Ich habe sie an dieser Stelle mehr als ein Mal beschrieben, manchmal sogar beklagt: Meine Studienzeit. Mittlerweile war ich drüber weg und erinnerte mich manchmal, wie durch einen dünnen Schleier hindurch an alte, marode Betonsünden, stinkende Professoren, elitäre Dummschwätzer und wissenschaftliche Bordsteinschwalben. Mit der Zeit vergaß ich sogar sehr sorgfältig, warum ich glücklich war, aus diesem luftleeren Vakuum in die Realität geflüchtet zu sein. Bis vor Kurzem schwelgte ich gar in aufrichtigen Erinnerungen und wünschte mich an den Rockzipfel der Wissenschaft zurück. Ich glaube, man nennt das Unitalgie. Das ist sehr unangenehm.
Seit gestern ist mir wieder eingefallen, warum ich bei dem Gedanken an Universitäten spontan rektale Schmerzen verspüre. Gestern traf ich Sabrina. Sabrina ist eine ehemalige Studienkollegin von mir. Sabrina trägt seit ihrem Studienbeginn 2002 jeden Winter einen roten Schal, einen grauen Wollmantel, die gleiche Frisur und die gleiche Jeans. Auch ihr Gesichtsausdruck ist in signifikanten Momenten stets der gleiche. Sabrina schafft es auch seit 2002 nicht, den Inhalt ihrer Konversation auf Inhalte zu konzentrieren, die außerhalb des Kosmos Universität liegen. Kurz: Sabrina wird ihr Leben lang eine realitätsfremde, Sessel-pupsende Fachidiotin sein, die hinter dem goldenen Tellerrand lediglich viel weiße Tischdecke vermutet.
Allerdings wird Sabrina dieser traurige Umstand wohl nie sonderlich auffallen. Ganz im Gegenteil. Sie wird sich überaus glücklich schätzen der Troll von irgendeinem frustrierten Professor zu sein. Dankbar wird sie um ihn herum schawenzeln, ihm sagen, was er hören will, keinerlei Kritik üben, Bücher kopieren, Arbeiten schreiben über Themen, die sie sich nicht selbst aussuchen darf, Korrektur lesen und sich mit all den anderen kleinen Trollen zum Spielen und Zanken verabreden.
Falls sie dann einmal auf einen Nicht-Troll, wie mich trifft, wird sie ihre kleine, fleißige und höchst anspruchsvolle Arbeit/Mission in den Himmel loben und ein Füllhorn an Weisheit sein, das mit so Sätzen aufzutrumpfen weiß, wie: „Ich habe meinem Prof gesagt, dass für mich der Autor seit 1970 tot ist. Hahahahaha“. Dass man vorher über bolivianische Schäfer oder Fix und Foxi gesprochen hat, stört sie dabei nicht. Wenn man sich nach so einem Gespräch angewidert wegdreht, um zu gehen, ruft jemand wie Sabrina zu allem Überfluss und voll ernsthafter Inbrunst hinterher: „Vielleicht sieht man sich ja noch mal wieder. Komm´ doch mal auf einen Kaffee vorbei. Ich bin bei StudiVZ. Schreib´ mir doch mal! Ach ja, und meine E-Mail Adresse und meine Mobilfunknummer sind immer noch die gleichen. Wir können auch mal abends was Trinken gehen, wenn du magst. “ – Seit gestern weiß ich es wieder ganz genau, warum ich beim Gedanken an Uni und Co. nicht frohlocke.
… die Zeiten wo sich die Professoren die geilen Schnitten für diese Art Jobs nehmen sind
wohl auch vorbei was?
Man man …
wer weiß. geschmäcker sind ja verschieden. und kontaktarme, einsiedelnde junge damen können eben auch nicht so viel weiterquatschen….