Von Vollidioten, Shirt-Mottos, dem Roger und der Heidi

Neulich bekam ich ein Kissen geschenkt mit der Aufschrift: “Gib jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu werden”. Reflexartig boxte ich das unschuldige Ding, bis ich sicher sein konnte, dass sich nicht doch heimlich Rosamunde Pilcher oder Hera Lind drin versteckt hielten. Anschließend lehnte ich mich sogar an das fluffige Etwas in rosé an und dachte nach. Das kommt nicht besonders oft vor. Wäre ich Schlagzeugerin, käme an dieser Stelle ein Trommelwirbel.

Ich dachte an Motto-T-Shirts. Quasi die geistige Nachgeburt von Arschgeweihen. Brustgeweihe für kecke Unentschlossene. Bei wem der Geist für einen Hauptschulabschluss und zum Erlangen einer Fahrerlaubnis für einen 25 Km/h schnellen Roller reicht, fühlt sich mit Aufschriften, wie “Bier formte diesen schönen Körper” oder “100 Prozent Silikon-freie Zone” wohl. Auch bei Kegelschwestern, die es in südliche Gefilde verschlägt, darf eine gruppendynamische Zugehörigkeitsbekundung nicht fehlen. Falls man sich im Oberbayern, am Flughafen, am kalten Buffet oder im Sangria-Eimer einmal aus den Augen verlieren sollte, helfen T-Shirts mit “Unnaer Teufelchen”, “Herner Hexen auf Tour” oder “Zicken-Terror Deluxe” immens weiter. Diese Art der Kommunikation hat längst in touristischer Hinsicht den hoch gestreckten Regenschrim ersetzt.

Wer also nicht in der Lage ist im labialen, glottalen oder dentalen Bereich etwas zu formen, das einem artikulierten Wort ähnelt, ist mit Motto-Shirts auf der sicheren Seite. Und wer vermeiden möchte, dass er in eine bestimmte Kategorie gesteckt wird, in der er sich selber nicht sieht, schlüpft einfach in Shirts mit den unzweifelhaften Aufschriften -den Klassikern-: “Engelchen”, “Teufelchen”, “Sahneschnitte” oder “Thanx God, I´m a VIP”. -Ganz feste Glauben ist hierbei freilich alles.

Manche Menschen haben solche Dinge zum Unterstreichen ihrer Interessen und ihres Charakters hingegen nicht nötig. Vermutlich brauchen Menschen wie Katie Price oder Fidel Castro deswegen auch nicht noch einmal mittels eines Shirts auf ihre Gesinnung aufmerksam zu machen. Und Heidi Klum hat Motto-Shirts auch nicht nötig, um sich mitzuteilen. -Wenn man aber Donnerstag neugierigerweise (weil der Roger was von sechs Sorten in seiner kleinen, dichterischen Charakterstudie zu Heidi Klum zum Besten gegeben hat) dennoch ihre atemberaubend schlechte, miese, unvorstellbar peinliche “Moderation” einer Karikatur von Modelwettbewerb gesehen hat (und es tatsächlich bis zum Schluß durchgehalten hat), dann wünscht man sich auch für die Heidi Motto-Shirts -am besten für jede Anmoderation. Dann hätte sich das mit den sechs Sorten Sch…. auch von selbst erledigt.

Dennoch: Gestern erspähte ich tatsächlich ein akzeptables Motto-Hemdchen mit folgenden Worten: “Dank Ed Hardy erkenne ich Vollidioten sofort”. Schöner und treffender kann man es diesbezüglich einfach nicht sagen…

May 24, 2009

Easternvision Songcontest

Seit ich im fernsehfähigen Alter bin, schaue ich jedes Jahr den Grand Prix Eurovision de la chanson. Also jene musikalische Veranstaltung, die man nun ganz neumodisch Eurovision Songcontest nennt. So neckisch, wie der Name, sind mittlerweile allerdings auch die verkrachten Existenzen, die ihr zweifelhaftes Liedgut zum Besten geben.

Damals konnte man noch Celine Dion mit Pluderhose, Perlenbluse und miesen Zähnen für die Schweiz singen sehen, heute zieht Dita von Teese für Deutschland blank –ganz ohne zu singen. Und überhaupt stellt man jedes Jahr verblüfft fest, welche Länder angeblich zu Europa gehören. Wenn in den nächsten Jahren noch Indien, China und Afrika dazukommen, darf man sich also nicht wundern und verzweifelt den Schulatlas aufschlagen.

Die Zeiten des seichten Schlagers und der minimalistisch gemütlichen Bühnenunterhaltung gehören wohl für immer der Vergangenheit an. Selbst mit Nicole, die einst mit ihrer braven Dauerwelle und der riesen Gitarre ganz scheu „Ein bisschen Frieden“ einforderte, könnten wir heute keinen Blumenpott mehr gewinnen. Und warum? Wegen der Ost-Connection.

Meine Mutter brachte es vor ein paar Jahren bereits ganz schnörkellos auf den Punkt, als sie sagte: „Früher haben sie sich gegenseitig umgebracht, heute schieben sie sich die Punkte zu.“Kein Wunder also, dass Norwegen gewonnen hat. Der Sänger, ein Weißrusse, hat mit seiner fideligen Clowns-Darbietung im Grunde keinen vom Hocker gehauen, aber die buckelige Verwandtschaft, sitzt glücklicherweise überall dort, wo man freie Meinungsäußerung für eine Mär hält.

Und seit Peter Urban in diesem Jahr zum ersten Mal diese Klimbim-Kirmes-Veranstaltung nicht mit seinen süffisanten Bemerkungen begleitet hat, macht es mir ohnehin keinen Spaß mehr. Trotzdem schön, dass die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten Deutschlands jedes Jahr einige tausend Taler investieren, damit Bobby Flitter mit seinem gelockten und debil in die Kamera glotzenden Kumpel, endlich auch einmal auf einer internationalen Bühne auftreten dürfen. Aber hey, halb so wild, wird ja alles von den GEZ-Gebühren gezahlt. Quasi ein medialer Soli-Zuschlag für „Ost-Europa“.

May 17, 2009

Ein Motto unter vielen…

… und der Inbegriff des unkomplizierten Laissez-Faire. Hätte es sich das Lied nicht schon mein ganzes bisheriges Leben in einer Art Endlos-Schleife wie ein musikalischer Tinitus in meinem Ohr gemütlich gemacht, was hätte aus mir werden können? Vielleicht hätte ich in einer PR- oder gar Event-Agentur arbeiten können…-angesichts dieser Vorstellung stelle ich den imaginären Lautstärkeregler an meinem Ohr auf GANZ LAUT…

http://www.youtube.com/watch?v=E00xSY3r35s

May 4, 2009

Platz an der sonne

Ich habe ihn gefunden. Keine Sorge, ich komme jetzt nicht mit den üblichen Verdächtigen ums Eck. Es geht nicht um Männer, Schuhe oder irgend ein anderes Gekrams.
Nein, hier geht es um etwas weitaus wichtigeres: Den perfekten Platz am Strand. Ganz unverhofft schlenderte ich am Strand entlang, nachdem ich zunächst an zwei FKK-lern, die sich anscheinend im Strandabschnitt geirrt hatten und so Familien mit Kindern (und auch mir) ein angewidertes “Oh, mein Gott”, abgerungen hatten, passierte.
Fast blind angesichts so viel unappetitlicher Freizügigkeit kam ich von meinem sonstigen Weg ab und sah ein paar kleine Fußspuren, die Richtung Dünen führten. Im Naturschutzgebiet NIedersächsisches Wattenmeer darf man jedoch auf GAR KEINEN FALL nur in Richtung Dünen kommen. Hingucken ist ok, rein latschen dagegen nicht. Man könnte die Millionen von Zecken aufschrecken, die pussierlich ihr Leben in einer ungezwungenen Gras-Landschaft-WG mit all ihren Kumpels führen.
Ranger sollen irgendwo in einer Art perfekter Zecken/ Mensch – Symbiose dazwischen leben und für den Fall, dass Stacheldraht und Selbstschussanlagen versagen, trottelige Touristen abknallen.
Dennoch wagte ich mich an den Rand dieses Niemandslandes und fand eben IHN: Den bereits erwähnten perfekten Platz. Versteckt hinter etwas schüchternem Seegras, in einer Sand-Mulde für niemanden sichtbar, windgeschützt und dennoch mit direktem Blick auf das Meer…

May 3, 2009

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