
„Man lasse sich nicht von Mode hinreißen“, hat Goethe gesagt. Und der musste es ja wissen. Theoretisch zumindest. Aber das ist ein weites Feld. Und im Grunde sollte das Zitat auch nur dazu dienen den Bogen zu spannen. Also zu dem, was ich eigentlich sagen wollte.
In letzter Zeit ist es immer häufiger Mode geworden entweder Kinder total Scheiße zu finden oder gleich ein bis vier Rotznasen zu adoptieren und zwei bis drei selber in die Welt zu setzen. Klassisches schwarz und weiß also. Find ´ich doof und find ´ich gut. Für Grauzonen keinen Platz. Die Welt kann so schön einfach sein.
Kinder-Verweigerer argumentieren –manchmal recht ungelenk und so dass man denkt: Für den Depp ist es ohnehin besser keine Kinder zu haben- dass der Nachwuchs zu anstrengend sei. Außerdem rotzig, nervig, zeitraubend, Beziehung zerstörend, sinnlos (wegen Klima und der schlechten Welt an sich) und überhaupt: Alles Iiiiiii, bähhhh und pfui. Zugegeben: Manche Menschen sollten sich tatsächlich nicht unkontrolliert vermehren und sich stattdessen lieber einen Hund oder eine Zimmerpflanze anschaffen. Aber mal ehrlich: Wer so gegen Kinder wettert macht sich doch verdächtig. Denn es zeigt ja, dass sich derjenige mit dem Thema auseinandersetzt, ja sogar darüber regelrecht brütet. Mehr noch: Es zeigt, dass derjenige, ein echtes Problem zu haben scheint. Mehrere vielleicht sogar. In Frage kommende Schlagwörter sind da: Frauen/ Männern, unsteter Lebenswandel, Selbstverliebtheit, Enttäuschungen, labile Persönlichkeit weil einen Tick zu egoistisch veranlagt und so weiter. Aber vor allem schwingt da Angst mit. Vor Verantwortung. Und das ist ein echtes Argument (und auch irgendwie edel). Es wird nur leider hinter vielem Gedöns versteckt, das immer suggerieren soll, dass man schlicht zu cool ist, um Kinder in die Welt zu setzen.
Kinder-Befürworter hingegen können zu echten Fanatikern werden, die vor keinem Argument, keiner Beleidigung zurück schrecken. Kein noch so abgehalfterter Jute-Öko-Socken-Spruch ist diesen Menschen zu blöd. Am Ende geht es den meisten aber doch nur um Geld (ab dem zehnten zahlt ja Onkel Köhler), die Erfüllung des Erwartungsdrucks von Eltern (etc.), den Gedanken: Was mache ich, wenn alles Rum-Riestern doch nichts bringt und die Vorstellung von dieser Welt gehen zu müssen, ohne etwas von sich da zu lassen (und wenn es auch nur ein bisschen besseres oder eben schlechteres Gen-Material ist).
Ich bin bei solchen Themen die personifizierte Schweiz und halte es eben mit Goethe. Im Moment kann ich mir die rotzigen Teppichratten in meinem Bekanntenkreis auch nicht als Erfüllung meines Lebens vorstellen. Und der Gedanke, ein Kind zu bekommen, von dem man irgendwann feststellt: Es ist völlig missraten, ist auch nicht gerade erbauend. Also sage ich dazu nichts.
Vor vier Jahren sagte ich, dass ich Katzen nicht ausstehen kann und nie eine haben möchte. Und heute lasse ich mich von einem drei Kilo Kater tagtäglich tyrannisieren …
Stand mal auf einem (alten) FAZ-Fragebogen als Lebensmotto o.ä. über den Tod: Gehen ohne Spuren zu hinterlassen. Fand ich beeindruckend. Und auch schön irgendwie.
ach die faz…-ebenfalls ein weites feld…:O)