Der Gino

January 17th, 2009 § 0 comments

Meine Mutter hat mich schon früh darauf aufmerksam gemacht, dass „Kleider Leute machen.“  Wahlweise ergänzte sie diese Parole mit: „Wie du kommst gegangen, so wirst du auch empfangen.“ Sie wollte mir schon früh den Schlendrian austreiben, der zwischenzeitlich in meiner frühen Jugend Einzug gehalten hatte. Seither achte ich auf meine Garderobe und ordne vor dem Hinaustreten meine Kleidung gewissenhaft. Ja, das mache ich.
 
Doch eines Tages, in einem kleinen Modeladen, dessen Besitzer ein schwuler Italiener gefangen im Körper eines viel zu kleinen Inders ist, wurde diese Weisheit auf eine harte Probe gestellt. Gino (vermutlich mit Nachnamen Ginelli), hat seine ganz eigenen Ansichten in Sachen Mode und tut diese jedem, der seinen Laden betritt kund. So scheint er ein großer Anhänger von Bobby Flitter zu sein. Jenem Männchen, das seinerzeit bei Michael Schanze unter den anreimelnden Worten: „Aber für euch ist verlieren auch nicht bitter, denn hier kommt euer Bobby Flitter“ herein geglitzert kam. Als Kind war ich von dem Outfit recht beeindruckt. Und jede Elster fände wohl auch Gefallen daran. Heute finde ich es beschämend einen alten Rentner in die Karikatur eines atmungsinaktiven, die Netzhaut verbrennenden  Anzuges zu zwingen. Glitzer ist heute einfach nicht mehr so mein Ding.

Genauso wenig, wie Polyacryl und alle anderen Kunstfasern. Damals viel gerühmt, weil Einlaufen weder in der Waschmaschine bei 90 Grad, noch im Trockner möglich war. Den von der neuartigen Technik Begeisterten hätte man jedoch sagen müssen, dass bei eingebranntem Mief auch das Waschen bei 120 Grad nichts mehr bringt und das Kleidungsstück somit hin ist.

Die 80er habe ich modetechnisch nicht voll ausgekostet und mich eher an Neon-Farben orientiert. Für Gino hingegen sind Glitzer, Poly und die 80er ein wahres Füllhorn an modischen Kostbarkeiten. Und so ist sein (PSSSSSSSSSSSSSSSSSST!) Geheimtip dieser Tage: ein asymetrisches Ballon-Top mit breitem Bund („zum abkaschieren“) in Nutten-grell-lila aus Acryl mit Glitzer Applikationen auf der Schulter. Dazu eine schwarze Leggins mit Strass-Schleifchen an den Waden: Voilà, fertig ist das Bordsteinschwalben-Outfit.

Fast war ich geneigt es zu kaufen. Einfach nur, um bei meinen Eltern damit aufzukreuzen und für entsetzte Gesichter zu sorgen und mal wieder den Satz zu hören: „Du bist enterbt!“

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