-Reserven. Hat schon mal jemand Kate Moss durch den Hyde-Park joggen sehen? Nein! Und wenn ja, wird sie wie ein Maikäfer gepumpt haben. Und andersherum: Hat schon mal jemand Anni Friesinger auf den Laufstegen von Paris gesehen? Nein! Denn allein ihr Beinumfang entspricht dem gesamten Körperumfang eines Magermodels. Und ein Kleid nur so am Bein baumelnd durch die Gegend zu tragen fördert nicht gerade die Verkaufszahlen der Modehäuser.

Ich denke Frau Klum meint da etwas anderes. Mir ist da noch im Gedächtnis, wie Frau Klum im Fernsehen stolz ihre widergewonnene Figur erklärte. Natürlich wird bei dieser Diät pseudomäßig gesportelt, aber in erster Linie wird auf das Essen geachtet. Mehr als eine Portion Spinat, ein paar Mandeln und fettfreiem Joghurt am Tag dürfen nicht verspeist werden. – Da denke ich, wäre Bulimie eine echte Alternative.

Natürlich meint das unser Fräulein Wunder-Heidi nicht. Essstörungen gibt es in ihrer Sendung nicht. Die Mädels dürfen sogar mal an einer Tüte Chips riechen, ne halbe Krabbe essen oder ein Stück Schokolade ablecken. Wenn die Disziplin dann aber all zu viel zu wünschen übrig lässt, hat Heidi eine neue Geheimwaffe. Dann kommt der Quoten-Farbige. Nein, leider nicht Bruce. Der wurde jetzt gegen ein Model, Marke Fitnesstrainer ersetzt und zeigt den Mädchen, wie sie endlich fit werden können (das sind aber auch alles unförmige, fette Schweine! Pfui!!).

Ich wette bald wird Heidi auch nicht davor zurück schrecken ein Buch mit den wertvollsten Tipps zu einer Fit-aber-vollkommen-gesund-Figur herauszubringen. Natürlich mit den passenden Trainingsklamotten dazu. Und den passenden Energie-Getränken. Und ein paar Energie-Riegeln. Und dem passenden Mp3-Player im Heidi-und-Seal-Design. Mit der passenden Fit-Musik von Seal. Und dem passenden Auto, um zum Training zu fahren. Und dem passenden Parfum, damit man beim Sport auch gut riecht … Und dem passenden Hirn, damit man sich nicht verarscht vorkommt.

March 18, 2008

Lassen Sie mich durch! Ich bin wehleidiger Hypochonder!

Früher als Kind bin ich wegen jedem Zipperlein zum Arzt gerannt. Heute koste ich meine Krankheiten im Stillen aus und nähre mit Medizinbüchern meine angeblichen Leiden. Rein theoretisch hatte ich schon nahezu jede Krankheit. Besonders die tückischen, auf die der Arzt wegen ihres Seltenheitsgrades nicht auf Anhieb kommt.

Als Kind behauptete ich voller Überzeugung ich hätte Staupe. So ein Fauxpas würde mir natürlich nach meinem heutigen Wissensstand nicht mehr passieren.

Ich besitze drei riesige Medizinbücher. Unsere Familie hat sich in verschiedene Fachgebiete durch eingehende Recherche eingearbeitet: Meine Mutter und meine Schwester sind auf den Gebieten der inneren Medizin, Herz-, Kreislauferkrankungen und Störungen des Nervensystems, sowie psychische Erkrankungen sehr firm. Mein Vater kennt sich mit Brüchen, Verstauchungen, Prellungen, Blinddarmerkrankungen und dem ordnungsgemäßen Verbinden von Wunden prima aus. Meine älteste Schwester weiß auf dem Gebiet der Chiropraktik gut Bescheid. Und ich habe mich der Homöopathie verschrieben. Kollektives Blutdruckmessen an Geburtstagen gehört bei uns genauso zum guten Ton, wie Diagnostik per Telefon.

Selbstredend sind wir so schon lange über den Status hinaus jeden Mist zu glauben, der in Medien flächendeckend verbreitet wird. Gegen Panikmache sind wir immun. Zum Panik machen brauchen wir keine Gesundheitssendung oder einen Artikel in der Zeitung, eine Familienfeier reicht da völlig aus.

Meine Mutter äußerte einmal den frommen Wunsch, sie möge es nie mehr erleben, dass ich je wieder in ein Krankenhaus eingeliefert werden müsste. Als siebenjährige lag ich zwei Wochen im Krankenhaus. Von dem Zimmer der Kinderstation aus hatte man einen herrlichen Blick auf das gegenüber liegende Bestattungshaus. Als ich dies entdeckte war mir klar: Ich werde hier in diesem Krankenhaus elendig sterben. Als die Operation dann gut überstanden war und ich dachte nach meiner Aufwachphase wieder Herr meiner Sinne zu sein wollte ich fliehen. Der Versuch misslang kläglich und die dicke Krankenschwester fixierte mich mit den Armen am Gitterbett (weil ich mir unglücklicherweise den kompletten Tropf aus dem Arm gezogen hatte).

Die Süßigkeiten, mit denen sich meine Mutter und meine Schwester nach dem Vorfall sorgenvoll über das Bett beugten verfehlten ihre besänftigende Wirkung gänzlich. Es war mir untersagt in den nächsten Tagen feste Nahrung zu mir zu nehmen. So kam es, dass man dann auch noch meine Beine für einige Stunden ans Bett binden musste….
Ganz aktuell habe ich heute eine Erkältung/ schwere Grippe in meinem Körper begrüßen können. Vielleicht ist es aber auch die Vogelgrippe. Vor zwei Wochen hat mir ein Asiat in der Bahn ausgiebigst in den Nacken gehustet … Tröpfcheninfektionen sind was widerliches … Gliederschmerzen auch … – ich leide.

March 13, 2008

Axel, Axel…

“Menno!” sagt der Axel trotzig,
zieht am Ärmel den Herrn Rat,
zeigt auf die bösen Buben und sagt:
“Die ärgern mich arg, Herr Rat!
Sie lächeln und tun, als wär´s recht,
doch ihre Worte sind ganz und gar schlecht!”

Der Rat überlegt und meint frostig:
“Das wahre Wort hat Gewicht,
das falsche BILD eben nicht.”

March 13, 2008

Da leben, wo andere nur parken wollen

Ich lebe angrenzend an die Dortmunder Innenstadt, die für ihren schönen alljährlichen Weihnachtsmarkt, das tolle Messezentrum, die Westfalenhallen, die Philarmonie und das Westfalenstadion geschätzt wird.

Deswegen kommen auch immer gern zu besonderen Anlässen, wie etwa einem Heimspiel von Borussia Dortmund, Menschen von überall her und fallen regelmäßig über meinen Bezirk wie die Heuschrecken her. Statt fünf Euro für einen schönen, geräumigen, legalen und bewachten Parkplatz zu investieren, wird sechs Stunden vor Anpfiff in den vielen kleinen Straßen rund ums Stadion ausgeschwärmt.

Dass das natürlich ein gefundenes Fressen für die fleißigen Bienchen des Ordnungsamtes ist, die an solchen Tagen ihr Soll für den ganzen Monat einfahren, versteht sich von selbst. Manch einem wird das aber leider erst dann bewusst, wenn er nach Spielende sein Auto sucht …

Meinen Tagesablauf habe ich längst auf die Mangelware Parkplatz abgestimmt. Nie komme ich später als 17.00 Uhr nach Hause- ein sozial integriertes Leben ist so nicht mehr möglich. Ich vereinsame. Um aus dieser Isolation auszubrechen, stelle ich mich auf meinen kleinen Balkon, der zur Straße zeigt. Gerne unterhalte ich mich mit den Damen und Herren vom Ordnungsamt und lasse mich über Phantasie-Straßenordnungen informieren, wie zum Beispiel diese: Ein Parkverbotsschild mit dem Verweis : 7-14 Uhr bedeutet in einer 30er Zone nicht, dass man von 7-14 Uhr hier nicht parken darf, sondern, dass man in dieser Zeit hier noch nicht einmal zum be- und entladen halten darf. Das Parkverbot gilt immer. Die Frage, was das mit einer dreißiger Zone zu tun habe, konnte mir die engagierte Dame (die fleißig den an dieser Stelle parkenden Autos jeden Tag Tickets ausstellt) nicht beantworten.

Zur Sicherheit hat die Stadt Dortmund aber nun neben dem 30er Zonen Schild noch ein Spielstraßenschild aufgestellt. Ob man nun mit 30 durch die Spielstraße, statt mit Schrittgeschwindigkeit, fahren darf oder was dieser Schilderwald sonst bedeuten soll konnte man mir auf dem Ordnungsamt nicht beantworten. Jedoch meine Bitte um einen Anwohnerausweis konnte man mir ganz klar beantworten: Mit einem schallenden Gelächter und dem Hinweis mein Auto doch in irgendeinem Vorort zu parken und dann mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu fahren.

- In Zukunft werde ich es wie die meisten gut betuchten Düsseldorfer machen: Ich parke mein Auto in zweiter Reihe, schalte die Warnblinkanlage an, demontiere die Nummernschilder und kehre nie wieder zurück…

March 10, 2008

Martin Walsers Altersgeilheit in Buch- und Goetheform verpackt

Gestern Nacht in der ARD traute ich meinen müden Augen und Ohren kaum. Nicht wegen diesem seltsamen Mann, der Bücher vorstellt, als wäre er Vorsitzender des laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweiligsten Buchclubs der Welt, sondern wegen Martin Walsers neuem Buch “Ein Liebender Mann” (könnte dem Titel nach auch von Rosamunde Pilcher stammen).

Natürlich sollte man das, worüber man spricht genau kennen, bevor man es zum Nasebohren findet. Aber in diesem Fall kann man, denke ich, getrost eine Ausnahme machen. Zum ersten frage ich mich: Hält Martin Walser zehn kleine Trolle und Klabautermänner bei sich gefangen, die ihm seine Bücher schreiben müssen? Anders kann ich mir das rasante Tempo des 80-jährigen in dem er Bücher schreibt und veröffentlicht nicht erklären.

Wenn man sich dann allerdings dieses Thema beguckt, welches er für seinen neusten Streich ausgewählt hat, wird die kurze Zeit des Schreibens und Schaffens erklärbar. Man könnte meinen Herr Walser ist das männliche Pendant zu Sigrid Damm (wer sich einen großen Gefallen tun möchte liest bitte nicht Goethes letzte Reise).

Seltsam jedoch, dass man (u.a. der Spiegel) sich letztes Jahr noch über die Fülle der unnützen Bücher über Weimar, Goethe und die üblichen Verdächtigen echauffiert hat, die ja allesamt von wenig qualifizierten Frauen geschrieben seien.

Anders natürlich das Buch Martin Walsers, das er mit großem Tamtam sogar in Weimar vorstellen durfte. Wieder einmal geht es um Goethes Lieben. Um seine letzte Liebe Ulrike Levetzow. Sie 17 Jahre, er 74 Jahre. Er macht ihr einen Heiratsantrag, sie lehnt ab. Die Marienbader Elegie und weitere kleinere Gedichte und Verse sind das Ergebnis des Versuchs Goethes gegen das Alter und das Lebensende ein Mittel, nämlich das der temporären Verjüngung, zu finden. Walser schließt in diesem Buch die Kluft, die zwischen Fakt und Phantasie herrscht. Und immer wenn Autoren anfangen Fakten mit Fiktion zu mischen, kann es kitschig, albern und hanebüchen werden und man fragt sich: Muss das sein? (Dann lieber wie Christa Wolf in Kein Ort. Nirgends. -)

Hat Goethe es verdient, dass man ihm so etwas an den faltigen Hals dichtet: “Aber da zwischen den weich und nachgiebig werden wollenden Lenden, sein Geschlechtsteil, das ein Leben lang den Ehrgeiz hatte, das Ganze zu sein. [...] Er sollte nur noch wünschen und tun, was dieses Teil wollte.” Warum meint ein alter Mann, er könne sich prima in Goethe hineinversetzen, seine Gedanken denken, seine Ideen, seine Sprache nachformulieren? Soll Herr Walser doch ein Buch über seine eigene Altersgeilheit schreiben!

Würde Goethe heute noch leben, wäre er wohl in der gleichen Star-Kategorie wie Britney Spears. Am Frauenplan hätte er keine ruhige Minute mehr. Selbst im Garten am Stern würden die Fotografen in den Bäumen hängen und in Marienbad säße hinter jedem Busch ein VIP-Reporter. Frauke Ludowig würde gern mal sein Haus sehen, Kerner ihn zu seiner neusten Liebschaft befragen und Frau Radisch würde seine Bücher mit: Früher war er besser, abtun.

Gut für Goethe, dass er schon lange tot ist. Nicht nur wegen Frauke, sondern auch wegen Walser und Co, die am liebsten jede Pofalte von dem Dichter ausleuchten wollen, um am Ende so einen mittelmäßigen Schmarrn zu schreiben.

March 3, 2008

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