„Die Grundlage guter Manieren ist Selbstvertrauen.“ –Hört sich an, als wäre dieser Satz von meiner Mutter (und würde ich sie fragen, würde sie dies bestätigen), tatsächlich ist er allerdings von Ralph Waldo Emerson. Jedoch geht meine Mutter in diesem Punkt ein wenig weiter, als der gute, alte Ralph. Denn sie meint, wer keine Manieren hat, hat kein Selbstvertrauen, keine Kinderstube, keine Größenwahn-Bremse, keinen Respekt und somit keinen Charakter. Und was ist ein Mensch, der keinen Charakter hat? Erfolgreich. -Ja. In guter Gesellschaft. -Ja. Aber, und das ist das entscheidende, in gewisser Hinsicht auch tot.
Er ist ein kleines Abziehbildchen, das sich hinter seinen persönlichen Beleidigungen lächelnd aufplüstert, um sein beschissenes Leben für eine Sekunde erträglicher zu finden. In der Sekunde, in der er in ein verletztes Gesicht blickt, fühlt er sich großartig und rühmt seine Klugheit, Schönheit und Überlegenheit. Er zehrt davon Minuten und Stunden. Seiner lächerlichen Eitelkeit tun große Reden über die Dinge des Lebens gut. Er hat keine Wissenslücken, keinen Makel.
Manchmal, wenn er sich schlecht fühlt, erinnert er sich an einen der vielen Momente, in denen er Menschen beleidigt hat. Als schlau und gewieft wertet er eine versteckte Beleidigung, für die sein Gegenüber zu dumm war, um sie zu begreifen oder zu schwach, um zu reagieren.
Dass manche Menschen lediglich registrieren ohne sich zu wehren und falls sie dazu fähig sind, diesen Menschen bemitleiden, verstehen diese toten Charaktere nicht. Und wenn sie am Ende allein und von den meisten verlassen sind, können sie auch dies nicht verstehen.
