Ich glaube Hesse hat einmal gesagt, dass allem Neuen ein Zauber inne wohnt. Das kann ich so nicht bestätigen. Und nachgucken, ob das tatsächlich von Hermann Hesse ist, kann ich auch nicht. Meine Bücher liegen kreuz und quer, in ihrer alphabetischen Reihenfolge drastisch gestört, in irgendwelchen Kisten, die ich vor lauter Umzugs-Horror gar nicht in der Lage bin zu öffnen.
Aber zurück zum „Zauber des Neuen“: Ich bin bekennender Ist-Zustand-Autist. Das heißt, ich mag nichts Neues. Ich will, dass alles so bleibt, wie es ist. Das ist sicherer. Und beruhigender. -Bis heute habe ich mich nicht damit abgefunden, dass der Plattenspieler vom CD-Player (schon das Wort ist so ätzend) abgelöst wurde. Und den Verlust dieser wunderschönen, alten fünf D-Mark Scheine habe ich auch nie richtig verwunden.
Dementsprechend kann man sich ungefähr ausmalen, wie ich auf größere Veränderungen reagiere. Theoretisch, ein paar Monate vorher, ist die Vorstellung von einem Umzug noch akzeptabel. Doch währenddessen machen sich schon leichte Unmuts-Anzeichen bemerkbar, wie etwa unkontrolliertes Nörgeln. Da kommt mir alles und jeder recht.
Jetzt bin ich bereits ein Stadium weiter. Ich glorifiziere meine alte Behausung und lasse kein gutes Haar an meinem neuen Heim. Alles ist mies. Es gibt keine hohen Decken, keinen Stuck, keine netten Nachbarn, keine Wohnküche und es riecht unerträglich frisch renoviert. Dass ich fast am Strand wohne, einen sagenhaften Ausblick habe und die Wohnung viel größer ist, übersehe ich konsequent.
Wäre ich fünf Jahre alt, würde ich mich vor Wut, Selbstmitleid, grenzenlosem Unmut und Jammer an die Türklinke hängen, auf und ab springen, laut schreien und anschließend irgendwem vors Schienbein treten. Aber ich bin ja schon groß und packe stattdessen doch die Bücherkisten aus. Ganz brav und fleißig. Und nörgle währenddessen nur noch ein bisschen und ganz leise vor mich hin, bis ich schließlich mit einem Buch in dem ganzen Chaos lesend auf dem Boden verwundert um mich schauend feststelle: Ich bin zuhause.
Etwas traditionalistisch veranlagt zu sein ist eine liebenswerte Marotte, werte Laura. Soweit Du Dich schön langsam von Windeln, Schnuller, und Babynahrung lösen kannst. Und Mutter nicht mehr nervst wenn Dir nach Milch ist… ;)
mittlerweile sitze und spreche ich schon recht manierlich. fürs nächste jahr nehme ich mir dann mal vor den jakobsweg zu krabbeln…mit traditionalistischem gedankengut oder dergleichen hat das aber nichts zu tun.eher mit nostalgie, so im sinne von: samstag abend in den 80ern. frottee-schlafanzug. wetten dass…-aber darüber bin ich auch schon wech. so weit geht der autismus auch nicht, dass er sich in masochismus umwandel würde….:O)
…ach Schwesterherz…lass ein bisschen Zeit vergehen…*schnief*