Frohe Weihnachten!

weihnachten, ursprünglich hochgeladen von anjejackert

Ich wünsche allen ein fröhliches und glückliches Weihnachtsfest!

December 22, 2008

Jahresrückblick 2008

Januar: Viel geschlafen. Grippe auskuriert.

Februar: Schlechte Laune in Köln gepflegt.  Reise mit den Jungs nach Liechtenstein.

März: Auf der Hundewiese nach Krokussen und Narzissen verzweifelt Ausschau gehalten …

April: Erstes Weihnachtsgeschenk gekauft. Und eingepackt.

Mai: Persönliche Finanzkrise. Eigene Kauflaune dennoch weiterhin stabil.

Juni: Sommerloch in Fußballform entdeckt.

Juli: Weiter ins Sommerloch geguckt.

August: Geburtstagsdepression. Beim Chinesen um die Ecke C20 und E08 süß/ sauer bestellt.

September: Das bisschen Nachsommer genossen und 33 extrem schwierige Fragen beantwortet.

Oktober: Lebensmotto neu formuliert: „Yes, we can Boogie!“ Benzinzapfsäule umarmt und geherzt.

November:  Privates Koalitionsbündnis einseitig aufgekündigt. -Puh, ist mir warm. Ist schon wieder Klima?

Dezember: Grippe im Anmarsch. Warten aufs Neujahrsspringen.

December 22, 2008

Pushing Daisies oder: Nie war es schöner, sich die Radieschen von unten zu beschauen!

Eigentlich hatte ich nicht mehr an den wohlmeinenden Serien-Gott geglaubt, der seine Schäfchen mit feiner mitreißender Unterhaltung versorgt. Doch dann war sie da: Die perfekte Serie. Bezaubernd, fein, witzig, Zuckerwatte und Eiscreme fürs Herz und ein bunter Rosengarten für die Augen. Ich war schier blöd vor Glück.
 
Pushing Daisies verbindet auf die märchenhafteste Art die unterschiedlichsten Genres, trumpft mit ausgezeichneten und unverbrauchten Schauspielern auf, fesselt mit einer guten Geschichte und vermag den Zuschauer aus seinem tristen Alltag heraus zu manövrieren und ihn in eine zauberhafte Welt eintauchen zu lassen.

Wer Big Fish und Charlie und die Schokoladenfabrik  mochte, kann dieser  Serie ohne Umwege hemmungslos verfallen und sie abgöttisch lieben. Doch wie das so ist, wenn alles gut und schön ist und man meint zu träumen, kommt irgendwann Gevatter „Harte Realität“ um die Ecke und meint: Wenig Quote, zu hohe Produktionskosten- weg damit!

Trotz zahlreicher Auszeichnungen und  guter  Kritiken gab ABC im November bekannt, dass die Serie abgesetzt werden würde. Damit ist Pushing Daisies in guter Gesellschaft. Auch die hochgelobte und mit Preisen überhäufte Serie Damages ereilte unlängst ein ähnliches Schicksal. Und so bleibt dem geneigten Fan nicht viel mehr, als ratlos in Brecht-Manier die folgenden Worte hervor zu bringen: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Rettet, was noch zu retten ist:

http://www.petitiononline.com/daisies/petition.html

December 19, 2008

Geschenke, Geschenke, Geschenke!

Ich gebe es zu. Ich habe seit September alle Geschenke beisammen. Ich mag den Gedanken nicht, auf den letzten Drücker in die überfüllte Innenstadt zu hetzen und dann aus lauter Not und Einfallslosigkeit heraus ein dummes und peinliches Geschenk zu kaufen. An Weihnachten unter dem Tannenbaum sollte man sich schließlich nicht schämen müssen. Früher war mir das egal. Da bin ich erst am Weihnachtstag in die Stadt. Dass meine Schwestern sich nicht über 4711 Kölnisch Wasser gefreut haben, interessierte mich nicht.

Erst als mir jemand vor ein paar Jahren eine Kerze in Croissant-Form zu Weihnachten schenkte und ich angewidert in das gerade geöffnete Paket schaute und dachte, jemand hätte mir einen alten, ranzigen Croissant eingepackt, realisierte ich: Wenn man schenkt, sollte man sich den einen oder anderen Gedanken machen.

Dabei kommt es nicht darauf an, dass ein Geschenk besonders teuer ist. Ein Geschenk verrät, wie sehr man sich mit jemandem beschäftigt hat und wie gut man diesen jemand kennt. Da reicht es völlig aus die Lieblings-Körpercreme aus dem Drogerie-Markt um die Ecke für vier Euro zu schenken.

Jeder Zehnte, so las ich neulich, wird dieses Jahr gar nichts schenken (das sind die, die am Weihnachtsabend ohnehin in der Disco abhängen und den Grinch machen). Jeder Vierte bastelt was Eigenes. Eine schöne und sehr persönliche Idee…wenn die Ausführung stimmt. Meine fast vierzig jährige Cousine (ihres Zeichens als sehr geizig –eine Kreuzung aus Schotte und Schwabe, so munkelt man- bekannt) bastelte mir vor ein paar Jahren ein T-Shirt mit Diddl-Maus-Druck. Mit Anfang zwanzig schaffte sie es mittels dieses Geschenks, mich sprachlos zu machen. Wir haben uns mittlerweile darauf geeinigt, uns gar nicht mehr zu beschenken. Besser ist das.

Ranzige Croissant-Kerzen und altersungemäße Diddl-Maus-Shirts können manchmal sehr empfindlich zeigen, wie fern uns auch diejenigen sein können, die wir für die Nächsten halten.

December 16, 2008

Alles neu

Ich glaube Hesse hat einmal gesagt, dass allem Neuen ein Zauber inne wohnt. Das kann ich so nicht bestätigen. Und nachgucken, ob das tatsächlich von Hermann Hesse ist, kann ich auch nicht. Meine Bücher liegen kreuz und quer, in ihrer alphabetischen Reihenfolge drastisch gestört, in irgendwelchen Kisten, die ich vor lauter Umzugs-Horror gar nicht in der Lage bin zu öffnen.

Aber zurück zum „Zauber des Neuen“: Ich bin bekennender Ist-Zustand-Autist. Das heißt, ich mag nichts Neues. Ich will, dass alles so bleibt, wie es ist. Das ist sicherer. Und beruhigender. -Bis heute habe ich mich nicht damit abgefunden, dass der Plattenspieler vom CD-Player (schon das Wort ist so ätzend) abgelöst wurde. Und den Verlust dieser wunderschönen, alten  fünf D-Mark Scheine habe ich auch nie richtig verwunden.
 
Dementsprechend kann man sich ungefähr ausmalen, wie ich auf größere Veränderungen reagiere. Theoretisch, ein paar Monate vorher, ist die Vorstellung von einem Umzug noch akzeptabel. Doch währenddessen machen sich schon leichte Unmuts-Anzeichen bemerkbar, wie etwa unkontrolliertes Nörgeln. Da kommt mir alles und jeder recht.

Jetzt bin ich bereits ein Stadium weiter. Ich glorifiziere meine alte Behausung und lasse kein gutes Haar an meinem neuen Heim. Alles ist mies. Es gibt keine hohen Decken, keinen Stuck, keine netten Nachbarn, keine Wohnküche  und es riecht unerträglich frisch renoviert. Dass ich fast am Strand wohne, einen sagenhaften Ausblick habe und die Wohnung viel größer ist, übersehe ich konsequent.

Wäre ich fünf Jahre alt, würde ich mich vor Wut, Selbstmitleid, grenzenlosem Unmut und Jammer an die Türklinke hängen, auf und ab springen, laut schreien und anschließend irgendwem vors Schienbein treten. Aber ich bin ja schon groß und packe stattdessen doch die Bücherkisten aus. Ganz brav und fleißig. Und nörgle währenddessen nur noch ein bisschen und ganz leise vor mich hin, bis ich schließlich mit einem Buch in dem ganzen Chaos lesend auf dem Boden verwundert um mich schauend feststelle: Ich bin zuhause.

December 14, 2008

Jutta Stramm: Disponentin

Wer kennt das nicht? Der Büroalltag mit all seinen Tücken und Miesepetereien  lässt meist nicht viel Zeit und Lust für lästige Bitt-Gänge zum Chef. Um jedoch einige unerlässliche Dinge, ohne die Absolution von höherer Stelle, schnell und unkompliziert lösen zu können, bedarf es einer kleinen und unauffälligen List.
 
Hier kommt Jutta Stramm ins Spiel. Frau Stramm ist Disponentin in der Firma, in der man gerade arbeitet, hat die gleiche Telefonnummer, wie man selbst und kümmert sich freundlich aber bestimmt in E-Mails, Faxen  und Briefen um die niederen  Belange der Firma.

 Wenn man mit bestimmten  Außer-Haus-Menschen, die einen nie zuvor gesehen oder gehört haben, nicht sprechen möchte, ist Jutta Stramm zur Stelle, die souverän ins Telefon trällert: „Die ist zu Tisch. Kann ich etwas ausrichten?“ Auf diese Weise kann man sich ein beachtliches Zeitfenster verschaffen, in dem man längst überfällige Arbeit bequem erledigen kann.

Wenn man Wichtiges abarbeiten  muss und die Nasen aus der anderen Firma sind mal wieder zu langsam, ruft Frau Stramm im strengen Ton dort an und macht Druck. Wenn sich im Nachhinein dann jemand bei einem beschwert, sagt man besänftigend: „Ach, unsere Frau Stramm. Die ist immer so engagiert! Das hat sie nicht so gemeint. Die ist ne´ ganz nette.“

Und das ist Frau Stramm wirklich. Sie ist lediglich da, wenn man sie braucht, macht nie Mittagspause oder Urlaub, isst einem nichts weg,  benötigt keine tiefenpsychologischen Samthandschuhe, macht sich im Büro nicht überproportional breit, erzählt nie etwas aus ihrem Privatleben (das man besser nicht gehört hätte), lästert nicht und nimmt einem viel Arbeit ab.

P.S.: Sollte doch einmal durch einen dummen Zufall ein Fax adressiert an Frau Stramm im Gerät liegen und der Chef hat es durch einen noch dümmeren Zufall  gefunden und steht leicht irritiert vor dem Schreibtisch ist souveränes, ahnungsloses und entrüstetes  Verhalten geboten! In etwa so: „Stramm? Wer soll das denn sein? Geben sie mal her! Da rufe ich erst mal an! So geht´s  ja nun wirklich nicht. Welcher Idiot phantasiert sich denn so einen Namen zusammen?!“

December 13, 2008

Ich hab doch Sorry gesagt!

Eine Entschuldigung, in der die drei vermeintlich unscheinbaren Wörter „aber“, „du“ und „auch“ vorkommen ist im Grunde gar nichts wert. Nichts als warmer Atem von Menschen, die sich entweder nicht entschuldigen können oder  überhaupt nicht wollen.

Wer sich hingegen richtig und formschön entschuldigen kann, zeigt Größe. Einen Fehler einzusehen und ihn mit etwas Abstand betrachtet zuzugeben und noch einmal anzusprechen erfordert wahren Charakter. Man muss sich daran gewöhnen, dass ein zugegebener Fauxpas nicht zwangsläufig den ganzen Menschen in Frage stellt oder eine riesige Niederlage im alltäglichen zwischenmenschlichen Kräftemessen darstellt. Allerdings sollte man auch nicht meinen, dass eine rasch und hastig hervorgebrachte Entschuldigung ohne echte Reflektion alle Untaten wieder gut macht. Gerade wenn es um verbale Entgleisungen geht, gilt meist der alte Skat-Spruch: Was liegt, das liegt!-

Manche Menschen sind recht ungelenk, wenn es um dieses Thema geht. Der Geist ist bei vielen willig, jedoch hapert es an der stolperfreien Umsetzung. Ich konnte mich lange Zeit nur bei jemandem entschuldigen, wenn mein Gesicht durch irgendetwas verdeckt war. Also nuschelte ich hinter großen Zeitungen kaum für den anderen hörbar: „Ach ja: Das von eben tut mir leid.“ Man beschränkt sich eben auf das Nötigste, wenn man befürchtet mit diesen winzigen und wenigen Worten  seiner eigenen Autorität ein Grab zu schaufeln.

Allerdings gibt es auch Menschen, die hauen sich eine Entschuldigung raus, die im Keim eine handfeste Drohung in sich birgt. Auf meiner Schule –einige Stufen über mir- gab es eine Dörte (sie hieß nicht so, aber der Name passt besser zu ihr). Dörte war viel größer und kräftiger, als die anderen Kinder in ihrer Stufe. Kam ihr wer krumm, gab´s was auf die zwölf.

In einer Schulpause rempelte sie mit voller Absicht einen kleinen schmächtigen Jungen vor dem Kiosk so arg zur Seite, dass dieser bedingt durch eine unglückliche Verkettung diverser Umstände  mit blutender Nase zu Boden ging. Als er da so verschreckt  im Dreck lag, die Pausenaufsicht angeschlendert kam und eine gespenstische Stille sich über dem Schulhof ausbreitete,  brüllte Dörte in ihrer nonchalanten Art, die mit Sicherheit Tote wieder zum Gehen bewegt hätte: „Ey steh´ wieder auf! Ich hab´ doch Sorry gesagt!“ Vor lauter Angst rappelte sich der bleiche Junge hoch und stammelte: „Tut mir leid. Bin selber schuld. Ich stand im Weg.“ -
 

December 12, 2008

Heilendes Rülpsen

Ich habe meinen Glauben an die klassische Schulmedizin bereits in sehr jungen Jahren verloren. Als ich fünf Jahre alt war, vernahm ich folgende Worte  aus dem Munde meines Kinderarztes: „Gleich wird es ein bisschen pieken. Dafür sitzt gleich an der Stelle auf deinem Finger ein schöner Marienkäfer.“ Kaum hatte er dies gesagt stach er auch schon recht grob zu und rief übertrieben freudig aus: „Schau mal! Da sitzt er ja schon!“

Ich schaute zu meiner Mutter, die gequält lächelte. Eigentlich wollte ich sie fragen, ob es despektierlich wäre einem erwachsenen Mann zu sagen, dass dies  schlicht ein Blutstropfen  war, der als natürliche Folge des gewaltsamen Stechens mit einer Nadel aus meinem Finger quoll. Jedoch war ich anscheinend schon in diesem Alter kein großer Freund von jeglicher Besserwisserei und fragte stattdessen: „Kann er fliegen?“

Über den Umgang mit Menschen, so steht für mich seit diesem Tag fest, weiß dieses Volk in weiß gar nichts. Meine erste richtige Blutabnahme war nach den Marienkäfer-Kuschel-Erlebnissen dementsprechend ein echter Schock. Und bei wem die Sprechstundengehilfin schon einmal gedankenverloren in der Armbeuge stochernd eine Vene gesucht hat, weiß wovon ich spreche.

Seit zehn Jahren gehe ich nun  zu einer Heilpraktikerin. Da wird einem für sein Geld eine ganze Menge geboten. Nicht, dass ich an alles glauben würde, aber für gutes interaktives Entertainment sollte man den ein oder anderen Euro übrig haben. Es ist herrlich, wenn die ältere Dame versucht über deiner Hand mit einem Rosenquarz etwas auszupendeln und du zwischendrin einfach in die Stille des Raumes mit der höchsten Frequenz deiner  Stimme fragst: „Zittern sie?“

Nach Augendiagnose, Schüssler Salzen, Globulis, Tinkturen von zweifelhaftem Inhalt, Neuraltherapie und Akupressur, kam ein echtes Highlight, bei dem ich mich hemmungslos amüsierte. Das Verfahren ist in irgendeiner Weise mit Reiki (auf das ich im Übrigen nichts kommen lasse) verwoben. Dabei geht es um unterbrochene Energieflüsse im Körper und deren Auswirkungen.

Meine Heilpraktikerin erklärte mir ihr Verfahren, als ich nichtsahnend auf der Behandlungsliege weilte in etwa so ähnlich, jedoch mit einer Ausnahme. Sie wolle die Energien, die sich an einer Stelle sammeln und quasi zu viel sind, mit ihren Händen aus meinem Körper leiten und die Energie ihrerseits in Form eines Rülpsers wieder abgeben. Während ich noch dachte,  mich verhört zu haben, begann sie auch schon ihr wunderliches Treiben. Zuerst wollte ich Aufspringen, flüchten – bloß raus. Doch dann blieb ich liegen, sagte mir in Gedanken Gedichte auf, um nicht zu lachen und fragte, als sie fertig war: „Funktioniert das auch, wenn man durch eine andere Körperöffnung Luft entfahren lässt?“

Seither gehe ich wieder brav zu einer Allgemeinmedizinerin, die Akupunktur macht und mir ab und zu sagt, dass ich ein wehleidiger Hypochonder bin, der sich einfach mal zusammenreißen soll. Ist zwar nicht so unterhaltsam, hilft aber auch manchmal.

December 7, 2008

Wie seltsam …

…es doch ist, wenn das eigene Leben oder zumindest die Dinge, die dazu gehören in einen 7,5 t Laster passen. Alles handlich und bruchsicher verpackt. Vorher, beim Packen, kommen einem solche Gedanken wie: „Brauche ich den Plunder wirklich?“ oder „Besitz belastet. Und viel Besitz, belastet mehr.“ Ich kann seit Wochen schon nicht mehr richtig schlafen, weil ich Angst habe, irgendetwas könnte den beschwerlichen Weg gen Norden übers Wasser auf eine Insel nicht überleben.
Für Samstagmorgen –den Tag des Umzuges- habe ich mir schon eine flammende Rede überlegt und mir die nötigen Gesten zur Untermalung und Bekräftigung des Gesagten angeeignet. Sollte ein Möbelpacker schräg gucken, trage ich alles selber und fahre den LKW die paar Kilometer allein. Pah! Ich bilde mir just in diesem Moment ein furchtlos und unerschrocken zu sein, dabei war ich gerade noch kurz davor alles wieder auszupacken und mich heulend ins Bett zu legen. Umzüge gehen aufs Gemüt.

December 5, 2008

Glück

Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich sehr unglücklich. Ja, man könnte sogar sagen, dass ich das unglücklichste kleine Geschöpf auf der ganzen weiten Welt war. Ich war gar davon überzeugt, dass man vom Weltall aus mein Unglück durch einen riesigen roten Pfeil sichtbar, bequem erkennen konnte und die Astronauten im Chor riefen: „Schaut mal, da ist das traurige und unglückliche Fräulein Laura!“

Ja, liebe Leser, so dumm und töricht war ich in dieser schweren Zeit. Die Fähigkeit mich in Dinge hineinzusteigern habe ich nicht eingebüßt, sie jedoch in erträglichere und maßvollere Bahnen gelenkt. Auch meiner Phantasie schließe ich gelegentlich die Zügel. Meine Vergesslichkeit ist mir in dieser Angelegenheit eine große Stütze und so kann ich mich heute an den tatsächlichen Grund meines „Unglücklich-Seins“ nicht mehr einwandfrei erinnern.

Als ich aber so an diese Zeit dachte, überlegte ich was das eigene Glück oder eben Unglück eigentlich ausmacht. Da fiel mir Fontane ein. Der ist einem gerade in solch kniffeligen  Fragen extrem hilfreich, weil er es nüchtern, kurz, lebensnah, manchmal bitter, manchmal augenzwinkernd auf den Punkt bringt. So heißt es in seinem Roman „Stine“ etwa an einer Stelle: „Aber ich bin so gut dran wie gewöhnliche Menschen, die Gott schon danken, wenn ihnen nichts Schlimmes passiert.“  Das heißt mit anderen Worten, dass  Glück in erster Linie die Vermeidung oder das Ausbleiben von Leid ist. Eine zufällige, nicht beeinflussbare Sache. Ganz unspektakulär, ohne Firlefanz, ohne Lametta.

Und wenn man das in dieser Art und Weise verinnerlicht macht das zum einen vieles im Leben leichter und zum anderen  machen dann auch die Worte meiner Oma heute für mich endlich einen Sinn. Die sagte, wenn man ohne triftigen Grund schlecht gelaunt war und behauptete das Leben sei schlecht, Folgendes: „Ich habe einen Weltkrieg mitgemacht. Habe ich etwa schlechte Laune oder bin unglücklich?“

December 5, 2008

Login