Letztens hörte ich in meiner Nachbarschaft etwas über „fairen Journalismus“ säuseln und man sah mich dabei ganz eindringlich an, als ich unter Tee-über-den-Tisch-prusten, begleitet durch das herrlichste sardonische Lachen mich entfernte. Mal ganz davon abgesehen, dass das Wort „fair“ an sich ohnehin völlig überflüssig ist, da es nichts gibt, das diesen freundlichen adjektivischen Zusatz tatsächlich verdient. Jedoch ist die Kombination „Journalismus“ und „fair“ eine ganz besonders pussierliche, die mir vorher so noch nie untergekommen ist. Man weiß gar nicht, ob man den Urheber als ein bisschen naiv oder närrisch bezeichnen soll. Ich befürchte jedoch, dass es egoistisch- dämlich am besten trifft.
Denn diese Worte wurden von einer Bürgermeisterin ausgesprochen, die sich über die schlechte Presse bezüglich ihrer Tätigkeit beschwerte. Man hätte die Dame besser an der Hand genommen und ihr gesagt: „Fair“ ist immer eine Sache des Standpunktes. Der Kaffee ist „fair“ gehandelt, weil die einen immer noch genug daran verdienen und die anderen nicht. „Fair geht vor“ im Sport, solange das Ergebnis stimmt und bestimmte Substanzen immer noch nicht nachgewiesen werden können. Also merke: Solange die Rahmenbedingungen hübsch stimmen und die Fairness nur sprachlich zum Zuge kommt, ist vieles in Ordnung, aber ganz bestimmt nicht fair.

