Streiten ist eine Kunst. Da gehört viel Technik und Taktik dazu und im rechten Moment die Fähigkeit entweder noch einmal beherzt ein hartes Wort auszusprechen oder es sich besser zu verkneifen. Das Aufwachsen in einer Groß-Familie hilft einem in diesem Fall weiter und sichert eine Rundum-Ausbildung, um irgendwann später im Erwachsenenalter in die Königsklasse des gepflegten Streitens aufzusteigen. Hier wägt man ab und überlegt: Ist die Person, der Gegenstand interessant genug, um dafür Atem, Energie und Zeit zu verpulvern? Oder: Wie behalte ich eine möglichst stringente Argumentations-Linie? Oder: Welche anderen non-verbalen Kniffs und Tricks könnte ich anwenden, um den anderen tierisch auf die Palme zu bringen?
Aber manchmal liegt man eben doch ganz und gar falsch. Und dann pulvert man raus, ohne Luft zu holen und manierlich nachzudenken. Schließlich tut es einem Leid. Aber so richtig will man dann auch nicht rüber damit. Jean Paul hat einmal gesagt: „Wenn sich einer nur einmal zwingt nachzugeben, so sieht er, dass er nicht viel nachzugeben braucht, und dass der andere auch nachgibt“. Richtig. Wenn ich da an den Parade-Streit, der seither in die Annalen der Familien-Chronik eingegangen ist, denke…
Über das Krankenbett meiner Mutter hinweg haben sich meine Schwester und ich damals angekeift. Worum es ging, weiß keiner mehr so genau. Da es in Krankenhäusern aber keine weiteren Möglichkeiten zum „Zur-Ruhe-kommen“ gibt, verschwand ich im angrenzenden Badezimmer. Es kam mir wie Stunden vor, während derer ich überlegte, wie ich da nun wieder raus gehen könnte, ohne mein Gesicht zu verlieren. Meine Schwester war irgendwie im Recht und ich nicht.
Also ging ich raus, grabschte mir die größte Tageszeitung, die im Zimmer lag, setzte mich auf die andere Seite des Krankenbettes, meiner Schwester gegenüber, gab vor in der Zeitung zu lesen, und senkte irgendwann die Arme samt Zeitung so weit, dass meine Augen gerade sichtbar wurden und nuschelte möglichst kühl und abgehakt: „Ach ja, das … von eben….das, ja, das….das… tut mir leid“. –Stille. Ich kramte die Zeitung wieder vor mein Gesicht. Und da fing meine Schwester so laut an zu lachen, dass ich einfach mit einstimmte und wir in einer schier endlosen Kicherschleife gefangen schienen, die erst durch ein beherztes in den Armnehmen unterbrochen werden konnte. So kann es auch gehen.
Ich bin im Moment genauso leicht gereizt wie mein Ischias-Nerv, der mich seit Samstag nicht mehr richtig schlafen, sitzen, stehen, liegen und gehen lässt. Der lässt mich gar nix mehr. Auch nicht denken. Und da vermischt man eben schon mal was oder man spricht unbedarft ein explosives Wort gelassen aus. Also: Wie wär’s mal wieder mit ner anständigen Kicherschleife?
Ischias-Nerv klemmt aber das Mundwerk funktioniert noch ganz gut wa?!
Ich denke ja das man sich nur MAL streitet weil der andere mal zeigen will
das er verbal ganz gut mithalten kann…da geht es nicht immer um die SACHE!
meinste jetzt mich oder was? -EGAL: Kicherschleife oder Nicht-Kicherschleife??????? Jetzt sach!
Kischerschleife. Soll ich ausrichten.