Der Stern entdeckt GNTM

June 4th, 2008 § 8 comments § permalink

Wow, kurz  bevor die dritte Staffel  einer der intellektuell anspruchsvollsten Sendungen der Nachkriegszeit zu Ende geht, hat meine persönliche Lieblingszeitung Der Stern bahnbrechende Erkenntnisse parat. Eigentlich dachte ich, dass nach den tollen Kochrezepten, den lustigen und vor allem zahlreichen Cartoons, den ausgedehnten Werbeanzeigen und den anspruchsvollen Rätsel-Seiten nichts bahnbrechendes mehr kommen könnte.

Doch hier irrte ich. Gleich hinter „Die Armen gegen die Ärmsten“, fand ich den neusten Joker der Stern-Redaktion: „Germany´ s Next Topmodel oder die Ausbeutung eines Traums.“ Nach so Elendsbildern mag man auch gern mal Carolin, Jennifer, Wanda, Christina und Janina in Begleitung ihrer Gruppenleiterin sehen. Die Mädchen teilen uns auf den jeweiligen Foto-Profil-Seiten erstaunliches mit. Lesen muss man es jedoch nicht, da die Zitate noch einmal im Artikel verwurstet werden. Aber den Leser freut´ s trotzdem, wenn Janina von GNTM als Familientherapie berichtet: „ Bei mir zu Hause gucken alle die Show, das hat die Familie neu zusammengebracht!“  Modeln zum Wohle des Familienlebens!

Oder Wandas Erkenntnis aus drei Monaten: „Wenn man schön ist, hat man es nicht unbedingt leichter. Da gibt es auch kalte Blicke!“ Seltsam, da fällt mir spontan folgender Spruch zu ein: „Du bist schön! Schön doof!“

Nach diesen Einblicken in die Model-Psyche und die dazu passenden Bildchen, kommt der Titel-Artikel, der sehr vielversprechend mich noch an der Tankstelle angelächelt hat. Die erste Erkenntnis des männlichen Journalisten: „Guckt ja eigentlich keiner.“ Und dennoch hat GNTM „die übliche Zielgruppe bildungsentfernter Zuschauer verlassen. Die Modelparade schauen sich auch Lehrer, Rechtsanwälte und selbst eingeschworene Arte-Gucker an.“ Wahnsinn! Hätte man ja überhaupt gar nicht gedacht. War ja bei Deutschland sucht den Superstar, Popstars oder den ersten Staffeln von Big Brother total anders!

„Chapeau“ denkt der geneigte Leser und wittert noch mehr ausgeklügelte und statistische Glanzleistungen. Aber wo genau beginnt das mit der Ausbeutung? Wo steht was entlarvendes über die Klum und ihren Tross? Wo? Wo? Wo?

Der Schreiberling hält die Spannung aufrecht. „Zum Schluss macht er sie alle fertig“ hoffe ich voller Vorfreude. Doch nach Einschaltquoten- Geklimper, der Geschichte von GNTM und den Anfängen Heidis in den USA kommt nichts, was nicht schon jeder wusste.

Die Aufgaben in der Show sind völlig Gaga und haben nichts mit der Model-Welt zu tun. Aha. In Deutschland kann sich „jeder Model nennen, der mal fotografiert wurde und dafür zehn Euro bekommen hat.“ Haha…jetzt wird´s was, gleich haut er drauf…. „mittlerweile muss man von der Klum-Maschine sprechen.“  Weiter ist von einem „Selbstdarstellungskonzern“ die Rede. Das gefällt mir sehr. Und ich hoffe, dass er sich die Mühe macht und mal alles aufzählt, was Heidi, Günther und Seal so machen.

Stattdessen gipfelt alles in der Erkenntnis, dass es im Grunde nicht zählt, ob da ein nächstes Top-Model gefunden wird. Hauptsache die Werbeverträge stimmen, Heidi kann ihre Dauerwerbesendung in eigener Sache machen, die Knebelverträge sitzen und der Rubel rollt im Hause Klum und Pro 7. Das war´ s. Knapp drei Seiten, für etwas, das jeder, der sich Gedanken über Medien, Marken und Werbung macht, ohnehin schon weiß. Und selbst die kleinen pubertären Gören wissen: „Aus der Lena wurde nix und aus der Babs auch nicht. Aber ist doch eh egal.“ 

 

Hundebesitzer

June 3rd, 2008 § 3 comments § permalink

Verdammt! Heute ist es trotz wohldurchdachter Vorbereitungen zu einem zufälligen Treffen mit der nervigsten Hundebesitzerin des ganzen Stadtgebiets gekommen.

Dabei hatte ich mir alles so gut überlegt: Den Hinterausgang nehmen und sich vorsichtig samt Pflegehund in Richtung Auto bewegen.  Hund währenddessen mit Leckerchen ablenken. Ins Auto steigen und in den 10 Kilometer entfernten Wald fahren. Dort anderen Hundebesitzern, mit der von weitem bekundeten Aussage: „Die ist bissig!“, Angst machen. In diesem fremden Gebiet weiß ja schließlich niemand, dass der Hund schon 15 Jahre alt ist und kaum noch richtig kauen kann. Da sie aber auch nicht mehr besonders gut sehen kann, knurrt sie sobald ein undefinierbares Objekt in ihre Nähe kommt. Das schreckt ab.

 Innerhalb von zwei Wochen wussten alle Hundebesitzer, die regelmäßig in diesen Wald gehen bescheid und machten einen großen freundlichen Bogen um uns. Alle, außer einer. Klaus mit seiner Dackeldame Chiara scheint es egal zu sein, ob sein Schützling angefallen wird. Hauptsache Klaus kann endlich mal jemandem seine Lebensgeschichte und die seines Hundes erzählen. Klaus ist Rentner, hat zwei künstliche Kniegelenke, Arthrose und „einen schlimmen Rücken“. Ich denke nächste Woche sind wir soweit, dass er mir von seinen missratenen Kindern erzählen wird (er hat da schon sowas angedeutet). Chiara macht ihm auch nur Sorgen. Gerade mal sieben Jahre alt, wurde sie schon an der Hüfte operiert „völlig überzüchtet das Tier“ meint Klaus. „Aber einen super Stammbaum hat sie. Da könnte noch unsereins eifersüchtig drauf sein, gell Chiara?“ Die Vorstellung, dass ich von einem Rauhaardackel abstammen soll, löst in mir nicht gerade Frohlockung aus und ich schaue auf die Uhr: „Ach, schon soooooooooooo spät? Na, da müssen wir aber jetzt. Tschüss Klaus!“

Mit Klaus zu reden ist allerdings immer noch angenehmer, als mit Frau Schmidtmann von gegenüber. Sie hat so einen fiesen kleinen Hund, Pekinese glaube ich, der Fleur heißt. Frau Schmidtmann lauert so lange am Küchenfenster, bis irgendjemand aus der Nachbarschaft mit seinem Hund auf der Straße erscheint. Dann kommt sie blitzschnell, meist in sehr legerem Dress, auf einen zugeschossen und sagt: „Na so ein Zufall, die Fleur und ich wollten auch gerade spazieren gehen!“ Wenn dieser Satz fällt ist es für alle Fluchtversuche zu spät. Frau Schmidtmann redet und redet und redet, wie das Duracell-Häschen. Ab und zu stellt sie indiskrete Fragen zum eigenen Lebenswandel und zur familiären Situation und schließt dann mit den Worten: „Sie wissen ja wie das ist, die Leute reden immerzu und zerreißen sich das Maul…jaja so sind die Menschen.“ Dass Frau Schmidtmann eigentlich selber so ist, darauf kommt Frau Schmidtmann nicht.

Eben so einer Begegnung wollte ich an diesem Morgen unbedingt aus dem Weg gehen. Allerdings fuhr ich gerade in dem Moment in die Straße, als Frau Schmidtmann gerade das Haus verließ. Sie flog förmlich mir Fleur, diesem hässlichen Köter, auf dem Arm zu mir. Als sie mir „na wir haben uns aber schon lange nicht mehr gesehen“ entgegen flötete, wusste ich: Unter einer Stunde komme ich hier nicht weg. Doch da überraschte mich mein Hund: Er knurrte und bellte und Frau Schmidtmann bekam Angst um ihre „sensible Fleur“.

Ich habe nach diesen Hundebesitzer-auf-Probe-Wochen für mich beschlossen, mir erst einen eigenen Hund anzuschaffen, wenn ich alt und vereinsamt bin.

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Es liegt was in der Luft…

June 2nd, 2008 § 0 comments § permalink

…aber bestimmt kein ganz besonderer Duft. Seit es so unfassbar heiß ist, scheint die Luft nur noch von zwei Düften beherrscht zu werden: Grilldämpfe und Schweiß.- Ersteres empfinde ich als wohlriechend.

Man kann quasi durch jeden Supermarkt oder sonst irgendein Ladenlokal schlendern und nach kurzer Zeit wittern selbst ungeübte Nasen einen penetranten Schweißgeruch -alt, in Polyester eingebrannt, Tage lang gehegt und gepflegt-. Selbst Zwiebeln schneiden ist da schöner!

Nachdem ich heute im Supermarkt meines Vertrauens ein ganz besonders ranziges Objekt, in T-Shirt mit weißen Rändern und in einen Hosentraum aus Acryl gehüllt, Luft anhaltend passiert, scharf an der Laktosefreien Milch gebremst hatte, passierte es. Ich erreichte trotz ausgefeilter Technik das oberste Regalfach nicht, wollte keine Verletzungen riskieren und gab auf. Doch da erschien mir plötzlich ein freundlicher Jüngling, seines Zeichens hochmotivierter Auszubildender. Das “Kann ich Ihnen helfen” sparte der junge Mann sich und riß seinen Arm mit einem zuvorkommenden Lächeln hoch. Das begrüßte ich sehr, bis ich feststellen musste, dass ich in der Nähe seiner Achsel-Klima-Zone -ohne Basis-Lager-  nur schwerlich würde überleben können. Am liebsten hätte ich mich in die Halbfett Milch eine Etage drunter geworfen oder mir die Flaschentomaten aus meinem Einkaufswagen in die Nasenlöcher gesteckt. Ich holte tief durch den Mund Luft, nahm die Milch in Empfang und sagte im Wegrennen: “Danke!”

Und als ich im Auto saß dachte ich mir, dass das eigentlich genau falsch gewesen ist. Stattdessen hätte ich den jungen Mann, der schließlich noch ganz am Anfang einer “Ekel-Schwitzen-Laufbahn” steht, vor eben einem solchen Schicksal bewahren müssen. Warum nicht einfach mal sagen: “Nehmen sie´s mir nicht übel, aber ich finde, dass sie ein wenig streng riechen.”Damit wäre dem Mann doch auch auf anderen Gebieten geholfen. Keine Frau mit funktionierenden Nasen-Synapsen mag Männer mit Wildgeruch! Körperflege, drei bis vier Mal die Woche sollte doch wohl minimum drin sein. Ebenso, wie frisch gewaschene Beinkleider. Damit sind auch und vor allem, aus aktuellem Anlass, besonders Fußball-Trikots gemeint. Wenn sich da einmal ein Geruch eingenistet hat, bekommt man ihn nur schwer wieder heraus. Also, einfach der Mutti die Klamotten öfter zum Waschen vorbeibringen…denn frische Luft ist für alle da!

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