Letzte Nacht hatte ich einen mysteriösen und aberwitzigen Traum mit sportlichem Hintergrund. Als ich durch das Dortmunder Nachtleben ging, begegnete mir Thomas Doll, der gerade seine Lieblingsdiscothek im Achselshirt verließ und tanzend vor sich hin brabbelte: “Da lach’ ich mir doch’n Arsch ab, wenn ich das höre … ich? Und nicht auf den Boxen tanzen dürfen? Da lach´ ich mir doch den Arsch ab, Freunde …” Mir war selbst im Traum klar, dass das nur eins bedeuten konnte: Einen leisen Abgang und somit die Frage, wer trainiert das Häufchen Elend in Dortmund weiter. Irgendwer muss es ja schließlich tun.
Die Antwort blieb mir der Traum nicht lange schuldig. Vor dem Westfalenstadion rollten sie schon den roten Teppich aus und hefteten sich Jürgen Klopp-Buttons ans Revers. Unter Konfetti-Regen sprachen sie im Chor: “Isch bin a Meenzer Bübsche, isch hock net gern im Stübsche …“
Am Stadion Rote Erde hingegen fand ein konspiratives Treffen statt und ich sah in der Mitte der Menschenansammlung Abgesandte des 1.FC Köln stehen, die fragten, ob wir einen Klopp gegen einen Daum tauschen würden. Entzückt rollten alle Beteiligten wild mit den Augen und klebten sich einen dezenten Schnäuzer unter die Nase.
Verwirrt von den vorherigen Bildern ging ich zur Wiege des BVB, dem Borsigplatz, um dort Trost zu finden. Auf einer Parkbank saßen dort Werner Lorant und Mario Basler. Sie rauchten und gaben ein paar jugendlichen Fußballspielern unter lautem Husten Tipps: “An den Mann, an den Mann … Mensch! In den Mann! Blutgrätsche kennt ihr Geigenzeisige wohl gar nicht mehr, was? Was heißt hier: Fair geht vor? Da kannste gleich aufs Mädchenpensionat gehen. Was hast du? Schmerzen im Bein? Bänderdehnung? Muskelanriss? Ich drück mal gleich meine Zigarette auf deinem Oberschenkel aus und der Onkel Mario versohlt dir mit seiner Adi-Lette den Hintern, bis’de endlich wieder mal deinen Arsch Richtung Tor schwingst …!“
Als ich diese beiden da so einträchtig sitzen sah und ihre wohlgeformten Worte vernahm wusste ich, was Borussia Dortmund fehlt: Ein Trainer und ein Co-Trainer, die keine psychologischen Gespräche mit ihren Spielern führen und sie nach jeder Auswechslung am Arsch tätscheln. Der BVB braucht zwei Trainer, die das Potential haben in den Wahnsinn zu verfallen, die durchdrehen wenn es nicht rund läuft, bei denen man nicht weiß, ob sie ihre Medikamente heute schon bekommen haben, die jede Woche eine Trappatoni-Pressekonferenz abhalten, wenn ihnen der Sinn danach steht. Zwei Trainer, die vor laufenden Kameras schlechte Zeitungsberichte aufessen und Uli Hoeneß als das ansehen, was er ist: Eine kleine verbrutzelte Rostbratwurst.
Und da erschien mir plötzlich ein Fußball-Engel, der genau über Lorant und Basler schwebte. Da wachte ich auf und hoffte, dass dies nicht nur ein Traum bleiben würde. In den Abendnachrichten haben sie zumindest schon einmal den Rausschmiss von Doll verkündet …