Eine ganze Branche mutiert zum Frohsinn

Beerdigungsunternehmen haben begriffen, was zählt: Ein Toter gibt kein Geld aus. Und Hinterbliebene nehmen statt edlen Hölzern lieber das Vorführmodell aus Birke (ohne Polsterung).

Dementsprechend schickt sich eine ganze Branche immer mehr an mit ausgefeilten Marketingstrategien den Tod schon bei Zeiten zu integrieren, ihn salonfähig zu machen. Der Tod soll aus seinem Stiefkindtum endlich befreit werden: Memento mori, Freunde des morbiden Realitätssinns!

In der Zeitung sind dieser Tage auch zahlreiche Anzeigen geschaltet, die zum ungezwungenen Probeliegen in angenehmer Atmosphäre einladen (Sekt und Beratungsgespräch inklusive). Ja, es ist mittlerweile sogar unter den Rentnern etwas abschätzig die Rede von „Trauer-Tupper“ (Tanz-Tee war gestern). Auf diese Weise füllt manch Renter den ein oder anderen noch nicht freizeitlich gestalteten Tag.

Und sogar ich fühlte mich seltsam berührt durch folgende Anzeige: „DAS ENDE…vom Lied: Sorgen sie noch zu Lebzeiten ihren persönlichen Wünschen entsprechend vor. Nehmen sie die Last von ihren Hinterbliebenen! Wir beraten sie gern!“

Was soll man dazu sagen? Da öffnen sich plötzlich ganz neue Welten für die Werbeindustrie. Ein ganzer Wirtschaftszweig darf nun endlich blühen. Ich frage mich, wer wohl Werbeikone auf diesem Feld wird. Günther Jauch könnte ich mir sehr gut mit seriöser Miene auf einer Couch mit Rotweinglas sitzend vorstellen, wie er nachdenklich ins Kaminfeuer schaut, sich zur Kamera dreht und sagt: „Für den Kauf eines jeden Sarges gehen zwei Euro an das Projekt: Rettet deutsches Markenbier.-Sterben auch sie und tun dabei noch Gutes! Ihr Bestatter zählt auf sie!“

Vielleicht bietet sich aber auch ein schöner Klingelton in Verbindung mit einem Sterbe-All-Inklusive-Paket an. Statt einem Frosch oder einem singenden Küken würde ich allerdings einen Holzwurm oder einen Regenwurm mit umgebundener Serviette empfehlen.

Ich werde mich jedoch auch durch solch perfide Werbe-Tricks nicht blenden lassen. Da halte ich es lieber, wie die Majorität der Großeltern-Generation: „Kinder, ich hab´schon für meine Beerdigung gespart. Mein Tod soll euch nicht arm machen.“-Mit dem Tand sollen sich dann andere beschäftigen. Einziger Wunsch meinerseits: Bitte kein Eric Clapton!

 

May 25, 2008

Borussia Dortmund und die Trainerfrage im Traumfänger…

Letzte Nacht hatte ich einen mysteriösen und aberwitzigen Traum mit sportlichem Hintergrund. Als ich durch das Dortmunder Nachtleben ging, begegnete mir Thomas Doll, der gerade seine Lieblingsdiscothek im Achselshirt verließ und tanzend vor sich hin brabbelte: “Da lach’ ich mir doch’n Arsch ab, wenn ich das höre … ich? Und nicht auf den Boxen tanzen dürfen? Da lach´ ich mir doch den Arsch ab, Freunde …” Mir war selbst im Traum klar, dass das nur eins bedeuten konnte: Einen leisen Abgang und somit die Frage, wer trainiert das Häufchen Elend in Dortmund weiter. Irgendwer muss es ja schließlich tun.

Die Antwort blieb mir der Traum nicht lange schuldig. Vor dem Westfalenstadion rollten sie schon den roten Teppich aus und hefteten sich Jürgen Klopp-Buttons ans Revers. Unter Konfetti-Regen sprachen sie im Chor: “Isch bin a Meenzer Bübsche, isch hock net gern im Stübsche …“

Am Stadion Rote Erde hingegen fand ein konspiratives Treffen statt und ich sah in der Mitte der Menschenansammlung Abgesandte des 1.FC Köln stehen, die fragten, ob wir einen Klopp gegen einen Daum tauschen würden. Entzückt rollten alle Beteiligten wild mit den Augen und klebten sich einen dezenten Schnäuzer unter die Nase.

Verwirrt von den vorherigen Bildern ging ich zur Wiege des BVB, dem Borsigplatz, um dort Trost zu finden. Auf einer Parkbank saßen dort Werner Lorant und Mario Basler. Sie rauchten und gaben ein paar jugendlichen Fußballspielern unter lautem Husten Tipps: “An den Mann, an den Mann … Mensch! In den Mann! Blutgrätsche kennt ihr Geigenzeisige wohl gar nicht mehr, was? Was heißt hier: Fair geht vor? Da kannste gleich aufs Mädchenpensionat gehen. Was hast du? Schmerzen im Bein? Bänderdehnung? Muskelanriss? Ich drück mal gleich meine Zigarette auf deinem Oberschenkel aus und der Onkel Mario versohlt dir mit seiner Adi-Lette den Hintern, bis’de endlich wieder mal deinen Arsch Richtung Tor schwingst …!“

Als ich diese beiden da so einträchtig sitzen sah und ihre wohlgeformten Worte vernahm wusste ich, was Borussia Dortmund fehlt: Ein Trainer und ein Co-Trainer, die keine psychologischen Gespräche mit ihren Spielern führen und sie nach jeder Auswechslung am Arsch tätscheln. Der BVB braucht zwei Trainer, die das Potential haben in den Wahnsinn zu verfallen, die durchdrehen wenn es nicht rund läuft, bei denen man nicht weiß, ob sie ihre Medikamente heute schon bekommen haben, die jede Woche eine Trappatoni-Pressekonferenz abhalten, wenn ihnen der Sinn danach steht. Zwei Trainer, die vor laufenden Kameras schlechte Zeitungsberichte aufessen und Uli Hoeneß als das ansehen, was er ist: Eine kleine verbrutzelte Rostbratwurst.

Und da erschien mir plötzlich ein Fußball-Engel, der genau über Lorant und Basler schwebte. Da wachte ich auf und hoffte, dass dies nicht nur ein Traum bleiben würde. In den Abendnachrichten haben sie zumindest schon einmal den Rausschmiss von Doll verkündet …

May 19, 2008

NEID

Im Moment kann ich “Rebellen ohne Markt” schwer ertragen. Da wird mir als Frau immer nur wieder vor Augen geführt, dass ich eine Versagerin bin. Bezüglich der sekundären Geschlechtsmerkmale (die ich – bar jeden biologischen Wissens – so definiere: Kochen, Säubern und Drappieren), versage ich auf ganzer Linie.

An manchen Tagen frage ich mich sogar prüfend, ob ich denn überhaupt noch zur Frau tauge. Und all diese nagenden Zweifel einzig wegen ein paar Bildern und einem Text, der genau das Gegenteil von dem vermittelt, das man da sieht: Alles leichtfüßig, mal eben aus dem Nichts gezaubert, der Rede im Grunde gar nicht wert, gibt’s hier jeden Tag…

Die Käse-Tomate-Bärlauch-Brötchen trieben mir die Zornesröte ins Gesicht. Bei mir reicht’s technisch nur für den guten alten Käseigel oder ein paar Schnittchen mit Gewürzgurken. Früher habe ich mal in Radieschen das Relief von Rosen geschnitzt. Aber das ist lange her. Der Versuch Bärlauch in meinem Balkonkasten zu züchten scheiterte zuletzt kläglich.

Backen kann ich auch nicht. Von meinen selbstkreierten Goethe-Plätzchen ist der einen Hälfte schlecht geworden und der Rest starb an einer Staublunge. Wenn ich Kuchen zu Geburtstagen mitbringe, lasse ich heimlich meine Schwester welchen backen und behaupte, ich hätte Stunden in der Küche zugebracht.

Warmes Essen nehme ich vorzugsweise nur außerhalb meiner vier Wände ein. Die Überlegung meinen Herd durch ein Schuhregal zu ersetzen oder unter zu vermieten nimmt immer konkretere Formen an…

Putzen kann ich zwar ganz gut, allerdings mache ich um das Silber immer einen verdammt großen Bogen. Wenn jemand fragt, warum die Leuchter braun glänzen, behaupte ich: Das muss so sein. Das ist nämlich Provence-Landhausstil.

Prinzipiell hat mir diese Art von hausfräulichem Autismus nie etwas ausgemacht. Bis ich all diese drappierten Köstlichkeiten bei Rebellen ohne Markt gesehen habe. Seither verspüre ich beim bloßen Gedanken an diese Bilder Neid, Scham und vor allem: HUNGER!

[Abwesenheitsnotiz] Aus diesem Grund bin ich die nächsten 14 Tage in einem Bootcamp. Nicht für Freizeit-Terroristen, sondern für untalentierte Menschen, die nicht Kochen können. – Das ist so demütigend! Ich hoffe danach ein besserer Mensch zu sein …

May 6, 2008

Im ernsten Beinhaus war´s – Friedrich S. und seine sterblichen Überreste

Die Mühlen der Klassik Stiftung Weimar mahlen langsam. Man könnte meinen, das sei überall da so, wo Studierte und Beamten zusammentreffen. Aber das ist ein anderes Thema…

Lange Zeit hatte sich die Stiftung geweigert der Frage nachzugehen, wer da tatsächlich in der Fürstengruft im Sarg liegt. Dass es Schiller sein würde, daran glaubten wohl bis zuletzt nur die, die auch sonst ein sehr sonniges Gemüt haben. Heute wissen wir es dank DNA-Test  ganz genau: Nein, Schiller –oder Teile von ihm- liegen nicht in dem Eichensarkophag, der neben Goethes steht.

Die Chronik der Ereignisse ließ dies auch nicht wirklich vermuten:

Am neunten Mai 1805 starb Schiller. Goethe, der mit ihm „ einen Freund und in demselben die Hälfte meines Daseins,“verliert, trifft dieses Ereignis hart. Mit ihm hatte er sich ein Jahrzehnt in nahezu allen literarischen Fragen freundschaftlich ausgetauscht. Goethe ist kein Freund von endgültigen Trennungen. Sein Verhältnis zum Tod ist zeit seines Lebens als problematisch zu betrachten. Stets ist er Sterbelagern ferngeblieben, wollte die aufgebahrten Toten nicht ein letztes Mal sehen, mied Begräbnisfeiern und besuchte keine Grabstätte. Charlotte von Stein hatte im Falle ihres Ablebens sogar verfügt, ihren Sarg nicht an Goethes Haus am Frauenplan vorbeizutragen, um ihn zu schonen.

Goethe ändert dieses Verhaltensmuster auch anlässlich Schillers Tod nicht: Weder begleitet er den Sarg zum Kassengewölbe des Jakobskirchhofs, noch nimmt er an der kirchlichen Trauerfeier teil. Eine Rechtfertigung für dieses Verhalten, das zu seiner Zeit (und später in einigen zweifelhaften Schriften) sehr zum Argwohn aller Ortens beitrug, findet man in folgenden Worten gebündelt: Die Zeichen des Todes soll man meiden, damit man seiner höchsten Bestimmung nicht untreu wird: Zu leben, um zu wirken.

 Genau 21 Jahre später allerdings wird der Tod des Freundes wieder allgegenwärtig. Als man 1826 Platz im Kassengewölbe für neue Beisetzungen schaffen möchte (vor Schiller wurden dort 52, nach ihm 24 weitere Särge beigesetzt), möchte man bei dieser Gelegenheit auch den Sarg Schillers bergen, um ihn an angemessener Stelle beizusetzen.

Nach einem Bericht des bei der Suche anwesenden Weimarer Bürgermeisters Schwabe, durchwühlte man ein „Chaos von Moder und Fäulnis“. Die Särge waren zerborsten und die Leichen in Verwesung übergegangen. Schließlich kann man 23 Schädel bergen. Nach Vermessungen an den Schädeln, die sich an einer Schiller-Büste des Bildhauers Ludwig Klauer orientierten, entscheidet man sich schließlich für einen Schädel.

 Goethe, der die Oberaufsicht über alle Anstalten für Wissenschaft und Kunst des Großherzogtums zu jener Zeit führte, lässt sich den Schädel in sein Haus bringen, wo er bis zum Sommer 1827 auf einem blauen Samtkissen und unter einer Glasglocke aufbewahrt wird. In dieser Zeit entsteht Goethes Gedicht „Im ernsten Beinhaus war´s“, in welchem er dem nahen Freund ein Denkmal setzt und seine Ansichten zu Leben und Tod bündelt.

Am 17. September 1826 versammelte sich eine ausgesuchte Runde in der Großherzoglichen Bibliothek, um die Gebeine Schillers in einem verschließbaren Behältnis unter der Schiller-Büste Danneckers beizusetzen.- Eine Bestattung, die recht unchristlich und fern ab vom Auferstehungsgedanken daher kommt.

 1883 war mit diesem Reliquien-Kult schluß, als Hermann Welcker den Schädel mit Schillers Totenmaske verglich und feststellte, dass die jeweiligen Komponenten eindeutig nicht übereinstimmten.

1911 schließlich kann August von Froriep aus dem mittlerweile zugeschütteten Kassengewölbe 63 weitere Schädel bergen. Nach eingehenden Untersuchungen wird ein Schädel  als der Schillersche identifiziert. Gutachter der Anatomischen Gesellschaft bestätigen diesen Fund.

 Letzte Zweifel keimten noch einmal im Jahr 1961 auf, als der russische Anthropologe Michail Michailowitsch Gerassimow den angeblichen Schiller-Schädel mit Hilfe von wächsernem Kitt rekonstruierte und so ein Gesicht erkennbar machte.Seither weigerte sich die Klassik Stiftung Weimar etwas hölzern eine DNA-Analyse vorzunehmen und den Spekulationen ein Ende zu bereiten. Wahrscheinlich, um eine Situation, wie sie sich jetzt darstellt, zu vermeiden: Wo sind die sterblichen Überreste Schillers? Und wessen sterbliche Überreste befinden sich in den beiden Särgen der Fürstengruft? Goethe konnte all dies schon zu Lebzeiten gleichgültig sein, denn Schiller war für ihn nicht in irgendeinem Kassengewölbe zu suchen: „Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen/ Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre.“

May 5, 2008

May 1, 2008

Trödel – Liebe rostet nicht!

Es gibt Dinge, in die verliebt man sich und niemand Aussenstehendes kann verstehen warum. Ich verliebe mich oft in Dinge, die andere als alten Plunder abtun. Ich verliebe mich zum Beispiel regelmäßig in alte Bücher. Je mehr Muff, Stockflecken, Bleistiftnotizen und Eselsohren, desto besser. Ich mag es, wenn man einem Buch ansieht, daß mit und in ihm gelebt wurde. Sich vorzustellen, was dieses Buch erlebt hat, wo und bei wem es einmal gestanden hat, regt zu phantastischen Geschichten an.

Diese Bücher – Besessenheit hat mir mittlerweile zu einer gut ausgestatteten kleinen Bibliothek verholfen. Von Andersen bis Zola findet man hier beinah alles, was bis zur Mitte des 20sten Jahrhunderts geschrieben wurde. Neuere, im Laden gekaufte, Exemplare müssen sich erst durch Teeflecken und wilde Notizen bewähren, bis sie in das Bücherregal vorstoßen dürfen.- Einzig aus Respekt unberührt ist und bleibt die Sophien-Ausgabe von Goethes Gesamtwerk. Aber die ist auch nicht vom Trödel.

Während ich früher unkontrolliert alles, was mir drollig vorkam auf dem Flohmarkt hemmungslos ersteigert habe, so suche ich heute gezielt. Man muss etwas sammeln, wenn man regelmäßig auf Flohmärkte geht und nicht in einer vermüllten Wohnung enden will. Am besten sammelt man Dinge, die nicht einfach zu finden sind.

Im Moment sammel ich alte Kästchen aus Holz, mit Samt, Stickereien oder grazilen Beschlägen. Die sind nicht wertvoll, dafür aber sehr dekorativ und mit Stauraum für weiteren Nippes.

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Außerdem suche ich seit Jahren ein altes Stehpult, konnte bislang aber nur auf einem Flohmarkt in Spanien ein Reisepult- den Laptop der guten alten Zeit- erstehen. Trotzdem finde ich es nicht schlimm, dass diese Suche schon einige Zeit in Anspruch genommen hat. Und für meinen Geschmack kann dieses beständige „auf der Pirsch“ sein noch länger andauern. Denn hätte ich ein Stehpult, müsste ich mir etwas Neues überlegen, das ich suchen könnte.

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Auf Flohmärkte werde ich demnach noch eine ganze Weile gehen. In Antik-Läden hingegen nicht mehr. Zum einen, weil ich definitiv kein winziges Fleckchen für Möbel mehr frei habe (obwohl….ein, zwei Bücherschränke passen immer). Und zum anderen, weil ich mies im Verhandeln bin. Mein Vater ist da stets ein wertvoller Joker. Allerdings lehnt er es mittlerweile ab mein „Möbellager zu vergrößern“.

Immerhin bleibt mir der Trödel mit vielen unbezahlbaren lustigen Gesprächen am Tapeziertisch unter freiem Himmel. Trödel – Liebe rostet nicht.

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May 1, 2008

Hang the DJ, hang him high!

Wie jedes Jahr hatte ich auch dieses Jahr beschlossen nicht in den Mai zu tanzen. In den Mai fernsehen hielt ich für angemessen und vertretbar. Knabbereien waren vorhanden. Getränke kalt gestellt. Eiscreme im Tielkühlfach. Jedoch: Jährlich grüßt das Murmeltier in Form von feierwütigen Freundinnen.

Also fand ich mich in den späteren Abendstunden in einem Bar/ alternativ Disco/ Independent Club/ auf-der-Treppe-sitz-und-guck – Etablissment wieder. Hier regierte das Volk ab 30. Und der wohl ignoranteste DJ der Welt. Das desaströse Silvester vor zwei Jahren ging definitiv mit auf seine Kappe.

Musikwünsche hört er sich stets an, aber nur um abschätzig und herablassend mit dem Kopf zu schütteln und zu sagen: „ So was spiel ich nicht!“ Dabei sind die meisten Musikwünsche des Publikums keineswegs abartig. Dennoch übt sich DJ Castro in Ignoranz.

Egal ob sich Menschen auf der Tanzfläche zustimmend im Takt bewegen oder nicht: Er macht seine private Musik-Session und kriegt mühelos jede Tanzfläche leer. Aber nicht an diesem Abend! Nicht mit mir! SO nicht!

Ich schlich unauffällig zum DJ – Pult und wünschte mir „Groove is in the heart“. Die Antwort war klar: NEIN! Also mobilisierte ich –zumeist stark alkoholisierte- Menschen es mir gleich zu tun und sich dieses Lied zu wünschen. Eine Stunde und ungefähr 50 gleiche Musikwünsche später kam mein triumphaler Moment. „Groove is in the heart“ in einer abgekürzten Variante (aber immerhin…)ertönte aus den Boxen. Das beweist im Grunde, dass er diese Musik in seinem DJ – Köfferchen dabei hat und sie nur aus reiner Boshaftigkeit nicht spielt. Das nächste Mal wünsche ich mir Fury in the Slaughterhouse: „Hang the DJ, hang him high…“

May 1, 2008

Nein, wir sind keine besten Freunde mehr!

„Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“ Arthur Schnitzler gehört nun nicht gerade zu meinen Lieblingsautoren, aber mit dieser Bemerkung hat er bei mir wieder Boden gut gemacht.

Das Thema Freundschaften beschäftigt mich ständig. Habe ich Freunde? Bin ich ein guter Freund?  Was, wenn mir eine Freundschaft nicht mehr passt, wie ein zu kleiner Schuh? Der drückt, macht Blasen, offene Wunden und ärgert einen am Abend mit der Frage: Warum habe ich dich nicht schon längst aussortiert? Und am nächsten Tag schlüpft man doch wieder hinein, weil man nicht ohne Schuhe dastehen will.

Wenn man sich über einen Menschen mehr ärgert, als freut, sollte man anfangen sich innerlich von diesem zu verabschieden. Wenn jemand wie ein Vampir dir alle Energie raubt und dich ständig als THW für seine eigene Seele, Psyche und sein Leben in Anspruch nimmt, sollte man das einzig vernünftige tun: An sich denken und dabei nicht meinen, man sei ein schlechter und egoistischer Mensch. Der Frühling ist dafür die beste Zeit: Frühjahrsputz in allen Ecken des Lebens!

Aber wie wird man alte Gewohnheiten los? Kontaktsperre ist eine Möglichkeit, hilft aber nicht bei jedem. Keine Zeit mehr für Verabredungen zu haben, bedeutet für den anderen auch nicht unbedingt eindeutig eine Beendigung des Freundschaftsverhältnisses. Ein klärendes Gespräch ist nutzlos und bewirkt manchmal das Gegenteil: Eine riesen Szene, Tränen, Schuldgefühle und eine Scheinversöhnung, bei der man selber den Kloß im Hals weiter mit sich herum schleppt und der andere meint, es sei wieder alles tutti.

Statt einer Aussprache sollte man seine Worte klar und ohne Rücksicht in knapper und präziser Weise wählen. Am besten situationsabhängig und mit dem Vorsatz: Es gibt kein Zurück! Den Satz: „Du bist ja meine beste Freundin“, sollte man nach Möglichkeit sofort korrigieren: „Nein, bin ich nicht. Frag mal A und B Hörnchen, ob die deine Freunde sein wollen und sich deine Geschichten á la Me-Myself-and I noch anhören können!!!!!“- Selbstredend wird man das nicht sagen, obwohl es vermutlich am effektivsten sein würde.

Eine symbolische Geste sagt in diesem vertrackten Falle jedoch manchmal mehr, als man sich zu sagen trauen würde. Eine Rückforderung eines Wohnungsschlüssels zum Beispiel ohne Angabe von Gründen, ohne Rechtfertigungen. Wer das nicht versteht, ist entweder dumm oder ignorant aus einer unendlichen Ich-Bezogenheit heraus. In beiden Fällen kann man getrost nach A und B Hörnchen fragen, denn so jemandem ist beim besten Willen nicht mehr zu helfen…

 

May 1, 2008

Willst du einen Luftballon?

Es gibt immer wieder Umstände, Menschen oder Begebenheiten, die einem manches verleiden. Bei Michel Friedman waren es die Nutten und das Koks, bei Lidl die Kameras, bei Karstadt der Umgangston und bei Weingummi die Beigabe von Schweineschwarte.Das allerschlimmste, was mir jedoch jemals passiert ist und mich nachhaltig verstört hat, war Stephen Kings Es. Ich bin nicht zimperlich in puncto Horrorfilme und denke statt über irgendwelche dort gesehenen Gruseligkeiten, über die kranke und doch schlichte Psyche der Drehbuchautoren nach.

Bei Stephen King macht einen der Fakt stutzig, dass dieser Herr des Gruselns scheinbar selber an seine Monster, Mythen und Mutationen glaubt. Er kann nicht mit offenen Schranktüren schlafen und winkelt die Beine im Bett an, damit ihn das Böse nicht nach unten ziehen kann…Naja, vielleicht ist Stephen King auch nur ein Pseudonym für Steffen König aus Oer-Erkenschwick, der noch bei Mutti wohnt und bei “Schwiegertochter gesucht” abgelehnt wurde…wer weiß, wer weiß.

Auf der anderen Seite kann man aber durchaus Verständnis für so viel Verfolgungswahn haben, angesichts der Figuren, die King entwirft.

Seit ich Es gelesen habe, kann ich nicht mehr in den Zirkus und selbst Ronald McDonald kommt mir wie ein entfernter Verwandter des Kingschen Clowns vor. Mit zitternder Hand nahm ich einmal einen Luftballon von einem Volksfestclown an, in dessen Augen ich scheinbar und in Panik ein rotes Blitzen wahrnahm. Gullydeckeln vertraue ich auch nicht mehr besonders.

Ebenso Hunden, die auf einem Bauernhof herum streunern. Der Rasenmähermann ist für mich real und wohnt neben meiner Schwester. An Verwünschungen von Zigeunern und dergleichen glaube ich mittlerweile ebenfalls und habe aus diesem Grund einen Besen vor meine Tür gestellt. Dicken Frauen mit einer Axt im Haus gehe ich konsequent aus dem Weg, selbst wenn es sich dabei um Verwandte handelt.

Ach es ist ein Graus mit solchen Geschichten. Der Steffen hat mir das Gruseln in Buchform tüchtig vergretzt und mir bleibt fortan nur der Horror in Filmform erhalten. Das ist so schön entspannend, ohne hochtrabende Dialoge, ohne die eigene Phantasie und mit der Option: Kissen vors Gesicht, Schoki in den Mund oder ausschalten.-

May 1, 2008

Schein und Sein

Der schöne Pfau

Sagt ganz schlau:

„Mein Kleid ist

Wie die Sonne!“

„Das ist wahr,“

Ruft die Vogelschar.

„Doch“, meint der Kiebitz

„fliegen kannst du nicht!“

„Auch das Singen,

sagt man überall,

ist deine Stärke nicht,“

weiß die Nachtigall.

Und voll Wonne

Meint der Storch:

„Dein Tritt,

das ärgert dich,

taugt nicht für´s Licht!“

„Das ist wahr,“

Ruft nun die Vogelschar.

„In diesen Dingen

Habt ihr wohl recht,“

Entgegnet der Pfau.

Spricht´s und will fort.

Der Uhu aber glaubt:

„Eins weiß ich genau:

Von euch allen hier

Ist der Pfau der Uneitelste.“

May 1, 2008

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