Das Leben der anderen…

July 6th, 2010 § 0 comments

Ich war vorgestern auf einer Geburtstags-Feier und habe mich dort ungefähr so gefühlt wie ein Vegetarier auf einer Fachmesse für Fleischwaren: Fehl am Platz und kurz vor der Kotz-Grenze. Lauter selbstgefällige Pärchen in den Vierzigern, das Gros Beamte und mit einem Humor ausgestattet, als wenn Fips Asmussen auf Valium unterwegs wäre.

Keine Ahnung, wie lang sich die Fußball schauenden Männer (richtig, hier ist die Welt noch in Ordnung, und das Weibsvolk fein säuberlich getrennt von den Männern) über die genaue Bezeichnung für die Einwohner Paraguays lustig gemacht haben. Nach „Paraguaynesen“ und „Paraguaynieten“ habe ich geistig auf Standby geschaltet. Hätte ich zusätzlich an diesem Abend ein Phrasenschwein dabei gehabt, ich wäre heute eine gemachte Frau. Manchen ist echt kein Geck zu doof.

Auch draußen konnte man es kaum aushalten. Nachdem sich zehn Leute kichernd zusammen gerottet hatten, stellte sich heraus, dass die Gastgeberin mit diesen Voll-Horsten und Körper-Klausis regelmäßig gemeinsam im Chor singt. Jeder Shantychor aus irgendeinem Dorf-Kaff hätte das besser gemacht. Mit einer körperlichen Gewandt- und Lockerheit wie Gesundheitsexperte und Voll-Spießer Karl Lauterbach, nuschelten und wippten sie sich so lange einen weg, bis auch wohl das letzte noch lebende Tier im Garten freiwillig das Weite gesucht hatte. Allen Ernstes erwarteten sie sogar Applaus für die Darbietung, während mein Nebenmann mir zu zischte: „Kann man denen Geld geben, damit die die Schnauze halten?“Nein, es folgte eine Zugabe.

Doch das musikalische Debakel ging weiter. Eine Roger-Cicero-Hardcore-Playlist mit schätzungsweise 3.676.876.868 Titeln, angereichert mit Michael Bublé und Till Brönner beschallte die Partygäste. Eine Stimmung à la „HeyHo Party-People“ konnte beim besten Willen nicht aufkommen. Wer ereignisarme Fahrstuhl-Musik spielt, darf sich am Ende nicht wundern, wenn jeder zweite Gast wegknackt oder das Feld räumt.

Nachdem sich zwei Frauen in meinem Rücken eine halbe Stunde darüber unterhielten, dass eine vor acht Jahren mal die Referendarin des Sohnes der anderen gewesen sei, und die beiden immer wieder das Gleiche, nur in verschiedenen Wort-Hülsen in einer wahren Endlos-Schleife zueinander sagten, sprang ich auf und verabschiedete mich. Die Gastgeberin verwickelte mich noch in ein kurzes, indiskretes Kreuzfeuer-Verhör aus dem ich mich prima mit einer einzigen Frage herauswinden konnte: „Was ist denn das für eine tolle CD, die du den ganzen Abend schon spielst? Kannste mir die mal brennen?“

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