Früher dachte ich immer, dass das Gute an einer Depression ist, tüchtig auszuschlafen. Das wäre es auch vermutlich, wenn nicht jeden Tag um halb sieben der Wecker klingeln würde. Was bleibt sonst? Stumm aus dem Fenster starren und an nichts denken. Eine schöne Vorstellung, deren Umsetzung sicherlich viel Freude machen würde. Stattdessen steht in Blickrichtung Fenster von Montag bis Freitag ein Computer-Bildschirm, auf den man zwar auch bei Bedarf stupide starren kann, der jedoch nervös flimmert und außerdem streng überwacht wird. Stumm sein und traurige, melancholische Lieder hören? Tabletten? Oder wenigstens ein bisschen Alkohol (auch starken)? Keine Zeit und außerdem ist ja auch noch seit Mittwoch Fastenzeit. Nicht, dass ich mir daraus etwas machen würde.
Es ist mir sogar ziemlich brause, ob wieder einmal Horden von Brittas und Ankes abstinent leben, Körner fressen und angewidert die Nase rümpfen, wenn man ein Stück Kuchen vor ihren Augen isst. Und dass sie das nur aus grenzenloser Langeweile tun, weil die letzte Uschi-Glas-Ananas-Diät, gewaltfreies Yoga, sinnloses Marathon-Getrappel, Malen gegen Menstruationsbeschwerden und der Gesprächskreis: Grüner Tee, durch sind. Ach ja, und weil es zuhause auch mal wieder eher bescheiden läuft.
Das ist mir alles derart zuwider, dass ich mir lieber ein ganzes Blech Kuchen esse, eine Flasche mit Selbstaufgesetztem leere, unnütz rumliege, Bach höre und aus meinem vom Frühjahrsputz verschonten Fenster schaue. Ob nun mit oder ohne gepflegte Depression!
Ich kenne die Depression aus eigener Erfahrung, mein Blog handelt darüber.
Der erste Satz in deinem Text ist super, ich musste ein bisschen lachen, soviel Ironie und schwarzer Humor tun gut.
Würde mich über einen Gegenbesuch freuen.
ich muss wohl klarstellen, dass mir im moment zwar nicht gerade die sonne aus dem allerwertesten scheint, ich aber keinerlei depressive tendenzen hege (es sei denn man zählt zynismus und sarkasmus dazu)….also, mama und papa: mir geht es gut!:O)))))