Bestimmte Menschen hat man unter der Rubrik: Mediennutte abgespeichert. Das müssen nicht immer unbedingt Leute sein, die im Fernsehen zu sehen sind und sich dort durch eine, sagen wir mal, unkonventionelle Art des Anbiederns und Im-Geschäft-Bleibens auszeichnen. Es hat selbstredend viel mit Kriecherei, materiellem Selbsterhaltungstrieb, Profilierungsneurosen, Hemmungslosigkeit bis ins Bodenlose, der Kunst des Phänomens: Fremdschämen und dem Fehlen von Synapsen zu tun.
All das kann man prima beobachten, wenn man gezwungen ist für wenige Tage mit freiberuflichen Journalisten zusammen zu sein. Unter Hyänen ist es wesentlich angenehmer. Wenn dann noch ein Alpha-Journalisten-Weibchen eines großen Nachrichten-Magazins den Ton angibt, ist dem Rumhuren Tür und Tor geöffnet. Die eigentliche Aufgabe eines Journalisten kann da schon mal schnell in die Besenkammer verbannt werden. Frei nach dem Motto: Kritische Fragen? An die Dame von dem Magazin, bei dem ich doch ach so gern mal unterkriechen möchte? MOI?
Stattdessen wird die Tür aufgehalten (was ja eigentlich Standard sein sollte -allein, die restlichen Damen lässt man vor die Klinke laufen), ins Mäntelchen geholfen, übermäßiges Interesse geheuchelt, bei schlechten Witzen laut-lauter-am lautesten gelacht. Es werden Komplimente für die “einzigartig gute Schreibe” wie Kusshände an die Dame verteilt, ihre Thesen niemals in Frage gestellt und ihr zweifehaftes Eigenlob nur eifrig kopfnickend in Kauf genommen.
Wenn sie erzählt, dass man sich, als sie bei jenem Magazin anfing zu arbeiten, nicht einmal im Aufzug untereinander gegrüßt hat, schmunzeln alle und rufen im Chor: “Oh bitte! Erzählen Sie doch mehr!” – Fragen nach dem Sinn solcher psychischen Pointen für Arte-Gucker, stellt selbstredend niemand. Man gefällt sich in der Rolle “der anderen”,derjenigen, die dem Leser gegenüberstehen, ihn mit Häppchen füttern und dabei denken: Das große Ganze rafft ihr ja eh nicht.
Und während sie sich alle Augenhöhen-Luft schnuppernd wähnen und davon träumen, wenigstens zehn Zeilen in einem Heft für das die Dame steht zu schreiben, dreht die sich um, bedankt sich patent für die Aufmerksamkeit, ruckelt ihre miserable Frisur zurecht, lacht mit ihren schmandigen Zähnen irgendwie überheblich in den Haufen rein und düst schließlich in ihren Elfenbein-Turm zurück.
Man hätte den Damen und Herren sagen sollen, dass auf dem Hartgeldstrich dieser Tage mehr zu holen ist…