Im Fernsehen werden unanständige Worte ausgepiept. Manchmal kann man deswegen gerade nachmittags bei den Privatsendern von dem vielen Gepiepe leicht einen Tinnitus bekommen. Manchmal wünscht man sich so etwas Ähnliches auch bei Büchern. Bei Charlotte Roches Buch „Feuchtgebiete“ wäre ich sehr dankbar dafür gewesen. Auf fünf Seiten fand man da eine Bezeichnung für ein primäres, weibliches Geschlechtsmerkmal (im unteren Bereich) in 23 Variationen. Aber das sollte man nicht ausgefeilter Sprachgewandtheit zuschreiben. Hätte Roche ihre Energie auf einen weniger wackeligen Plot und auf eine Sprache verwendet, die nicht dem Niveau eines Deutsch-Kurses in der 8. Klasse entspricht, wäre der Erstling vielleicht um einiges besser geraten. Frei nach Voltaires Ratschlag: „So nachlässig können sie schreiben, wenn sie berühmt geworden sind; jetzt müssen sie sich noch Mühe geben“. Aber egal, der Durchschnitts-Leser von heute fand die vielfältigen Beschreibungen über menschliche Körperöffnungen wohl so interessant, dass sie Charlotte Roche über Wochen den ersten Platz der Spiegel-Bestseller-Liste sichern konnte. Aber das ist jetzt weit über ein Jahr her. Über das „Auspiepsen“ von Softporno-Geschreibsel müssen wir also nicht mehr reden. Trotzdem humpelt Charlotte Roche das Wort „Piepsen“ doch noch hinterher. Ende letzten Jahres als neue Talk-Partnerin von Giovanni di Lorenzo (der zweifelsohne auch schon mal besser war) in 3 nach 9 gefeiert, mokierten sich die Zuschauer nach kurzer Zeit über die allzu „Piepsige Stimme“ Roches. Als alleiniger Entlassungsgrund kann dies freilich nicht gelten.
Der Bauer sucht wieder …
RTLs großes Ass im kunterbunten Sendeärmel der locker-leichten Unterhaltung läuft wieder. Karohemden-Träger werden mit verniedlichenden adjektivischen Stabreimen wie: „Der musikalische Milchbauer Michael“ oder „der schöne Schweinebauer Siegfried“, belegt.
So oder so, beide könnte man getrost als „Depp“ beschreiben. Jedenfalls scheint das die Sichtweise der RTL-Produzenten auf die Singles vom Land zu sein. Man weiß schon bei diesen sprachlichen Stil Elementen, die die Stimme aus dem Off stets möglichst harmlos daher flötet nicht, ob es sich im Grunde um eine handfeste Beleidigung und Bloßstellung oder tatsächlich um den sprachlichen Geschmack des TV-Senders aus dem fröhlichen Rheinland handelt. Der Redakteur von „Bauer sucht Frau“, scheint sein Handwerk auf dem zweiten Bildungsweg in der Baumschule erlernt zu haben.
Intellektuelle Insolvenz
Jemand der schon vor längerer Zeit intellektuelle Insolvenz angemeldet hat, bekommt jetzt –so ist das nun einmal im deutschen Fernsehen- eine eigene Fernsehsendung: Oliver Pocher.
An seinem Beispiel kann man zweierlei ablesen. Erstens: Einfachen Erfolg kann man sich erarbeiten und erblödeln, richtigen Erfolg bekommt man aber nur mit der richtigen Mediennutte an seiner Seite. Und wenn die auch noch nach sechs Monaten Bekanntschaft, bereits im fünften Monat schwanger ist, dann ist es kaum noch auszuhalten mit dem Erfolg. Zweitens: Auch kleine, verschüchterte Jungs, die stets der Klassendepp waren, werden zu großen Jungs, die ihre Minderwertigkeitskomplexchen hinter prophylaktischen Brachial-Witzen und neben blonden Schmuckverkäuferinnen verstecken. Motto: Ist die Lebensabschnittsgefährtin so eine gesellschaftliche Witzfigur, dass ich mich locker-launig, pseudo-selbstironisch drüber lustig machen kann, schaut keiner auf mich.
Neben Onkel Harald Schmidt hat der Aushilfspraktikant im letzten Jahr tendenziell eher selten glänzen können. Nun beklagt er sich, dass Schmidt ja immer nur „der Gute“ gewesen sei, während ihm vorgeworfen wurde, die Sendung kaputt gemacht zu haben. Drücken wir es einmal wohlwollend aus: Harald Schmidt hat das getan, was er kann – Pocher kann im Grunde nichts, aber das ganz gut. Zumindest reicht es für die Privaten. Eine Paris Hilton fürs mediale Volk quasi.
Als quengelndes, verstoßenes Stiefkind der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten macht er sich dementsprechend genauso schlecht, wie als Moderator beim Privatsender Sat1. Und so leistete ihm in seiner ersten Sendung ein weiteres verstoßenes Einzelschicksal Gesellschaft: Johannes B. Kerner. Über den hat er sich früher auch lustig gemacht, aber hey: Pocher steht so dermaßen über allem, dass man meinen könnte, er hätte tatsächlich in seinem Leben mehr erreicht, außer ner Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen.
Ich habe es damals schon gesagt: Das wird nichts. Der Rest ist Geschichte. Schon das Studio, in dem Pocher jetzt immer freitags durchs Programm führt, verdeutlicht Pochers Dilemma: Alles ne Nummer zu groß und irgendwie auch geschmacklich verirrt. Man weiß nicht, ob man an eine Juppie-Erst-Wohnung oder an einen Nachtclub für Schwule denken soll. Und bei den Einspielern ertappt man sich auch zwangsläufig bei dem Gedanken: Früher war es lustig, jetzt ist es großspurig-abgedroschen. Denn der Pocher, der mit der Doppel-Ex des deutschen Tennis liiert ist und über rote Teppiche flaniert, großkotzige Interviews gibt und statt mit seinem Klein-Jungen-Bengel-Charme nun mit Großgrundbesitzer-Manier in jede sich bietende Kamera faselt, hinterlässt beim Zuschauer einen seltsamen Eindruck.
Ihm wird es wie Niels, Anke und all denen gehen, die irgendwann das dürre Strohhälmchen „Eigene Fernsehshow“ ergriffen haben und von allen Umstehenden bestärkt wurden und am Ende ziemlich kleinlaut von Dannen ziehen mussten. Der Abgesang kann vorbereitet werden…
October 10, 2009
- Fernsehen
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Sommerloch-Liebe
Die Zeiten sind mies. Ausgerechnet jetzt haben sich zwei, zeitlich gut auf das Sommerloch abgestimmt, dazu entschlossen ein Kind auf dieses Erdenrund zu setzen. Sandy Meyer(-ich-designe-angeblich-Schmuck-und-kann-sonst-nichts)-Wölden und Oliver(-ich-durfte-mal neben-Harald-Schmidt-sitzen)-Pocher werden Eltern.
Schon lange vor der freudigen Nachricht hatten beide bereits medial flächendeckend debil in jede Kamera gelächelt und so schöne Sachen im Rosamunde-Gedächtnis-Stil gesagt, wie: „Man muss sich Zeit geben, um sicher zu sein, dass man zusammen passt“. Fünf Monate Beziehung (oder Bekanntschaft) sind offensichtlich Zeit genug, um im dritten Monat schwanger zu sein. Immerhin ist Sandy Meyer-Wölden nun schon ganze zwei Monate länger mit Pocher zusammen, als seinerzeit mit Boris Becker. Das lässt auf eine günstigere Prognose hinsichtlich des Haltbarkeitsdatums dieses medialen Königspaares hoffen. Schließlich sagte er einst liebevoll über sie: „Für Sandy trifft die Redensart zu: Zu jung zum Sterben, zu alt für Lothar Matthäus“.
Das muss Liebe sein.
Dem Michael sein kleines Einmaleins
Michael Schumacher ist wie MacGyver. Angus MacGyver, der Mann aus der 80er Jahre Erfolgsserie, mit der unorthodoxen Vokuhila (Vorne kurz hinten lang) – Frisur konnte alles, so lange er nur ein Schweizer Messer, eine Kugelschreibermiene und eine Rolle schnöden Klebebands dabei hatte.
Ja, MacGyver war ein Tausendsasser. Michael Schumacher ist da nicht anders. Zunächst überrascht der Rennfahrer – Rentner mit seiner temporären Rückkehr ins Formel 1 Cockpit, nun fliegt er auch noch in die unendlichen Weiten des Alls und spielt im Horst Schlämmer-Film sich selbst (wie ulkig). Selbstredend dribbelt er ab und zu den Fußball bei ein paar Benefiz-Turnieren, fährt für den gleichen Zweck Ski, vermarktet alles, wo sein schnittiges Kinn drauf ist und fährt – ganz familiär und ebenso telegen – seine Frau zu Pferdereitturnieren, um am Zaun zu stehen und in die Kameras zu winken.
Es scheint fast, als hätte der 40-jährige statt einem ehrgeizigen und straffen Terminkalender, einen Zwilling, der die ganzen Aufgaben mit abarbeitet. Aber Michael Schumacher ist eben doch nur eine Person. Zwar nicht mit Klebeband, Schweizer Messer und einer blühenden Phantasie, dafür aber mit Willy Weber (seinem Manager mit lächerlich großer Golduhr am Handgelenk), einem kleinen Bruder (dem der große jetzt noch mal zeigt, wie man ein Formel 1 Auto richtig fährt und Moped dazu) und einem untrügerischen Gespür für die beste Zeit, um sich wieder ins Gespräch zu bringen (und die alten Fan-Artikel doch noch unters Volk zu bringen). Chapeau, man muss kein MacGyver sein, um zu wissen das die Rechnung aufgehen wird. -Man kann ihm jedoch nur wünschen, dass er nicht – wie MacGyver im wahren Leben – Kati Witt sexuelle Gefälligkeiten erweisen muss…so weit sollte er nicht gehen…..NEIN!
“Da kann man gar nicht…
… so viel fressen, wie man da kotzen möchte“, würde der Dichter sagen. Ich zahle alle drei Monate einen krummen Betrag um die 50 Euro. Ich nenne es liebevoll: „Mediales Schutzgeld“. 7,26 Milliarden Euro nahm die GEZ im Jahr 2008 auf eben diese Weise ein. Für was frage ich mich dieser Tage wieder besonders erzürnt?
Für die schönen Zielgruppen-Filme à la Rosamunde Pilcher, Traumschiff Reloaded, Forsthaus Falkenau und all die anderen Eigengewächse, bei denen immer die gleichen üblichen Verdächtigen mitspielen dürfen, die sonst keine Sau im Film-Geschäft mehr freiwillig engagieren würde? Wenn ich noch ein Mal Iris Berben durch die afrikanische Savanne grinsen sehe oder Heino Ferch in einem völlig sinnlosen Geschichts-Epos auf einem Pferd tierquälerisch dahin trappeln sehe, beiße ich in die Auslegeware. Und bei Ich-halt-meine-Fresse-für-alles-in-die-Kamera-so-lange-die-Kohle-stimmt Ferres resigniere ich mittlerweile und betrinke mich mit Wäschebleiche.
In der Sommerzeit kommt der Zuschauer der Öffentlich-Rechtlichen ja nun zu ganz besonderen Ehren: Er darf all die alten Sachen zur Prime-Time noch einmal schauen. Mir wäre es ja im Grunde egal. Ich schaue ja nur die fußballerischen Sportveranstaltungen. Aber eben auch jeden Sonntag den „Tatort“. Ist es denn da etwa zu viel verlangt…-nein, oder anders: Ist es den Menschen von der ARD eigentlich nicht selber peinlich, den Zuschauern diesen alten Scheiß zur besten Sendezeit anzudrehen, der sonst freitags auf dem WDR läuft? Für 7,26 Milliarden kann man doch nun echt mehr verlangen!
Aber Hauptsache, all die schönen Nischen-Sender, wie Theater-, Info- und was, weiß ich- Kanäle laufen. Ob nun mit 50 oder 50.000 Tausend Zuschauern am Tag, egal. Woanders werden solche Formate dicht gemacht, bei den Öffentlich-Rechtlichen erhält man diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Steht ja auf finanziell guten Füßen. –Dank der ganzen Schutzgeldzahler, die abends einfach nicht von übel riechenden Menschen mit schlechten Manieren bedrängelt werden möchten. Wie gesagt: Da kann man gar nicht so viel…wie man da wieder…aber naja…
Es ist schon fast ein bisschen ulkig: Das Pochen auf freien, unabhängigen Qualitäts-Journalismus und dann den Zwangs-Zuschauer schaffen. Aber ich finanziere Despoten gern ihr Luderleben…
Über Gesundheit, Sicherheit und das Alter
Es ist doch paradox. Als Kind wollte man ganz dringend und unbedingt „groß“ sein. 20, 30, 40 –egal, Hauptsache weit jenseits der ersten 0 im Leben. Hätte man in den 80ern –meiner Kindheit- jedoch gewusst, dass es im 21. Jahrhundert fast ein bisschen Sittenwidrig ist, öffentlich zu altern und jedem seine ersten, zarten Fältchen zu zeigen, hätte man sich vielleicht nicht ereifert möglichst „reif und altklug“ für sein Alter zu wirken. Ich hätte also nicht Björn Engholms „Ich gebe ihnen mein Ehrenwort“, einfach aus den Nachrichten aufgeschnappt und es bei jeder sich bietenden Situation in den Redefluss eingearbeitet. „Laura, du musst heute noch dein Zimmer aufräumen!“ „Mach ich heute Abend, Mama –ich gebe ihnen mein Ehrenwort!“ -
Bald steht die dritte 0 in meinem Leben an und schon heißt es: „Altes Mädchen“ und man wird von geringfügig Jüngeren wie „Tante Laura“ behandelt. Ich kann nicht leugnen, dass ich mich erst jüngst dazu entschlossen habe, meine giftgrünen Mokassins samt Tasche auszusortieren, da ich mir albern damit vorkam. Man will schließlich nicht irgendwann in die Kategorie Ibiza-Oldie mit dem Faible für Buntes, Burlies und Bum-Bum-Musik fallen.
In einer Zeit, in der sich Menschen für ein glattes Äußeres lieber Reißverschlüsse hinter die Ohren setzen lassen (die sie nachts zum Schlafen öffnen müssen), legt man auch immer mehr Wert auf Sicherheit. Man fürchtet sich heutzutage vor allem. Im Großen und im Kleinen. Leute versichern sich gegen den Einschlag eines Meteoriten oder einer Rakete in ihrem Vorgarten oder aber dagegen, dass sie beim Hinaustreten aus dem beschaulichen Eigenheim von einem Regentropfen erschlagen werden könnten. Für jede Eventualität hat man die richtige Versicherung parat. Ach ja und die Jahresuntersuchungen am Auto sowie am eigenen Leib hält man auch besser geflissentlich ein. Dafür sorgt schon das optimale Zusammenspiel von Pharmaindustrie und Medienlandschaft. Eine fruchtbare Symbiose…
Warum sollte es mir also anders gehen? Da habe ich nun endlich Landgang und hänge am Dienstag bei BMW rum, um wie eine besorgte Mutter das Ergebnis des Werkstatt-Menschen zur Hauptinspektion in Empfang zu nehmen und heute stiefle ich beim Hautarzt raus (Peter Kloeppel sagte neulich ja wieder was von Risikogruppen zur Sommerzeit) und fühle mich richtig gut. Jetzt nur noch zum Augen, Haus- und Frauenarzt und ich kann ein Häkchen in mein Check-Heft machen und den Rest des Jahres unbekümmert leben. Dafür opfere ich mal eben die Hälfte meines Jahresurlaubs und bekomme vor lauter Gedanken machen und Grübeln, Falten. Und fürs Herz ist das auch nicht gut. Von der Seele ganz zu schweigen.
Das 21. Jahrhundert kann mich mit seinen ganzen Gesundheits-, Sicherheits- und Alterswahn – Animositäten echt mal irgendwo gern haben… -da gebe ich ihnen meine Ehrenwort!
Mission: Peinlich!
Stellen wir uns einmal vor, es gäbe einen Fernsehsender, der eine Castingshow kreiert hätte, in der der Papst vielversprechende Pornostars findet. Kann sich keiner vorstellen, oder? So etwas Ähnliches findet aber jetzt immer montags auf RTL statt. Name: „Mission Hollywood“.
Der nach RTL-Aussage „erfolgreichste deutsche Schauspieler“ Till Schweiger, leitet das Projekt. Quasi der Dieter Bohlen des Film-Geschäfts. Denn der Till durfte ja schon mal in Hollywood … ja, was eigentlich? Den Wagen vorfahren, mal in die Linse blinzeln oder seine Ex-Frau kennen lernen. Till Schweigers größter schauspielerischer Triumph beschränkt sich im Grunde auf die Lindenstraße. „Keinohrhasen“ zählt nicht, weil da eh die ganze Arbeit die Nora Tschirner gemacht hat und jeder, aber auch wirklich jeder von dem Mann mit der schräpigen Stimme und dem muskulösen Oberkörper angenervt war.
Till Schweiger ist und bleibt einfach der unheimlich attraktive Schauspieler mit unheimlich wenig Talent. Ein Keanu Reeves auf Deutsch, mit lediglich zwei Gesichtsausdrücken im schauspielerischen Repertoire. Das ist nicht viel, reicht aber immerhin, um das Gesicht einer Bierreklame zu sein. Er ist halt alt und braucht das Geld. Die jungen Damen, die er -leicht erigiert- anstößige Szenen nachspielen lässt, brauchen wohl auch den einen oder anderen Taler.
Till Schweiger (in der ersten Folge mit seinem ebenso begnadeten Kollegen Heiner-ich-komm-mit-dem-Alter-nicht-zurecht-Lauterbach zusammen) hat von Talentsuche für Hollywood genauso wenig Ahnung, wie der Papst von Pornos oder Franjo Pooth von erfolgreichem Management. Die ganze Sache könnte im Grunde ja ganz ulkig sein, wenn nicht die jungen Damen durchweg den Eindruck machten, dass ihre komplette Existenz von der Schießbuden-Veranstaltung abhängig wäre.
Hoffen wir eben, dass wenigstens einer der Damen die Hand gereicht wird, um aus dem Elend heraus zukommen und die anderen wenigstens mal sagen können, sie wären von Till Schweiger angegrabbelt worden. Wenn man es recht bedenkt ist es ohnehin ein bisschen wie Germany´s next Topmodel -aber mit Sprechen, dafür ohne Heidi. Und das ist doch auch schon was…
June 8, 2009
- Fernsehen
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Von Vollidioten, Shirt-Mottos, dem Roger und der Heidi
Neulich bekam ich ein Kissen geschenkt mit der Aufschrift: “Gib jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu werden”. Reflexartig boxte ich das unschuldige Ding, bis ich sicher sein konnte, dass sich nicht doch heimlich Rosamunde Pilcher oder Hera Lind drin versteckt hielten. Anschließend lehnte ich mich sogar an das fluffige Etwas in rosé an und dachte nach. Das kommt nicht besonders oft vor. Wäre ich Schlagzeugerin, käme an dieser Stelle ein Trommelwirbel.
Ich dachte an Motto-T-Shirts. Quasi die geistige Nachgeburt von Arschgeweihen. Brustgeweihe für kecke Unentschlossene. Bei wem der Geist für einen Hauptschulabschluss und zum Erlangen einer Fahrerlaubnis für einen 25 Km/h schnellen Roller reicht, fühlt sich mit Aufschriften, wie “Bier formte diesen schönen Körper” oder “100 Prozent Silikon-freie Zone” wohl. Auch bei Kegelschwestern, die es in südliche Gefilde verschlägt, darf eine gruppendynamische Zugehörigkeitsbekundung nicht fehlen. Falls man sich im Oberbayern, am Flughafen, am kalten Buffet oder im Sangria-Eimer einmal aus den Augen verlieren sollte, helfen T-Shirts mit “Unnaer Teufelchen”, “Herner Hexen auf Tour” oder “Zicken-Terror Deluxe” immens weiter. Diese Art der Kommunikation hat längst in touristischer Hinsicht den hoch gestreckten Regenschrim ersetzt.
Wer also nicht in der Lage ist im labialen, glottalen oder dentalen Bereich etwas zu formen, das einem artikulierten Wort ähnelt, ist mit Motto-Shirts auf der sicheren Seite. Und wer vermeiden möchte, dass er in eine bestimmte Kategorie gesteckt wird, in der er sich selber nicht sieht, schlüpft einfach in Shirts mit den unzweifelhaften Aufschriften -den Klassikern-: “Engelchen”, “Teufelchen”, “Sahneschnitte” oder “Thanx God, I´m a VIP”. -Ganz feste Glauben ist hierbei freilich alles.
Manche Menschen haben solche Dinge zum Unterstreichen ihrer Interessen und ihres Charakters hingegen nicht nötig. Vermutlich brauchen Menschen wie Katie Price oder Fidel Castro deswegen auch nicht noch einmal mittels eines Shirts auf ihre Gesinnung aufmerksam zu machen. Und Heidi Klum hat Motto-Shirts auch nicht nötig, um sich mitzuteilen. -Wenn man aber Donnerstag neugierigerweise (weil der Roger was von sechs Sorten in seiner kleinen, dichterischen Charakterstudie zu Heidi Klum zum Besten gegeben hat) dennoch ihre atemberaubend schlechte, miese, unvorstellbar peinliche “Moderation” einer Karikatur von Modelwettbewerb gesehen hat (und es tatsächlich bis zum Schluß durchgehalten hat), dann wünscht man sich auch für die Heidi Motto-Shirts -am besten für jede Anmoderation. Dann hätte sich das mit den sechs Sorten Sch…. auch von selbst erledigt.
Dennoch: Gestern erspähte ich tatsächlich ein akzeptables Motto-Hemdchen mit folgenden Worten: “Dank Ed Hardy erkenne ich Vollidioten sofort”. Schöner und treffender kann man es diesbezüglich einfach nicht sagen…
Easternvision Songcontest
Seit ich im fernsehfähigen Alter bin, schaue ich jedes Jahr den Grand Prix Eurovision de la chanson. Also jene musikalische Veranstaltung, die man nun ganz neumodisch Eurovision Songcontest nennt. So neckisch, wie der Name, sind mittlerweile allerdings auch die verkrachten Existenzen, die ihr zweifelhaftes Liedgut zum Besten geben.
Damals konnte man noch Celine Dion mit Pluderhose, Perlenbluse und miesen Zähnen für die Schweiz singen sehen, heute zieht Dita von Teese für Deutschland blank –ganz ohne zu singen. Und überhaupt stellt man jedes Jahr verblüfft fest, welche Länder angeblich zu Europa gehören. Wenn in den nächsten Jahren noch Indien, China und Afrika dazukommen, darf man sich also nicht wundern und verzweifelt den Schulatlas aufschlagen.
Die Zeiten des seichten Schlagers und der minimalistisch gemütlichen Bühnenunterhaltung gehören wohl für immer der Vergangenheit an. Selbst mit Nicole, die einst mit ihrer braven Dauerwelle und der riesen Gitarre ganz scheu „Ein bisschen Frieden“ einforderte, könnten wir heute keinen Blumenpott mehr gewinnen. Und warum? Wegen der Ost-Connection.
Meine Mutter brachte es vor ein paar Jahren bereits ganz schnörkellos auf den Punkt, als sie sagte: „Früher haben sie sich gegenseitig umgebracht, heute schieben sie sich die Punkte zu.“Kein Wunder also, dass Norwegen gewonnen hat. Der Sänger, ein Weißrusse, hat mit seiner fideligen Clowns-Darbietung im Grunde keinen vom Hocker gehauen, aber die buckelige Verwandtschaft, sitzt glücklicherweise überall dort, wo man freie Meinungsäußerung für eine Mär hält.
Und seit Peter Urban in diesem Jahr zum ersten Mal diese Klimbim-Kirmes-Veranstaltung nicht mit seinen süffisanten Bemerkungen begleitet hat, macht es mir ohnehin keinen Spaß mehr. Trotzdem schön, dass die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten Deutschlands jedes Jahr einige tausend Taler investieren, damit Bobby Flitter mit seinem gelockten und debil in die Kamera glotzenden Kumpel, endlich auch einmal auf einer internationalen Bühne auftreten dürfen. Aber hey, halb so wild, wird ja alles von den GEZ-Gebühren gezahlt. Quasi ein medialer Soli-Zuschlag für „Ost-Europa“.
May 17, 2009
- Fernsehen
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