May 17, 2009

Easternvision Songcontest

Seit ich im fernsehfähigen Alter bin, schaue ich jedes Jahr den Grand Prix Eurovision de la chanson. Also jene musikalische Veranstaltung, die man nun ganz neumodisch Eurovision Songcontest nennt. So neckisch, wie der Name, sind mittlerweile allerdings auch die verkrachten Existenzen, die ihr zweifelhaftes Liedgut zum Besten geben.

Damals konnte man noch Celine Dion mit Pluderhose, Perlenbluse und miesen Zähnen für die Schweiz singen sehen, heute zieht Dita von Teese für Deutschland blank –ganz ohne zu singen. Und überhaupt stellt man jedes Jahr verblüfft fest, welche Länder angeblich zu Europa gehören. Wenn in den nächsten Jahren noch Indien, China und Afrika dazukommen, darf man sich also nicht wundern und verzweifelt den Schulatlas aufschlagen.

Die Zeiten des seichten Schlagers und der minimalistisch gemütlichen Bühnenunterhaltung gehören wohl für immer der Vergangenheit an. Selbst mit Nicole, die einst mit ihrer braven Dauerwelle und der riesen Gitarre ganz scheu „Ein bisschen Frieden“ einforderte, könnten wir heute keinen Blumenpott mehr gewinnen. Und warum? Wegen der Ost-Connection.

Meine Mutter brachte es vor ein paar Jahren bereits ganz schnörkellos auf den Punkt, als sie sagte: „Früher haben sie sich gegenseitig umgebracht, heute schieben sie sich die Punkte zu.“Kein Wunder also, dass Norwegen gewonnen hat. Der Sänger, ein Weißrusse, hat mit seiner fideligen Clowns-Darbietung im Grunde keinen vom Hocker gehauen, aber die buckelige Verwandtschaft, sitzt glücklicherweise überall dort, wo man freie Meinungsäußerung für eine Mär hält.

Und seit Peter Urban in diesem Jahr zum ersten Mal diese Klimbim-Kirmes-Veranstaltung nicht mit seinen süffisanten Bemerkungen begleitet hat, macht es mir ohnehin keinen Spaß mehr. Trotzdem schön, dass die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten Deutschlands jedes Jahr einige tausend Taler investieren, damit Bobby Flitter mit seinem gelockten und debil in die Kamera glotzenden Kumpel, endlich auch einmal auf einer internationalen Bühne auftreten dürfen. Aber hey, halb so wild, wird ja alles von den GEZ-Gebühren gezahlt. Quasi ein medialer Soli-Zuschlag für „Ost-Europa“.

3 Comments

  1. Bjoern says:

    D’accord. Das hatte mal Charme. So eine 30-Millionen-Moskau-Show ist nicht mehr als ein Abgesang. Hatte nach 30 Sekunden hineinzappen genug.

  2. Laura says:

    ach mit käseigel und frucht-bowle kann man über vieles hinweg sehen…

  3. Bjoern says:

    Großartig: Käseigel! Hatte ich schon ganz vergessen.

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