Schlimm genug, wenn man ungefragt Dinge erzählt bekommt, die einen nicht interessieren. Kein bisschen. Ungefähr nicht bis gar nicht. Aber man will ja nicht unhöflich sein…
Schlimmer als das sind allerdings die Menschen, die ihren Wortschatz durch Phrasen oder Floskeln in weiten Teilen ersetzt haben. Im Frühling kann man sie vermehrt hören, wie sie auf Wehrlose auf dem Bürgersteig einreden: „Wir haben uns ja schon ewig nicht mehr gesehen!“ = Und wenn ich ehrlich bin, war das auch gut so. „Wie geht es dir denn?“=Nicht, dass es mich aufrichtig interessieren würde. „Schön dich mal wieder getroffen zu haben“ =Hätte ich aber auch getrost drauf verzichten können. „Vielleicht sieht man sich ja mal wieder!“=Bloß nicht! Krätze wäre angenehmer.
Mit Floskeln ist es etwas anderes. Im Grunde leitet eine Floskel zielsicher eine handfeste Beleidigung oder zumindest eine ignorante und überhebliche Besserwisserei ein. In beiden Fällen kann man entweder die Ohren zu halten und laut „LALALALALA“ singen oder -weniger infantil- alles wortlos über sich ergehen lassen und dabei möglichst desinteressiert gucken. Nützt zwar nichts, aber wenigstens hat man nicht ganz ohne Gegenwehr reagiert und kann im Gesprächskreis für Unterdückte damit prahlen.
Der Floskel-Erprobte bekommt von all diesen Gedankengängen nichts mit und legt los: „Es geht mich im Grunde ja nichts an, aber…“ Normalerweise sollte man hier schon einhaken und sagen: „Stimmt! Geht dich wirklich nichts an.“ Aber höflich, wie man im Mädchenkloster erzogen wurde, harrt man weiter gleichmütig aus. „Nicht, dass du das jetzt falsch verstehst, aber du siehst heute aus wie ausgekotzt.“- Was könnte man daran falsch verstehen? „Ich will dir nicht zu nahe treten damit“ Schon geschehen. Und dann kommt der Klassiker mit dem obligatorischen Schulterklopfer und Augenzwinkler: „Das nimmst du mir ja jetzt nicht krumm, oder? Das sollte keine Kritik sein. Ich bin halt ein ehrlicher Mensch“ Ein Retter der enterbten Ehrlichen also. Auch das noch. Beleidigung im Namen der guten Sache.
Da helfen nur klare Worte: Erzähl ´s der Hand. Irgendeiner. Nur bitte nicht meiner.
Und noch ein Klassiker, um andere zu beleidigen, zu trietzen oder zu schmähen, ist die nachfolgdene Floskel in Verbindung mit dem Personalpronomen:
“Nimm das nicht persönlich, aber _Du_ bist/hast …” Hä? WTF!
“Ich darf das sagen…wir sind doch eine Familie”
“Wenn Du doch jetzt mal ganz ehrlich zu Dir selber bist…”
“Ich sag Dir das jetzt nur, weil ich es gut mit Dir meine”
“Das tut mir mehr weh als Dir”
Wenn ich mal ganz ehrlich zu mir selber bin, dann sollte ich künftig dem Reflex nachgeben und den Leuten vors Schienbein treten, wenn sie ihren Verbaldurchfall versprühen wollen…
“ich will mich ja nicht einmischen aber….!”
“Wusstest Du eigentlich…..!”
“Hat Dir jemand schon ein mal gesagt…!”
“Mich geht es ja eigentlich nix an aber…!”
“ENTSCHULDIGUNG ich habe ja NUR gefragt!”
Der letzte Satz ist für mich persönlich der schlimmste!
Der nächste der diesen Satz zu mir sagt BRÜÜÜÜÜLLLLEEEE ich in Grund und Boden!
Phrasen und Floskeln sind doch beide unerträglich. Ich versuche länger schon, meine Gespräche mit Banalitäten und Plattitüden zu würzen.
Das ist viel eleganter.