Ich hasse Radfahrer. Ich kann jetzt schon förmlich sehen, wie sich die Hosenbein-hoch-Krempler-Fraktion vor dem Bildschirm aufplüstert und die Fahrradketten wetzt. Das ist mir egal. Ich empfinde Unbehagen, wenn ich mich in solchen Städten wie Münster aufhalten muss und an jeder Ecke Gefahr laufe von bösartigen Radfahrern angepöbelt zu werden, weil ich „auf ihrem Fahrradweg stehe“. Als Autofahrerin sage ich ja auch nicht: „Entschuldigung, aber sie fahren auf meiner Straße. Suchen sie sich doch mal Ihren Fahrradweg!“
Das ist ohnehin die ganz große Kunst vieler Fahrradfahrer: Immer im Recht und stets potentielles Opfer von autofahrerischer Willkür sein. Man hat gerade mal den Blinker gesetzt und grob in die Richtung eines des Weges fahrenden Radfahrers geschaut, da fällt er schon freiwillig oder flucht mit vulgären Handzeichen in Richtung Auto. Irgendwann, wenn der Tag besonders schlecht und meine Laune noch mieser sind, dann schmeiße ich so einem Fahrrad-Nazi meinen prallgefüllten Verbandskasten zwischen die Speichen und rufe dann höchstpersönlich die Polizei.
Radfahrer geben einem auch immer das Gefühl, dass man als Autofahrer faul, unbeweglich, moralisch degeneriert und außerdem für den gesamten Klimawandel verantwortlich ist. Und dabei sind das meistens genau die Kandidaten, die sich im tiefsten Winter gern mal ein Schälchen Erdbeeren oder eine Ananas in den Naturjoghurt schnippeln (wegen der bewussten Ernährung). So lange der spanische Bauer die Früchte jedoch mit dem Fahrrad zum Flugzeug geradelt hat, ist daran allerdings nichts verwerflich.
Was mich nun so vollends gegen alle Zweiräder aufbringt, ist der Umstand, dass ich gezwungen bin jeden Tag selber mit dem Fahrrad zu fahren. Bislang war ich froh, dass Sport meinen Körper noch nicht entstellt hat, aber nun gut.
Heute hatte ich eine Fahrrad-Panne verursacht durch einen aberwitzigen Fahrrad-Mechaniker, der mir einen Fahrradständer derart debil an das Rad gebastelt hat, dass er beständig am Hinterreifen schleift und so die Fahrgeschwindigkeit um die Hälfte drosselt. Ich wurde sogar von Rentnern auf dem Feldweg überholt. Das ist demütigend.
Als ich aber wutentbrannt versuchte den Fahrradständer in Hulk-Manier zu richten und offensichtlich Hilfe brauchte, offenbarte sich die ganze moralische Scheinheiligkeit der Fahrrad-Gutmenschen: Wildes Geklingel und „Achtung“-Rufe, als man mich passieren wollte und fürchtete ich könnte den Weg verstellen, hämisches Gegrinse (und wenn ich eins nicht ab kann, dann ist es das) und Bemerkungen à la „wer sein Fahrrad liebt, der schiebt.“
Kurzum: Ab morgen fahre ich wieder mit dem Auto und halte einen großen Verbandskasten bereit…