„Jeder Abschied ist betäubend“, heißt es irgendwo bei Herder. „In jeder Trennung liegt ein Keim von Wahnsinn“, sagt Goethe in seinen „Maximen und Reflexionen“. Oder in Shakespeares „Hamlet“ kann man lesen: „Der Rest ist Schweigen.“
Es ist stets ein Ringen, wenn man Abschied nehmen muss. Wenn man dazu gezwungen wird. Und keiner vorher höflich fragt, ob es recht ist. Es ist so, als ob man in tiefes Wasser geworfen wird und feststellt, dass man gar nicht schwimmen kann. Es ist ein Japsen nach Luft. Es ist eine plötzliche Leere, ein diffuses Brummen, so als ob man im Auge eines Sturmes steht. Oder in den Dünen sitzt und nur das mächtige Rauschen des Meeres hört. So recht weiß man dann nie, was und vor allem wie man etwas sagen soll. Man weiß nicht, ob jedes mühsam abgerungene Wort im Grunde zu viel ist. Einem selbst. Und den anderen. Und man fragt sich, ob ein Abschied überhaupt mit Worten spürbar gemacht werden kann. Schmerz kann man empfinden, jedoch nicht lesen oder erzählen.
Man selbst fühlt sich überflüssig in solchen Momenten. Man wünscht sich fort. Irgendwo hin. Allein. Man will sich nicht aus den abstrusesten Gründen und Gedankengängen heraus verantwortlich fühlen. Man will nicht ständig fragen: „warum?“ und sich die Gedanken wund laufen. Aber man tut es. Immer wieder. Jede Nacht aufs Neue. Und am Tag denkt man an den Rest. Während ein „hätte ich doch“, hin und wieder an einem vorbei huscht und in dem großen Irrgarten von Dingen, die man nun nicht mehr gemeinsam tun kann verschwindet. Vergangene Erinnerungen mischen sich in jedes Tun und die Gewissheit, sie nie wieder erleben zu können, kämpft sich unerbittlich hindurch.
„Im Nebel taste ich tot entlang und lasse mich willig in das Dunkel treiben. Das Gehen schmerzt nicht halb so, wie das Bleiben“, heißt es in einem Gedicht Mascha Kalékos. Das sind die kleinen Inseln, an denen man sich mühsam festhält, während man um Fassung ringt und darauf wartet, dass die Zeit vorübergeht und die bittersten Gedanken mitnimmt.