Wenn man aktives Familienmitglied ist, hat man es oft nicht leicht. Als Gabi dies feststellte war sie vierzehn, in der Blüte der Pubertät und hatte eine feste Zahnspange. Sie trug T-Shirts mit der Aufschrift: „Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung“ oder „Ich bin die geistige Nachgeburt der RAF.“ Im Großen und Ganzen war demnach absolute Vorsicht im Umgang mit diesem Kind geboten.
Ihre Tante –mütterlicherseits- störte dies nicht. Denn sie war ihres Zeichens staatlich geprüfter Kinderschreck. Sie arbeitete im Sekretariat der Schule, in der sich Gabi ein Mal im Monat eine fünf im Fach Mathematik abholte. Gabi schaffte es nie schneller zu sein, als der Finger ihrer Tante auf der Wählscheibe des Schultelefons. Kam sie zu Hause an, stand ihre Mutter schon mit enttäuschter Miene vor ihr und sagte: „Hat es schon jemals ein dümmeres Kind, als dich gegeben?“ –Ihr großer Bruder rief dann, bevor Gabi anfangen konnte zu heulen, voller Inbrunst: „Ja! Mich!“
Wenn Gabi sich dann bei Gelegenheit bei ihrer Mutter bitterlich über dieses Tier von Tante beschwerte, sagte diese nur milde lächelnd: „Ach Gabi! Sei doch nicht so hart. Tanten sind auch nur Menschen!“ Davon war Gabi jedoch nicht ganz überzeugt, denn ihre Tante geriet jedes mal, wenn es um das Thema Kirche ging, derart aus der Fassung, dass man hätte meinen können, zwei kleine Hörner juckten auf ihrem Kopf.
Gabis Tante war davon überzeugt, dass niemand ein besserer Christ sei, als sie und ihr Mann, nebst Tochter. Sie waren quasi die Hardcore – Christen unter all den anderen Kuschelrock – Christen. Dies zeigte sich besonders, als Gabi zum Konfirmanden – Unterricht gehen sollte. Warum diese Ungläubige, Geld fixierte, kleine Göre überhaupt zum Unterricht in die heilige Kirche ginge, fragte sie einmal ganz ketzerisch. Bevor Gabi auf sie stürmen und sie mit einem Ziegenfuß bewusstlos schlagen konnte, besann sie sich und sagte: „ Von meinem Konfirmationsgeld finanziere ich mir einen lang gehegten Traum. Ich werde zum Judentum konvertieren und in einen Kibbuz ziehen.“
Ab diesem Tag war es amtlich. Gabi war, nach der Meinung ihrer Tante: „Dem Teufel näher als Gott.“ Somit ist über die nun folgenden dreizehn Jahre nicht viel Schönes über dieses verwandtschaftliche Verhältnis zu berichten. Es blieb fortan beim verbindlichen Ignorieren. Und wenn sich Gabi doch nicht dagegen wehren konnte, über die Mischpoke in Rage zu geraten, beruhigte sie sich mit dem Satz: „Die Hämorriden fangen an zu jucken!“ Wahlweise kam auch der Schlager: „Ich glaub´ es geht schon wieder los…“ zum Zuge.
Doch um die obligatorischen Familienfeiern kam Gabi auch mit fortschreitendem Alter nicht drum herum. Runde Geburtstage waren da ganz besonders schlimm. Als der 60. Geburtstag der Tante im großen Rahmen gefeiert wurde, half keine vorgeschobene Krankheit. Ihre Mutter (dem Vater war´s gleich) bestand darauf: „Du kommst mit!“ Schon beim Eintreten in den festlich geschmückten Raum hatte Gabi ein ungutes Gefühl, den restlichen Abend betreffend. Die Stimmung in dem Raum kam ihr vor, wie bei der Einweihung einer Kläranlage.
Doch es half alles nichts. Sie tanzte mit Onkel Uli, Onkel Klaus, Onkel Rudi, hörte brav jede noch so dämliche Rede, erhob das Glas nach jeder unehrlichen Lobpreisung und hielt manchen Schwatz mit älteren Damen. Relativ schnell hatte sie einen gewissen Pegel erreicht und fühlte sich plötzlich in der Form für eine Rede. Sie erhob das Glas und sprach: „Meine Liebe Tante, es ist soweit. Ich schüttle ein Gedicht aus meinem poetischen Kleid. Dass du so alt geworden bist ist klasse, auch wenn mancher hier denkt, du hättest es besser gelassen. Sind die Ansichten auch noch so dumm und der Arsch immer breiter. Das Leben geht ja trotzdem weiter. Die Tochter verheiratet mit einem Münsterländer Bauern. Da hilft auch kein Bedauern. Der Ehegatte besucht lieber den Puff. Aber auch das ist dir kein Verdruss! Mangelt es dir auch oft an Manieren und dem nötigen Respekt, so gratuliere ich dir heute und freue mich, wenn´s dir jetzt noch schmeckt!“
haste ma drei sätze?
1. Sie hatte heute schon wieder so schlechte Laune.
2. Ob der Friseur ihr die weiße Strähne nachfärbt?
3. Ich heiße Josephin-A, nicht Josephin-E
ach judith…du GUTE…ich ernenne dich feierlich zu meiner muse!
Ja ich erkenne verdächtig viele Sachen wieder…
Und DANKE das Du mir die Rede für den 70ten schon geschrieben hast!
Das werde ich dann dar bieten… Danke!!!
gar nicht für! -du solltest mal den obligatorischen familien-feier-sketch sehen, den ich schon vorbereitet habe…;O)