Erwischt!

November 9th, 2008 § 2 comments § permalink

Ich bin eine schlechte Lügnerin. Im Grunde kann ich überhaupt nicht lügen. Irgendetwas verrät mich immer. Mal zuckt das Auge,  ich grinse, schaue auffällig weg oder fange an zu schielen. Manchmal kratze ich mich am Bauch oder hinter dem Ohr, wie ein Hund der Flöhe hat. Man braucht mich aber auch nur eingehend und prüfend lange Zeit anzuschauen –ohne eine Silbe zu sagen- und ich gebe von allein zu, dass ich gelogen habe. Psychischen Druck dieser Art halte ich schwer aus.

Diese Eigenschaft macht mich für jede Form des Glücksspiels ungeeignet. Auch bestimmte Berufe bleiben auf Grund dieser charakterlichen Eigenart für mich unerreichbar.  Früher hat es mich genervt und viele Freundschaften gekostet. Heute macht es einiges bedeutend einfacher. Man spart immens viel Zeit, wenn man von vornherein die Wahrheit sagt. Und die Menschen halten einen für charakterlich stark und reif. Ab und zu allerdings auch für unglaublich dumm. –Ein bisschen Schwund ist eben immer.

Wenn man von sich weiß, dass man aufrichtig und ehrlich ist, nimmt man dies auch pauschal von allen anderen an. Und dann ist man jedes Mal aufs Neue völlig konsterniert, wenn man plötzlich das Gegenteil feststellt. Viele haben das Lügen für sich perfektioniert. Manchen fällt eine Lüge auszusprechen sogar leichter, als die Wahrheit zu sagen. Das ist nicht immer verwerflich. Wenn jemand die Wahrheit nicht hören will und ein anderer zum Lügen bereit ist, zeigt sich in diesem Umstand zweierlei. Entweder tiefe Zuneigung oder Angst vor den möglichen Konsequenzen.

Viele Lügen verletzen, wenn man sie erst einmal enttarnt hat. Andere Lügen hingegen kann man akzeptieren, vielleicht sogar ein bisschen lieb gewinnen. Meine absolute Lieblingslüge stammt von meinem Vater und ist schon einige Jahre alt. Der hat, als er allein das Haus und die Haustiere hüten sollte, nicht mitbekommen, dass ich meine heißgeliebten Wellensittiche –wohlweislich- in eine kompetentere Obhut vor meinem Urlaub gegeben habe. Als ich dann –nach fast zwei Wochen- aus dem Urlaub anrief, erkundigte ich mich nach dem Wohl meiner Wellensittiche. –Stille am anderen Ende der Leitung-. Dann ein kurzes Räuspern. Nervöse Stille. -„Die Wellensittiche? … Ja, …also…ähm…denen geht ´s gut. Die Pfeifen fröhlich, essen ihre Hirsestange am Tag und machen … naja…äh…was man halt …äh…als Wellensittich so den ganzen Tag macht.“

Über Theater – Menschen

November 4th, 2008 § 6 comments § permalink

Es gibt Menschen, die ändern mit dem Eintauchen in andere Berufs-Dunstkreise alles: Ihre Einstellung, ihre Ansichten, ihren Charakter, ihren Humor, ihr Äußeres  und ihren kompletten Freundeskreis. Das fällt mir ganz besonders auf, wenn Menschen plötzlich anfangen am Theater zu arbeiten. Dass Schauspieler generell einen an der Klatsche haben, muss an dieser Stelle nicht noch einmal gesondert erwähnt werden…

Wenn jemand anfängt am Theater zu arbeiten –und sei er dort auch nur als Parkplatzwächter beschäftigt- verkauft oder verschenkt er zunächst seinen Fernseher und hat fortan ein Abo für die Süddeutsche. Dann trifft man diesen Menschen nur noch morgens Kette rauchend, Kaffee trinkend und Zeitung lesend in irgendeinem Straßencafé. Ganz abgeklärt wird dann lediglich nur noch mit dem Kopf kurz zugenickt, bevor weiter an der Gauleoise gezogen und per dezentem  Handzeichen ein zweiter schwarzer Kaffee bestellt wird.
 
In Unterhaltungen wird dieser Mensch immer mehr zum Einzelschicksal. Nie stimmt er inhaltlich den Gesprächsbeiträgen zu, den Humor empfindet er aufeinmal als unter seinem Niveau und überhaupt vermittelt er gewollt den Eindruck, als sei das Gespräch Zeitvertrödelei. Wenn er jedoch einmal das Wort ergreift, möchte dieser Mensch bitteschön aussprechen und auch nicht durch Gekicher oder Augenverdreherei gestört werden. Ein allzu achtlos dahingesagtes Wort empfindet ein Theatermensch als barbarisch: „Das tut mir hier [ Fingerzeig aufs Herz ] weh, wenn du so etwas halbherziges sagst!“

Gemeinsame freizeitliche Aktivitäten werden immer problematischer. Erstens weiß man nicht mehr so recht, worüber man noch reden soll, zweitens ist alles außer Theater unwichtiger Tand und intellektuell wenig ansprechend. Über einen einstudierten und zurechtgelegten Witz über Brecht, wird jedoch gern und ausführlich geschmunzelt. Das ist erlaubt.

Die neuen Freunde aus dem Theater bekommt man nur sporadisch auf der Straße zu Gesicht. Denn mit dem Arbeiten im Theater werden Feiern veranstaltet, die entweder im Theater stattfinden oder unter Ausschluss des alten Bekanntenkreises. Schließlich könnte ja irgendjemand die Geschichte mit dem Slibowitz oder ebenso gut eine beliebig andere erzählen, die das neue Ich in ein unschmeichelhaftes Licht vor den neuen Freunden rücken könnte. –Bloß keine Zeugen der Vergangenheit!

Wenn die Theater-Gehirnwäsche dann vollends geglückt ist, wird das Äußere dem Inneren angepasst. Also: Trockenpflaume. Die Haare werden in einen Rot-/ Karottenton eingefärbt, gepflegte Kleidung ist nicht länger wichtig. Hauptsache ist, die Klamotten sind schwarz und ein Rollkragenpulli ist dabei. Wenn dann auch noch der Augenarzt eine minimale Sehschwäche festgestellt hat, steht der Komplettierung durch eine randlose oder schwarz eingefasste Brille nichts mehr im Wege.

Zum Ende wird´s dann hässlich. Man trennt sich im Streit, in dessen Verlauf dann irgendjemand irgendetwas Unschönes sagt und der andere etwas noch Unschöneres erwidert. -Dann fällt der Vorhang und alle gehen nach Hause.

Wenn sich das Innere nach Außen kehrt…

October 15th, 2008 § 3 comments § permalink

… ist das zumindest in blutigen Horrorfilmen kein schöner Anblick. Wenn jedoch mit dem Inneren nicht Eingeweide, sondern die geistige Haltung oder Gedanken, Gefühle und Ähnliches gemeint sind, kann das sehr aufschlussreich sein. Ein Freund nahm neulich ganz verstohlen seine Mütze vom Kopf und sagte keine halbe Sekunde später vorwurfsvoll forschend: „Was guckst du so auf meine wenigen Haare?“ Dabei hatte ich eigentlich die ganze Zeit auf die kleine Stubsnase geschaut, die mir schon immer viel zu schön für einen Mann erschien. Dass er wenig, beziehungsweise kaum Haare mehr hat, scheint ihn demnach  mehr zu stören, als meine Wahrnehmung.

Warum stellt man sich selbst immer ein so unschmeichelhaftes Zeugnis aus? Warum kann man  nicht einfach mal sagen: Naja, ich habe wenig Haare und spare dadurch viel Shampoo, Zeit zum Frisieren und unnötige Friseurbesuche. Warum lenkt man freiwillig die Aufmerksamkeit der Menschen immerzu auf die eigenen äußeren Unzulänglichkeiten und tut dabei so, als hätten die anderen keine? Das ist beinah so, als ob man sehenden Auges in einen Hundehaufen rennt und sich nachher darüber ärgert, dass man Scheiße am Schuh hat.

Es ist absurd und somit leider wieder symptomatisch für die Vollspacken-Gesellschaft in der wir leben, dass man sich für etwas schämt, für das man nichts kann. Und noch absurder ist es sich deswegen minderwertig zu fühlen. Die Früchte dieser Absurdität sind dann in einem solchen Fall peinliche Fiffis, die man auf der Pläte  drapiert , oder bunte Truckermützchen.

„Gefallen wollen heißt sich zu erniedrigen,“ hat Gustave Flaubert einmal in einem ähnlichen Zusammenhang sehr schön gesagt. Demjenigen der versucht das Manko zu kaschieren ist nicht wohl dabei und die, die das Manko trotzdem erkennen lachen weiter drüber und zusätzlich noch über den misslungenen Versuch. Schwierig auszumachen, wer hier dümmer von den beiden Parteien ist.

Anders verhält es sich hingegen mit innerlichen Unzulänglichkeiten. Niemand gibt freiwillig und offen zu, dass er charakterliche Schwächen hat, die im zwischenmenschlichen Umgang  störender sind, als wenig Haare auf dem Kopf. Hätte dieser Freund an diesem Tag gesagt: „Ich weiß, ich bin unheimlich unzuverlässig, vergesslich und manchmal auch recht oberflächlich“ hätte ich lediglich erwidert: „Stimmt. – Aber dagegen kann man ja was tun.“

Namensschubladen

August 25th, 2008 § 8 comments § permalink

Neulich grüßte mich jemand aus der Menge souverän mit Vornamen. So etwas hasse ich und halte ich zudem auch für Klugscheißerei. Ich weiß ja schließlich, wie ich heiße. Und die Tatsache, dass derjenige das weiß, soll wohl deutlich machen, wie beeindruckend groß seine Speicherkapazität im Frontlappen ist. Das nennt man dann wohl Gehirn-Quartett… -Regelmäßig stellen mich solche Situationen jedoch vor ein und dasselbe Problem: Wie heißt derjenige, der da so ein superbes Namensgedächtnis hat? Und was stimmt mit meinen Synapsen nicht?

In solchen Situationen verweile ich dann erst einmal bei einer neutralen Anrede, bis ich die Vornamensschublade öffne. In dieser befinden sich meist drei bis fünf Vornamen. Das heißt, wenn jemand Christian heißt, assoziiere ich –keine Ahnung warum- mit diesem Vornamen auch gleichzeitig Christoph und Markus. Und wenn ich diesen Christian dann irgendwann mal wieder treffe, dann überlege ich, welcher von den drei Namen nun seiner sein könnte.

Ganz schlimm ist die Schublade für Nico, Benjamin, Thorsten, Fabian und Stefan. Jemand, der so heißt und mit mir entfernt bekannt ist, darf nicht zürnen, wenn ich es zum wiederholten Male nicht auf Anhieb schaffe. Ähnlich ist es bei Julia, Anna und Sophia (oder Sophie). Katharina, Bianka und Maria sind auch nicht viel besser.

In der Grundschule hatte ich fünf Freundinnen, die folgendermaßen hießen: Christina, Christina, Christin, Christine, Christiane. –Ich glaube, dass diese frühe Namens-Konfusion der Verwirrung den Weg bis heute geebnet hat. Namensschildchen würden das Leben bedeutend einfacher machen… 

Heulen kommt von heucheln

July 29th, 2008 § 1 comment § permalink

Angela Merkel könnte es so einfach haben. Statt Nächte mit Diskussionen über Gesetze, Steuern und ähnlichem Gekrams zu verbringen und sich mit der SPD herumzuärgern, könnte sie einfach (freilich mit viel Übung) ihren Wasserhaushalt ihre Probleme lösen lassen.

Statt mit Bono über Afrika zu reden und sich Geld aus den Rippen leiern zu lassen, das sie nicht hat, könnte sie anfangen zu heulen. Erst ganz sachte, verstohlen und still und dann mit Worten untermalt, wie: „Bei uns haben manche Millionäre noch nicht einmal einen Ferrari. Stellen sie sich das mal vor! Und die Zeiten für Aktien und Vorstandsbosse sind auch nicht mehr so rosig. Das können sie auf ihrem irischen Schloss natürlich nicht wissen. Da mach ich ihnen, lieber Herr Bono, gar keine Vorwürfe. Was sollen sie schon von den Sorgen der kleinen Leute wissen! Ach verzeihen sie, es ist gar zu arg und nimmt mich sehr mit.“ An diesem Punkt wäre eine verschämte Abwendung und das Zücken eines Taschentuches von Vorteil. Und der tröstende Arm des Gutmensch-Musik- Robin Hoods ist ihr sicher.

Ich hatte mal eine Schulfreundin, die bei dem leisesten Hauch von Kritik oder Meinungsverschiedenheit anfing zu heulen. Zuerst sah sie so aus, als ob sie angestrengt zuhörte. Nachher stellte ich fest, dass sie in dieser Zeit sämtliche Wasservorräte in sich beschwor auf Kommando aus ihren Tränenkanälen zu schießen. Zuerst zuckte das Kinn, dann der Mund. Schließlich kräuselte sich ihre Stirn und dann kullerte es auch schon. Irgendwann ging mir diese Art von emotionaler Erpressung so gegen den Strich, dass ich sagte: „Mir ist egal, ob du jetzt wieder heulst, ich rede weiter!“ Seltsamerweise war nach diesem Zwischenfall mit Heulen und nassem Hundeblick Schluss.

Es ist wahr, dass eine heulende Person, ganz gleich wie wenig man sie mag, einem immer das Gefühl gibt: Du bist schuld, hör auf damit, auf mich einzureden! In Wahrheit zeigt es aber nur das Unvermögen eines Menschen sich zu streiten, nach Argumenten zu suchen oder zuzugeben, dass der andere recht hat. Heulen ist Totschläger und imaginäres STOP-Schild. Früher als Kind hätte man sich auf und ab springend an die Türklinke gehangen und geschrien, heute heult man. -Das ist zum weinen.

Durch dick und dünn

June 15th, 2008 § 8 comments § permalink

„Über Magersüchtige macht man keine Witze,“ belehrte mich jüngst eine entfernte Bekannte. Das sei nicht lustig, da diese Menschen ja eine schlimme psychische Störung hätten und wie Suchtkranke seien. Sagte es und haute sich kurz darauf einen der fiesesten Witze, den ich bislang gehört habe,  über Tine Wittler heraus. Der Hinweis meinerseits, dass die Tine wohl auch eine Essstörung hat, wurde schließlich mit folgenden wahnwitzigen Worten abgekanzelt: „Ach, die frisst einfach nur zu viel!“

Merke: Die krankhaft Dürren essen nicht einfach nur zu wenig, sie sind psychisch krank und bemitleidenswert. Die krankhaft Dicken hingegen sind einfach nur fett und selbst schuld. Nebenbei bemerkt ist die Welt hingegen der vorherrschenden Meinung eine Scheibe und dreht sich um einen Mars-Riegel. Reinhold Messner trägt am liebsten Flip-Flops und das neue Parfum der Olsen-Zwillinge heißt L´ eau de vomir. Ich bin Claus Kleber und grüße sie mit folgendem (politisch und menschlich völlig inkorrekten) Schmankerl:

Schritt für Schritt

June 13th, 2008 § 2 comments § permalink

Wenn man jemanden unbedingt nicht sehen möchte, kann man gewiss sein, dass man ausgerechnet diesem jemand begegnet. Selbst, wenn man am Nordpol unterwegs wäre. Wenn man sich dann begegnet, können ein paar Schritte an diesem jemand vorbei länger und zeitraubender sein, als ein New York Marathon. Zumindest kommt es einem so vor.

Der erste Schritt ist noch ganz leicht. Die Augen sehen, das Gehirn denkt. Der zweite Schritt wird schon etwas stockender. Das Gedächtnis bekommt plötzlich Schluckauf und das Herz reagiert mit starkem, unkontrolliertem Pochen. Der dritte Schritt lässt die Schultern einfallen, den Kopf ducken und den Blick senken. Der vierte Schritt ist entscheidend. Denn da wird hinterfragt und das Ego je nachdem gestärkt oder geschwächt, während der ganze Körper im Zitter-Zustand feststeckt und der Kreislauf sich noch nicht ganz schlüssig ist: Fallen oder Steigen. Der bloße Gedanke an einen fallenden Kreislauf bringt selbigen wieder in Schwung, denn alles wäre besser, als ein Spontan-Kollabieren. Bitte keine Peinlichkeiten in diesem Moment!

Heute habe ich nach dem vierten Schritt, nach Befragung meines Gewissens, den Kopf gehoben, den Blick geschärft und mich und meine Schritte groß gemacht. Ich bin nicht gerannt oder gestolpert. Aufrichtige Gleichgültigkeit mischte sich in die letzten Schritte, ein kleines Lächeln huschte mir gar über das angespannte Gesicht.

Als es vorbei war und die anderen Schritte nicht mehr zählten, kamen die Zweifel-gerade rechtzeitig.

Hang the DJ, hang him high!

May 1st, 2008 § 3 comments § permalink

Wie jedes Jahr hatte ich auch dieses Jahr beschlossen nicht in den Mai zu tanzen. In den Mai fernsehen hielt ich für angemessen und vertretbar. Knabbereien waren vorhanden. Getränke kalt gestellt. Eiscreme im Tielkühlfach. Jedoch: Jährlich grüßt das Murmeltier in Form von feierwütigen Freundinnen.

Also fand ich mich in den späteren Abendstunden in einem Bar/ alternativ Disco/ Independent Club/ auf-der-Treppe-sitz-und-guck – Etablissment wieder. Hier regierte das Volk ab 30. Und der wohl ignoranteste DJ der Welt. Das desaströse Silvester vor zwei Jahren ging definitiv mit auf seine Kappe.

Musikwünsche hört er sich stets an, aber nur um abschätzig und herablassend mit dem Kopf zu schütteln und zu sagen: „ So was spiel ich nicht!“ Dabei sind die meisten Musikwünsche des Publikums keineswegs abartig. Dennoch übt sich DJ Castro in Ignoranz.

Egal ob sich Menschen auf der Tanzfläche zustimmend im Takt bewegen oder nicht: Er macht seine private Musik-Session und kriegt mühelos jede Tanzfläche leer. Aber nicht an diesem Abend! Nicht mit mir! SO nicht!

Ich schlich unauffällig zum DJ – Pult und wünschte mir „Groove is in the heart“. Die Antwort war klar: NEIN! Also mobilisierte ich –zumeist stark alkoholisierte- Menschen es mir gleich zu tun und sich dieses Lied zu wünschen. Eine Stunde und ungefähr 50 gleiche Musikwünsche später kam mein triumphaler Moment. „Groove is in the heart“ in einer abgekürzten Variante (aber immerhin…)ertönte aus den Boxen. Das beweist im Grunde, dass er diese Musik in seinem DJ – Köfferchen dabei hat und sie nur aus reiner Boshaftigkeit nicht spielt. Das nächste Mal wünsche ich mir Fury in the Slaughterhouse: „Hang the DJ, hang him high…“

Nein, wir sind keine besten Freunde mehr!

May 1st, 2008 § 1 comment § permalink

„Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“ Arthur Schnitzler gehört nun nicht gerade zu meinen Lieblingsautoren, aber mit dieser Bemerkung hat er bei mir wieder Boden gut gemacht.

Das Thema Freundschaften beschäftigt mich ständig. Habe ich Freunde? Bin ich ein guter Freund?  Was, wenn mir eine Freundschaft nicht mehr passt, wie ein zu kleiner Schuh? Der drückt, macht Blasen, offene Wunden und ärgert einen am Abend mit der Frage: Warum habe ich dich nicht schon längst aussortiert? Und am nächsten Tag schlüpft man doch wieder hinein, weil man nicht ohne Schuhe dastehen will.

Wenn man sich über einen Menschen mehr ärgert, als freut, sollte man anfangen sich innerlich von diesem zu verabschieden. Wenn jemand wie ein Vampir dir alle Energie raubt und dich ständig als THW für seine eigene Seele, Psyche und sein Leben in Anspruch nimmt, sollte man das einzig vernünftige tun: An sich denken und dabei nicht meinen, man sei ein schlechter und egoistischer Mensch. Der Frühling ist dafür die beste Zeit: Frühjahrsputz in allen Ecken des Lebens!

Aber wie wird man alte Gewohnheiten los? Kontaktsperre ist eine Möglichkeit, hilft aber nicht bei jedem. Keine Zeit mehr für Verabredungen zu haben, bedeutet für den anderen auch nicht unbedingt eindeutig eine Beendigung des Freundschaftsverhältnisses. Ein klärendes Gespräch ist nutzlos und bewirkt manchmal das Gegenteil: Eine riesen Szene, Tränen, Schuldgefühle und eine Scheinversöhnung, bei der man selber den Kloß im Hals weiter mit sich herum schleppt und der andere meint, es sei wieder alles tutti.

Statt einer Aussprache sollte man seine Worte klar und ohne Rücksicht in knapper und präziser Weise wählen. Am besten situationsabhängig und mit dem Vorsatz: Es gibt kein Zurück! Den Satz: „Du bist ja meine beste Freundin“, sollte man nach Möglichkeit sofort korrigieren: „Nein, bin ich nicht. Frag mal A und B Hörnchen, ob die deine Freunde sein wollen und sich deine Geschichten á la Me-Myself-and I noch anhören können!!!!!“- Selbstredend wird man das nicht sagen, obwohl es vermutlich am effektivsten sein würde.

Eine symbolische Geste sagt in diesem vertrackten Falle jedoch manchmal mehr, als man sich zu sagen trauen würde. Eine Rückforderung eines Wohnungsschlüssels zum Beispiel ohne Angabe von Gründen, ohne Rechtfertigungen. Wer das nicht versteht, ist entweder dumm oder ignorant aus einer unendlichen Ich-Bezogenheit heraus. In beiden Fällen kann man getrost nach A und B Hörnchen fragen, denn so jemandem ist beim besten Willen nicht mehr zu helfen…

 

Philanthropische Pathologie am lebenden Familienmitglied

April 15th, 2008 § 5 comments § permalink

[Dies ist ein Gast-Beitrag von einem ehemals "unbekannten Frettchen"]  

Es heißt, der Weg zum Herz der Tochter führt über die (Schwieger-)mutter. Dies mag in meiner Heimat, der Voreifel, seit Jahrhunderten gelten und vereinfacht die Balz dort ungemein. Alle Beteiligten halten sich an diese sinnvolle Tradition, in seltenen Einzelfällen haben nur “Aahjeschmuste” (wegen Wohnungsnot oder Krupphusten hinzugezogene Stadtmenschen) Probleme mit der Umsetzung der korrekten Vor- oder Herangehensweise. In den einschlägigen Internet-Partnerbörsen findet sich dieser bedauernswerte Personenkreis auf Kurz oder Lang über die Umkreissuche, PLZ-Gebiet 521*.

Begibt man sich jedoch blauäugig in das Einflußgebiet eines Dortmunder Familien-Clans, werden derart profane Verhaltensregeln für liebestolle Jünglinge auf hinterhältigste Weise außer Kraft gesetzt. Sprich: plötzlich gibt es da noch eine “kleine Schwester” – die implizierte Verniedlichung für die Bezeichnung dieses Familienmitglieds birgt eine trügerische Sicherheit, von der man sich keinesfalls täuschen lassen sollte.

- Eigentlich hatte es meine Große und Einzige Liebe nur gut gemeint: nachdem ich ihren Auftritt in meiner Familie komplett versemmelt hatte, sollte ich zu ihrem Geburtstag erstmals auf Familie und Freunde treffen. Kein langsames Herantasten, Hallihallopipapo, bei so einem Fest – gefangen in einer 20m² Wohnküche – kommt man sich einfach am schnellsten am nächsten und jeder weiß danach, watt meng is’. Dachte ich, mir selbst Mut zusprechend und bereits vorausplanend, wie ich denn bei Vater, Mutter und evtl. der ein oder anderen Freundin einen möglichst angenehmen Eindruck hinterlassen könnte.

Welch eine Verschwendung, welch Irreführung. Die eine Freundin war durch nichts zum Sprechen zu bewegen, die andere kam später und man konnte sie leicht übersehen. Die Dritte entpuppte sich als unter Strom stehendes Energiebündel mit zunehmend roten Bäckchen und niemals stillstehendem Mundwerk oder Bewegungsapparat. Und da diese Nummer 3 von Beginn an der Mutter meiner Freundin nicht mehr von der Seite wich, war mein ausgeklügelter Voreifel-Schwiegermutter-Plan zum Scheitern verurteilt – schwiegermütterliche Mitgift-Verhandlungen führt man nicht mit Zeugen. Der Vater wiederum war Raucher: in Zeiten wie diesen sorgt das bis heute bei jedem familiären Zusammentreffen für kuschelige Viertelstunden auf Balkon oder Terrasse. Daran hat sich nichts geändert.

Lange Zeit unbemerkt blieb mir – ich gebe zu, irgendwie hat mich die gesamte Situation etwas überfordert – ein weiteres Wesen, das sich im Schlepptau der Eltern wie ein Trojanisches Pferd Zugang zur Wohnung verschafft hatte. Die, siehe oben, “kleine Schwester”.

Ihre (ihr von der Familie zugeteilte oder aber selbstauferlegte?) Aufgabe an diesem Tag war eindeutig, jede meiner Bewegungen und/oder Bemerkungen zu registrieren. Insbesondere suchte sie offenbar nach Hinweisen, die der von ihr vorsorglich alarmierten, vor dem Haus wartenden Ansammlung aus Söldnern und Ex-Legionären einen Grund liefern könnte, ihre innigst geliebte, zauberhafteste und unentbehrlichste Schwester aus meiner Gewalt zu befreien.

Ich habe den Tag mit einer ausgeklügelten Taktik aus Lächeln, Schweigsamkeit und Alkohol überstanden, wobei ich Letztgenannten wahlweise mir als auch dem Rest der anwesenden Gesellschaft einflößen musste. Sie trank nichts. Vermutlich fürchtete sie, ich würde das Problem – also sie – mit einem Schierlingsbecher aus der Welt schaffen.

Mittlerweile hat sich unser Verhältnis entspannt. Bereits zweimal habe ich Glückwunschkarten zum Geburtstag bekommen, in denen ich auch nach mehrmaligem Lesen nichts Feindseliges entdecken konnte. Auch zu Rate gezogene Graphologen versicherten mir bei beiden Exemplaren, dass das Schriftbild keinerlei Hinweise auf unterschwellig vorhandene Aggressionen gebe. Den Gedanken, dass die Karten von ihrem Kater geschrieben werden, habe ich verworfen. Paranoide Wesenszüge muss man im Keim ersticken.

Wenn sie termitengleich in unser neues Heim einfällt, ist die Süßigkeitenschublade mit allen Kostbarkeiten gefüllt, das – generell: Auswahl – ist ihr wichtig. Ansonsten bemühe ich mich, mit mehr oder weniger subtilem (angelesenem und antrainiertem) Humor eine Atmosphäre zu schaffen, die sie in Sicherheit wiegt und mir die in dieser Familie so beliebten Betonschuhe erspart. Politische Themen umgehe ich so gut es eben geht, meist unterhalten wir uns über Populär-Literatur. Im Moment belege ich bei der VHS einen Abendkurs für späte Quereinsteiger ins Frisörhandwerk – man weiß nie, wozu man das mal brauchen kann.

Nur den Druckertreiber, den habe ich ihr noch immer nicht installiert. Es ist immer gut, wenn man noch ein letztes As im Ärmel hat.

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