Wer hat noch keins, wer möchte noch eins? – In einem thüringischen Dorf werden seit neustem Schlaglöcher verkauft, und die gehen –laut Bürgermeister- weg wie warme Semmel.
So mancher Autofahrer hat die kleinen Untiefen im Straßenbelag schon regelrecht lieb gewonnen und möchte nun für das zahlen, was ihm und seinem fahrbaren Untersatz Monate lang unendliche Freude bereitet sowie unvergessliche Riesen-Slalom-Abfahrten im olympischen Sinne beschert hat. Und die Gemeinde ist ihrerseits glücklich, dass die Bürger für das zahlen, was ansonsten ins städtische Portemonnaie riesen Löcher gerissen hätte. Zum Spottpreis von nur 50 Euro bekommt man sein ganz persönliches und anheimelndes Schlagloch. Doch nach eigenem Gusto kann man diese kleinen Straßenabgründe keineswegs gestalten.
Stattdessen wird der sanierte Straßenabschnitt mit einer Plakette inklusive Wunschaufschrift versehen. Toll! Mein Vorschlag: „Ich habe beides gefüllt: Ein Schlag- und ein Haushaltsloch. –Man tut eben was man kann…“ – Die Griechen könnten so viel von uns lernen!
Städtische Entwicklungshilfe
March 4, 2010
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Vorsicht, ich eskaliere
So langsam wird es ja lästig. Diese unsäglichen Ausraster jedweder Fußball-Größen vor laufenden Kameras. Wenn ich mich früher als Kind in einem unsagbaren Anfall von Wut und Rechthaberei an die Türklinke gehangen habe, auf und ab gesprungen bin, hat mich meine Mutter eine Weile hüpfen lassen, mich an den Schultern gepackt und schließlich gefragt, ob sie mir mal den Puls fühlen soll. Meistens war es dann gut. Wenn nicht, hat mein Vater mich unter den Arm geklemmt und mich strampelnder Weise auf mein Zimmer komplementiert.
Solche Möglichkeiten haben Journalisten im TV freilich nicht. So gesehen am Samstag nach dem Spiel Schalke gegen Dortmund auf dem Bezahlsender Sky. Da gab Felix Magath einen Einführungskurs ins sinnlose Randalieren und Pöbeln. Einen Sport-Journalisten Geheimbund gegen Schalke sah der Verschwörungs-Theoretiker gar und verabschiedete sich aus dem Bild, um dennoch weiter wie ein Rohrspatz zu zetern. Zurück blieb ein Sport-Moderator, der sich ganz sicher auf das nächste Interview mit Magath sehr freuen dürfte. Im Journalismus heißt es nämlich leider nur allzu oft: Reiz ihn nicht, denn er könnte eskalieren. Und deswegen muss man sich so manches Mal die ein oder andere Frage verkeifen.
Man sollte stark über Türklinken in Fernsehstudios nachdenken…
March 1, 2010
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Die Achse des Bösen auf Reisen: Zeit für zarte Panik
Wir müssen alle sparen. Auch, wenn es ums Reisen geht. Das dachte sich wohl auch ein Reisebüro aus Prag und bietet nun kurzerhand Reisen für Plüschtiere an. Für nur 90 Euro reist das Kuscheltierchen statt dem Besitzer dann über den Globus und schickt Bilder mit den jeweiligen Sehenswürdigkeiten im Hintergrund sowie ein paar persönliche Worte per E-Mail an seinen Eigentümer.
Meine schlimmsten Erwartungen aus den 90ern werden auf diese Weise also doch noch wahr: Die Diddl-Maus wird lebendig. Und noch übler: Sie weitet ihr Wirkungsfeld aus. Bald werden Kinder in der ganzen Welt mit diesem debilen Plüsch- Mäuschen, der Geißel der 90er Jahre, herumlaufen. Eine Diddl-Manie wird erneut ausbrechen und in der Schule werden Kinder wieder Federmäppchen, Filzstifte, Schulranzen versehen mit dieser „Maus des Bösen“ tragen.
Denn das ist sie. Woher ich das weiß? In den 90ern wurde ich in der Spielwarenabteilung bei Karstadt von einer fünf Meter hoch aufgestapelten Diddl Maus-Formation begraben und das kurz nachdem ich mich wenig schmeichelhaft über diesen Nager geäußert hatte. Die dicke, 80 Zentimeter große Obermaus (der Kopf der Gang), thronte vorher ganz oben und stürzte sich im Fallen durch die 500 anderen Maus-Kollegen zielstrebig auf mich. Seither weiß ich, dass es diese treu dreinblickende Maus faustdick hinter den Ohren hat.
Und an dieser Stelle spreche ich mich ausdrücklich für härtere Einreisebestimmungen, penible Personenkontrolle und entsprechende Vermerke bei den Reisepapieren der Diddl-Maus aus, damit die „Achse des Bösen“ nicht ohne weiteres über den Globus ziehen kann.
February 26, 2010
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Hässlich aber erfolgreich
Es gibt Retourkutschen, die sind derart offensichtlich, dass sie schon bald wieder peinlich sind und ganz genau zeigen, wie sehr sich jemand über irgendeinen Umstand geärgert hat.
Dazu gehört die folgende: Die Briten haben in einer Umfrage die Deutschen zum hässlichsten Volk auf diesem Erdenrund gewählt. Amerika hingegen belegt Platz eins. Da sind zwar dreiviertel der Menschen stark übergewichtig, aber dafür ist Hollywood von wunderschön operierten Menschen bevölkert, die zum Lachen die Reißverschlüsse hinter den Ohren lockern müssen. Vielleicht mögen die Briten das auch einfach. Sie mögen ja auch schließlich die Queen, Rugby und frittiertes Snickers. Und schlank muss ja nicht immer gleichbedeutend mit schön sein. Das mit der Schönheit ist eben so eine Sache (siehe: Kate Moss, Prince Charles und all die anderen Satelliten-Schüssel-Köpfe von da drüben) Soweit so gut.
Jetzt habe ich die Liste mal etwas näher studiert und festgestellt, dass knapp vor uns Schottland und die Niederlande rangieren. Aha. Fall gelöst. Briten und Schotten pflegen ein wenig herzliches Verhältnis zueinander. Es hat seit vielen hundert Jahren Tradition sich hart aber herzlich zu beschimpfen und Aversionen im Fußball offen sowie gezielt auszuleben (Die Premier-League ist nicht umsonst auch als Holzhacker-League bekannt). Genauso bei den Niederländern, die die Briten jedoch mehr mögen, weil sie nicht genau nebenan wohnen. Und die Deutschen? Da sind die Engländer eben besonders nachtragend. Wie oft haben wir den Jungs schon einen fußballerischen Triumph im letzten Moment noch vom Schlappen genommen…ja, da kann man schon missmutig werden und weiß sich am Ende nur noch mit solchen Umfrage-Ergebnissen zu helfen…
February 23, 2010
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Flatter doch endlich!
Wo ist es bloß? Mörikes sprichwörtlich gewordenes, blaues Band ist noch nicht einmal im Anmarsch. Diese unerfreuliche Nachricht und der Blick auf Kachelmanns Wetterkarte, lassen kaum noch Platz für schöne Gedanken. Der Winter lässt einem zum resignierten, schlecht gelaunten Pragmatiker werden. Im Kühlschrank herrscht Leere. Gedankenverloren zieht man eine Tielfkühl-Gourmetlichkeit hervor und stellt kurzzeitig erfreut fest: Im Auftauen bin ich richtig gut! –Auch wenn Kirsch-Streusel-Kuchen keine adäquate Mahlzeit ist. Aber Kleinlichkeit ist in dieser Situation völlig fehl am Platz. Beim überquellenden Wäschekorb hingegen hört der Spaß auf. Obwohl auch das seine guten Seiten haben kann. Denn sind alle Lieblingsstücke in der Wäsche, kommen endlich auch einmal die alten, längst vergessenen Evergreens wieder zum Zuge. –Dass man aus der Hälfte „herausgewachsen“ ist, birgt natürlich eine schwierig zu umschiffende psychische Klippe. Hat man die jedoch genommen (auch weil man zu müde für Verzweiflung ist), muss man sich nur noch darum kümmern, den Berg Wäsche irgendwo hin zu schieben, die Tür zu schließen und bis Samstag (dem Putztag) nicht wieder in besagtes Zimmer zu schauen. – Frühling, wo bist Du nur?
February 16, 2010
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Karneval für Anfänger
Es kommt weder lustig noch extravagant mitten in einer Warteschlange laut „Helau“ zu rufen, wenn man sich in Köln befindet. Auch ist es nicht zu verzeihen, statt Karneval „Fasching“ zu sagen. Und wer die falschen Karnevalslieder singt fliegt eh raus. Alles in allem ist Karneval also eine komplizierte und nur temporär spaßige Angelegenheit. Das ist harte Arbeit.
Alles fängt mit einem pointierten Kostüm an. Hier gilt: Minimaler Aufwand, maximaler Effekt. Manchmal reicht schon die neuste Ausgabe der Süddeutschen unterm Arm, ein abgeschabtes Jackett, eine Nickelbrille, ein Karohemd, eine Cord-Hose und ein möglichst gelangweilter Blick, um als Intellektueller oder als frustrierter FAZ-Redakteur durch zu gehen. Denn gerade Männer haben ja oft Probleme, das richtige Kostüm zu finden. In diesem Zusammenhang muss man auch ganz entschieden erwähnen, dass Verkleidungen als Stangen-Gemüse – wie es seit ein, zwei Jahren durchaus Mode zu sein scheint – nicht nur unbequem sondern auch sehr unpraktisch sind. Einmal in den widerstandsfähigen, Luft undurchlässigen Ganzkörper-Schaumstoff gezwängt, gibt es kein Entrinnen mehr. Hoffnungslose Optimisten sind jene, die meinen ein normaler Toilettengang wäre an diesem Tag noch ohne weiteres möglich…
Außerdem sollte man an einem Karnevalstag auf gar keinen Fall weitere Termine wahrnehmen. Insbesondere keine wichtigen, die einen vor Nervosität die Nacht vorher nicht schlafen lassen. Völlig übernächtigt könnte es einem nämlich leicht passieren, dass man zielsicher morgens an einem gesellschaftsfähigen Outfit vorbei, zum Karnevals-Kostüm greift und diesen Irrtum erst abgehetzt im Auto bemerkt. Selbst wenn man den Kleider-Wechsel dann noch schafft, ist das Nervenkostüm den Rest des Tages dünn wie Seidenpapier. Im Gehirn herrscht urplötzlich gähnende Leere und auf dem großen freien Platz scheint sich der kleine Bruder der Migräne, der Kopfschmerz, breit zu machen. Der Rest des Tages ist dann kaum noch zu ertragen.
Ein anderer wichtiger Punkt sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Unbedingt sollte man sich nach dem letzten Zug, der gen Heimat fährt rechtzeitig schon vor der Abfahrt erkundigen (z.B.: Köln-Dortmund 22.21 Uhr, Gleis 12), sonst muss man womöglich bis sechs Uhr morgens auf dem kalten Bahnhof warten, und diese Zeit kann extrem lang werden, wenn bereits gereizte Stimmung in der Reisegruppe herrscht.
Beachtet man dieses kleine Einmaleins des närrischen Frohsinns, steht einem einwandfreien und fröhlichen Rosenmontag nichts mehr im Wege.
February 16, 2010
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Niederdruck vs. Hohlraum
Trinken Sie sich hin und wieder auch ein Gläschen Tomatensaft? Aber nur im Flugzeug? Dann gehören Sie zu den Menschen, die dem Niederdruck im Flugzeug hoffnungslos erlegen sind. Denn der sorgt dafür, dass der Tomatensaft in der Luft irgendwie besser schmeckt. Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass die Geruchs- und Geschmacksschwelle bei niedrigem Druck angeblich höher liegt. Insgesamt sei dies in etwa so, als habe man einen leichten Schnupfen. Deswegen riecht wahrscheinlich das überteuerte Parfüm-Wässerchen aus dem Duty-Free Sortiment besser und das drittklassige Bord-Essen findet man geschmacklich plötzlich auch ganz ok. Gott sei Dank haben sich die bayrischen Wissenschaftler in monatelanger Kleinarbeit um dieses Phänomen gekümmert, weder Mühen noch horrende Forschungsgelder gescheut, um all jene zu rehabilitieren, die man sonst über den Wolken wohlmöglich leichtfertig als Tomatensaft-Wichtigtuer abgetan hat. Aber wie kommt es nur, dass Menschen, die in Gruppen fliegen, sagen wir beispielsweise eine Kegeltruppe oder eine Herren-Fußballmannschaft, mit dem Einstieg in ein Flugzeug reflexartig sämtliche Ballermann-Hits zum besten geben, Bier wie Wasser trinken und der Stewardess unaufhörlich Zweideutigkeiten unter dem Kichern der Mitgereisten an den Kopf werfen? Gruppen-Hohlraum-Versiegelung nennt man das glaube ich. Vielleicht hat ja auch das etwas mit dem Niederdruck zu tun. Wenn das Reinhard Mey wüsste…
February 13, 2010
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Lauter Mist!
Ich musste mich in der Vergangenheit an dieser Stelle schon öfter über Gedenktage zweifelhafter Natur wundern. Und auch heute kann ich es Ihnen nicht ersparen. Das Jahr 2010 wird als internationales Jahr der biologischen Vielfalt gehandelt. Nicht zufällig fallen also ausgerechnet der europäische Singletag und der Valentinstag auf ein Wochenende. Das ist so, als würden Dolly Buster und der Papst zusammen Geburtstag feiern. Wer sich liebt, braucht keinen Tag, an dem die Blumenpreise in exorbitante Höhen schnellen und in allen Läden geschmacklose Plüsch-Herzen rumliegen, die man dann auch noch überteuert erwerben und dem gequält freudestrahlenden Schatz überreichen soll. Und wer Single ist, braucht auch keinen Tag, an dem ihm wieder einmal klar wird, dass er steuerlich diskriminiert und gesellschaftlich bei anstehenden Spiele- und Kochabenden befreundeter Pärchen geächtet wird. – Solche Tage bringen doch keinen weiter. Um diesem heutigen Eintrag hier dennoch einen versöhnlichen Anstrich zu geben und dabei sowohl die Liebenden als auch die Nicht-Liebenden nicht vor den Kopf zu stoßen, hier ein Zitat von Heinrich Heine, das es ganz gut trifft: „Du fragst mich, Kind, was Liebe ist? Ein Stern in einem Haufen Mist“. In diesem Sinne: Schönes Wochenende!
February 11, 2010
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Mit dem Plumpssack unterwegs
Kennen Sie noch das Spiel: „Dreh‘ dich nicht um, der Plumpssack, der geht um“? Das ist ein bisschen so wie „Schwarzer Peter“ nur mit durch die Gegend laufen. Zwangsläufig musste ich in den vergangenen Tagen immer öfter an dieses Spiel denken. Hinter Oliver Bierhoff türmen sich ja nun ganze Plumpssack-Generationen und er wird sie nicht wieder los. Stattdessen hört er immerfort das wenig schmeichelhafte Medienecho: „Den braucht keiner“, „Raffzahn“, „Verlogenes Shampoo-Model“ und viele mehr charmante Eindeutigkeiten in dieser Richtung. Fußball-Deutschland ist undankbar. Jahrelang dümpelte man nichtsnutzig vor sich hin und feierte einen Vorrundensieg über Usbekistan wie einen Sechser im Lotto. Gern erinnerte man sich an die goldenen Zeiten mit Andi Köpke, Jürgen Klinsmann und natürlich Oliver Bierhoff. Da aß man noch Duplos und Hanutas in rauen Mengen, um sich die Wohnung flächendeckend mit Fußball-Bildchen zu bekleben. Als der Jürgen uns dann wieder flott und das Sommer-Märchen für uns klar machte, hätte man ihm alles gezahlt nur damit er bleibt. Er ging. Doch bevor es hieß „Deutschland: Ein Tränenmärchen“, krempelten Jogi und Bierhoff die Ärmel hoch. Zwanziger und Co. war das nur recht. Nur einer grämte sich derweil wie Rumpelstilzchen im Hintergrund und fühlte sich als Fußball-Philosoph bis heute übergangen. – Nein, die Rede ist dieses Mal nicht von Lothar Matthäus. – Mein Opa hat einst im altehrwürdigen Westfalen-Stadion gesagt: „Unter tausend Roten, gibt es nur einen Guten. Und Mathias Sammer ist es nicht“. Recht hatte er …
February 11, 2010
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