Eine eitrige Mandelentzündung und ihre Folgen

January 24th, 2009 § 0 comments

Ich habe ihn tatsächlich geschafft: Den Hattrick! Das dritte Mal bettlägrig in sechs Monaten. Kein Grund zu direkter Freude und von Genesungswünschen am Krankenbett bitte ich auch höflichst abzusehen. Das würde mich ohnehin nur stören. Sprechen kann ich sowieso nicht, also gewöhne ich mich ans Zuhören. Und da kommt nun das erste Mal seit meinem Umzug mein Fernseher ins Spiel.

Bislang war mir noch gar nicht aufgefallen, dass ich bedingt durch den Satellitenempfang lediglich Pro 7 Austria empfangen kann. Nach der dritten Werbepause war ich dermaßen angewidert und latent genervt, dass ich umschaltete und bei dem Gutelaune-Karnevals-Sender aus Köln landete. Und was sahen meine müden, fiebrigen Augen da? Den Lederlappen Dieter, das Töchterlein vom Bernd (die muss ja auch irgendwo unterkommen)und den Max von Tut nichts (nicht zu verwechseln mit denen von Tut und Tat nichts). Im Grunde hielt mich nur mein zittriger geschwächter Finger davon ab, fort zu schalten. Während ich also so vor mich hin delirierte kam es zum Eklat. Was vermutlich schon alle außer mir wissen, weil ich ja lediglich die Wiederholung geschaut habe.

Vielleicht ist es den entzündlichen Prozessen in meinem Körper geschuldet, dass ich urplötzlich so etwas wie Sympathie gegenüber dem Verstoßenen Max von Thun empfand. Man kann ihn im Grunde ja gar nicht mögen. Er ist arrogant, überheblich, spricht oft unerträglich gestellt und ist bei seinem, gewollt verwegenem Äußeren extrem eitel. Max von Thun tut eben gern immer so als ob. Er gibt sich extrem musikalisch. Keiner kann wissen, ob er es tatsächlich ist, denn niemand besitzt eine CD von ihm. Er tut so, als ob er ein sehr begnadeter und anerkannter Schauspieler wäre. Das könnte immerhin sein. Richtig beurteilen kann man das allerdings auch nicht. Mir persönlich ist er nur mit einer riesen Tamponade am Ohr im Gedächtnis. Das ist ein bisschen so, als ob man den Hamlet mit einer roten Afro-Perücke spielen müsste. Er gibt gern den geheimnisvollen Intellektuellen. Auch das kann man aus den oft kryptisch daher gefaselten Sätzen ableitend weder bestätigen, noch dementieren. –Im Grunde ist das auch zweitrangig.

Denn immerhin ist er nun das einzig ernst zu nehmende Ex-Jury-Mitglied bei „Deutschland sucht den Superstar (der ein Album rausbringen und sich dann wieder schleichen kann)“. Die Show ist peinlich und wird von einem Musikproduzenten kontrolliert, der die musikalischen Maßstäbe der 80er bis heute anwendet. Dieter aus Ostfriesland  glaubt tatsächlich, dass Alexander, Marc und all die anderen ferngesteuerten Analphabeten sich mit dieser Musik in die Herzen der Deutschen gesungen haben. Dabei unterläuft ihm jedoch regelmäßig ein entscheidender Fehler: Er argumentiert mit ein, zwei Millionen verkaufter Singles und misst den Erfolg daran ab. All die Menschen, die jedoch keine Single gekauft haben – 79 Millionen- rechnet er aus seiner Erfolgsgeschichte heraus. Ich selber besitze keine CD von seinen Gesangs-Prostituierten und ich kenne auch niemanden in meinem Bekanntenkreis, der eine solche CD sein Eigen nennt.

Aber der Dieter ist eben durch und durch Ostfriese, der immer recht hat, alles besser weiß und sich für den größten unter den Kleinwüchsigen hält. – Da greife ich einfach wieder zu meinem geschmeidigen Antibiotika, meinem Salbei-Tee und zu meiner Fernbedienung. Auf der habe ich nämlich gerade einen kleinen roten Knopf am rechten, oberen Rand entdeckt…

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