Tote Charaktere

„Die Grundlage guter Manieren ist Selbstvertrauen.“ –Hört sich an, als wäre dieser Satz von meiner Mutter (und würde ich sie fragen, würde sie dies bestätigen), tatsächlich ist er  allerdings von Ralph Waldo Emerson. Jedoch geht meine Mutter in diesem Punkt ein wenig weiter, als der gute, alte Ralph. Denn sie meint, wer keine Manieren hat, hat kein Selbstvertrauen, keine Kinderstube, keine Größenwahn-Bremse,  keinen Respekt und somit keinen Charakter. Und was ist ein Mensch, der keinen Charakter hat? Erfolgreich. -Ja. In guter Gesellschaft. -Ja. Aber, und das ist das entscheidende, in gewisser Hinsicht auch tot. 

Er ist ein kleines Abziehbildchen, das sich hinter seinen persönlichen Beleidigungen lächelnd aufplüstert, um sein beschissenes Leben für eine Sekunde erträglicher zu finden. In der Sekunde, in der er in ein verletztes Gesicht blickt, fühlt er sich großartig und rühmt seine Klugheit, Schönheit und Überlegenheit. Er zehrt davon Minuten und  Stunden.  Seiner lächerlichen Eitelkeit tun große Reden über die Dinge des Lebens gut. Er hat keine Wissenslücken, keinen Makel.

Manchmal, wenn er sich schlecht fühlt, erinnert er sich an einen der vielen Momente, in denen er Menschen beleidigt hat. Als schlau und gewieft wertet er eine versteckte Beleidigung, für die sein Gegenüber zu dumm war, um sie zu begreifen oder zu schwach, um zu reagieren.

Dass manche Menschen lediglich registrieren ohne sich zu wehren  und falls sie dazu fähig sind, diesen Menschen bemitleiden, verstehen diese toten Charaktere nicht. Und wenn sie am Ende allein und von den meisten verlassen sind, können sie auch dies nicht verstehen.

November 28, 2008

Einladung

Der Pharmakonzern Boehringer-Ingelheim (seines Zeichens einst auch für die bundesweit beachtete Dioxin-Verseuchung auf der Deponie Georgswerder in Hamburg verantwortlich), plant allem Anschein nach ein neues –ähnlich charmantes- Projekt.

Geplant ist eine kleine, sympathische Tierversuchsstadt in Biberach, die ab nächstem Jahr mit allerlei zweifelhaften Quälereien feierlich eröffnet werden soll: Ein Fest für Groß und Klein!
Zwar mag die Stadt Biberach dazu bislang noch keine Auskünfte geben und auch die feierwütigen Boehringer-Ingelheimer hüllen sich in Schweigen, jedoch kann man in den fertiggestellten Räumen mit Aufschriften wie „Reserve Hund und Schwein“ schon Kartons mit Champagner erahnen.
Auch der Bürgermeister von Biberach Thomas Fettback und der kuschelige und frisch verliebte Landesvater Günni Oettinger bekommen kein Wort vor Freude zu dem anstehenden Ereignis heraus, welches sie so hartnäckig mit auf den Weg gebracht haben.

Vergessen sind all die Medikamente, die trotz langjähriger Tierversuche vom Markt genommen wurden. Vergessen sind die biologischen Unterschiede zwischen Mensch, Maus, Katze, Hund, Schwein und Kaninchen. Da wollen wir doch alle mal nicht so sein! Vor Gott sind wir schließlich alle gleich!

Gerade dieser Tage konnte man in den Nachrichten vernehmen, dass die Zahl der Tierversuche, trotz zunehmender Proteste, stetig steigt. Einige Wissenschaftler hielten sogar ihre gleichgültigen Mienen in die Kameras und meinten, man solle sich wegen den paar Tierchen (2,6 Millionen) nicht anstellen. Und Recht haben sie, diese gutgelaunten Menschenfreunde! Was wären wir ohne sie. Was wären wir ohne ihre neu entwickelten Tablettchen und Pillchen? Nicht auszudenken! Was, wenn sie ihr, durch den Steuerzahler mit finanziertes Wissen, nicht den Kosmetikkonzernen zur Verfügung gestellt hätten? Womöglich gäbe es dann heute keine Sonnencreme mit Glitzer oder kussechten Lippenstift mit Tigerbalsam.

Zum Dank für so viel Gutes und den unermesslichen Nutzen, sollte die Gesellschaft all den Wissenschaftlern und Politikern etwas zurückgeben. Wer Zeit und Lust hat, kann doch einfach in Biberach mit der ganzen Familie vorbeischauen, sich vor das Firmentor oder das Rathaus stellen und mit dem mittleren Finger beider Hände kräftig winken!

http://action.peta.de/ea-campaign/clientcampaign.do?ea.client.id=44&ea.campaign.id=1720

November 28, 2008

Für Horst …

… und all die anderen wichtigen Menschen auf diesem Erdenrund.

http://de.youtube.com/watch?v=_t9EWcubkEM

November 26, 2008

Diagnose: Lese-Blockade

Ich gebe es zu. Seit ein paar Tagen bin ich auf Krawall aus. Ich bin ärgerlich, wo ich gehe und stehe. Warum? Seit letztem Freitag ist mir bewusst, dass ich in den letzten zwei Monaten kein einziges Buch ausgelesen habe. Wie irgendwelche unappetitlichen Essensreste vom Chinamann stapeln sich einige Bücher auf meinem Nachtschränkchen und werden von mir verschmäht. Keines davon ist es wert, weiter gelesen zu werden.
 
Ich hatte es noch ein Mal mit Thomas Mann und seinem „Tod in Venedig“ aufrichtig versucht. Doch mich ereilte das gleiche Gefühl, wie bei der ersten Lektüre vor neun Jahren: Ekel und latente Suizidgedanken. Wenn man dann noch Viscontis gleichnamige Verfilmung dazu im Kopf hat, verstärkt sich das Ekel-Gefühl um ein Vielfaches. Mit Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ sieht es nicht viel besser aus. Im Moment dient mir dieses Buch jedoch zuverlässig als Einschlaf-Hilfe.

Klaus Günzels „Romantikerschicksale“, Ricarada Huchs „Aus der Triumphgasse“, Simone de Beauvoirs „Alles in allem“ – alles unliebsame Bekannte, die man am liebsten vor die Tür, oder in diesem Fall wieder in den Bücherschrank, setzen möchte. Und wenn ich so die verbleibenden  Bücherrücken mit dem Finger  streifend nacheinander studiere, stelle ich schon beim Titel lesen fest: Nein danke!

Das Lesen ist mir im Moment so fad. Oder um es mit den Worten einer ehemaligen Studienkollegin zu sagen: „Literaturtechnisch flasht mich nichts mehr!“ Da kann selbst der Mann aus meinem Stamm-Buchladen nichts gegen ausrichten. Vorbei die Zeiten, als wir am „Klassiker“-Regal standen und uns beinah wegen gegensätzlicher  Meinungen zu Autoren und Werken geprügelt haben.

Stattdessen hatte er zwei Tipps für mich: Wenn man ein literarisches Burn-out Syndrom hat, sollte man es erst einmal ganz sanft mit literarischen Verfilmungen versuchen. Wenn das nicht hilft den Lese-Drang wieder zu aktivieren, sollte man zu Härterem greifen. Er empfiehlt, sich das schlimmste und literarisch minderwertigste Buch aus seinem Regal zu greifen und es von Anfang bis Ende eisern durch zu lesen. Danach –so der Büchermann- hat man ein starkes Bedürfnis nach „gutem, alten Stoff“.  -Seit heute lese ich wieder „Feuchtgebiete“…

November 20, 2008

Weinen verboten!

Eigentlich wollte ich diesen neuen Film sehen „Im Winter ein Jahr.“ Doch dann, als ich gerade jemanden anrufen wollte mit mir ins Kino zu gehen, stockte ich. Dieser Film würde traurig werden. Meine ganz persönliche Katharsis im Kinosessel könnte allzu arg ausfallen und meine Mit-Sitzer im Kinosaal nerven und beschämen. Also ließ ich den Telefonhörer sinken und nahm mir vor, den Film dann in einem halben Jahr auf DVD zu bestellen und ohne Hemmungen allein vor dem Fernseher zu weinen, wenn es nötig sein sollte.

Noch nicht einmal mehr leises Schluchzen scheint in den deutschen Kinos erlaubt zu sein. Sofort drehen sich alle um und man kann im dämmrigen Licht so manches Mal eine gekräuselte Augenbraue erahnen. Meiner letzten Begleitung im Kino war es regelrecht peinlich, dass ich bei „Zusammen  ist man weniger allein“ manchmal schniefen musste. Leise –aber höchst eindringlich- vernahm ich von der Seite: „Reiß dich mal zusammen!“

Ich reiße mich die meiste Zeit meines Lebens  zusammen. Ich raste nicht aus, schlage nicht zu, vermeide verbale Entgleisungen, lasse mich nicht hängen und sorge durch hartes Training dafür nicht zu weinen, wenn jemand in der Nähe ist. Deswegen fühle ich mich hin und wieder, wie eine riesige, mit Wasser gefüllte Blase am Fuß, die bei der kleinsten Berührung droht auf zu gehen.

Und wofür das alles? Nur damit andere nicht peinlich berührt sind und sich durch leises Weinen gestört fühlen. Wobei mir einfällt, dass sich die meisten Menschen im Kino sogar durch Lachen extrem behelligt fühlen. Oder durchschnittliches Popcorn-Knuspern zu Wutausbrüchen führen kann. Ja, sogar normales Atmen finden einige Menschen störend. – Die DVD-Industrie wird wohl in den nächsten Jahren gigantisch expandieren können.

November 19, 2008

Weihnachten kann kommen …

… ich bin gerüstet.

November 18, 2008

PISA oder Paris? Hauptsache Hilton!

Während zu meiner Schulzeit über all diejenigen herzlich gelacht wurde, die in der zehnten Klasse immer noch nicht fehlerfrei und flüssig lesen konnten, ist es heute umgekehrt. Und wer gut in Mathe ist oder über das Paarungsverhalten von Bienen Auskunft geben kann, ist ein Voll-Horst.

Früher machte sich unser Schuldirektor höchstpersönlich ein Bild vom Bildungsstand, der herrschenden Moral und den Manieren seiner Schüler. Danach wurde gehandelt. Gern auch unbürokratisch und manchmal am Rande eines Disziplinarverfahrens- dafür aber effektiv. Heute gibt eine alljährliche Studie Aufschluss über die angebliche deutsche Bildungsmisere und verrät, wo die Dümmsten wohnen und wo die Schulen am besten sind. Faktoren wie Schülerzahlen, Klassengrößen, Lehrerquoten und auf Grund von sprachlichen Defiziten,  lernschwache Schüler, werden großzügig heraus gerechnet.

Doch nun fangen die mühseligen Diskussionen wieder an und die wahnwitzigsten Schul-Modelle werden hervor gekramt. Nach Leistung sollen Lehrer bezahlt werden. Alle Haupt- und Grundschullehrer werden über diesen Vorschlag müde lächeln. Sie verdienen ohnehin pauschal 800 Euro netto weniger als ihre anderen Kollegen.
Dass ein Hauptschullehrer in bestimmten Regionen Deutschlands unendlich viel Arbeit mehr leisten muss, wird schlicht weg ignoriert und honoriert sowieso nicht. Im Gegenteil: Diese Lehrer werden stets damit konfrontiert, dass die Schulform  in der sie arbeiten, überflüssig zu sein scheint. Seit Jahren wird darüber geredet die Hauptschulen zu schließen. Und peu à peu wird dieses Vorhaben stellenweise auch in die Tat umgesetzt.

In einer Schule in Celle zum Beispiel hat man derart große Angst vor einem noch schlechteren Ruf und somit sinkenden Schülerzahlen, dass man bestimmte heiße Eisen in der Öffentlichkeit gar nicht mehr anfasst. Seit geraumer Zeit belästigt dort massiv ein Mann die Kinder direkt vor der Schule. Intern bespricht man das Problem, warnt und unterrichtet die Polizei (die sich nicht zuständig fühlt, da ja nichts bislang passiert ist). An die Presse geht man jedoch nicht, weil man fürchtet dann dicht machen zu müssen. Über die zunehmende Zahl an offensichtlich verwahrlosten Kindern spricht man lediglich im Stillen mit dem Jugendamt (das sich ebenfalls nicht wirklich zuständig fühlt).

Und die Schulämter lauern nichtsnutzig im Verborgenen, um den Hauptschulen den Garaus zu machen. Doch was, wenn  die letzte Hauptschule geschlossen hat? Wird dann alles besser und die Kinder schlauer? Ist es nicht so, dass man die Probleme vielmehr ungelöst irgendeine Schulform weiter schickt? Nach dem Motto: Neue Verpackung, neuer Name –altes Dilemma? Raiders schmeckt schließlich auch nicht besser, seit es Twix heißt. Wenn Chantal oder Justin plötzlich zur Realschule statt zur Hauptschule gehen und ihre Klassenlehrerin durch Fortbildungen und einen modernisierten Bildungsplan nachgerüstet hat, ändert das nichts an der Tatsache, dass Chantals Mutter gerne prügelt und Justins Vater am liebsten den ganzen Tag vor dem Computer sitzt.
 
Das Schulproblem ist – und das war auch schon zu meiner Schulzeit so- eigentlich in erster Linie ein Gesellschaftsproblem. Und wenn der PISA-Test überhaupt irgendetwas zeigt, dann ist es das.

November 18, 2008

Eile- aber mit Weile

Ich fahre ein Auto, das so um die 90 PS hat. Genau weiß ich das nicht, weil ich mir aus Geschwindigkeit nicht mehr so viel mache. Seit ich vor Jahren drei Runden mit einem DTM-Fahrer auf dem Nürburgring gedreht habe und mich danach übergeben musste, bin ich vom flotten Fahrstil, den ich sonst sehr gepflegt habe, kuriert.

Es will mir nicht einleuchten, warum man mit dem Auto 200 Km/h fahren muss, dabei die Lichthupe im Dauereinsatz hat und erst kurz vor dem Kofferraum des Vorausfahrenden abbremst, um gleich wieder zu beschleunigen. -Da ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen an einem Herzinfarkt sterben. Die Drängeleien auf der Autobahn stören mich sehr und nehmen stetig zu. Ich habe mir in diesen Fällen angewöhnt gut gelaunt in den Rückspiegel zu winken und ganz langsam die Spur zu wechseln (manchmal brauche ich einen ganzen Kilometer). Besonders ältere Mercedes-, Audi- und BMW-Fahrer macht das extrem ungehalten.
 
Wenn ich dann - wie heute Nacht – auf der Autobahn in einer Vollsperrung stehe,  nach langem Warten die Unfallstelle passiere und einen an der Leitplanke vollkommen zerschmetterten BMW sehe, wird mir übel.  Und ich frage mich: Sind es die paar Minuten früher ankommen wert, billigend in Kauf zu nehmen  vielleicht  gar nicht anzukommen?

November 15, 2008

Loriot sei Dank!

Es gibt Menschen, die können mit Loriot nichts anfangen. Sie finden Pappa ante Portas oder Ödipussi nicht witzig. Die Nudel, das Klavier, Weihnachten bei den Hoppenstedts und dergleichen lösen  keinerlei Reaktion bei ihnen aus. Der Name Victor Dornberger sagt ihnen nichts. Loriots 60. Geburtstag?- Haben sie nie gesehen.

Wenn meine Menschenkenntnis mich an einigen Stellen (gelegentlich auch größeren Stellen) im Leben je im Stich gelassen hat, so konnte  mir in diesen Situationen stets Loriot weiter helfen. Wer ihn nicht mag, ist menschlich fragwürdig. Humor geht solchen Menschen völlig ab. Lange Zeit war ich mit jemandem befreundet, der Loriot „total unlustig“ fand. Ich hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl dabei. Aber jemandem deswegen die Freundschaft kündigen? Am Ende kam es, wie es kommen musste.

Der Rest meines Bekanntenkreises ist mittlerweile in der Lage ganze Dialoge -von einer Sekunde auf die andere-  in eine normale Konversation einzubauen. Und so sitzt man an manchem Abend zwar in der eigenen Wohnküche, aber irgendwie auch bei Oma Lohse auf dem 80sten.

Loriot ist ein feiner Beobachter, vielseitiger und kluger Künstler  und hat uns Deutschen einen feinen nuancenreichen  Humor eingehaucht. Ohne ihn, wäre Otto Anfang der 80er ungebremst und ohne Vorwarnung, über uns hinweg gerollt. Und wir hätten nicht gewusst, dass Humor neben Klamauk auch feinsinnige Intelligenz beinhalten kann. Wir wären Humor-Grobiane geworden und hätten nur über das Offensichtliche gelacht. Loriot sei Dank –es kam anders. -Zumindest für einen Teil von uns…

http://de.youtube.com/watch?v=aLg_xP5FKP4

November 12, 2008

München

Bald ist es soweit. Samstag in einer Woche  besuche ich eine alte Schul-Freundin in München. Ich finde München beschissen. Die Menschen finde ich blöd, der Dialekt kotzt mich an und dieses Bussi-Chichi war zu Uschi Glas´ Glanzzeiten –irgendwann in den frühen 80ern- gerade noch so akzeptabel. Aber heute?

Heute loben alle das Oktoberfest. Auf dem besäuft man sich mit Bier, das zum Teil noch übler schmeckt als die Bier-Grachtenpisse  von den Holländern.  Die Damen schnüren sich ihre gemachten Brüste in ihren lächerlich teuren und geschmacklosen Dirndln bis unter den braun gebrutzelten Hals. Die Männer quetschen sich in triste und biedere Wolljäckchen und fachsimpeln über Autos, Golf und Geld. Alle sind wichtig. – Jedes Jahr freut sich die Fernsehlandschaft aufs Neue, weil man so herrlich unaufgeregte  Dokumentationen auf und um das Oktoberfest machen kann. Sendezeit en masse und jede Menge freiwillige Komparsen.
 
Andere loben die schöne Stadt, die einzigartige Architektur. Wenn eine Stadt sonst nichts zu bieten hat, rühmt man die paar alten Kästen, die so rumstehen, macht irgendein Touri-Schild an den Eingang, verteilt Audio-Guides  und behauptet irgendeinen nichtigen Kleinkram.

Harald Martenstein schrieb über München folgende weise, mir aus der Seele sprechenden, Zeilen: „Die Existenz von München ist ein Irrtum der Schöpfung. München hat etwas Verkommenes. […]Die Menschen von München reden süßlich und lügen, sobald sie den Mund auftun. Hochnäsigkeit, Hoffart, Geldgier, Geilheit und Tücke haben ihre Seelen zerfressen, Leberkäse hat ihre Körper zerstört. […] Der Fluss von München ist ja nur die Karikatur eines Flusses. Der Fußballverein steht in der Tabelle vorne, weil dies eine Strafe Gottes dafür ist, dass die Menschen sich von ihm abgewandt haben. Es heißt: „Die Deutschen lieben München und wollen mehrheitlich dort leben.“ Unser Volk ist emotional und geistig ganz unten.“
 
Dass ich trotzdem nach München fliege –und den Brechreiz schon über Nürnberg unterdrücke- hat lediglich mit eben besagter Freundin zu tun. Seit ich weiß, dass sie in München wohnt, kommt mir München nicht mehr ganz so mies und abgehalftert vor. Ein bisschen Köln, ein bisschen Euro-Disneyland-Themenpark-Kulisse, ein bisschen Chemnitz, ein bisschen Champs –Élysées. –Schlimmer wäre eigentlich nur Stuttgart. Und das auch nur, weil ich da tatsächlich keine Seele weit und breit kenne.

November 11, 2008

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