Piep, piep, piep

Im Fernsehen werden unanständige Worte ausgepiept. Manchmal kann man deswegen gerade nachmittags bei den Privatsendern von dem vielen Gepiepe leicht einen Tinnitus bekommen. Manchmal wünscht man sich so etwas Ähnliches auch bei Büchern. Bei Charlotte Roches Buch „Feuchtgebiete“ wäre ich sehr dankbar dafür gewesen. Auf fünf Seiten fand man da eine Bezeichnung für ein primäres, weibliches Geschlechtsmerkmal (im unteren Bereich) in 23 Variationen. Aber das sollte man nicht ausgefeilter Sprachgewandtheit zuschreiben. Hätte Roche ihre Energie auf einen weniger wackeligen Plot und auf eine Sprache verwendet, die nicht dem Niveau eines Deutsch-Kurses in der 8. Klasse entspricht, wäre der Erstling vielleicht um einiges besser geraten. Frei nach Voltaires Ratschlag: „So nachlässig können sie schreiben, wenn sie berühmt geworden sind; jetzt müssen sie sich noch Mühe geben“. Aber egal, der Durchschnitts-Leser von heute fand die vielfältigen Beschreibungen über menschliche Körperöffnungen wohl so interessant, dass sie Charlotte Roche über Wochen den ersten Platz der Spiegel-Bestseller-Liste sichern konnte. Aber das ist jetzt weit über ein Jahr her. Über das „Auspiepsen“ von Softporno-Geschreibsel müssen wir also nicht mehr reden. Trotzdem humpelt Charlotte Roche das Wort „Piepsen“ doch noch hinterher. Ende letzten Jahres als neue Talk-Partnerin von Giovanni di Lorenzo (der zweifelsohne auch schon mal besser war) in 3 nach 9 gefeiert, mokierten sich die Zuschauer nach kurzer Zeit über die allzu „Piepsige Stimme“ Roches. Als alleiniger Entlassungsgrund kann dies freilich nicht gelten.

January 20, 2010

Kleines Einmaleins der Vorurteils-Pflege

Es gibt viele Gründe, sich ein Buch nicht zu kaufen. Bei Hera Lind und Martin Walser würden mir zum Beispiel spontan einige dutzend einfallen. Doch neulich ertappte ich mich in der Buchhandlung dabei, wie ich ein Buch von Richard David Precht geradezu angewidert ins Regal zurück stellte. Und warum? Weil der Autor auf dem Klappentextfoto gut aussehend war.
Ich habe grundsätzlich nichts gegen gut aussehende Menschen. Ganz im Gegenteil. So lange sie Model, Schauspieler oder Mitglied bei den California Dream Boys sind. Aber ein gut aussehender Autor und dazu noch Philosoph? Schönheit ist beim Nachdenken doch nun echt zu nichts nutze. Das lenkt ab. Das war schon in der Uni so. Ein schöner Mann als Dozent lädt zu unreifen Tagträumen ein, statt sich über Lessings Laokoon hochtrabende Gedanken zu machen.
Literaten sind oft ungepflegt, tragen Sakkos, die an einigen Stellen beinah durch gescheuert sind oder Hemden, die nur drei Knöpfe haben und anhand deren man mühelos nachvollziehen kann, was es die Woche über zu Mittag gegeben hat (die Reste des aktuellen Mittagessens findet man hingegen noch ganz frisch im struppigen Schnäuzer). Sie tragen Brillen auf denen Abdrücke von Fettfingern zu sehen sind und sie haben Schuppen, die sich besonders gut auf dunklen Rollkragen-Pullis bemerkbar machen. Ihre Zähne sind gelb von Zigaretten und Kaffee (dem typischen Intellektuellen-Frühstück) und ihnen wachsen Haare aus Ohren und Nase. Aber das ist egal. Man erwartet nichts anderes und traut ihnen umso mehr zu, weil sie sich nicht von solch profanen Dingen des Lebens, wie Gesichtspeeling und Maniküre, ablenken lassen.
Literatur und Philosophie sind nicht sexy. Oder hat Platon die Zeiten mit seinem Höhlengleichnis überdauert, weil er so ein knackiger Kerl war? Liest man heute noch Goethes „Iphigenie“, weil der Wolfgang so einen legendären Waschbrettbauch hatte? Na also! – „Soll der Precht doch mit seinen halblangen, melancholisch durch die Gegend wehenden Haaren Marmelade oder Parfüm verkaufen. Ich lasse mich nicht von so einem treuen Rehblick einlullen. Da kann ja nichts bei rum kommen, wenn so einer Philosophie für’ s Volk machen will“, plüsterte ich mich innerlich vor dem Buchregal auf und komme mir im Nachhinein ziemlich behämmert vor. 14,95 Euro landeten am Ende doch noch auf der Ladentheke und seither schmökere ich in Prechts: „Wer bin ich? Und wenn ja wie viele“ . Und damit wäre in erster Linie nicht etwa bewiesen, dass Philosophie sexy sein kann, sondern viel mehr, dass ich nicht konsequent bei meinen Vorurteilen bleiben kann –was aber auch gar nicht so schlecht ist. Also: Ende gut, alles gut.

January 5, 2010

Aus und vorbei

Jetzt ist es passiert. Es musste ja irgendwann so weit kommen. Ich habe mich getrennt. Ich bin also quasi getrennt lebend. Er ist weg. Unwiderruflich. Mittlerweile kann ich ganz gut damit umgehen. Darüber reden funktioniert schon wieder ganz ohne Tränen. Es ging aber auch nicht mehr anders. Gerade zum Schluss hatten wir uns klassisch auseinander gelebt. Immer der gleiche Ärger. Ich war es Leid ständig Vorwürfe machen zu müssen und am Ende doch nur wieder mit meiner nicht enden wollenden Enttäuschung da zu stehen (und das oftmals auch noch am Wochenende zur besten Spielfilmzeit). Überaus ärgerlich. Zuletzt war er einfach überhaupt nicht mehr zuverlässig. Fürsorglich habe ich mich um ihn gekümmert, ihn noch einmal beschworen: „Wir schaffen das!“ Doch die Krise warf bereits ihre traurigen Schatten auf uns. Es war schlicht zu spät. Zum Schluss hat er keinen Mucks mehr von sich gegeben. Er war völlig unbeeindruckt von meiner manchmal ruppigen Art (ich gebe zu, manchmal habe ich ihn sogar geschüttelt). Vom blanken Hass mag ich gar nicht reden. Schließlich habe ich ihm gedroht, dass ich ihn eintausche, gegen einen Neuen, Jüngeren und auch viel Schöneren. Das war ihm aber egal. Unsere Freizeit verbrachten wir schon lange nicht mehr miteinander. Dabei hatten wir durchaus gute Jahre. – Naja, aber manchmal geht eben auch der beste DVD-Player kaputt und dann muss man sich eben damit abfinden

January 5, 2010

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