Schon Ende August verspürte ich Appetit auf Spekulatius, Dominosteine, Zimtsterne, lauwarmen Glühwein und Lebkuchen. Doch als ich so in Schlappen und leichtem Kleidchen neben der just eingetroffenen Palette mit den Weihnachts-Devotionalien stand, blieb ich standhaft und kaufte lieber die Langnese Schatztruhe. Und jetzt, zwei geschlagene Monate später, können die Supermärktler irgendwem anderes den alten Scheiß andrehen.
Trotzdem habe ich mir vor ein paar Tagen eine Liste gemacht. Meine geheime, sagenhafte Weihnachtsgeschenke-Liste. Denn alljährlich küre ich die Top-Drei aus verschiedenen Geschenke-Bereichen. Dabei überlasse ich nichts dem Zufall. Wer sich dennoch unter dem Weihnachtsbaum beschwert, bekommt sofort näheren Bescheid. Wer also eine kleine Hilfestellung benötigt, darf sich gern hier bedienen…
Bereich: Literatur
1) Uli Hannemann: „Neulich in Neukölln. Notizen von der Talsohle des Lebens“ –Selbst wer nicht in Berlin lebt und Neukölln nur vom Hörensagen kennt, wird sich in dieses Buch verlieben. In 49 kurzweiligen Geschichten mit so klangvollen Namen, wie „Rufmord am Pissoir“, „Korrekt Betteln“, „Silvester oder: Der Untergang revisited“ und „Trinken und Jammern“ beschreibt Hannemann ironisch, zynisch und absurd das Leben in einem der wohl schönsten Vororte Berlins. Mit diesem witzigen Utopie-Realitätsmix erfährt man alles, was man über die schlimmsten Ecken in seiner eigenen Stadt schon immer vermutete.
2) Richard David Precht: „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ – Menschen die sich ständig selber romantische und verträumte Fragen über essentielle Dinge im Leben stellen, werden sich bei der Lektüre dieses Buches dumm vorkommen. Denn hier werden zwar solche Fragen beantwortet, wie: „Was ist Wahrheit“, „Brauchen wir andere Menschen“, Gibt es Gott“, „Was ist Liebe“ und „Ist Glück lernbar“. Allerdings geschieht das auf einer philosophisch naturwissenschaftlichen, logischen und völlig soliden Basis. Verträumten, kitschigen Firlefanz findet man hier nicht. Dafür jedoch oft ein Augenzwinkern, Humor und nebenbei Vieles, das dem eigenen Wissen auf die Sprünge hilft. Wahrscheinlich war Philosophie noch nie zuvor so interessant (weil verständlich) und gleichzeitig unterhaltsam.
3) Harald Martenstein: „Vom Leben gezeichnet. Tagebuch eines Endverbrauchers“ –Zugegeben: Das Buch erschien erstmals im Sommer 2006 und ist somit nicht gerade mehr aktuell. Jedoch hat es seither kein zweites Buch geschafft, mich derart zum Lachen zu bringen. Und außerdem sind Martensteins Ansichten über Hitler, Scientology, Ärzte, Doppelkorn, Skifahren, Schönheit und Orgasmusforschung ohnehin zeitlos. 59 Kurzgeschichten á 2 Seiten machen das Buch selbst für Lese-Muffel lesbar.
Bereich: Musik
1) Peter Fox: „ Stadtaffe“ – So genau kann man gar nicht beschreiben, was man da zu hören bekommt. Peter Fox macht dem ersten Lied auf dem Album alle Ehre: Alles neu. Klassische Instrumente, schlau geformte statt platte Texte und durchweg genial –weil völlig anders- arrangierte Melodien, die auch noch –bei Bedarf- tanzbar sind. Mehr geht nicht.
2) The Killers: „Sawdust“ – Gut, The Killers haben just vor Weihnachten (ein Schelm, wer da…) ein Album herausgebracht, auf dem so gut wie nur B-Seiten, bisher unveröffentlichte Lieder zu finden sind. Trotzdem: Wer ein Faible für Indie-Rock mit einem Schuss Elektronik und markante Stimmen, wie die des Sängers Brandon Flowers hat, wird die CD fortan nicht mehr aus dem CD-Spieler nehmen können.
3) A Fine Frenzy: „One Cell in the Sea“ – Das ist vermutlich ein reines „Mädchen“-Album, das die Pianistin Alison Sudol als Erstling heraus gebracht hat. Schöne, melancholische, tiefgründige (so tiefgründig, wie es in der Musik eben geht) Texte, gepaart mit eingängigen klassischen, jazzigen und leicht rockigen Melodien, machen dieses Album absolut empfehlenswert.
Bereich: DVD
1) „Damages. Im Netz der Macht. 1.Staffel“ – Auf Kabel 1 lief die erste Staffel in Deutschland relativ unbeachtet und das völlig zu unrecht! Glenn Close und Ted Danson (jaja der freundliche Mann von „Cheers“) laufen zur bösartigen und intriganten Höchstleistung auf. „Damages“ ist eine Serie, die absolut klug, spannend, überraschend arrangiert ist und definitiv den Zuschauer dazu bringt, sich noch nach Ende der letzten Folge Gedanken über das eben Gesehene zu machen. –Ich grüble jetzt noch nach Monaten!
2) „No Country for old Men“ – Tommy Lee Jones mochte ich nie sonderlich. Das hat sich seit diesem Film geändert. Diese Mischung aus Thriller, Western und leichtem Horror, die dann am Ende mit Melancholie abgerundet wird, überzeugt in jeder Szene und in jedem kleinen Dialog. An dem Film stimmt alles.
3) „Jenseits von Afrika“ – Ein Evergreen! So alt, dass es fast schon wieder neu sein könnte!!! Dem Drehbuchautor, der aus der wenig romantischen Romanvorlage von Karen Blixen “Afrika. Dunkel lockende Welt” diesen Film gezaubert hat, gehören heute noch die Füße geküsst! Ein Geschenk, das die Damen (Mütter, Tanten, Cousinen, Omas, Freundinnen) garantiert immer erfreut…
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