Hormone kann man prima als Ausrede für alles benutzen. Statt: „Ich hab´ Rücken“, wird seit neustem gern gestöhnt: „Ich hab´ Hormone… ganz ganz schlimm.“ Gekrönt wird dieses Outing mit einem ganz wehleidigen Gesichtsausdruck.
Und das ganze Dilemma fängt schon früh an. Sobald Kinder sich anschicken aufmüpfig zu werden, heißt es gebetsmühlenartig von den genervten Eltern: „Die/ Der ist in der Pubertät!“ Das ist die Ausrede für unerzogene, rotzige Blagen schlechthin. Wenn Marvin mit 16 anfängt zu kiffen, seine Mutter würgt und Papas Auto vor den Baum fährt, oder wenn Jaqueline in der Drogerie Mascara und Gleitcreme klaut und die Verkäuferin mit ihren Mädels zusammenschlägt. Keine Sorge, daran ist einzig die Pubertät und diese verfluchten kleinen Hormone schuld. Mama und Papa haben alles richtig gemacht.
Meine Eltern sprachen stets vom PbV (Pubertär bedingtem Verhalten). Das soll angeblich bei mir schon mit acht Jahren eingesetzt haben und ging bis ich Mitte zwanzig war. Dann wurde es durch die Wechseljahre abgelöst. Die Pubertät äußerte sich ganz normal durch die drei großen un – s: Sich unverstanden, ungeliebt und ungerecht behandelt fühlen. Und fand seinen Ausdruck in den drei S: Schlafen, schreien und sabotieren. – Heute bewundere ich meine Eltern dafür, dass sie mich nicht zur Adoption frei gegeben haben…
Wenn man älter wird hat man allerlei hormonelle Wehwehchen, die im Grunde aber nur als Ausrede für Dinge dienen, zu denen man keine Lust hat. Beliebt sind: Migräne, angeschwollene Beine, Wassereinlagerungen (die Cellulitis verursachen), schlechte Laune, miese Laune, Launen mit Suizid-Gedanken, Launen mit Mordgedanken, Gefühlsschwankungen, spontaner Tränenfluss, hysterische Anfälle, nervöse Pickel, Hitzewallungen undundund. Die Liste ist lang und die Einbildungskraft stark.
Manche Menschen behaupten sogar, Hormone bringen sie dazu mit Menschen zu „verkehren“, die sie im Grunde nicht leiden können … böse … böse … böse Hormone … böse.