Beerdigungsunternehmen haben begriffen, was zählt: Ein Toter gibt kein Geld aus. Und Hinterbliebene nehmen statt edlen Hölzern lieber das Vorführmodell aus Birke (ohne Polsterung).
Dementsprechend schickt sich eine ganze Branche immer mehr an mit ausgefeilten Marketingstrategien den Tod schon bei Zeiten zu integrieren, ihn salonfähig zu machen. Der Tod soll aus seinem Stiefkindtum endlich befreit werden: Memento mori, Freunde des morbiden Realitätssinns!
In der Zeitung sind dieser Tage auch zahlreiche Anzeigen geschaltet, die zum ungezwungenen Probeliegen in angenehmer Atmosphäre einladen (Sekt und Beratungsgespräch inklusive). Ja, es ist mittlerweile sogar unter den Rentnern etwas abschätzig die Rede von „Trauer-Tupper“ (Tanz-Tee war gestern). Auf diese Weise füllt manch Renter den ein oder anderen noch nicht freizeitlich gestalteten Tag.
Und sogar ich fühlte mich seltsam berührt durch folgende Anzeige: „DAS ENDE…vom Lied: Sorgen sie noch zu Lebzeiten ihren persönlichen Wünschen entsprechend vor. Nehmen sie die Last von ihren Hinterbliebenen! Wir beraten sie gern!“
Was soll man dazu sagen? Da öffnen sich plötzlich ganz neue Welten für die Werbeindustrie. Ein ganzer Wirtschaftszweig darf nun endlich blühen. Ich frage mich, wer wohl Werbeikone auf diesem Feld wird. Günther Jauch könnte ich mir sehr gut mit seriöser Miene auf einer Couch mit Rotweinglas sitzend vorstellen, wie er nachdenklich ins Kaminfeuer schaut, sich zur Kamera dreht und sagt: „Für den Kauf eines jeden Sarges gehen zwei Euro an das Projekt: Rettet deutsches Markenbier.-Sterben auch sie und tun dabei noch Gutes! Ihr Bestatter zählt auf sie!“
Vielleicht bietet sich aber auch ein schöner Klingelton in Verbindung mit einem Sterbe-All-Inklusive-Paket an. Statt einem Frosch oder einem singenden Küken würde ich allerdings einen Holzwurm oder einen Regenwurm mit umgebundener Serviette empfehlen.
Ich werde mich jedoch auch durch solch perfide Werbe-Tricks nicht blenden lassen. Da halte ich es lieber, wie die Majorität der Großeltern-Generation: „Kinder, ich hab´schon für meine Beerdigung gespart. Mein Tod soll euch nicht arm machen.“-Mit dem Tand sollen sich dann andere beschäftigen. Einziger Wunsch meinerseits: Bitte kein Eric Clapton!
Interessant dazu finde ich auch folgenden Artikel:
http://www.radio.cz/de/artikel/60555
Interessenten, die eine ähnliche Bestattung für sich oder Angehörige in Betracht ziehen, haben zudem die Möglichkeit, sich einer Trauergruppe anzuschließen und sich das Ganze mal vor Ort live anzusehen. Da fahren dann ganze Busgruppen á la Kaffeefahrt.
es geht aber immer noch günstiger. auf einem flohmarkt in dortmund hat ein händler alte, wuchtige (nicht benutzte) särge aus dem 19.jahrhundert angeboten…das ordnungsamt zeigte sich beeindruckt…
Warum nicht Clapton?
»I shot the Sheriff but I did not shoot the deputy …«
späte…oder zu späte bekenntnisse helfen den hinterbliebenen dann auch nicht mehr….