Ich bin eine echte Null in Sachen Handarbeit. Ich kann nicht stricken, häkeln und zum sticken bin ich schlicht zu ungeduldig. Knöpfe annähen klappt mittlerweile zwar ganz gut, aber wenn es um Gardinen umnähen geht, greife ich zur vielseitigen Klebepistole. Man sollte dann allerdings die Gardinen NIE wieder waschen.
Deswegen habe ich mir nun einen Schneider gesucht, der kleinere Arbeiten für mich –untalentiertes, faules Lieschen- erledigt. Der Mann ist Afghane. Das müsste man eigentlich nicht sonderlich erwähnen, denn die Verständigung klappt ausgezeichnet. Lediglich im Bezug auf, was modisch gesehen schick und schicklich ist, sprechen wir zwei nicht die gleiche Sprache.
Als er mir vor ein paar Wochen klagte, er sei ja eigentlich kein Änderungsschneider, sondern ein richtiger Konfektionsschneider, da tat er mir leid und ich beauftragte ihn damit, mir ein Kleid zu nähen. Zu Hause nahm ich selber Maß und malte den Schnitt des Kleides auf. Ich machte Notizen, Pfeile und beschriftete so detailiert, dass ich ganz stolz mit dem von mir selbst gekauften Stoff im Laden stand. Plötzlich war ich Modedesignerin. Und das ganz ohne Klebepistole.
Doch seine Fragerei zu den Maßen –insbesondere zur Kürze des Kleides und zur Ausschnitt-Weite- hätten mich stutzig machen müssen. Nach drei Wochen war das Kleid fertig. Freudig kam ich in den Laden. Da kam der nette Mann auch schon um die Ecke und drückte mir ein orangenes, sackiges Etwas in die Hände. Als ich es anzog stellte ich fest, dass er sich über meine Vorgaben in nahezu allen Belangen eigenmächtig hinweggesetzt hatte. Das Kleid war viel zu lang, der Ausschnitt winzig und am Hals, eine Taille gab es nicht und um die Brust, war ungefähr ein halber Meter mehr Stoff, als vereinbart. „Schön, ne?“ sagte der Schneider und ich konnte und wollte nicht sagen, dass dies das hässlichste Kleid war, das ich je am Leib getragen habe (mal abgesehen von dem Matrosen-Kleid, das mir meine Mutter einst angezogen hatte).
Brav lobte ich seine Arbeit und zahlte artig den Kaftan. Dann ging ich in das nächste größere Kaufhaus und kaufte mir eine Nähmaschine. Mittlerweile nähe ich wie eine junge Göttin. Und aus dem Sackgewand ist jüngst ein Rock mit passendem Schal geworden.
Was willst Du auch so unzüchtig herumlaufen?? Das schickt sich halt ganz und gar nicht ;-)!
Ein kleidsamer, bodenlanger Mantel in einem flotten schwarz oder für besondere Anlässe auch in nem wilden blau…den hätte er Dir gern genäht…
jaja und er fuchtelte auch mit so ner haube samt sehschlitz vor meiner nase herum….
DER MANN HAT ES DOCH NUR GUT GEMEINT!!!!
Ob er sich von meinen zerschnittenen Kleidern schon erholt hat?
hihi, und das der laden “burka quick” hieß, hat dich nicht mißtrauisch gemacht?
nein gar nicht und dass seine frau hinter dem vorhang auch immer so gekichert hat, machte mich auch nicht stutzig…verdammt ich bin so gutgläubig!!! und dabei achte ich doch sonst so auf namen. mein zahnarzt heißt Dr. Zahn, mein früherer Frauenarzt hieß Dr. Loch…wie konnte mir das nur passieren….-