Der Feminismus ist tot…es lebe der Feminismus!

July 8th, 2008 § 0 comments

Im aktuellen Spiegel fand ich einen Beitrag, der mich sehr amüsierte. Es geht um die angeblich wieder erwachte Frauenbewegung mit all den tollen, starken und autarken Frauen des kulturellen und öffentlichen Lebens, die uns Normalo-Hinsiech-Frauen wieder ganz nach vorne bringen sollen.

Die üblichen Verdächtigen dieser Tage, wie Charlotte Roche oder Juli Zeh, werden brav genannt und ihre Anschauungen hoch gelobt. Sie seien die „Wegbereiterinnen eines neuen, anderen Feminismus.“ Frauen, die als Regisseurinnen oder Schriftstellerinnen arbeiten, werden als Leitfiguren benannt. Ihr neues Selbstbewusstsein, das sie in Ausstellungen mit so klangvoll wie engstirnigen Titeln wie „Ladies Only!“ oder „Female Trouble“ feiern, wird als großer Gewinn für die Frauenbewegung gefeiert. Gleichberechtigung klingt irgendwie anders. Alten Fregatten aus noch älteren Zeiten, die sich (selbstbestimmt) gegen Kinder entschieden hatten, wird der Garaus gemacht. Alice Schwarzer und Simone de Beauvoir sind ausrangierte Modelle.

Heldinnen sind dagegen heute Romanfiguren wie Helen Memel. Ganz recht, die Protagonistin aus den „Feuchtgebieten“ ist mir nichts dir nichts zur Heldin avanciert. Warum kann ich mir beim besten Willen nicht erklären. Ob sie eine Heldin der Körperöffnungen, des kleinsten Wortschatzes, der mangelndsten Hygiene, der Neurosen sein soll bleibt hierbei ungeklärt. Emanzipiert kann man ihr Verhalten am Ende des Romans jedoch wohl kaum nennen. Schließlich tauscht sie die Abhängigkeit des verkorksten Elternhauses gegen die Abhängigkeit eines Krankenpflegers, auf dessen Tasche sie fortan liegen wird. Chapeau!

Viel  bemerkenswerter ist jedoch, dass hier eine komplette Sparte zum Vorbild für emanzipierte Lebenswege erklärt wird. Dabei wird allerdings ein netter kleiner Umstand völlig außer Acht gelassen. Aller hier erwähnten Damen prollen auf sehr hohem Niveau. Die eine kann sich mit ihrem Ehemann, der ebenfalls Regisseur ist, in der Kindererziehung in regelmäßigen Abständen abwechseln. Künstlerinnen, wie Judith Holofernes zum Beispiel, haben mittlerweile Vollzeit-Kindermädchen entdeckt, wenn es auf Tour geht. Künstlerinnen sind demnach der alleinerziehenden Mutter, die einen ganz normalen Job als Kassiererin hat, gegenüber klar im Vorteil. Mit vollem Portemonnaie, einem flexiblen Zeitkonto lassen  sich die besten Sprüche klopfen.

Die kulturelle Elite lebt und denkt vornehmlich in einem Modell, wenn es um Emanzipation geht: Erfolg, Anerkennung für die Künstlerin und eine intakte Familie, in der es kein emotionales Oberhaupt gibt. Es scheint, als dürften sich dieser Tage nur Frauen mit Emanzipation beschäftigen und sich als emanzipiert bezeichnen, die mindestens ein Kind haben, beruflich sehr erfolgreich sind und folglich scheinbar doppelbelastet. Außerdem darf man auf gar keinen Fall an die alten Damen der Frauenbewegung erinnern und ihre theoretischen Denkansätze auf irgendeine Art lobend erwähnen (und klar: Kunst von Männern auch nicht).

Am Ende des Berichts gelingt dieses Vorhaben, eine Art Abneigung gegenüber der alten Zeit zu symbolisieren, allerdings nicht. Am Schluss kommt man sinngemäß auf das, was Simone de Beauvoir in ihrem (heute auch noch) maßgebenden Werk „Das andere Geschlecht“ sagte: „ Erst wenn es jedem Menschen möglich sein wird, seinen Stolz jenseits des Geschlechtsunterschieds im schwierigen Glanz seiner freien Existenz anzusiedeln, erst dann wird die Frau ihre Geschichte, ihre Probleme, ihre Zweifel und ihre Hoffnungen mit denen der Menschheit gleichsetzen können.“

 

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