Surrealismus am gestrigen späten Abend…

„Ce n´est pas une pipe“ lautet die Bildunterschrift eines der berühmtesten Bilder René Magrittes. Seine Bilder leben vom Gegensatz zwischen formaler Repräsentation und inhaltlicher Aussage- in etwa in dem Verhältnis, wie das gestrige Spiel Deutschland gegen die Türkei.

„Das ist keine Pfeife.“ So etwas ähnliches muss sich wohl auch der Schweizer Schiedsrichter gedacht haben, als er ewig an seiner Pfeife um den Hals herum genässelt hat. Etwas irritiert stand der Unparteiische auf dem Feld (und die meiste Zeit im Weg) und hat sich wohl überlegt, ob das schlecht ankommt, wenn er einen Elfmeter für die Deutschen pfeift. Da können die Beine und Augen schon mal schwer werden. Aber von Schweizern verlangt man im Grunde alles, nur keine Schnelligkeit. Wenn man bei Eckstößen als Schiedsrichter an der kurzen Ecke des Strafraums steht und in Richtung Eckfahne blickt, die Stimmung auf sich wirken lässt, bleibt das hintere Geschehen weitestgehend verborgen. Mit dieser Steh-Taktik verpasst man das Wichtigste, verlebt dafür jedoch einen entspannten Abend zwischen lauter strammen Waden.

Als Ausgleich zur sportlichen Inkompetenz kam die geballte redaktionelle Inkontinenz des ZDF. Spätestens zur Halbzeit, als Clausi Kleber auf dem Bildschirm erschien war klar: GEZ-Gebühren dienen zur Sicherheit der Allgemeinheit vor GEZ-Eintreibern. Quasi Schutzgeld-Erpressung auf deutsch und für alle . Denn zur Wahrung der fernsehtechnischen und inhaltlichen Qualität werden diese Gelder wohl kaum benutzt. Ob Urs, Jürgen oder JBK davon ihr Luderleben finanzieren ist zweitrangig.

In den Nachrichten jedoch Schleichwerbung zu betreiben und ein Bild einzublenden, auf dem groß und breit „Acer“ steht, halte ich für gewagt. Zumal es sich bei den Öffentlich-Rechtlichen mittlerweile herum gesprochen haben müsste, dass es Bildbearbeitungsprogramme gibt. Ebenso gewagt und surreal die Lottozahlen des Mittwochs-Lottos. Dummerweise waren diese mit „Samstag Lotto“ überschrieben.

Die Bildstörung (für die natürlich andere zuständig waren) tat ihr Übriges. Die Worte des Kommentatoren-Trios am Ende wiesen Merkmale der hohen Schule des Surrealismus auf. André Bretons Worte klingen mir bei den unkritischen Nachbetrachtungs-Impressionen in den Ohren: „Surrealismus ist reiner psychischer Automatismus…ein Diktat des Denkens außerhalb jeder Kontrolle durch die Vernunft.“

In diesem Sinne ist wohl der gesamte Abend zu sehen:

1) Ce n´est pas une pipe, arbitre.2) Ce n´est pas exempt de taxes, cher ZDF.3) Ce n´est pas un jeu de football.

June 26, 2008

Mich deucht…

Die deutsche Sprache kämpft gegen ihren Verfall. Aha. Soso. –Im Grunde kann das die geneigte Leserschaft nicht sonderlich schockieren und viel Neues hat diese Aussage auch nicht zu bieten. In Zeiten, in denen sich Jugendliche freundschaftlich mit „Na du Pisser!“ anreden und Mädchen „Anitas“ oder ganz schnörkellos „Fotze“ genannt werden, kann diese Feststellung nicht als neuste Eilmeldung bewertet werden.

Und doch wird der Verfall in einem Beispiel ganz besonders schön deutlich: In Liebesbekundungen. Was hatten die vergangenen Jahrhunderte für wunderschöne Liebesbriefe zu bieten! Wenn man da an Remarque und die Dietrich denkt, kann einem das noch die Tränen in die Augen treiben. Die Menschen machten sich Gedanken um möglichst schöne Worte zu finden, für das, was sie dachten und fühlten. Und doch, waren sie nie zufrieden: „Da habe ich dir viele Worte machen müssen, und hätte dir gerne so viel gesagt. Das Rechte kann ich aber nicht ausdrücken, es bleibt tief in meinem Herzen begraben.“  (Diotima an Hölderlin)

Und selbst, wenn es mal ein wenig schroffer zuging, hörte sich das Ganze noch vornehm und liebenswürdig an, wie bei Grillparzer etwa: „Du abscheuliches Ding! Ich glaube gar, ich bin in dich verliebt! Seit gestern, da ich nämlich deinen kritzeligen Brief erhielt, hab ich ihn schon dreimal gelesen.“

Auch handfester Ärger endete im 19. Jahrhundert noch mit einer charmanten Huldigungsbezeugung: „Oh, du Ungeheuer, Genie, Bösewicht, Lügner, Verleumder, Räuber, Schriftsteller, Komödiant-ach, du Teufel- ich bin außer mir, ich sterbe, ich bin schon tot…Deine Koketterie lockt mich von den Toten zurück, ich kehre noch einmal ins Leben, um mich von neuem in dich zu verlieben.“ (Sophie an Clemens Brentano)

Aber auch neben den Briefen, vermochte man es, im Medium Kunst der Angebeteten seine Aufwartung zu machen: „Mir ist es, denk´ ich nur an dich, als in den Mond zu sehn; Ein stiller Friede kommt auf mich. Weiß nicht, wie mir geschehn.“ (Goethe)

Und heute? Selbstredend findet man in der Literatur auch dieser Tage noch viel Schönes. Aber im Medium Musik, welches die Massen für sich einnimmt kann man leider viel zu oft Folgendes hören: „Her ass is a spaceship, I want to ride. She´s sexy.“ Oder „Baby, you float my boat!“ Und was deutsche Rapper zu sagen haben, wage ich gar nicht an dieser Stelle zu erwähnen. Angesichts mancher Zeilen fragt man sich aber zu recht, warum damals so viele Texte der Ärzte verboten wurden. Das, was die damals besungen haben erscheint einem rückblickend fast wie Liedgut aus der Mundorgel.

  

June 23, 2008

Märchenstunde

Es war einmal ein kleines blondes Mädchen, das lebte mit seinen Eltern und seinen zwei Schwestern vor einem großen Wald. Eines Tages, als die Schwestern schon ausgezogen waren in die weite weite Welt, da sprachen die Eltern: Nun liebes Kind höre gut zu und tue, was wir dir sagen. Du wirst bald zur Schule gehen und danach die Universitas  litterarum kennenlernen. Mache deine Sache gut. Sei fleißig, strebsam und komme nicht vom Wege ab. Wenn du all dies schaffst, wird dir ein Königreich zu Füßen liegen.

Die Tochter tat, was ihr befohlen wurde. Sie besuchte die Schule und lernte. Sie ging und studierte, war fleißig und strebsam und kam nie vom guten Wege ab. Schließlich hatte sie all das, was ihr die Eltern aufgetragen hatten erfüllt und sie wartete fortan darauf, dass sich ihr ein Königreich in aller Schönheit  und Pracht zeigen würde.

Doch statt einem Palast fand sie nur ein großes Haus, mit einem roten A auf dem Dach. Die Bewohner in diesem Haus waren allesamt Hexen, Kobolde, Trolle, böse Stiefmütter und manchmal zeigte sich sogar ein Drache hinter den vielen Türen auf den endlosen Gängen. Das kleine Mädchen bekam es mit der Angst zu tun, denn eine ganz besonders hässliche und gemeine Hexe wollte sie zu einer Arbeit zwingen, die sie nicht machen wollte. In einem kleinen windschiefen Haus sollte sie Tag und Nacht arbeiten und bekam fast keinen Taler dafür. Da wurde das Mädchen ganz traurig, weil es nun wusste, dass es das Königreich, das die Eltern ihr versprochen hatten, nicht gibt.

Die Hexe in dem großen Haus aber lachte das kleine Mädchen aus und sagte ihr, dass sie es verdient hätte so traurig zu sein. „Denn wer so schön träumt, muss sich nicht wundern, wenn das Aufwachen wehe tut,“ sagte die Hexe und schickte das Mädchen in das nächste windschiefe Haus.

Und wenn das Mädchen nicht gestorben ist, sucht sie weiter auch ohne das Haus mit dem großen, roten, dämlichen A oben drauf.

 

June 19, 2008

Für die Abschaffung des Abtönungspartikels

In  der Linguistik gibt es eine sprachliche Erscheinung, die mir besonders viel Freude während meines Germanistik-Studiums bereitet hat: Der Abtönungspartikel. Im Grunde nichts aufregendes. Und doch zeigt diese Sammelbezeichnung, für all die unnützen Füllwörter, die die deutsche Sprache so zu bieten hat vor allem eins: Füllwörter sind unheimlich beliebt.

Worte, die zu nichts nütze sind, kommen immer mehr schwer in Mode. Obwohl das System Sprache ohne sie vermutlich besser dran wäre, werden diese meist kleinen Wörter von nahezu jedem in den Wortschatz liebevoll integriert. Faszinierend ist in diesem Zusammenhang vor allem die Feststellung, dass bei vielen Menschen der Hauptwortschatz scheinbar nur noch aus solchen Worten besteht. Getrost kann man in diesem Zusammenhang also auch von Abtötungspartikeln sprechen. Denn Sprache  geht anders.

Selbstredend, wird der studierte Germanist nun laut aufschreien und behaupten, dass gerade in der deutschen gesprochenen Sprache diese Modalpartikel unheimlich wichtig sind. All diese jas, halts, dochs, vielleichts, mals, gells, ehs und ebens gelten als winzige Möglichkeiten Modalitäten näher zu bezeichnen. Doch da muss ich halt jetzt mal vielleicht eben sagen, dass das ja gar nicht stimmt, gell?- Sind solche Sätze nicht unerträglich? Warum sollen sie in der Konversation vis- à -vis so unverzichtbar sein wo hingegen es in der geschrieben Sprache für dieses grammatikalische Malheur heißt: Wir müssen leider draußen bleiben!

Ist es nicht eher so, dass diese Worte prima dazu da sind, um Zeit fürs Lügen zu gewinnen? Ungefähr so: „Hast du was mit der Trulla?“ „Wie ich ja schon sagte…es ist doch ganz anders…halt so, wie ich dir eh schon gesagt habe…vielleicht hörst du mir endlich mal zu!“-Das ist das hässliche Gesicht dieser grammatikalischen Abart.

 

June 19, 2008

Tücken des Alltags…

Wenn man morgens im Bett liegt, hat man manchmal schon, wie einst Andy Möller, „vom Feeling her ´n schlechtes Gefühl“. Man kann nicht genau sagen warum, aber es ist so, als würde einem die Parze zuflüstern: „Bleib mit deinem Arsch, wo du bist, rühr dich nicht und guck fern!“

Aber statt auf die Schicksalsgöttin zu hören und sich in der Wiederholung Reich und schön anzusehen oder Remington Steel, schlägt man die Bettdecke zur Seite, schaut zur Fensterseite, rollt sich rüber, um mit wenigen Handgriffen die Gardinen zu öffnen und dann….dann ist es passiert: Der kleine Zeh bleibt zwischen Matratze und Bettrahmen hängen. Nicht so schlimm denkt man da und glaubt dadurch erst so richtig wach geworden zu sein, bis man mit der Schulter gegen den Türrahmen donnert, weil das mit der Körper-Navigation doch noch nicht so rund läuft.

Auf dem Weg ins Bad denkt man noch flüchtig an Loriots Sketch Das Bild hängt schief, bis man mit dem gleichen Zeh gegen die Duschmauer rennt. „Der is hin,“ denk ich noch, greife in das Schränkchen über meinem Waschbecken, um Pflaster und Desinfektionsfläschchen hektisch herauszuholen. Doch dann passiert in einem unachtsamen Moment, genau das, was mir vor sechs Wochen schon passierte und weswegen ich, dank meiner netten Versicherung, ein neues Waschbecken mein eigen nennen darf: Wie in Zeitlupe rast ein Parfum-Flakon in Richtung Keramik. Dass ich noch verwirrt „Halt!!!“ geschrien habe, hat dieses Teufelsteil nicht davon abbringen können mein neues Waschbecken wieder zu zerstören. Ich bin eine Trümmerfrau.

Während ich mich noch unter der Dusche leise ärgere, höre ich ein nervöses Klingeln und Klopfen an meiner Tür. –Man hat unzweifelhaft vernommen, dass ich zu Hause bin. Die Elefantenfrau ist in ihrem Porzellan-Lädchen. Mit Bademantel und triefnassem Haar stehe ich meinem neuen Nachbarn gegenüber. Statt einem “Hallo, ich bin ihr neuer Nachbar. Auf gute Nachbarschaft”, heißt es stattdessen: „Ist das ihr Kaktus-Scheiss-Teil da im Flur?“ –Schmerzen machen unglaublich gleichmütig und so schlage ich ähnlich unhöflich, dafür aber wortlos die Tür zu. Wir werden sicher keine Freunde mehr…

Gestriegelt und gespornt stehe ich plötzlich vor der Haustür und bin auf dem Weg zu meinem Auto, der Zeh pocht, die Schulter knarrt und die Schmerzmedikamente hüllen einen in  Watte. Das ändert sich, als ich die Tür meines Autos öffne und zu meinem Schrecken feststellen muss, dass sich wohl über Nacht ein riesiger, massiver Poller an mein Auto herangepirscht haben muss. Denn anders kann ich mir den plötzlichen Aufprall, auf dieses Betonwüsten-Relikt nicht erklären.

Unverrichteter Dinge trat ich wieder den Heimweg an, ging nicht über Los, bekam keine 1000 Euro und legte mich stattdessen einfach ins Bett. Scheiß Parze!

June 17, 2008

Ein Tier ist ein Ding

Laut unserem Gesetz ist ein Tier immer noch ein Ding. Und deswegen kann auch jeder mit diesem Gegenstand machen, was er will. Hart bestraft wird er dafür sicherlich nicht. Dabei wird der Zusammenhang zwischen Tierquälerei und Gewalttaten gegenüber Menschen unterschätzt. Obwohl es auf der Hand liegt, dass bei einem Jugendlichen, der einen Hund “aus Spaß” zu Tode quält, bald dazu kommen wird, dass er einen Menschen schlägt, verletzt oder sogar tötet. Studien über Mörder und Triebtäter gibt es über diesen Zusammenhang schließlich genug.

Man muss kein Buddhist sein, um zu wissen, dass jedes Lebewesen Empfindungen, wie Schmerz oder Freude hat und dass man Tiere dementsprechend behandelt. Das heißt jetzt nicht, dass sie ein Wahlrecht oder Arbeitslosengeld mit eigener Wohnung bekommen sollen. Das heißt im Grunde nur eins: Dass sie ein Recht darauf haben, von uns menschlich -human im ureigensten Sinne- behandelt zu werden. Und das heisst auch, dass man solche Widerlichkeiten und unmenschliches Verhalten auf gar keinen Fall akzeptieren kann und seine Konsequenzen daraus ziehen muss:

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June 17, 2008

Durch dick und dünn

„Über Magersüchtige macht man keine Witze,“ belehrte mich jüngst eine entfernte Bekannte. Das sei nicht lustig, da diese Menschen ja eine schlimme psychische Störung hätten und wie Suchtkranke seien. Sagte es und haute sich kurz darauf einen der fiesesten Witze, den ich bislang gehört habe,  über Tine Wittler heraus. Der Hinweis meinerseits, dass die Tine wohl auch eine Essstörung hat, wurde schließlich mit folgenden wahnwitzigen Worten abgekanzelt: „Ach, die frisst einfach nur zu viel!“

Merke: Die krankhaft Dürren essen nicht einfach nur zu wenig, sie sind psychisch krank und bemitleidenswert. Die krankhaft Dicken hingegen sind einfach nur fett und selbst schuld. Nebenbei bemerkt ist die Welt hingegen der vorherrschenden Meinung eine Scheibe und dreht sich um einen Mars-Riegel. Reinhold Messner trägt am liebsten Flip-Flops und das neue Parfum der Olsen-Zwillinge heißt L´ eau de vomir. Ich bin Claus Kleber und grüße sie mit folgendem (politisch und menschlich völlig inkorrekten) Schmankerl:

June 15, 2008

Schritt für Schritt

Wenn man jemanden unbedingt nicht sehen möchte, kann man gewiss sein, dass man ausgerechnet diesem jemand begegnet. Selbst, wenn man am Nordpol unterwegs wäre. Wenn man sich dann begegnet, können ein paar Schritte an diesem jemand vorbei länger und zeitraubender sein, als ein New York Marathon. Zumindest kommt es einem so vor.

Der erste Schritt ist noch ganz leicht. Die Augen sehen, das Gehirn denkt. Der zweite Schritt wird schon etwas stockender. Das Gedächtnis bekommt plötzlich Schluckauf und das Herz reagiert mit starkem, unkontrolliertem Pochen. Der dritte Schritt lässt die Schultern einfallen, den Kopf ducken und den Blick senken. Der vierte Schritt ist entscheidend. Denn da wird hinterfragt und das Ego je nachdem gestärkt oder geschwächt, während der ganze Körper im Zitter-Zustand feststeckt und der Kreislauf sich noch nicht ganz schlüssig ist: Fallen oder Steigen. Der bloße Gedanke an einen fallenden Kreislauf bringt selbigen wieder in Schwung, denn alles wäre besser, als ein Spontan-Kollabieren. Bitte keine Peinlichkeiten in diesem Moment!

Heute habe ich nach dem vierten Schritt, nach Befragung meines Gewissens, den Kopf gehoben, den Blick geschärft und mich und meine Schritte groß gemacht. Ich bin nicht gerannt oder gestolpert. Aufrichtige Gleichgültigkeit mischte sich in die letzten Schritte, ein kleines Lächeln huschte mir gar über das angespannte Gesicht.

Als es vorbei war und die anderen Schritte nicht mehr zählten, kamen die Zweifel-gerade rechtzeitig.

June 13, 2008

Ein wenig mehr Loyalität bitte…

Hach. Da hat es diesen Konzern also schon wieder erwischt. Die Telekom. Die schlechten Schlagzeilen. Der Zumwinkel. Ein Fax. Zustände wie bei Erich und Margot damals. Der René und die Unschuldsmiene mit nassem Hundeblick. Es ist zum Heulen.

Auch ich hatte schon Probleme mit diesem gutgelaunten, äußerst  kommunikativen Unternehmen. Und auch ich habe schon einmal spioniert. Nadine G. hat sich damals den kompletten BH mit Socken ausgestopft und teilweise habe ich komplette Telefonate der Familie am Faxgerät unten im Keller mitgehört, auch diverse Briefe habe ich ohne erkennbare äußere Schäden geöffnet und nach intensivem Lesen wieder geschlossen. Zwar habe ich nichts von all dem irgendwo notiert und irgendwem ein Fax geschrieben, aber trotzdem: Auch ich habe mich durch verschieden geartete Umstände zu so einem Verhalten hinreißen lassen. Pfui, ich schäme mich (naja eigentlich nicht wirklich).

Trotzdem leide ich ein bisschen mit der Telekom und habe deswegen heute am Telefon meine große „Telekom-Ich hab dich lieb!“-Kampagne gestartet. Wenn ich nur schon daran denke kommen mir die Tränen…

Aber der Reihe nach: Heute rief mich zum ungefähr 50 000. Mal ein aufgeregter Mitarbeiter von Arcor an und betete seinen Text herunter. Ich hakte ein und sagte, dass ich bei der Telekom sei und rundum zufrieden (war natürlich gelogen). Dann der Mitarbeiter: „Aber das ist doch viiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeel zu teuer.“  „Jajaja is mir egal, auch, dass die Telekom jetzt überall durch den Kakao gezogen wird. Überwachung und Datenschutz hin oder her. Und wo wir schon mal dabei sind: Woher haben sie eigentlich meinen Namen und meine Telefonnummer ?“ –Aufgeregtes Geräusper am anderen Ende der Leitung, schließlich fängt man sich und antwortet: „Ich hab aber jetzt nicht gesagt, dass die Telekom irgendwen abhört oder so.“ –Wer so wenig Mumm hat verdient einfach keinen Neukunden!

    

June 10, 2008

Endlich EM! Das Leben macht wieder Sinn!

Das gleich vorweg: Ich bin nicht erst seit neustem Fußball-Fan. Ich bin keine der Frauen, die sich nur für das Singen der Nationalhymne interessiert und entzückte oder gurrende Laute dabei von sich gibt (ok ok manchmal doch). Das Regelwerk, die Spieler, das Hintergrundwissen- Ich weiß alles (und wenn nicht tue ich wenigstens so)!  Nach kurzen Recherchen über Rumänien und Russland war ich dieses Jahr bereit für die EM.

Doch die Eröffnungsfeier stellte meine Konzentrationsfähigkeit auf eine arge Probe. Während ich noch rätselte, was die Michelin-Männchen da anfangs vorgeturnt haben und welcher Waldorfschüler sich das ausgedacht hatte, fiel auch schon Alexander Frei einem infamen Foul zum Opfer. Als der Dortmunder Liebling anfing zu weinen, kullerten selbst bei mir ein paar Tränchen und ich beschloss neben den Portugiesen, nun auch mit der Schweizer Nati zu sympathisieren.

Tags darauf ließ ich mich zum Rudelgucken in einer Kneipe hinreißen. Heute weiß ich, dass mir so etwas während der EM nicht noch einmal passieren wird. Auf langen Bandscheibe unfreundlichen Bierbänken zu sitzen, zusammengefercht in einem verrauchten Raum mit wildfremden Menschen, die teils schlecht riechen und bei denen auf Grund der Wärme der Alkohol eine Art doppelte Wirkung entfaltet, gehört ab gestern nicht mehr zu meinen anstrebenswerten Freizeitbeschäftigungen.

Als der Strom dann zwanzig Minuten vor dem Spiel Deutschland gegen Polen ausfiel wurde die Stimmung…naja…sagen wir: leicht gereizt. Die Türen wurden geschlossen, damit die Leute nicht ohne zu bezahlen abhauen, der Toilettenbesuch artete zum Abenteuer aus und manche glaubten gar sie seien im Dark Room. Nachdem dann aber wieder jeder seine Hände bei sich hatte und die defekte Hauptsicherung ausgetauscht war, stand einem schönen Spiel nichts mehr im Wege.

 Aber dann ging es erst richtig los. Plötzlich bestellten sich ganze Heerscharen Menüs, kalte Platten, Knabbereien und die umher laufenden Bedienungen versperrten einem ständig die Sicht. Hinter mir trafen sich zwei alte Bekannte im Getümmel wieder und laberten die komplette erste Halbzeit durch. Ich weiß jetzt, was bei Frank und Jochen die letzten zehn Jahre los war…

In der Halbzeit vielen mir vor allem diese neuen T-Shirts auf, die jetzt scheinbar jeder Eier-Schaukeln-beim Fußball-Mensch so trägt: Ein handelsübliches Deutschland Trikot mit der Aufschrift „Halbzeitschnittchen“. Manche lächeln auch noch zusätzlich gewinnbringend um sich und zeigen auf die Aufschrift. Erst da wird mir klar, wofür diese sogenannten Biereimer noch nütze sind…

Auffallend ist in der Halbzeit vor allem auch, dass sich einige Horden von Damen eigens für diesen Anlass in Schale geworfen haben (jaja High Heels, kleines Schwarzes und Fußball passen total gut zusammen). Sich mit Fan-Utensilien auszustatten hält diese Spezies für unnötig, denn das Gruppenziel hat an diesem Abend nichts mit Fußball zu tun. Und manch einer fragt sich beim Anblick einiger junger Dinger, was  die Nutten auf dem Strich eigentlich noch tragen könnten, das es hier nicht schon gibt.

In der zweiten Halbzeit meldet sich die Blase (aber der Weg zum Klo scheint unüberwindbar) und auch der Rücken, nebst Pobacke macht sich dringlichst bemerkbar. Als ich an dem Abend dampfend aus dieser Kneipe komme sehe ich einen Mann vor mir, der einen riesen Stoffbären in Fan Montur auf dem Rücken trägt und ich denke: Der hat sich genauso einen Bären aufbinden lassen, wie ich. Rudelgucken wird völlig überbewertet.

June 9, 2008

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