There’ s no Business like Show Business!

Ja, er hat schön musiziert. Gut, aber das war auch schon alles. Michael Jackson ist sonst nicht gerade durch sein natürliches, charismatisches sowie sympathisches Wesen aufgefallen. Zuletzt hat doch nun wirklich jeder Wetten darauf abgeschlossen, wann seine Nase abfällt, während man am Flohmarkttisch den Preis für eine LP von ihm auf 2,50 Euro runter handelte.

Er war eine Karikatur von einem Menschen, den niemand auch nur annähernd mehr mit dem Hinterteil angucken wollte. Die Idee einer Tournee hat bei den meisten eher Keuchhusten statt Begeisterungsstürme ausgelöst. Und dann –ach wie rührend- lauter prominente Gutmenschen, die ungefragt aus irgendwelchen Löchern kriechen, sich vor Kameras drängeln und erklären, wie sie mit diesem schlimmen Verlust umgehen.

Madonna könne angeblich gar nicht mehr aufhören zu weinen –wenn man physisch und mental so übertrainiert ist und zusätzlich noch stark in den Wechseljahren soll das bekanntlich –unabhängig von irgendwelchen Todesfällen- häufiger vorkommen. Britney Spears ist auch ganz runter mit den Nerven, aber das ist ja nichts Neues, und Justin Timberlake säuselt, er habe ein Idol verloren. Da fragt man sich doch: Glauben die sich das eigentlich selbst? Theodor Fontane, der sich bislang noch nicht zum Tod von Michael Jackson geäußert hat, hat einmal gesagt: „Alles verdummt mich.“ Es scheint, dass die Musikindustrie über eine so fromme, sozialkritische Selbsterkenntnis schon längst hinweg ist. Das nächste Trauer-Benefiz-Konzert mit allgemein schicklicher Betroffenheitsmiene kommt bestimmt…

June 30, 2009

Über Touristen

 

Es gibt verschiedene Arten von genervt-sein. Aus dieser Artenvielfalt werde ich mir heute eine ganz besondere Art heraussuchen und sie versuchen, näher zu begründen.

Seit Anfang des Jahres lebe ich auf einer Insel. Bewusst habe ich mich dazu entschieden –trotz Sommer-Auto-Fahrverbot- etwas abseits (Insulaner sagen, es sei der Arsch der Welt) zu wohnen. Und jetzt zur Saison bereue ich diese Entscheidung kein bisschen.

Ich habe die Seiten gewechselt, seit ich an einem Urlaubsort wohne. Ich bin quasi wie Saulus, der zum Paulus mutierte. Früher lief ich selbst orientierungslos, als Spielball der einheimischen Willkür, in fremden Straßen umher, auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Mit dem Fotoapparat in der Hand, dem Lageplan ganz unten in der Beutelartigen Tasche und einem Sommer-Sonne-Bacardi-Feeling unterwegs zur nächsten Sehenswürdigkeit, dem nächsten Straßenlokal oder dem nächsten Strand. Ganz egal. Man hat ja Zeit. Man ist ja im Urlaub und nicht auf der Flucht. Alles schön entspannt.

Jetzt arbeite ich da, wo andere Urlaub machen. Andere, das sind meist Familien mit brätschigen Kindern (weil denen die Luft nicht bekommt) und Menschen jenseits der 70. Letztere Klientel erklärt die ganze Insel kurzerhand zur Fußgängerzone. In Menschenketten ähnlichen Formationen blockieren sie ganze Straßenzüge und reagieren nicht auf Fahrradgeklingel oder Zuruf. Ein bisschen erinnern solche Szenerien an „Sean oft he Dead“…diese leeren Augen, die an jedem Schaufenster, das völlig überteuerte Ware anbietet, kleben und alles laut und zehn Mal langsamer als schicklich kommentieren: „Guck mal. Ne´ Kirche. Oh, die ist aber schön. So schöne Kirchen haben wir aber nicht. Da mache ich glaube ich Mal ein Foto. Halt doch mal meine Tasche. Und jetzt suche ich den Fotoapparat. Wo ist der denn? Den habe ich doch heute Morgen noch eingepackt, bevor wir frühstücken waren. Ah, da ist er ja. Da mache ich jetzt mal die Schutzhülle ab. Hier, halte doch bitte mal die Schutzhülle, damit ich ein schönes Foto von dieser schönen Kirche machen kann. So, jetzt nur noch zoomen. Wie ging das noch mal? Ach so. Jetzt gehe ich mal einen Schritt zurück. Huch, ein Fahrradfahrer. Da warte ich noch mal, bis der weg ist […]“. –Man möchte ausrasten.

Schön sind auch Erziehungsmaßnahmen, die man hinsichtlich seiner Fahrradfahrkünste über sich ergehen lassen muss. Hier sei einmal gesagt, dass Menschen, die sonst kein Fahrrad fahren im Urlaubsort dazu neigen, sich zu überschätzen. Gerade die Balance ist da ein wichtiges Thema. Diese Saison haben es zwei Damen leider nicht geschafft, die Wegenge am alten Deich so flink wie ich zu überqueren. Das Hindernis war auf ihrer Seite, doch statt stehen zu bleiben, zieht man einfach durch und findet sich dann manchmal im Graben wieder. Verkehrsregeln sind nämlich immer ein ganz großes Thema hier auf der Insel. Touristen behaupten allen Ernstes, auf der Insel würden die normalen Straßenverkehrsregeln  nicht existieren. Rechts vor Links wird mir nichts dir nichts durch: Lassen sie mich durch, ich bin im Urlaub, ersetzt.

Auch zeigen sich viele Touristen als überaus kommunikativ. Ein Plausch mit einem Einheimischen hat einen hohen Stellenwert. Meine Bekannte, die im Auge des Tourismuswirbels wohnt, ist hier nicht zu beneiden. Das Mephisto-Schlappen-Geschwader bleibt vor ihrem Haus (das einen Eigennamen trägt) stets stehen und liest den Namen laut und meist im Chor vor. Wenn man einen ganzen Tag im Garten verbringt, kann das schon mal 30-40 Mal am Tag der Fall sein. Ganz kecke und besonders entspannte Urlauber lehnen sich dann lässig über den Zaun und rufen einen, wie eine Bedienung zu sich her und fangen ein ungezwungenes wie unnötiges Gespräch an.

Alles in allem erinnern mich die Touristen an meine Tante Almut. Die kam uns besuchen, obwohl sie keiner da haben wollte und verbreitete mit ihrer dämlichen Art nur Unmut.

Andererseits sehe ich als Hinzugezogene auch die Notwendigkeit der Touristen. Von was sollten die Einheimischen sonst leben? Mehr als Zimmer vermieten ist beim Gros der Insulaner intellektuell einfach nicht drin…

June 21, 2009

Kulinarische Denkwürdigkeiten

Essen wird überbewertet. Also gutes Essen. Das erkennt man schon, wenn man abends „Das perfekte Dinner“ guckt. Diese ganzen infantilen Hibiskusblüten-in-den-Sekt-Schmeisser und Balsamico-Tellerrand-Verzierer, die immer was ganz Besonderes kochen, das schon vom Anblick her ganz besonders Scheiße aussieht.

Jeder kann ja heute kochen oder interessiert sich zumindest dafür. Seit Jamie und seine Kumpanen grenzdebil von schätzungsweise 23.000.245 Buchtiteln grinsen (die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher) kann man gar nicht mehr so viel fressen, wie man da kotzen möchte. Fehlgeleitete Emanzipation nennt man das wohl.

Selbst Männer behaupten, ihr größtes Hobby sei über dampfenden Töpfen zu hängen und Bärlauch, Kerbel und Chiliflocken in irgendwas reinzubröseln. Und was ist das Resultat? Statt ins Restaurant wird man gleich nach Hause zum Essen eingeladen und kann sich weichgespültes Reich-mir-mal-den-Rettich-rüber-Gerede anhören.

Ich bin ehrlich. In Wahrheit würde ich natürlich auch gern kochen können. Manchmal wird mir das bewusst, so wie heute im Supermarkt. Da legt der Mensch hinter  mir die leckersten und raffiniertesten Sachen aufs Band, sodass ich mich erstens ob meiner vermeintlichen kulinarischen Höchstgenüsse schäme und zweitens versucht bin zu fragen, ob man da mitessen darf. Als dann auch noch die Kassiererin fragt, ob ich´s gern griechisch mag, möchte ich am liebsten im Erdboden versinken. Mein Einkauf sieht tatsächlich so aus, als ob ich Onkel Patros kleine Tochter wäre.

Plötzlich ist mir die Blätterteig/Feta-Schnecke total peinlich und ich höre mich sagen: „Ist ja alles für einen ausgedehnten Grillabend.“ Der junge Mann hinter mir lächelt mitleidig. Bevor ich die Sachen in den Einkaufskorb lege, höre ich den Mann mit der Kassiererin plaudern. Rezepte. Irgendwelche Gerichte, mit Zutaten und abartig komplizierten Zubereitungsempfehlungen, dass ich die Verpackung der Tiefkühl-Feta-Schnecke auf der Stelle abreiße und vor Wut hineinbeiße.

June 16, 2009

Mission: Peinlich!

Stellen wir uns einmal vor, es gäbe einen Fernsehsender, der eine Castingshow kreiert hätte, in der der Papst vielversprechende Pornostars findet. Kann sich keiner vorstellen, oder? So etwas Ähnliches findet aber jetzt immer montags auf RTL statt. Name: „Mission Hollywood“.

Der nach RTL-Aussage „erfolgreichste deutsche Schauspieler“ Till Schweiger, leitet das Projekt. Quasi der Dieter Bohlen des Film-Geschäfts. Denn der Till durfte ja schon mal in Hollywood … ja, was eigentlich? Den Wagen vorfahren, mal in die Linse blinzeln oder seine Ex-Frau kennen lernen. Till Schweigers größter schauspielerischer Triumph beschränkt sich im Grunde auf die Lindenstraße. „Keinohrhasen“ zählt nicht, weil da eh die ganze Arbeit die Nora Tschirner gemacht hat und jeder, aber auch wirklich jeder von dem Mann mit der schräpigen Stimme und dem muskulösen Oberkörper angenervt war.

Till Schweiger ist und bleibt einfach der unheimlich attraktive Schauspieler mit unheimlich wenig Talent. Ein Keanu Reeves auf Deutsch, mit lediglich zwei Gesichtsausdrücken im schauspielerischen Repertoire. Das ist nicht viel, reicht aber immerhin, um das Gesicht einer Bierreklame zu sein. Er ist halt alt und braucht das Geld. Die jungen Damen, die er -leicht erigiert- anstößige Szenen nachspielen lässt, brauchen wohl auch den einen oder anderen Taler.

Till Schweiger (in der ersten Folge mit seinem ebenso begnadeten Kollegen Heiner-ich-komm-mit-dem-Alter-nicht-zurecht-Lauterbach zusammen) hat von Talentsuche für Hollywood genauso wenig Ahnung, wie der Papst von Pornos oder Franjo Pooth von erfolgreichem Management. Die ganze Sache könnte im Grunde ja ganz ulkig sein, wenn nicht die jungen Damen durchweg den Eindruck machten, dass ihre komplette Existenz von der Schießbuden-Veranstaltung abhängig wäre.

Hoffen wir eben, dass wenigstens einer der Damen die Hand gereicht wird, um aus dem Elend heraus zukommen und die anderen wenigstens mal sagen können, sie wären von Till Schweiger angegrabbelt worden. Wenn man es recht bedenkt ist es ohnehin ein bisschen wie Germany´s next Topmodel -aber mit Sprechen, dafür ohne Heidi. Und das ist doch auch schon was…

June 8, 2009

Über Feierlichkeiten

Früher verabredete man sich, um  gemeinsam auf Parties zu gehen. Heute darf man gar nicht mehr Party sagen, weil sich das „so 90er anhört“ und die 90er den 80er Kindern peinlich sind. Erst sortierte man also Dr. Alban, Ace of Base und all die anderen musikalischen Peinlichkeiten aus, um anschließend auch das Gute-Laune-Vokabular zu tilgen. Wie dem auch sei, heute verabredet man sich jedenfalls kollektiv, um gerade nicht zu Festivitäten zu gehen. Man gibt sich bei Bedarf auch gegenseitig Alibis. Das ist eine echte Neuerung des 21. Jahrhunderts.

Das hört sich zunächst einmal paradox und unverständlich an. Allerdings kann man dieses Phänomen zusehends immer häufiger beobachten. Anscheinend hat keiner mehr Lust auf ein heiteres Miteinander. Stattdessen lösen Einladungen zu Geburtstags- oder Einweihungsfeiern in Bekanntenkreisen regelmäßig stille Telefonketten aus. Freilich ohne, dass der Einladende etwas davon mitbekommt. Zähe Verhandlungen finden hinter seinem Rücken statt. Da wird darüber diskutiert, ob und wenn „ja“ wie lange man zu dieser Feierlichkeit geht. Es wird kund getan, dass man an diesem bestimmten Datum gar keine Zeit hätte, sich aber nun verpflichtet fühlt. Dann werden die alten Feieraktivitäten des Betreffenden hervor gekramt: „Bei dem gibt´s immer nur Bier. Und weißt du noch, was der für scheiß Bekannte das letzte Mal eingeladen hat? Die Musik war auch voll daneben und am Essen hat er auch gegeizt.“ Und direkt danach kommen auch noch mal alle charakterlichen Unzulänglichkeiten auf den Tisch, die im Übrigen über die Wertigkeit des Geschenkes entscheiden: „Für den Geizkragen gebe ich kein Geld aus. Der kann froh sein, wenn ich überhaupt komme.“

Und in der Tat haben es manche Menschen auch nicht anders verdient, wenn hinter ihrem Rücken so gesprochen wird. Es gibt sie nämlich. Diejenigen, die mit weit über 40 immer noch Kindergeburtstag feiern und deren strenges Regiment die Gäste verschreckt und verstört. Nach dem Motto: Hier kann jeder machen, was ich will! Diese Menschen gängeln ihre Gäste und bestimmen, was, wann, wo und überhaupt in ihren Räumlichkeiten passiert. Selbst der Gang zur Toilette muss gerechtfertigt werden. Auch das „Rumhängen“ in der Küche ist nicht erwünscht. Ebenso kann eine Alkohol-Abstinenz nicht akzeptiert werden. Und wer zu „Westerland“ nicht „abhotten“ will, wird einfach auf die Tanzfläche gedrängelt. Wenn man dann aber autark gegen 24 Uhr sagt, man möchte jetzt gehen, eskaliert die Situation vollends. Dann kann man sich auf Wochen der Kontaktsperre einstellen und das beleidigte Gesicht bei jedem Telefonat förmlich durch den Hörer sehen.

Letzten Samstag hätte ich mich definitiv vorher zum Nichtbesuch dieses Geburtstages verabreden sollen…

June 3, 2009

Login