Große Pause

Ich habe an dieser Stelle mehr, als es vermutlich schicklich ist, auf meine traumatische Schulzeit verwiesen. Überflüssig zu erwähnen, dass mein Psychologe noch heute den einen oder anderen Taler an mir verdient.

Ich stelle allerdings immer mehr rückblickend fest, dass der Mikrokosmos Schule sehr schön auf den Makrokosmos Leben vorbereitet hat. Dafür bin ich der Institution Schule selbstredend außerordentlich dankbar –auch im Namen meiner Eltern-.

An dieser Stelle sollte jeder einmal das Beton-Mangelhaft in Mathematik oder den penetranten Schweißgeruch von Carlos außer Acht lassen. Was bleibt dann noch? Richtig! Die große Pause. Von der fünften Klasse an kann man es kaum erwarten endlich da zu stehen, wo die ganzen Oberstüfler stehen. Man lässt sich fünf volle Jahre tyrannisieren, die Bommelmütze vom Kopf ziehen und  Beinchen stellen, bis man auf den geschätzten 40 Quadratmetern vor der Eingangstür stehen und selber kleinen Kindern die Mützen vom Kopf ziehen darf. Die Genugtuung und Freude hierüber hält freilich nur kurz an. Also wendet man sich den wirklich wichtigen Dingen zu: Dem Reden. Übereinander.

In einem –wie man selber findet- höchst elitären Grüppchen findet man sich hierfür zusammen, kräuselt die Augenbraue abschätzig, knabbert unauffällig am Corny-Riegel, weist mit dem Käsebrot in die Richtung des neusten Gesprächsgegenstandes und wechselt, wie durch ein stilles Kommando, das Thema, wenn der Betreffende vorbei huscht. Man entscheidet in nur wenigen Sekunden darüber, wer zur Persona non grata wird, bespricht die neusten Gerüchte und reichert diese gegebenenfalls selber an. Das Leben im Mikrokosmos ist herrlich überschaubar, die Strukturen simpel. Lästern ist ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Lebens und Überlebens auf dem Schulhof.

Nach der Schule ändert sich an diesem Umstand nicht viel. Konspirative und redefreudige Grüppchen finden sich an jeder Ecke. Erwachsene Menschen stehen irgendwo zusammen und reden. Generell ist jeder „doof“, der nicht im Kreis des Vertrauens steht. Und auf dem Dorf ist dieser Umstand noch um ein Vielfaches gesteigert. Denn hier spielen noch mehr als ohnehin Neid, Missgunst, übelste Verleumdungen, soziale Dünkel und dergleichen mit.

So miterlebt an diesem Wochenende: Da stehen acht Männer zusammen und kommentieren jeden, der die Szenerie betritt und eventuell mehr sein oder haben könnte als man selbst mit: „Ach das Arschloch schon wieder“, oder „Den W…… kann ich auch nicht mehr sehen“. Jeder Säufer oder  Schläger bekommt an diesem Tag mehr Respekt entgegen gebracht. –Die Welt kann so schön einfach sein, wenn man ewig über den Schulhof nicht hinauskommt.

 Wie es auf einer Postkarte, die man mir neulich erst schrieb so schön hieß: „Leute, geht in euch! Und bleibt dort!“ Besser ist das.

March 29, 2009

Spuren…


… im Sand. Da könnte manch ein Liebhaber von seichtem Liedgut gleich an Howie Carpendale denken. Aber hier geht es wieder einmal um einen meiner zahlreichen Streifzüge am Meer entlang. Mag sein, dass für manche alles gleich aussieht: Sand, Meer, Horizont -ja und? Und irgendwie stimmt das auch.
Aber Hobby-Philosophen wissen schon seit Jahrhunderten, dass die Stelle am Fluß, an die man noch gestern stieg, heute nicht mehr dieselbe ist. Alles fließt. Alles wandelt sich. Ja, man könnte sogar sagen, dass der Wandel das Beständige ist.
Heute ging ich also am Strand des beschaulichen Eilands, auf dem ich seit drei Monaten lebe, und stelle zum ersten Mal fest: Manmanman … das sieht aus wie und riecht nach Frühling!

March 29, 2009

Zum Nachdenken …

Der russische Autor Lew Nikolajewitsch Tolstoi hat einst sehr pointierte Worte im Hinblick auf einen menschlichen Irrtum zu Papier gebracht: “Krebse haben es gern, lebendig gekocht zu werden. Das ist kein Witz, wie häufig kann man das hören und hat es schon selbst gesagt. Der Mensch besitzt die Eigenschaft, Leiden, die er nicht sehen will, auch nicht zu sehen. Und Leiden, die von ihm selbst verursacht werden, will er nicht sehen… Krebse haben es gern, lebendig gekocht zu werden.” -Heute ist “Internationaler Tag gegen Tierversuche”.

http://www.stoptierversuche.de/

March 26, 2009

Kinder oder nicht Kinder? -Das ist echt keine Frage!


„Man lasse sich nicht von Mode hinreißen“, hat Goethe gesagt. Und der musste es ja wissen. Theoretisch zumindest. Aber das ist ein weites Feld. Und im Grunde sollte das Zitat auch nur dazu dienen den Bogen zu spannen. Also zu dem, was ich eigentlich sagen wollte.

In letzter Zeit ist es immer häufiger Mode geworden entweder Kinder total Scheiße zu finden oder gleich ein bis vier Rotznasen zu adoptieren und zwei bis drei selber in die Welt zu setzen. Klassisches schwarz und weiß also. Find ´ich doof und find ´ich gut. Für Grauzonen keinen Platz. Die Welt kann so schön einfach sein.
Kinder-Verweigerer argumentieren –manchmal recht ungelenk und so dass man denkt: Für den Depp ist es ohnehin besser keine Kinder zu haben- dass der Nachwuchs zu anstrengend sei. Außerdem rotzig, nervig, zeitraubend, Beziehung zerstörend, sinnlos (wegen Klima und der schlechten Welt an sich) und überhaupt: Alles Iiiiiii, bähhhh und pfui. Zugegeben: Manche Menschen sollten sich tatsächlich nicht unkontrolliert vermehren und sich stattdessen lieber einen Hund oder eine Zimmerpflanze anschaffen. Aber mal ehrlich: Wer so gegen Kinder wettert macht sich doch verdächtig. Denn es zeigt ja, dass sich derjenige mit dem Thema auseinandersetzt, ja sogar darüber regelrecht brütet. Mehr noch: Es zeigt, dass derjenige, ein echtes Problem zu haben scheint. Mehrere vielleicht sogar. In Frage kommende Schlagwörter sind da: Frauen/ Männern, unsteter Lebenswandel, Selbstverliebtheit, Enttäuschungen, labile Persönlichkeit weil einen Tick zu egoistisch veranlagt und so weiter. Aber vor allem schwingt da Angst mit. Vor Verantwortung. Und das ist ein echtes Argument (und auch irgendwie edel). Es wird nur leider hinter vielem Gedöns versteckt, das immer suggerieren soll, dass man schlicht zu cool ist, um Kinder in die Welt zu setzen.

Kinder-Befürworter hingegen können zu echten Fanatikern werden, die vor keinem Argument, keiner Beleidigung zurück schrecken. Kein noch so abgehalfterter Jute-Öko-Socken-Spruch ist diesen Menschen zu blöd. Am Ende geht es den meisten aber doch nur um Geld (ab dem zehnten zahlt ja Onkel Köhler), die Erfüllung des Erwartungsdrucks von Eltern (etc.), den Gedanken: Was mache ich, wenn alles Rum-Riestern doch nichts bringt und die Vorstellung von dieser Welt gehen zu müssen, ohne etwas von sich da zu lassen (und wenn es auch nur ein bisschen besseres oder eben schlechteres Gen-Material ist).

Ich bin bei solchen Themen die personifizierte Schweiz und halte es eben mit Goethe. Im Moment kann ich mir die rotzigen Teppichratten in meinem Bekanntenkreis auch nicht als Erfüllung meines Lebens vorstellen. Und der Gedanke, ein Kind zu bekommen, von dem man irgendwann feststellt: Es ist völlig missraten, ist auch nicht gerade erbauend. Also sage ich dazu nichts.
Vor vier Jahren sagte ich, dass ich Katzen nicht ausstehen kann und nie eine haben möchte. Und heute lasse ich mich von einem drei Kilo Kater tagtäglich tyrannisieren …

March 15, 2009

Flattern ist grad nicht mein Ding

Wenn man so richtig überarbeitet ist und dann auch noch feststellt, dass das durch Eduard Mörike sprichwörtlich gewordene „blaue Band“ so kurz vorm kalendarischen Frühlingsanfang gar nicht flattern möchte, macht sich Unmut breit.  Im Kühlschrank befinden sich exakt folgende Dinge: Eine vergammelte Paprika, eine Milchschnitte (deren Haltbarkeit man nicht mehr zweifelsfrei klären kann), eine Flasche Sekt (von der man weiß: Die lag, die liegt und die wird auch noch weiter da vor sich Jahrhunderte rumliegen), ein Lippenstift (weil alle sagen, Kosmetik gehört in die Kühlung, aber der kleine Kerl geriet wohl dort in Vergessenheit), ein natürlich gereifter Käse (er antwortet schon brav auf leichte Rechenaufgaben) und eine Augengelmaske (die ich noch nie benutzt habe-aber unbedingt haben musste).

Klappt man die Tür zu könnte man heulen. Vor Hunger und weil man einmal mehr weiß: Ich kann nicht kochen. Und noch schlimmer: Es ist mir sogar nach all den Jahren vollkommen Brause. Das ist das Schlimme: Die Resignation. Während man sich das noch so denkt, zieht man gedankenverloren eine Tielfkühl-Gourmetlichkeit hervor und stellt fest: Im Auftauen bin ich richtig gut! –Auch wenn Kirsch-Streusel-Kuchen keine adäquate Mahlzeit ist. Aber Kleinlichkeit ist in dieser Situation völlig fehl am Platz. In kleinen Dingen sollte man nicht kleinlich sein. –Zumindest sich selbst gegenüber nicht.

Beim überquellenden Wäschekorb hingegen hört der Spaß auf. Obwohl auch das seine guten Seiten haben kann. Denn sind alle Lieblingsstücke in der Wäsche, kommen endlich auch einmal die alten, längst vergessenen Evergreens wieder zum Zuge. –Dass man aus der Hälfte „herausgewachsen“ ist, birgt natürlich eine schwierig zu umschiffende psychische Klippe. Hat man die jedoch genommen (auch weil man zu müde für Verzweiflung ist), muss man sich nur noch darum kümmern, den Berg Wäsche irgendwo hin zu schieben, die Tür zu schließen und bis Samstag (dem Putz-, Wasch-, Mit-Familie-Telefonier und Einkaufstag) nicht wieder in besagtes Zimmer zu schauen. Bis dahin kann mich der Frühling mal und das blaue Band kann durch Lüfte flattern, wo es will –aber nicht bei mir!

  

March 12, 2009

Mediennutten

Bestimmte Menschen hat man unter der Rubrik: Mediennutte abgespeichert. Das müssen nicht immer unbedingt Leute sein, die im Fernsehen zu sehen sind und sich dort durch eine, sagen wir mal, unkonventionelle Art des Anbiederns und Im-Geschäft-Bleibens auszeichnen. Es hat selbstredend viel mit Kriecherei, materiellem Selbsterhaltungstrieb, Profilierungsneurosen, Hemmungslosigkeit bis ins Bodenlose, der Kunst des Phänomens: Fremdschämen und dem Fehlen von Synapsen zu tun.  

All das kann man prima beobachten, wenn man gezwungen ist für wenige Tage mit freiberuflichen Journalisten zusammen zu sein. Unter Hyänen ist es wesentlich angenehmer. Wenn dann noch ein Alpha-Journalisten-Weibchen eines großen Nachrichten-Magazins den Ton angibt, ist dem Rumhuren Tür und Tor geöffnet. Die eigentliche Aufgabe eines Journalisten kann da schon mal schnell in die Besenkammer verbannt werden. Frei nach dem Motto: Kritische Fragen? An die Dame von dem Magazin, bei dem ich doch ach so gern mal unterkriechen möchte? MOI?

Stattdessen wird die Tür aufgehalten (was ja eigentlich Standard sein sollte -allein, die restlichen Damen lässt man vor die Klinke laufen), ins Mäntelchen geholfen, übermäßiges Interesse geheuchelt, bei schlechten Witzen laut-lauter-am lautesten gelacht. Es werden Komplimente für die “einzigartig gute Schreibe” wie Kusshände an die Dame verteilt, ihre Thesen niemals in Frage gestellt und ihr zweifehaftes Eigenlob nur eifrig kopfnickend in Kauf genommen.

Wenn sie erzählt, dass man sich, als sie bei jenem Magazin anfing zu arbeiten, nicht einmal im Aufzug untereinander gegrüßt hat, schmunzeln alle und rufen im Chor: “Oh bitte! Erzählen Sie doch mehr!” – Fragen nach dem Sinn solcher psychischen Pointen für Arte-Gucker, stellt selbstredend niemand. Man gefällt sich in der Rolle “der anderen”,derjenigen, die dem Leser gegenüberstehen, ihn mit Häppchen füttern und dabei denken: Das große Ganze rafft ihr ja eh nicht.

Und während sie sich alle Augenhöhen-Luft schnuppernd wähnen und davon träumen, wenigstens zehn Zeilen in einem Heft für das die Dame steht zu schreiben, dreht die sich um, bedankt sich patent für die Aufmerksamkeit, ruckelt ihre miserable Frisur zurecht, lacht mit ihren schmandigen Zähnen irgendwie überheblich in den Haufen rein und düst schließlich in ihren Elfenbein-Turm zurück.

Man hätte den Damen und Herren sagen sollen, dass auf dem Hartgeldstrich dieser Tage mehr zu holen ist…

March 10, 2009

Weil ich heute so gut drauf bin!

Gibt es eine kleine musikalische Nachhilfe in Sachen: Richtige Zeichensetzung! Die Bild-Qualität ist leider nur mittelmäßig, aber egal!!!

March 8, 2009

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