Übers fair sein

Letztens hörte ich in meiner Nachbarschaft etwas über „fairen Journalismus“ säuseln und man sah mich dabei ganz eindringlich an, als ich unter Tee-über-den-Tisch-prusten, begleitet durch das herrlichste sardonische Lachen mich entfernte. Mal ganz davon abgesehen, dass das Wort „fair“ an sich ohnehin völlig überflüssig ist, da es nichts gibt, das diesen freundlichen adjektivischen Zusatz tatsächlich verdient. Jedoch ist die Kombination „Journalismus“ und „fair“ eine ganz besonders pussierliche, die mir vorher so noch nie untergekommen ist. Man weiß gar nicht, ob man den Urheber als ein bisschen naiv oder närrisch bezeichnen soll. Ich befürchte jedoch, dass es egoistisch- dämlich am besten trifft.

Denn diese Worte wurden von einer Bürgermeisterin ausgesprochen, die sich über die schlechte Presse bezüglich ihrer Tätigkeit beschwerte. Man hätte die Dame besser an der Hand genommen und ihr gesagt: „Fair“ ist immer eine Sache des Standpunktes. Der Kaffee ist „fair“ gehandelt, weil die einen immer noch genug daran verdienen und die anderen nicht. „Fair geht vor“ im Sport, solange das Ergebnis stimmt und bestimmte Substanzen immer noch nicht nachgewiesen werden können. Also merke: Solange die Rahmenbedingungen hübsch stimmen und die Fairness nur sprachlich zum Zuge kommt, ist vieles in Ordnung, aber ganz bestimmt nicht fair.

February 28, 2009

Fasten und Depressionen

Früher dachte ich immer, dass das Gute an einer Depression ist, tüchtig auszuschlafen. Das wäre es auch vermutlich, wenn nicht jeden Tag um halb sieben der Wecker klingeln würde. Was bleibt sonst? Stumm aus dem Fenster starren und an nichts denken. Eine schöne Vorstellung, deren Umsetzung sicherlich viel Freude machen würde. Stattdessen steht in Blickrichtung Fenster von Montag bis Freitag ein Computer-Bildschirm, auf den man zwar auch bei Bedarf stupide starren kann, der jedoch nervös flimmert und außerdem streng überwacht wird. Stumm sein und traurige, melancholische Lieder  hören? Tabletten? Oder wenigstens ein bisschen Alkohol (auch starken)? Keine Zeit und außerdem ist ja auch noch seit Mittwoch Fastenzeit. Nicht, dass ich mir daraus etwas machen würde.

Es ist mir sogar ziemlich brause, ob wieder einmal Horden von Brittas und Ankes abstinent leben, Körner fressen und angewidert die Nase rümpfen, wenn man ein Stück Kuchen vor ihren Augen isst. Und dass sie das nur aus grenzenloser Langeweile tun, weil die letzte Uschi-Glas-Ananas-Diät, gewaltfreies Yoga, sinnloses Marathon-Getrappel, Malen gegen Menstruationsbeschwerden  und der Gesprächskreis: Grüner Tee, durch sind. Ach ja, und weil es zuhause auch mal wieder eher bescheiden läuft.

Das ist mir alles derart zuwider, dass ich mir lieber ein ganzes Blech Kuchen esse, eine Flasche mit Selbstaufgesetztem leere, unnütz rumliege, Bach höre  und aus meinem vom Frühjahrsputz verschonten Fenster schaue. Ob nun mit oder ohne gepflegte Depression!

 

February 26, 2009

Abschied

„Jeder Abschied ist betäubend“, heißt es irgendwo bei Herder. „In jeder Trennung liegt ein Keim von Wahnsinn“, sagt Goethe in seinen „Maximen und Reflexionen“.  Oder in Shakespeares „Hamlet“ kann man lesen: „Der Rest ist Schweigen.“

Es ist stets ein Ringen, wenn man Abschied nehmen muss. Wenn man dazu gezwungen wird. Und keiner vorher höflich fragt, ob es recht ist. Es ist so, als ob man in tiefes  Wasser geworfen wird und feststellt, dass man gar nicht schwimmen kann. Es ist ein Japsen nach Luft. Es ist eine plötzliche Leere, ein diffuses Brummen, so als ob man im Auge eines Sturmes steht. Oder in den Dünen sitzt und nur das mächtige Rauschen des Meeres hört. So recht weiß man dann nie, was und vor allem wie man etwas sagen soll. Man weiß nicht, ob jedes mühsam abgerungene Wort im Grunde zu viel ist. Einem selbst. Und den anderen. Und man fragt sich, ob ein Abschied überhaupt mit Worten spürbar gemacht werden kann. Schmerz kann man empfinden, jedoch nicht lesen oder erzählen.

Man selbst fühlt sich überflüssig in solchen Momenten. Man wünscht sich fort. Irgendwo hin. Allein. Man will sich nicht aus den abstrusesten Gründen und Gedankengängen heraus  verantwortlich fühlen. Man will nicht ständig fragen: „warum?“ und sich die Gedanken wund laufen. Aber man tut es. Immer wieder. Jede Nacht aufs Neue. Und am Tag denkt man an den Rest. Während ein „hätte ich doch“, hin und wieder an einem vorbei huscht und in dem großen Irrgarten von Dingen, die man nun nicht mehr gemeinsam tun kann verschwindet. Vergangene Erinnerungen mischen sich in jedes Tun und die Gewissheit, sie nie wieder erleben zu können, kämpft sich unerbittlich hindurch.

„Im Nebel taste ich tot entlang und lasse mich willig in das Dunkel treiben. Das Gehen schmerzt nicht halb so, wie das Bleiben“, heißt es in einem Gedicht Mascha Kalékos. Das sind die kleinen Inseln, an denen man sich mühsam festhält, während man um Fassung ringt und darauf wartet, dass die Zeit vorübergeht und die bittersten Gedanken mitnimmt.

February 22, 2009

February 15, 2009

Tag am Meer

Am Meer ist es schön. Gerade jetzt. Denn zu dieser eher kargen Zeit und bei einer steifen Brise, die einem ums blasse Näschen weht, hat man den Strand beinah für sich. Keine quengelnden Blagen, keine Väter, die den Drachen des eigenen  Kindes in die Gewalt gebracht haben und über die ausgebreitete Decke hinweg stolpern. Keine Halbstarken, die mit Spirituosen bepackt herumpöbeln. Keine Rentner, die das Kofferradio mit NDR 4 laut aufgedreht haben. Keine Strandkorb- und Strandzeltevermieter, die schlechtgelaunt in der Bildzeitung schmökern und sich währendessen knusprig braun braten lassen. Keine selbstverliebten Rettungsschwimmer mit Goldkettchen, die sich zu kleinen, minderjährigen Mädchen aufs Handtuch lümmeln. Keine keifenden Mütter, die dem Kind sagen, es solle Löcher buddeln, bis man schließlich beinah droht selbst in einem solchen zu verschwinden.

Es lässt sich aushalten im Februar an der Küste. Man geht unbeirrt über den nassen Sand, hängt seinen Gedanken nach, sieht den Austernfischern und Sanderlingen beim geschäftigen Treiben zu, erfreut sich der gut durchgepusteten Bronchien, des manierlichen Wetters und trifft schließlich auf ganz entzückende Einzelschicksale:

 Einzelschicksal am Meer

February 8, 2009

Über Hotelzimmer

Ich kannte mal jemanden, der behauptete, er hätte sich Fußpilz in einem Hotelzimmer zugezogen. In welchem konnte er allerdings nicht mehr genau sagen, da er stets barfuß in den Hotelzimmern dieser Welt unterwegs sei. Für mich als Pingel und Frau von und zu Etepetete eine schier unvorstellbare Angelegnheit. Nicht im Traum käme ich auf die wahnwitzige Idee über Jahrzehnte alte, vollgesiffte Teppiche mit nackigen Füßen zu laufen. Aber manche Menschen sehen das nicht so eng und fühlen sich, sobald sie die Tür eines Hotelzimmers geöffnet haben heimisch, während ich erst einmal das Sagrotan-Fläschchen zücke (unabhängig von der Sterne-Anzahl).

Mit den sogenannten “Landeskategorien” kenne ich mich dementsprechend hervorragend aus und weiß deshalb, dass fünf Sterne in Griechenland, Tschechien oder im Zentrum von New York nichts zu heißen haben. Die Putzfrauen benutzen ohnehin fast überall auf der Welt für eine Etage auch nur EINEN Lappen. Und von den durchgemilbten, mit Urin und anderen Körperflüssigkeiten besudelten Matratzen ganz zu schweigen. Jeder Mensch schwitzt nun einmal in der Nacht mindestens einen Liter aus und der muss schließlich irgendwo bleiben -auch in teuren Hotels.

Doch was mir nun demnächst in einem Hotel in Hamburg bevorsteht, ist selbst mir noch nie untergekommen. Da heißt es in der Fax-Bestätigung ganz nonchalant: “Das Zimmer hat ein externes Bad, welches dem Zimmer schräg gegenüber liegt. Dieses Bad ist exclusiv für den Gast.” Nervös überlegte ich, ob ich aus Versehen in einer Jugendherberge gebucht hatte, was mir die nette Dame am Empfang allerdings telefonisch nicht bestätigen konnte. Sie seien eben ausgebucht und hätten nur noch dieses Zimmer im Angebot. Ich hätte natürlich das Zimmer stornieren können, aber irgendwie überkam mich plötzlich die Abenteuerlust. Ich stellte mir vor, wie ich des Morgens verschlafen und mies gelaunt in einem Dittsche-Bademantel und Adi-Letten an den anderen Gästen vorbei über den Gang schluffe, in meinem externen und exklusiven Bad verschwinde und somit das Tuschel-Potential am Frhstücks-Buffett ankurble, frei nach Oscar Wildes Motto: “Es gibt nur ein Ding auf der Welt, das schlimmer ist, als daß die Leute über einen reden, und das ist, daß die Leute nicht über einen reden.”

- Hamburg, ich komme!

February 3, 2009

Heute schon gelächelt?

Heute ist der internationale Tag des Lächelns. Klingt komisch, ist aber so. Seit es den “Tag des Butterbrotes” gibt, wundert mich in dieser Hinsicht gar nichts mehr. Da kommt einem ein solcher Tag geradezu weniger absurd vor. Zumal es recht förderlich für die Gesundheit sein soll, seine Gesichtsmuskeln mehrmals am Tag durch ein Lächeln anzuspannen. Die dadurch frei gesetzten Endorphine bewirken Wohlbefinden und Fröhlichkeit. Dagegen kann nun wirklich niemand etwas haben…es sei denn, man ist von Berufswegen Miesepeter oder Busfahrer.

Charlie Chaplin hat einmal gesagt: “Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.” Dieser Sentenz konnte ich nie viel abgewinnen. Denn auch ein Tag, an dem ich einfach mal traurig bin, kann deswegen doch noch lange nicht als “verloren” gelten. Und auch von einem Tag, an dem ich lediglich nutzlos im Bett rumliege, könnte ich nicht behaupten, dass mir dieser weniger gefällt, als ein fröhlicher Tag. Ich möchte mich nicht genötigt fühlen müssen, zu lächeln. Das stelle ich mir im Übrigen auch als sehr unangenehm vor. Wenn man am Ende des Tages bemerkt, dass man noch nichts für seinen Lächel-Haushalt getan hat und sich dann eventuell genötigt fühlt, über einen schlechten Witz zu lachen oder aber einen völlig unsympathischen Menschen anzulächeln. Und sinnfreies vor sich hin Gelächle wäre ebenso keinesfalls mein Ding und würde in die bittere Kategorie: “Ich führe Selbstgespräche, wenn ich allein bin” fallen.

Da bin ich schon eher der gleichen Ansicht, wie Arthur Schopenhauer, der einst schrieb: “Menschen, deren Lachen stets affektiert ist und gezwungen, sind intellektuell und moralisch von leichtem Gehalte.” Lachen aus voller Seele, weil es einen plötzlich überkommt, wie ein wilder Hustenanfall oder ein Niesen, ohne lange nachzudenken ist wohltuend. Aber auf Kommando lachen, weil man muss oder sich etwas davon verspricht, ist daneben und auch ein bisschen jämmerlich. -Auch am Tag des internationalen Lächelns.

February 1, 2009

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