April 29th, 2009 § § permalink
… an dem der Kater zielsicher in die 5-fach Steckdose kotzt und einen Kurzschluss verursacht. Natürlich ausgerechnet zu der Zeit, als das Herrchen außer Haus ist. So hat die Tiefkühlgefrier-Kombination genügend Zeit das ewige Eis zwischen Fischstäbchen und Quark-Törtchen in einen klaren, warmen Küchen-See zu verwandeln. Das Radio spielt nur noch niederländische Lila-Laune-Bär-Musik unterbrochen von der quietschenden Stimme eines offensichtlich übermotivierten aber völlig untertalentierten Niederländers, der scheinbar die Aufnahmeprüfung an der Clown-Schule Bitterfeld auch beim fünften Anlauf nicht bestanden hat.
Das Telefon steht aufgrund leerer Akkus auch nicht mehr zur Verfügung. Also fällt das Wehklagen und Verdammen aller Elektro-Götter bei Dritten ebenso flach. Währenddessen schleicht der sich keinerlei Schuld bewusste Stubentiger um die Beine und fordert lautstark eine Mahlzeit ein. Beim Versuch den Küchen-See zu beseitigen und einen Lappen mit Wasser zu benetzen, stellt sich heraus, dass der Tag, an dem das Wasser abgestellt werden sollte, ausgerechnet dieser ist…
April 25th, 2009 § § permalink
Ich gebe es zu: Manchmal bin ich eine echte Erbsenzählerin. Wenn Menschen aus meinem nahen Umfeld unbedacht etwas daher plappern, zwinge ich mich deswegen auch innerlich immer häufiger dazu, einfach mal nichts zu sagen und stattdessen patent und möglichst sympathisch zu lächeln. Ich komme ganz gut damit klar. Es tut gar nicht weh einfach mal nichts zu sagen.
Aber jetzt bricht es wieder aus, das Erbsenzähler-Gen. Wie der kleine grüne Hulk kämpft es sich, angesichts folgender dahin gekritzelter Zeilen an mich, heraus: „Manchmal vermisse ich Dich sehr. Besonders, wenn es mir schlecht geht.“ –HALLO! Das „manchmal“ habe ich gerade noch so kurz mit einem kleinen Stolperer überflogen. Aber was ist das denn bitteschön für ein seltsam anmutender Gedankengang, wenn man jemanden immer dann vermisst, wenn es einem schlecht geht?
Wenn es mir schlecht geht, dann denke ich in erster Linie an mich. Vielleicht noch an leichte Stimmungsaufheller wie Schokolade, Sekt und Schuhe. Eventuell rufe ich meine Mutter an und hole mir dort ein wenig Zuspruch. Danach ärgere ich mich dann aber wieder so sehr über die schlauen Tipps meiner Mutter, dass ich das nächste Mal garantiert nicht wieder bei ihr anrufe.
Ich belaste einfach nicht gern andere mit meinem seelischen Müll. Und schon gar nicht würde ich jemandem schreiben, dass ich ihn lediglich als Müllabladestelle für meine kleinen Minderwertigkeits-Problemchen benutze und er mir ansonsten relativ egal ist. Ich bin doch nicht das Sondereinsatzkommando in Orange, das den Dreck weg kehrt. Das heißt ja im Grunde: Die schönen Momente und Gedanken im Leben teile ich lieber mit anderen. Für den Rest habe ich ja dich.
Manche Äußerungen sollen vielleicht wie ein Kompliment klingen. Sie tun es dann aber am Ende aus der Sicht eines verbalen Erbsenzählers eben doch ganz und gar nicht.
April 20th, 2009 § § permalink
Arthur Schopenhauer, der für seine Griesgrämigkeit und sein, sagen wir mal vorsichtig, misanthropisches Gemüt bekannt war, sagte zum Thema Neid einst folgende Worte: „ Der Neid der Menschen zeigt an, wie unglücklich sie sich fühlen, und ihre beständige Aufmerksamkeit auf fremdes Tun und Lassen, wie sehr sie sich langweilen.“ Überträgt man das auf die heutigen Verhältnisse, bleibt festzustellen: Der Weltbevölkerung ist Kontinent-übergreifend unglaublich langweilig. Da wird beargwöhnt, getuschelt, gemutmaßt, dem Nachbarn über den Zaun auf den neuen Hightech –Grill geschaut, alles mies gemacht, fortschrittliches Andersdenken ausgepfiffen und das Alles nur, um sich am Ende auf die eigene Schulter zu klopfen und sich zu der eigenen Großartigkeit zu gratulieren.
Naturgemäß kann man solche Dinge im Kleinen besonders gut beobachten. Ich lebe im Mikrokosmos Insel. Hier wird einem alles geneidet. Und sei es auch nur, dass man einen Liter täglich mehr pinkelt als der Durchschnitts-Insulaner. Da wird gleich im Rathaus ein Aushang gemacht und eine Ausschusssitzung einberufen. Wenn man gute Ohren hat, kann man sogar vereinzelt die Menschen tuscheln hören: „Die Hexe soll brennen!“Jeden Tag entdecke ich, wie das ausgeklügelte Dorf-Informationsnetz funktioniert. Jeder Fan von Überwachungs-affinen Staaten würde glänzende Augen bekommen, angesichts der „Stillen Post“ auf der Insel. Hier kann man noch nicht mal bei der Post morgens ein Paket aufgeben, ohne, dass man nachmittags von einem halben Dutzend Menschen gefragt wird, warum man dieses an die entsprechende Person verschickt hat. Hier gibt es sogar für Alkoholkranke (und davon gibt es eine Menge)Gruppentreffen der Anonymen Alkoholiker. Das Problem ist nur, dass die Anonymen sobald sie an einem solchen Treffen teilnehmen, nicht mehr anonym sind und mit Weinbrandflaschen und Mon Cheries geschmückt durchs Dorf gejagt werden.
Ach ja und wenn man zwei Fahrräder hat, dann darf man –vermutlich aus gutbürgerlichen Sozialneid-Gründen- nur EIN Fahrrad an die Hauswand lehnen. Ist ja klar…
April 14th, 2009 § § permalink
Man kann bei einigen Männern mit fürsorglicher Diktatur viel erreichen, sagen manche Frauen. Und in der Tat: Heute kochen, putzen, waschen und werkeln Männer weitestgehend freiwillig und manche behaupten gar, es würde ihnen Spaß bereiten. Wenn Frauen ihre Männer also zu alltäglichen, einfachen, nicht allzu überfordernden Tätigkeiten auffordern, verstößt das keineswegs gegen die Genfer Menschenrechtskonventionen. Dies gilt jedoch nicht für das gemeinsame Schauen von Literaturverfilmungen à la Jane Austen. Einem Mann so etwas zuzumuten ist in höchstem Maße infam. Nicht, dass es seinen Intellekt übersteigen würde. Nein, ganz im Gegenteil: Es unterfordert ihn. Er benimmt sich 90 lange Minuten wie ein überdurchschnittlich begabtes, jedoch völlig unterfordertes Schulkind: Er stört.
Zunächst ganz unauffällig, indem er sich Unmengen von Knabbereien heran schafft und diese im Abstand von zwei Minuten unaufhörlich immer wieder penetrant anbietet. Danach verschränkt er die Arme, atmet laut, windet sich im Sessel und äußert sich so: „Gibt es da etwa noch einen zweiten Teil von?“ oder „Erstaunlich, wie man 90 Minuten mit so wenig Handlung und so vielen miesen Schauspielern füllen kann.“
In solchen Momenten wünscht man sich dann wirklich, dass die Menschen von Amnesty International anrücken, ihn befreien und mitnehmen. Dann könnte man das Happy-End zwischen Mr. Darcy und Elizabeth wenigstens ohne erfundene und ungefragt zum Besten gegebene Dialoge vom linken Rand der Couch schauen…