Ich habe wirklich schon viele Peinlichkeiten erlebt. Neben Stürzen, verbaler Inkontinenz und locker-leichten Fettnäpfchen, die so groß wie der Atlantik waren, war schon alles dabei. Man bekommt Routine und lernt, die Contenance zu wahren. Auch für andere…
Gestern war es mal wieder soweit. Ein Marketing-Männchen und ich trafen auf Mike Krüger. Das Interview verlief nach Plan, bis der Marketing-Mensch sagte: „Warten sie doch mal einen kleinen Moment, ich hol eben was“. Schon da hatten sich Mike Krüger und ich nichts mehr zu sagen. Ich hatte keine Fragen mehr und er sowieso nicht. Er bot mir ein belegtes Wurst-Brötchen an. Ich lehnte ab. Wasser? Nein, danke. Stille. Da kam der Marketing-Mensch wieder. Im Gepäck zehn Mannshohe Poster und diverse, ausgefeilte Autogramm-Wünsche. Mike Krüger erfüllte sie alle. Still und zügig. Dann noch ein netter Spruch und wir gingen.
Als wir jedoch im Büro noch zu einer kleinen Nachbesprechung zusammen saßen, erschien aus dem Dunkel der Nacht ein Gesicht am Fenster: Mike Krüger. Wir sollten doch bitte ein Taxi für ihn rufen. Der Marketing-Mensch war begeistert und erklärte dem Herrn bei der Taxi-Zentrale er hätte gern einen Wagen für Mike Krüger. Ich ahnte, dass sich da jemand verschaukelt fühlte am anderen Ende der Leitung…
„Wir können den Krüger doch jetzt nicht so allein draußen stehen lassen“, sagte er, nachdem er aufgelegt hatte. „Warum nicht? Er ist schon groß“. Der zaghafte Einwand nützte nichts. Wir stratzten nach draußen. Zehn Minuten, so stellte ich anschließend fest, können sich manchmal wie Stunden anfühlen, wenn man sich nichts zu sagen hat. Mike Krüger hatte uns nichts zu sagen. Ich ihm auch nicht. Der Marketing-Mensch schon. Zumindest versuchte er sich in Small-Talk während ein warmer Sommerregen auf uns nieder prasselte und Mike Krüger alle zehn Sekunden fragte, wo denn das Taxi bliebe.
Als der Marketing-Mensch von Bernd Stelter erzählte, und dass der nach seiner Vorstellung binnen kürzester Zeit keine Autogrammkarten mehr gehabt hätte, schauten alle wie aufs Stichwort auf Krügers riesig erscheinenden Autogrammkarten-Stapel in seiner rechten Hand. Die Frage, ob er denn jetzt ins Hotel fahre, beantwortete der Komiker mit einem diffusen Nuscheln. Ich ahnte, dass er Panik hatte, wir zwei Komiker würden mitkommen wollen. „Wo bleibt denn das Taxi“, fragte ich mit einer Mischung aus „Peinlich-berührt“ und „Warten auf den Pausen-Gong“.
Ein Anruf in der Taxi-Zentrale brachte es ans Licht: Man hatte den Anruf für einen Scherz gehalten. In Lichtgeschwindigkeit tauchten im Dunkel zwei Scheinwerfer auf, Krüger sprang (nein, er flüchtete) ins Taxi, ich verschwand wieder im Gebäude und der Marketing-Mensch winkte den roten Rücklichtern des Taxis hinterher…