Ich habe schlaflose Nächte. Wegen ihm. Wir hatten so gute Zeiten miteinander. Damals. Als ich ausgezogen bin und allein in der neuen Wohnung saß, da war er da: Mein Wasserkocher. Was hängen an dem guten, alten Kerl nicht alles für Erinnerungen. Als ich zwei Monate auf meine neue Küche warten musste, der Balkon mein Kühlschrank war und ich mich mit zwei Kochplatten arrangieren musste, ließ er mich nicht im Stich. Ganze Drei Gänge Menüs konnte ich am Ende mit seiner Hilfe zubereiten. Ganz zu schweigen von den etlichen Heißgetränken.
Zuletzt wurde ihm dann auch sehr heiß. Der Teufel ist eben manchmal ein Eichhörnchen. Und ich bin es leider auch. Mit vier Herdplatten kann ich anscheinend immer noch nicht umgehen. Im guten Glauben die Platte angemacht zu haben, auf der der Topf steht, erwischte es den Wasserkocher. Ich brodelte zwar noch einige Zeit weiter mit dem eigenwilligen Plastikgebilde, aber der sich seltsam ausbreitende Geruch, wann immer ich ihn anstellte, stimmte mich zuletzt nachdenklich. Ich beargwöhnte den guten Kerl am Ende nur noch. Und das ist bei allem guten Willen keine Basis.
Wochenlang hielt ich es ohne aus. Denn einen Neuen zu kaufen, überfordert mich. Die Zeiten in der Wasserkocher-Branche haben sich anscheinend im Laufe der Jahre geändert. Es gibt jetzt sogar Wasserkocher, die gleichzeitig ein Toaster sind. Das kann doch nicht gut gehen. Naja, am Ende nahm ich ein Mittelklasse-Gerät von einer Mittelklasse-Firma. Er steht jetzt in meiner Mittelklasse-Küche und kocht mittelmäßigen Tee. Ich bin mittelmäßig zufrieden. Aber so ist das nun mal heutzutage. Herzlich willkommen in der schönen, neuen Welt!