Diagnose: Lese-Blockade

November 20th, 2008 § 4 comments

Ich gebe es zu. Seit ein paar Tagen bin ich auf Krawall aus. Ich bin ärgerlich, wo ich gehe und stehe. Warum? Seit letztem Freitag ist mir bewusst, dass ich in den letzten zwei Monaten kein einziges Buch ausgelesen habe. Wie irgendwelche unappetitlichen Essensreste vom Chinamann stapeln sich einige Bücher auf meinem Nachtschränkchen und werden von mir verschmäht. Keines davon ist es wert, weiter gelesen zu werden.
 
Ich hatte es noch ein Mal mit Thomas Mann und seinem „Tod in Venedig“ aufrichtig versucht. Doch mich ereilte das gleiche Gefühl, wie bei der ersten Lektüre vor neun Jahren: Ekel und latente Suizidgedanken. Wenn man dann noch Viscontis gleichnamige Verfilmung dazu im Kopf hat, verstärkt sich das Ekel-Gefühl um ein Vielfaches. Mit Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ sieht es nicht viel besser aus. Im Moment dient mir dieses Buch jedoch zuverlässig als Einschlaf-Hilfe.

Klaus Günzels „Romantikerschicksale“, Ricarada Huchs „Aus der Triumphgasse“, Simone de Beauvoirs „Alles in allem“ – alles unliebsame Bekannte, die man am liebsten vor die Tür, oder in diesem Fall wieder in den Bücherschrank, setzen möchte. Und wenn ich so die verbleibenden  Bücherrücken mit dem Finger  streifend nacheinander studiere, stelle ich schon beim Titel lesen fest: Nein danke!

Das Lesen ist mir im Moment so fad. Oder um es mit den Worten einer ehemaligen Studienkollegin zu sagen: „Literaturtechnisch flasht mich nichts mehr!“ Da kann selbst der Mann aus meinem Stamm-Buchladen nichts gegen ausrichten. Vorbei die Zeiten, als wir am „Klassiker“-Regal standen und uns beinah wegen gegensätzlicher  Meinungen zu Autoren und Werken geprügelt haben.

Stattdessen hatte er zwei Tipps für mich: Wenn man ein literarisches Burn-out Syndrom hat, sollte man es erst einmal ganz sanft mit literarischen Verfilmungen versuchen. Wenn das nicht hilft den Lese-Drang wieder zu aktivieren, sollte man zu Härterem greifen. Er empfiehlt, sich das schlimmste und literarisch minderwertigste Buch aus seinem Regal zu greifen und es von Anfang bis Ende eisern durch zu lesen. Danach –so der Büchermann- hat man ein starkes Bedürfnis nach „gutem, alten Stoff“.  -Seit heute lese ich wieder „Feuchtgebiete“…

§ 4 Responses to Diagnose: Lese-Blockade"

  • Claudio says:

    Reicht “Longtemps je me suis couché de bonne heure.” schon aus, um einzuschlafen? Oder erst bei der netten Madeleine-Szene? Eigentlich sollte man mit der Recherche ja eher aufwachen, aber das interessiert beim Einschlafen wohl eher nicht…

  • Laura says:

    ich lese fast jeden abend die selben drei seiten -die drei ersten- und bin hin.den nächsten tag kann ich mich an nichts erinnern….

  • Chat Atkins says:

    Anfix-Versuch: Greif mal zu Frank Schulz.

  • Laura says:

    der ist ja sogar nächste woche auf lesetour in dortmund…-gelungener anfix-versuch!

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