Jetzt auf Anjejackert: Die neue Blognovela

Telenovela war gestern…- Jede Woche hat meine anjejackerte Leserschaft ab sofort die Möglichkeit, mir drei beliebige Sätze * vorzugeben, aus denen ich eine kleine Geschichte zurecht schnitze. Falls dann – trotz aller Mühe, Schweiß und Tränen – noch etwas fehlen sollte, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Es darf und soll sogar weiter geschrieben werden … und weiter … und weiter … und weiter …

 * bitte mit Niveau

August 29, 2008

Hoch soll er leben! Goethes 259. Geburtstag – (wenn er es geschafft hätte…)

Wer persönlich ein Ständchen vortragen oder die Kaffeetafel herrichten möchte, muss sich wohl oder übel in die Weimarer Fürstengruft begeben. Überhaupt ist zu vermuten, dass sich dieser Tage wieder einmal mehr Menschenmengen in Birkenstocks durch die beschaulichen und pittoresken Gassen von Weimar schieben werden, als sonst. Wo sie ihre Wege hinführen werden ist leicht zu erraten: Goethehaus, Goethes Gartenhäuschen, Fürstengruft, Wittumspalais, Schloss Tiefurt, Schloss Belvedere, die Seifengasse, das Haus der Frau von Stein, die wieder hergestellte Herzogin Anna Amalia Bibliothek und überall da hin, wo Goethe mal kurz „Hallo“ rein gerufen hat.

Manch einer mag dieses Treiben als Reliquien-Kult oder Pseudo-kulturell-interessierte-Touristen-Abfress-Mentalität betiteln. Sicher geht es hier, wie bei jedem anständigen Touristen um Konsum und die Frage: „Wie schaffe ich es, alle Sehenswürdigkeiten (schon das Wort ist anmaßend!) in möglichst kurzer Zeit – mit Foto – zu besichtigen?“ Dass Goethe wohl nie persönlich um’s Eck kommen wird, haben einige zumindest theoretisch verinnerlicht. Das ist beruhigend. In der Praxis jedoch wird zu manchen Anlässen ein Schauspieler als Goethe verkleidet. Dieser tritt aus dem Haupteingang am Frauenplan und grüßt freundlich in Beatrix-Manier in die Menge – Ohnmachtsopfer waren bislang noch nicht zu beklagen. Das ist die eine Seite: Disneyland für Goethe-Fans. Irgendwie zum Kotzen. Aber zumindest bleibt durch dieses nicht abflachende Interesse am Dichter die Bausubstanz in einem pfleglichen Zustand (was zu DDR Zeiten ja eher nicht der Fall war).

Was sonst, ist vom Dichter übrig geblieben? Da Goethe für die damaligen Verhältnisse ein recht hohes Alter erreicht hat und schon zu Lebzeiten genaue Anweisungen im Bezug auf seinen Nachlass, samt Werken, Papieren, Tagebüchern, Korrespondenzen und Sammlungen getroffen hat, ist der Nachwelt ein nahezu lückenloses Lebenswerk erhalten geblieben.

Die einen werden eine gewisse Zeit mit diesem Werk in der Schule gequält, die anderen beschäftigen sich freiwillig damit. Wer die Literatur der Gegenwart bewerten und verstehen möchte, muss ihre Ursprünge und Weiterentwicklungen in groben Zügen kennen und in Zusammenhang setzen können. Klingt seltsam und hoch gestapelt, ist aber so. Kann ja auch keiner mit den Binomischen Formeln anfangen, ohne vorher wenigstens addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren gelernt zu haben. Literatur ist bei allen schönen Worten und verlustieren nämlich auch eine Wissenschaft. Und wer keinerlei Ahnung davon hat, sollte sich bedeckt halten.

Nach diesem kleinen Echauffierer nun aber wieder zu der vorherigen Frage: Was bleibt, wenn jemand, der „Epoche gemacht hat“ stirbt? Die Nihilisten werden müde über diese Frage lächeln und andere werden sagen: „War alles schon mal da und jede Lücke wird irgendwann geschlossen. Und überhaupt: Was sollen wir heute noch mit dem Goethe?“

Die wissenschaftliche Antwort hierauf erspare ich mir und Teilen meiner geneigten Leserschaft. Dass Themen, wie Eifersucht, Machtgier, Konspiration, Liebe, Charakterbildung (u.s.w.) rein gar nichts mit Zeit zu tun haben, muss wohl auch nicht sonderlich erwähnt werden. Die Menschen beschäftigen schließlich im Kern immer die gleichen Dinge. Lediglich die Geschichten drum herum, die Worte und der daraus gezogene Schluss variieren von Jahrhundert zu Jahrhundert.

Die schlussendliche  Antwort auf die Frage verweist schließlich auf Leibniz, Shaftesbury und nicht zuletzt auch auf Goethe: Tod ist nicht Ende, sondern Verwandlung und Übergang in einem geistigen Sinne: „Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen – unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend tiefer in sie hinein zu kommen. […] Sie schafft ewig neue Gestalten; was da ist war noch nie, was war kommt nicht wieder – alles ist neu, und doch immer das Alte. […] Sie scheint alles auf Individualität angelegt zu haben, und macht sich nichts aus den Individuen. Sie baut immer und zerstört immer, und ihre Werkstätte ist unzugänglich. […] Jedes ihrer Werke hat ein eigenes Wesen, jede ihrer Erscheinungen den isoliertesten Begriff, und doch macht alles Eins aus. […] Es ist ein ewiges Leben, Werden und Bewegen in ihr, und doch rückt sie nicht weiter. […] Leben ist ihre schönste Erfindung, und der Tod ist ihr Kunstgriff viel Leben zu haben. […] Sie hat keine Sprache noch Rede, aber sie schafft Zungen und Herzen durch die sie fühlt und spricht. […]“

Wer glaubt, Kunst sei sterblich, der geht am besten in den Zoo und füttert die Affen oder macht Sightseeing in Weimar.

Goethe Geburtstag

August 27, 2008

Grabpflege ist auch Öffentlichkeitsarbeit

Selbst wenn man schon lange tot ist, so verliert eine Sache doch nie an Relevanz: Die Außenwirkung. Den Betroffenen selbst kann das relativ gleichgültig sein. Aber den Hinterbliebenen ist es das eben nicht. Ein sonntäglicher Spaziergang über den Friedhof kann ein wahrer Augenöffner in Sachen PR für Hinterbliebene auf der einen und der Feststellung von defizitären familiären Gegebenheiten auf der anderen Seite sein.

„Da denken doch alle, da würden Asoziale liegen!“ Diesen Satz sagte meine Mutter bei einem neuerlichen Besuch der Familiengruft und versuchte mit ein paar Handgriffen und kaum zu verstehenden  Unmutsäußerungen zu retten, was noch zu retten war. Doch schon bald war die Entscheidung gefallen: Hier war nichts mehr zu retten und was würde ihre Mutter dazu sagen, die nun hier liegt und bei der es aussieht, wie bei Hempels? Dem Vater ist es ja egal. Der hat sich nie was aus Blumen und einem schönen Vorgarten gemacht. Der hätte am liebsten den ganzen Garten voller Tabakpflanzen gehabt.

„Wir reißen hier den ganzen Kram raus! Und machen der Oma alles schön neu!“ (Dem Opa natürlich nicht). -In wenigen Minuten war das Organisatorische per Mobiltelefon geklärt und die Umgestaltung eine abgemachte Sache. Mit dem Vorgefühl, bald nun nicht mehr der Gesprächsmittelpunkt des Gräberfeldes 21 zu sein, ging meine Mutter beschwingt an anderen Gräbern vorbei und deutete auf ein trostloses und überwuchertes Grab: „Tja, die Kinder von der Ella kommen wohl auch nicht mehr. Und wie hat sie sich für die undankbaren Dinger immer aufgeopfert und jetzt guck dir das an. Ein Jammer sag ich dir, ein Jammer!“

August 26, 2008

Namensschubladen

Neulich grüßte mich jemand aus der Menge souverän mit Vornamen. So etwas hasse ich und halte ich zudem auch für Klugscheißerei. Ich weiß ja schließlich, wie ich heiße. Und die Tatsache, dass derjenige das weiß, soll wohl deutlich machen, wie beeindruckend groß seine Speicherkapazität im Frontlappen ist. Das nennt man dann wohl Gehirn-Quartett… -Regelmäßig stellen mich solche Situationen jedoch vor ein und dasselbe Problem: Wie heißt derjenige, der da so ein superbes Namensgedächtnis hat? Und was stimmt mit meinen Synapsen nicht?

In solchen Situationen verweile ich dann erst einmal bei einer neutralen Anrede, bis ich die Vornamensschublade öffne. In dieser befinden sich meist drei bis fünf Vornamen. Das heißt, wenn jemand Christian heißt, assoziiere ich –keine Ahnung warum- mit diesem Vornamen auch gleichzeitig Christoph und Markus. Und wenn ich diesen Christian dann irgendwann mal wieder treffe, dann überlege ich, welcher von den drei Namen nun seiner sein könnte.

Ganz schlimm ist die Schublade für Nico, Benjamin, Thorsten, Fabian und Stefan. Jemand, der so heißt und mit mir entfernt bekannt ist, darf nicht zürnen, wenn ich es zum wiederholten Male nicht auf Anhieb schaffe. Ähnlich ist es bei Julia, Anna und Sophia (oder Sophie). Katharina, Bianka und Maria sind auch nicht viel besser.

In der Grundschule hatte ich fünf Freundinnen, die folgendermaßen hießen: Christina, Christina, Christin, Christine, Christiane. –Ich glaube, dass diese frühe Namens-Konfusion der Verwirrung den Weg bis heute geebnet hat. Namensschildchen würden das Leben bedeutend einfacher machen… 

August 25, 2008

DINGDONG-die Scientologen sind da!

Früher war alles leichter. Man konnte sich darauf verlassen, dass wenn es zum Beispiel unerwartet an der Tür klingelt, entweder die Jungs und Mädels von Jehova und seinen Zeugen sind oder der ewig nette Mensch von Vorwerk.

Aber die Zeiten ändern sich eben. Der Wandel ist nun das Beständige. Jeder muss sich jederzeit auf eine Veränderung einstellen und bereit sein sich auch auf Zuruf in Sekundenbruchteilen selbst zu verändern. Gestern noch Raiders, heute Twix. Aus Prince wird über Nacht  The Artist formally known as prince. Und aus einem soliden B- wird mir-nichts-dir-nichts ein F-Körbchen. -Auf nichts und niemand  ist mehr Verlass.

Und da wundert es dann auch nicht, dass ganz unverhofft die sympathischen Angestellten des Scientologen-Konzerns  ihre Bücher an der Tür verkaufen wollen und Postwurfsendungen in China-Schnell-Imbiss-Manier in den Briefkasten werfen. Da muss man Verständnis für haben: Die machen doch auch nur in dieser schnelllebigen Welt ihren Job… -aber gruselig ist es schon.

August 25, 2008

Ein Gedicht

Das folgende ist natürlich nicht irgendein Gedicht und leider ist es auch nicht von mir. Es ist eines meiner Lieblings-Gedichte, weil es ziemlich genau geschätzte 70% der Menschen mit nur 87 Worten derart präzise beschreibt, dass man laut lachen kann, bei gleichzeitiger Übelkeit.

Selbstbildnis

Oft für kompakt gehalten

Für eine runde Sache

Die geläufig zu leben versteht-

Doch einsam frühstücke ich nach Träumen

In denen nichts geschieht.

Ich mein Ärgernis

Mit Haarausfall und wunden Füßen

Einssechsundachtzig und Beamtensohn

Bin mir unabkömmlich

Unveräußerlich kenne ich

Meinen Wert eine Spur zu genau

Und mach Liebe wie Gedichte nebenbei.

Mein Gesicht verkommen

Vorteilhaft im Schummerlicht

Und bei ernsten Gesprächen.

Ich Zigarettenraucher halb schon Asche

Kaffeetrinker mit den älteren Damen

Die mir halfen

Wegen meiner sympathischen Fresse und

Der Rücksichtslosigkeit mit der

Ich höflich bin.

 Von Nicolas Born

August 25, 2008

Sie Arsch

Ich bin kein Kuschel-Duzer, der einfach mal wildfremde Menschen anduzt, um für eine lockere Atmosphäre zu sorgen. Ich bleibe gerne und lange beim Sie und verdiene mir mein Du. Ich bin froh, dass die deutsche Sprache so etwas hergibt. Ich empfinde Siezen nicht als antiquiert und überflüssig. Das macht mich in meiner Generation eindeutig zum Exoten.

In die Spanplatten-Schmiede eines schwedischen Möbelherstellers setze ich deswegen auch nur ungern mein zartes Füßchen. Überall nur penetrantes DUDUDU. Und wenn man einen emsigen Verkäufer im Gespräch einfach mal fragt: „Kennen wir uns?“ kommt gleich ein Rattenschwanz von Erklärungen, warum es sozial, firmenphilosophisch und so weiter unheimlich wichtig und richtig ist, sich zu duzen. Ach ja, und im Übrigen haben die Schweden das Duzen im Grunde erfunden und salonfähig gemacht. Jaja…

Dass Siezen etwas mit Respekt zu tun hat und einen dementsprechenden Abstand, eine natürliche Hemmschwelle (die verhindert etwas unhöfliches zu sagen) zwischen zwei sprechenden Menschen herstellt, empfinden manche als unsozial. Denn wir sind ja alle gleich und niemand darf sich über den anderen stellen. Die Menschen, die so etwas sagen, sind meistens auch diejenigen, die sich in der Schlange der IKEA-Kantine mit Sören und Tomke an der Hand an allen anderen Wartenden vorbeidrängeln. -Weil sie gleicher als gleich sind.

Im Arbeitsleben kann die Duz-Pflicht für Mitarbeiter allerdings unangenehm sein. Manchmal möchte man zu Jürgen einfach nicht mehr Du sagen. Mein früherer Abteilungs-Chef hatte sich anlässlich der Weihnachtslichterketten-Affäre (in der es um eine weihnachtliche Schmückung meines tristen Arbeitsplatzes ging) direkt, ohne Vorgespräch bei der Personalchefin über mich bitterlich beschwert. Sie verwies ihn an mich. Seine unglaublich schlecht vorgetragene Bitte, doch das Schmückzeug freundlicherweise abzunehmen, fiel auf vorbereiteten Boden (merke: Sei immer gut mit den Personalern und sei dir ihrer Loyalität gewiss!). Meine kurze Antwort, mit einem Lächeln vorgetragen, enthielt viele verschiedene, teils verschlüsselte und auch nonverbale Nachrichten für ihn: „Kein Problem. Ich nehme sie sofort ab, Sie Arsch.“

August 19, 2008

Verliehen = Verloren

Theodor Fontane hat einmal gesagt: „Bücher haben Ehrgefühl. Verleiht man sie unachtsam kommen sie nie wieder zurück.“ Diesen Spruch schrieb ich an mein erstes Bücherregal mit Edding. Zum einen aus Wut darüber, dass ich Dennis mein geliebtes Akte X Buch geliehen hatte (ich war damals 13) und er dies nicht wieder rausrückte. Zum anderen aber auch als Warnung, für den Fall, dass jemand auf die Idee kommen könnte, sich ein Buch von mir leihen zu wollen. Es sollte ruhig jeder sehen, wessen Geistes Kind ich war. -Mein Regal verließ nie wieder ein Buch in fremde Hände.

Das mit dem Leihen ist ein generelles Problem. Manche Menschen leihen sich Dinge, die dann nach Monaten –wie selbstverständlich- ohne Vorwarnung direkt in ihren Besitz übergehen. Auf diese Weise habe ich schon allerlei Dinge unwiederbringlich verloren. Wie gern würde man anlässlich solcher Unverschämtheiten die dazugehörigen Verdächtigen (angebliche Freunde oder Bekannte) wahllos verleihen –zum Beispiel als Austausch-Häftling nach Guantanamo.

Ein aktuelles Beispiel, wie Freundschaft aufgrund solcher Vorkommnisse in grenzenlosen Hass umschlagen kann, habe ich gerade im Angebot. Gut, der Ehrlichkeit halber muss ich zugeben, dass dieser Freund schon weit vorher, bei meinem gewissenhaften und äußerst gründlichen Freundeskreis-Hausputz im Januar, mit dem anderen ranzigen Zeug in der Restetonne gelandet ist.

Dieser Mensch besitzt seit nunmehr einem dreiviertel Jahr ein formschönes Snowboard und ein Paar modische Moonboots von mir. Jegliche Versuche, diese Art von Geiselnahme unblutig zu beenden, wurden von ihm abgeblockt. Aufgrund einer nicht unerheblichen Entfernung, konnte ich bislang noch nicht persönlich vor seiner Tür erscheinen –das hat er mit einkalkuliert.

Womit er allerdings nicht rechnet ist mein Sondereinsatzkommando, dass im Großraum München agiert und in wenigen Tagen und Stunden -schlecht gelaunt- vor seiner Tür erscheinen wird. Ich habe es bislang im Guten probiert, doch jetzt wird der Streichelzoo gegen eine Löwengrube eingetauscht! Dass ich das Brett und die Schuhe im Grunde nicht mehr brauche und total hässlich finde ist hierbei sekundär. Hier geht es um ´s Prinzip. Und wenn ich mir aus beidem nur ein Feuerchen in einer lauen Sommernacht mache, so sage ich aus tiefster Überzeugung und mit dem Glauben an Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und allem PiPaPo: Rück das Zeug raus, Du Schurke, sonst schicke ich meine Mutter!!!!!!!!

August 16, 2008

Zähne sind wichtig

Ein Zahnarzt hat zu einer mir nahe stehenden Person –die hier nicht näher benannt werden soll- gesagt, dass er für jeden Tag, an dem er seine Zähne noch hat, eine Kerze anzünden soll. Naja, der Zahnarzt war Holländer und die Tulpenknicker sind ja nicht gerade für ihre Freundlichkeit gegenüber der deutschen Bevölkerung bekannt. Und dennoch steckt ein wahrer Kern in dieser Aussage. Die ungepflegten Stumpen im Mund des Betroffenen hätten eines in der Vergangenheit offensichtlich sehr nötig gehabt: Pflege.

Keine Ahnung, warum manche Menschen glauben zur Zahnpflege sei nicht mehr als Meridol oder eine andere Mundspülung nötig. Rätselhaft bleibt auch die Einstellung: Ein Mal am Tag putzen ist besser als kein Mal. Und wer Zahnseide für eine feine Textilart hält, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

Schon Frau Treude im Kindergarten hat mich eines Tages ernst zur Seite genommen und mich auf den miserablen Zustand meiner Milchzähne angesprochen. Dafür bin ich ihr heute auch noch sehr dankbar und zeige jedem, der es nötig hat, gern auch unaufgefordert meine Milchzahnsammlung, samt Löchern.

Wenn so ein Abschreckungserlebnis nichts bringt, kann man den Klappermann vorsorglich schon mal beim Zahnlabor seines Vertrauens bestellen und ein paar Taler beiseite legen oder sich aus einem alten Stück Treibholz Zähne wie Stefan Raab schnitzen. Wer Elfenbein (pfui!) auftreiben kann, kann sich beim Schnitzen am Modell Sabine Christiansen orientieren. Vielleicht wäre auch noch eine Karriere auf der Galopp-Rennbahn drin, frei nach dem Motto: „Leute, putzt euch die Zähne, morgen ist Pferderennen!“

August 15, 2008

Single-Ich

Die Zeiten des Selbstbemitleidens sind vorbei! Die beste Erfindung seit feuchtem Toilettenpapier sind Single-Börsen. Wenn…ja, wenn es da nicht diese unangenehmen Begleiterscheinungen geben würde. Man muss sich das ein bisschen so wie ein überfülltes Freibad an einem heißen Tag vorstellen. Und dann stelle man sich die freundlichen Andenken an so einen Besuch vor: Fußpilz, Tasche geklaut, unfreiwillige Hautbehandlung mit Urin, blaue Flecken und am Ende Bademeister Uwe auf dem Badelaken.

Ähnlich geht es in Single-Internetportalen zu, die im Grunde nicht viel mehr, als eine Kreuzung aus Resterampe und Online-Strich sind. Ich schließe zwar nicht aus, dass hin wieder ein paar Königskinder dort zueinander finden, es wird jedoch immer unwahrscheinlicher.

Als echte Frau zwischen lauter Schein-Angeboten hat man es schwer. Da wird in einer Mail mal freundlich nach Telefonsex gefragt, der nächste will einen flotten Dreier mit seiner Freundin arrangieren und wieder andere fragen, ganz unverblümt,  ob man sich nicht auf einem Rastplatz in der Nähe treffen könnte. Der Rest ist –man muss das in aller Deutlichkeit so sagen- schwer vermittelbar. Ein bisschen wie der Problemfall am Ende jeder Sendung von „Tiere suchen ein Zuhause“.

Da sind zum einen die, die kein Foto einstellen. Das muss nicht unbedingt etwas Nachteiliges bedeuten. Kann aber. Und dann sind da die, die ein kleines Problem mit ihrer Psyche haben. Das wird allerdings erst nach ein oder zwei Telefonaten deutlich.

Falls man dann doch mal jemanden trifft, kann es passieren, dass diesem Menschen eindeutig das geschriebene Wort eher entgegen kommt, als das gesprochene. Dann wird geschwiegen. Und man selbst hofft, dass es wohl zu keinem weiteren Treffen kommen wird. Bis dann doch wieder das Telefon klingelt. Dann muss man stark sein, lügen oder eine neue Telefonnummer beantragen.

Wem das alles zu jeck ist, meldet sich einfach ab und geht wieder im guten alten Supermarkt um die Ecke auf die Pirsch. Oder kauft sich zumindest eine Tafel Schokolade dort…

August 13, 2008

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