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		<title>Dauer-Bewerbungsgespräch</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 00:13:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt diese eine Szene in dem Film „Harry und Sally“. Nein, nicht die. Sondern die, wo das befreundete Paar im Bett liegt, sich jeweils das Genöle von Harry und Sally am Telefon nach der missglückten Liebesnacht anhört, auflegt und die Frau sagt dann: „Sag mir, dass ich nie wieder da raus muss“. Mit „raus“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt diese eine Szene in dem Film „Harry und Sally“. Nein, nicht die. Sondern die, wo das befreundete Paar im Bett liegt, sich jeweils das Genöle von Harry und Sally am Telefon nach der missglückten Liebesnacht anhört, auflegt und die Frau sagt dann: „Sag mir, dass ich nie wieder da raus muss“. Mit „raus“ meint sie natürlich nicht die Wohnung, sondern den hart umkämpften Singlemarkt. Gott, was habe ich da schon alles ausstehen müssen!</p>
<p>Dabei ist es doch so einfach. Ich suche einen Mann, der kein aktiver Alkoholiker ist, seinen Drogenkonsum auch sonst im Griff hat, nicht kriminell ist (oder auf dem besten Weg dahin&#8230;obwohl: Tony Soprano würde ich nehmen), artikulierte Laute und zusammenhängende Sätze bilden kann, kein Psychopath oder Katzen-Hasser ist, ein ausgeglichenes, dem Choleriker fernen, Wesen besitzt, Humor nicht für ein Privileg der Männerwelt hält und mir ab und an mal in den Mantel hilft. Das sind anscheinend zu hohe Ansprüche. Dennoch habe ich es in letzter Zeit häufig versucht. Aufrichtig versucht. Ehrlich!</p>
<p>Die 30 hat mich motiviert nicht irgendwann von Schäferhunden angefressen in der Wohnung gefunden zu werden. Jetzt denke ich allerdings, dass das die wesentlich angenehmere und lebenswertere Alternative wäre. Selten musste ich mir in derart geballter Form so unendlich dummes, nerviges und uninteressantes Gequake anhören. Höhepunkt war ein Date mit einem jungen Mann, der bei einem Abendessen alle Register zog. Die negativen. Versteht sich.</p>
<p>Zuerst mal nannte er mich „Blondie“, was ich eigentlich noch witzig fand, weil ich dachte, dass es ein Spaß sei. So im Sinne von: Ich mach dir mal den Proll. Er meinte es hingegen bitterernst und blieb bei dem Namen. Vielleicht war es auch einfach zu kompliziert, sich meinen Vornamen zu merken. Ansonsten gab er sich große Mühe galant und elegant zu wirken. So elegant zumindest, wie Winnie Puh bei einem 2000 Meter Lauf eben wirken kann…</p>
<p>Tischmanieren wären schön gewesen. Stattdessen lehnte er auf beiden Ellenbogen, während er den Arm mit der Gabel abknickte und mit der Gabel permanent in der Luft vor meinem Gesicht rumwedelte. Mal mit Garnele, mal mit vor Dressing triefenden Salatblättern oder aber auch mit Nudeln. Er schaufelte und redete in einem, was den Blick auf das eben noch auf der Gabel-Befindliche in einer äußerst unangenehmen Weise freigab.</p>
<p>Als ob dieser Anblick nicht schon grenzwertig genug gewesen wäre, funkelte mir beständig den ganzen Abend eine Uhr mit Brillis und einem Ziffernblatt in Form eines riesen Kristalls entgegen. Als ich ihn mal nach der Uhrzeit fragte, konnte er mir keine Auskunft geben: „Kann ich nicht lesen. Wegen dem Schliff“.</p>
<p>Er unterhielt lautstark das gesamte Lokal, meckerte die Bedienung an und redete permanent. Was, weiß ich gar nicht mehr so genau, weil ich zwischenzeitlich im Standby-Modus befindlich, überlegte, was ich am nächsten Tag im Supermarkt einkaufen wollte, was ich putzen muss und ob ich noch genügend Waschmittel im Haus habe. Anschließend ging ich im Kopf alle Termine, die ich im November habe durch und überlegte mir Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie.</p>
<p>An einem Punkt horchte ich aber auf, nämlich, als er erzählte, dass ich mit ihm einen exzellenten Fang machen würde (er sei ein hervorragender Liebhaber. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie ich neben, auf, unter der Bling-Bling-Uhr im Bett liege). Er beschrieb sich derweil in den vorteilhaftesten, schillerndsten Farben, zog schmeichelhafte Aussagen von Freunden und Familie zur Unterfütterung seiner Aussagen heran. Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass er lediglich in der Anfangszeit noch so „charming“ wie heute Abend sei (also mit „Abholen, Tür aufhalten, in den Mantel helfen und so“), später würde sich das verflüchtigen.</p>
<p>Im Nachhinein kam mir der ganze Abend zunächst wie ein Verkaufsgespräch –sagen wir bei QVC- vor, im Anschluss allerdings, wechselte es in ein Bewerbungsgespräch. Ein Bewerbungsgespräch um den Job als Haus-, Putz und Ehefrau. Denn nun wurden meine Fähigkeiten abgefragt: Kochen, backen, Kinder, Aufmuck-Potenzial, etc. Ich gab mir alle Mühe so unattraktiv wie möglich zu wirken, gab vor Kinder zu hassen und nur das kochen zu können, was in einen Toaster passt.</p>
<p>Auf der Nachhause-Fahrt schlief ich unter seinem beständigen Gerede ein. Manchmal ist mir mein Unterbewusstsein eben einen Schritt voraus. Ich verabschiedete mich kurz und knapp. Ich glaube, ich habe erst „Tschüss“ gesagt, als die Autotür schon längst ins Schloss gefallen war. Und dennoch: Heute hat er wieder angerufen (bin natürlich nicht dran gegangen).</p>
<p>…wie gern würde ich nie wieder DA raus müssen…</p>
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		<title>Generation Grusel-Großspur</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 00:30:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich bin jetzt 30 und habe mir aus gegebenem Anlass mal Folgendes überlegt, beziehungsweise hat es sich in letzter Zeit quasi aufgedrängelt und jetzt muss es eben mal gesagt werden: Wenn die Generation meiner Eltern mal nicht mehr ist, werden wir ziemlich desolat unterwegs sein. Menschlich. Gesellschaftlich. Und überhaupt… Im Grunde laufen dann nur noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin jetzt 30 und habe mir aus gegebenem Anlass mal Folgendes überlegt, beziehungsweise hat es sich in letzter Zeit quasi aufgedrängelt und jetzt muss es eben mal gesagt werden: Wenn die Generation meiner Eltern mal nicht mehr ist, werden wir ziemlich desolat unterwegs sein.  Menschlich. Gesellschaftlich. Und überhaupt…</p>
<p>Im Grunde laufen dann nur noch großspurige Möchtegern-Elitäre ohne Bodenhaftung rum, die ihr Ego künstlich aufplüstern, keine Manieren, Prinzipien und keine eigene Meinung haben, die Empathie, Mitgefühl und Nächstenliebe für eine schwere psychische Erkrankung halten, an maßloser Selbstüberschätzung leiden, gefährliches Halbwissen für Vollwissen nehmen und auch nicht davor zurück schrecken es anzuwenden, den Spruch „Man lernt nie aus“, für eine aberwitzige Mär halten und die den Besitz eines Kulturbeutels schon als hohes Zeichen ihrer ausgezeichneten Bildung nehmen. </p>
<p>Ganz zu schweigen von dem ausgesprochen fragwürdigen Anspruchsdenken. Heute muss kein 14-jähriger mehr Zeitungen austragen, um sein Taschengeld aufzubessern. Warum auch? Die neusten Turnschuhe für 200 Euro oder das neuste Handy gehören zur Standard-Ausstattung. Auch ein Student muss nicht mehr kellnern, um sein Studium und das WG-Leben zu finanzieren. Das machen selbstredend andere. </p>
<p>Kulturelles Wissen ist unter diesen Menschen zum Nischen-Wissen verkommen und somit so modern und gebräuchlich im alltäglichen Leben wie etwa Aderlass. Es zählt nur noch das, was nach außen sichtbar ist. Also rennt alle Welt ins Fitness-Studio, rüscht sich auch sonst äußerlich mit Klamotten immerzu auf, lebt auf Pump für ein repräsentables Auto und eine den neusten Einrichtungsmaßstäben genügende Wohnung. </p>
<p>Alles Zwischenmenschliche muss weichgespült und angenehm reduziert werden, denn mit schwierigen Situationen oder gar tiefer gehenden Dingen, kann und will man sich nicht beschäftigen. Freunde haben der Norm entsprechend zu funktionieren, ansonsten streicht man sie einfach aus der Freundesliste bei Facebook. Ist ja kein Ding. Ohnehin ist ja heute jeder, der einem mal kurz einen feuchten Händedruck verpasst hat, grundsätzlich ein guter Bekannter. Gemeinsamkeiten oder andere solch profanen Dinge, sind nicht mehr zwingend notwendig. </p>
<p>Wie heißt es doch so schön passend hierzu? Ach ja….: Some people need a High Five. In the face. With a chair. </p>
<p>Oder um es mit Nicolas Born zu sagen:<br />
»Oft für kompakt gehalten / für eine runde Sache / die geläufig zu leben versteht – / doch einsam frühstücke ich / nach Träumen / in denen nichts geschieht. / Ich mein Ärgernis / mit Haarausfall und wunden Füßen / einssechsundachtzig und Beamtensohn / bin mir unabkömmlich / unveräußerlich kenne ich / meinen Wert eine Spur zu genau / und mach Liebe wie Gedichte nebenbei. / Mein Gesicht verkommen / vorteilhaft im Schummerlicht / und bei ernsten Gesprächen. / Ich Zigarettenraucher halb schon Asche / Kaffeetrinker mit den älteren Damen / die mir halfen / wegen meiner sympathischen Fresse und / die Rücksichtslosigkeit mit der / ich höflich bin.«</p>
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		<title>Mir steht heut nicht der Sinn nach…</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 11:51:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
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		<description><![CDATA[…freundlichen Anekdötchen. Ich eskaliere gleich. Ich habe Rücken, Laune und vor allem ZÄHNE! Oder eben auch nicht. Klingt kryptisch? Ist es aber nicht: Heute feiere ich eine meiner legendären Halloween-Parties. Da kann der Klumfuss aber sowas von einpacken! Mein Kostüm wäre perfekt, ja wenn da nicht ein winziges Detail fehlen würde: Die Eckzähne. Seit morgens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>…freundlichen Anekdötchen. Ich eskaliere gleich. Ich habe Rücken, Laune und vor allem ZÄHNE! Oder eben auch nicht. Klingt kryptisch? Ist es aber nicht: Heute feiere ich eine meiner legendären Halloween-Parties. Da kann der Klumfuss aber sowas von einpacken! Mein Kostüm wäre perfekt, ja wenn da nicht ein winziges Detail fehlen würde: Die Eckzähne. Seit morgens um 8 halte ich Ausschau nach dem Postmann und warte, dass er statt zweimal (wie üblich), heute dann doch nur einmal klingelt. Aber das Luder lässt sich nicht blicken!<br />
Im Grunde steht die Party schon unter einem schlechten Stern. Alle Gäste haben mir glaubhaft versichert Halloween zu hassen. „Diese unsägliche Amerikanisierung“, flötete es mir die letzten Tage ständig um die Ohren. Wenn man sich über sowas aufregt oder deswegen ziert, dann möchte ich aber nicht sehen, wie diese Menschen im Schnellrestaurant was bestellen. Das muss ja dann an Selbstaufgabe grenzen…</p>
<p>Ich liebe Halloween seitdem ich 17 bin und damals, als Schülerin einer Secondary School irgendwo in Canada, Halloweenball-Königin geworden bin. Ich bin mir zwar heute immer noch nicht sicher, ob das schmeichelhaft ist, aber sei’s drum…Mit Traditionen muss man schließlich irgendwann mal anfangen. </p>
<p>Und weil ich mich da so aufopferungsvoll auf diesem Feld betätige und Entwicklungshilfe leiste, sorge ich natürlich auch für das leibliche Wohl. Und wie ich da so bei ALDI auf dem Parkplatz stehe, die Antipasti in die Tüte stecken will, da geht dieses Plastik-Chichi-Teil doch tatsächlich auf und tropft auf meine –seinerzeit vom Munde abgesparten- hellgrauen Ugg-Boots. Der Tag ist gelaufen. Selbst voreilige Rettungsaktionen mit Spüli, Schwämmchen und Waschmaschine können das Rad der Zeit nicht zurück drehen. Ich bin ganz und gar untröstlich. </p>
<p>Keine Zähne, keine Ugg-Boots mehr. Zumindest keine vorzeigbaren. Also werde ich mein Kostüm ändern und mir meine Klamotten mit Öl bespritzen, dazu die Ugg-Boots und ein Häubchen mit dem Buchstaben „M“ und fertig ist das Friteusen-Kostüm…-Was tut man nicht alles für noch junge Traditionen….</p>
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		<title>Der ewige Zorn der Bundesjugendspiele</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 20:32:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verhasst und trotzdem noch nicht abgeschafft: Die Bundesjugendspiele an der Schule. Schon als Schülerin habe ich etwaige Ehren- und Siegerurkunden zwar langzähnig von unserer sehr maskulinen Sportlehrerin in Empfang genommen, sie aber augenrollend, die Haare hin und her werfend, unter lauten Schnaufgeräuschen zerfetzt und schließlich aufgegessen. Das nannte man damals noch nicht verhaltensauffällig, sondern einfach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Verhasst und trotzdem noch nicht abgeschafft: Die Bundesjugendspiele an der Schule. Schon als Schülerin habe ich etwaige Ehren- und Siegerurkunden zwar langzähnig von unserer sehr maskulinen Sportlehrerin in Empfang genommen, sie aber augenrollend, die Haare hin und her werfend, unter lauten Schnaufgeräuschen zerfetzt und schließlich aufgegessen. Das nannte man damals noch nicht verhaltensauffällig, sondern einfach pubertär.</p>
<p>Leichtathletik ist nun wirklich etwas für Liebhaber. Springen, Werfen, Laufen…das ist was für Menschen, denen auch Günter Jauch am Sonntag kein Graus ist. Oder die sich statt Gedanken lieber Abendbrot machen.<br />
Sei’s drum: Als Lehrerin hege ich nun auch diffizile Gefühle gegenüber diesem ausgedehnten Vormittag auf dem Sportplatz. Während ich dachte, dass meine Aufgabe eher mehr im administrativen Bereich –sprich Stoppuhren tragen oder Kinder verarzten- läge, wurde ich zum Ballwerfen kommandiert. Ich blieb mir treu und schluffte über den Ascheplatz mit Kleid, Leggins, leichten Lederschühchen und Strickjacke. </p>
<p>Den verblüfften Kollegen erklärte ich, während ich meine Sonnenbrille aus der winzigen Handtasche kramte, dass sich keinerlei Sportsachen in meinem Besitz befänden. Das war zwar ein bisschen gelogen, denn immerhin nenne ich ein paar Samt-Adidas-Schuhe mein Eigen, aber ich wollte die Story schön stringent aufbauen. Ich unterfütterte selbige noch mit einem knackigen Zitat von Roger Willemsen: „Ich bin froh, dass Sport meinen Körper noch nicht vollständig entstellt hat“, und postierte mich also beim Weitwurf. Den Kindern erzählte ich furchtbare Geschichten von meinem beständigen Versagen bei den Bundesjugendspielen, um ihnen diesen unsäglichen Druck zu nehmen, den der Oberfeldwebel im Körper eines handelsüblichen Sportlehrers mit klitzekleinem Ego schon längst überproportional hoch aufgebaut hatte. </p>
<p>Die freiwilligen Helfer in Gestalt der Senioren, die unter der Woche auf dem Sportplatz trainieren, nahm ich zunächst gar nicht wahr. Bis einer, dickbäuchig, in fragwürdigem Outfit, auf mich zusteuerte und mich fragte, wer ich eigentlich sei. Als ich mich als Lehrerin zu erkennen gab, rief er aus: „Was heutzutage alles schon unterrichten darf!“- Ich nahm die Sonnenbrille ab. „Naja, Sportlehrerin sind sie ja wohl offensichtlich nicht“, setzte er noch eins drauf und musterte mich von oben bis unten, während seine Silberpudel-Kumpels, die sich mittlerweile auch angepirscht hatten, brummend kicherten. Hier war keine Zeit mehr für Freundlichkeiten. Wo die Diplomatie schon längst über die Klinge gesprungen ist, braucht die Höflichkeit auch nicht mehr zu bleiben. Von wegen: Bieten sie ihren Sitzplatz demjenigen an, der ihn nötiger hat… </p>
<p>In Gedanken aß ich wieder sämtliche Ehrenurkunden auf und dachte an den hochroten Kopf meiner Sportlehrerin, als ich eine Ski-Verletzung glaubhaft vortäuschte, nur um in der Pause von ihr auf dem Schulhof herum hüpfend, erwischt zu werden. Ich bekam nie mehr eine Zwei. </p>
<p>An all das dachte ich, als ich den fett wie feisten Rentner fragte: „Und ihr Sport scheint wohl auch eher mehr im Vereinsheim statt zu finden oder haben sie einfach nur ne‘ kaukasische Kleinfamilie verschluckt?“ Ich setzte mir die Sonnenbrille wieder auf und ging in Richtung Erfrischungsstand. Ich glaube das nennt man einen coolen Abgang. Zumindest habe ich Szenenapplaus von den 9.Klässlern bekommen. </p>
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		<title>Schlimm, schlimmer, am schlimmsten</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 22:15:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich bin jetzt 30 und dachte, die Zeiten, in denen man von irgendetwas Zwischenmenschlichem erschüttert oder gar getroffen werden könnte, seien vorbei. Schließlich hat man schon allerlei Unerfreuliches erlebt, den Blick geschärft und gelernt nicht jedem das Türchen zum inneren Feinkostladen aufzumachen. Doch ich bin ein törichtes Kind. Wenn einen mit 30 etwas trifft, dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin jetzt 30 und dachte, die Zeiten, in denen man von irgendetwas Zwischenmenschlichem erschüttert oder gar getroffen werden könnte, seien vorbei. Schließlich hat man schon allerlei Unerfreuliches erlebt, den Blick geschärft und gelernt nicht jedem das Türchen zum inneren Feinkostladen aufzumachen. Doch ich bin ein törichtes Kind. Wenn einen mit 30 etwas trifft, dann richtig. Es haut einen aus den Puschen und lässt dich verzweifelt den Uralt-Sekt aus dem Kühlschrank kramen, während du einen riesen Stapel Taschentücher vor dem Kühlschrank vollheulst. Noch ein Grund mehr immer 29 zu bleiben…</p>
<p>Und wie mit Ende 20 flüchte ich mich jetzt wieder reflexartig zu meinem alten Haudegen an die poetisch-breite Brust. Fontane hat mir mein ganzes Leben Trost gespendet. Weil er mir immer just in den schlimmsten, traurigsten Momenten einfällt, freundlich-milde lächelt und mir den Kopf tätschelt, wenn ich es am nötigsten habe. Er hat immer recht. Er ist ein guter Mann. Heute habe ich wieder Fontane gelesen und war ganz ruhig…<br />
„»Was ist?« sagte sie, »du siehst so verändert aus.«<br />
»Möglich. Aber es ist nichts. Ich bin vollkommen ruhig.«<br />
»Ach sage nicht das. Wenn man sagt, man sei ruhig, ist man&#8217;s nie.«<br />
»Woher weißt du das?«<br />
»Ich glaube, das lernt jeder, dafür sorgt das Leben. Und dann weiß ich es von Pauline. Wenn die zu mir sagt: ›Stine, nun bin ich wieder ruhig‹, dann ist es immer noch schlimm genug.“</p>
<p>-Es ist schlimm genug-. </p>
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		<title>Da kann man wieder gar nicht&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Sep 2011 20:26:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230;so viel essen, wie man da kotzen möchte. Go vegetarian! &#160; Das System Wiesenhof &#160;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;so viel essen, wie man da kotzen möchte. Go vegetarian!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://youtu.be/uDIqiN49bmA">Das System Wiesenhof</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Verfall einer Stadt…wenn das der Wolfgang wüsste</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 00:03:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Goethe hat heute Geburtstag. Hätte. Er lebt ja nun schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Ich brauche keinen Blick in irgendeine handelsübliche Zeitung am heutigen Tag zu werfen. Nein. Die unerträgliche Peinlichkeit des Schreibens, Schreiben-Müssens, würde sich mir wie ein paar allzu leichte Mädchen aufdrängen. Dieser dämliche Dreiklang (Leben-Werk-Wirkung), dieses mühselige Stochern, dieses angestrengte, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Goethe hat heute Geburtstag. Hätte. Er lebt ja nun schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Ich brauche keinen Blick in irgendeine handelsübliche Zeitung am heutigen Tag zu werfen. Nein. Die unerträgliche Peinlichkeit des Schreibens, Schreiben-Müssens, würde sich mir wie ein paar allzu leichte Mädchen aufdrängen. Dieser dämliche Dreiklang (Leben-Werk-Wirkung), dieses mühselige Stochern, dieses angestrengte, um intellektuelle Pointiertheit bemühte Geschreibsel oder Gewichsel. Wie viele Generationen an schlecht verdienenden, frustrierten Journalisten haben sich auf dieses dankbare Thema alle Jahre wieder bereits einen runtergeholt? Von den ganzen beknackten Literatur-Wissenschaftlern und -Liebhabern ganz zu schweigen. Goethe als Pinup-Girl. </p>
<p>Überhaupt ist es zum Würgen. Da, wo Goethe einst wohnte, latschen jedes Jahr über vier Millionen Touristen durchs Goethehaus am Frauenplan, den Park an der Ilm, das Gartenhäuschen, das Schillerhaus, die Anna-Amalia Bibliothek, das Witwen-Palais und so weiter. Ich würde es nicht glauben, hätte ich es dieses Jahr nicht mit eigenen Augen gesehen: Weimar verkommt zum Disneyland für Pseudo-Kulturinteressierte. Steht oder sitzt man in Weimar einfach nur rum, gehört man zu einer seltenen Spezies und läuft Gefahr entweder von einer Kutsche oder einem Oldtimer-Stadtrundfahrtenbus (prallgefüllt mit Touris) überrollt, oder aber von geführten Touristengruppen rücksichtslos platt getrampelt zu werden.<br />
Einheimische schmeißen sich in lächerliche Kostüme und machen den Gästeführer. Die Gäste sind meistens grauhaarig, Mephisto-beschlappt und lieben gedeckte Farbkompositionen in Beige. Sie zeichnen sich durch einen straffen Zeitplan, einen gehetzten Gesichtsausdruck und rabiate Umgangsformen aus. Im Museumsshop wird angesichts der überteuerten Preise für den BilligTand aus Fernost gemeutert, im Restaurant ebenso, auch bei der Stadtrundfahrt wird gemoppert. Generell gilt: Alles zu teuer, und: Wir haben doch keine Zeit. </p>
<p>In den Museen selber laufen die Silberpudel gehetzt mit dem Audio-Führer von Raum zu Raum, hauen wie bekloppt auf den Tasten rum und schnaufen so, als ob sie kurz vorm Infarkt stehen. Ruhe und Besinnlichkeit ist was für junge Dinger wie mich. Aber die Seniorenteller-Fraktion hat keine Zeit mehr für Schöngeisterei. Und weil das so ist, wollen sie auch nicht, dass sonst irgendjemand noch Zeit dafür hat. Sie verscheuchen einen mit vorwurfsvollen Blicken von den wenigen Sitzmöglichkeiten, sie latschen über die Picknick-Decke im Park (obwohl hier nun wirklich Platz genug für alle ist), sie pöbeln einen im Museum von hinten an, schneller zu gehen und schrecken auch nicht vor einem beherzten Schulter-Rempler zurück. Ja, die Zeiten sind hart geworden in Weimar. </p>
<p>Vor zehn Jahren war ich das erste Mal in der goldenen Stadt. Es war wunderschön, mein Herz blieb damals in Weimar. In diesem Sommer habe ich es jedoch wieder brav eingesammelt, es vom Asphalt gekratzt. Doch Weimar wäre auch ohne die Touristen nicht schöner. Wie so oft, kann man auch hier das Rad der negativen Entwicklung (die geballte Inkompetenz von Touristikern, allzu dämlichen Stadtvätern und selbstzufriedenen Stiftungs-Mitarbeitern) nicht zurück drehen.<br />
Die sicherste Art festzustellen, wie es um eine Gesellschaft oder in diesem Fall eine Stadt bestellt ist, bietet ein Gang auf den Friedhof. In Weimar schaut es da abseits der zur Fürstengruft pilgernden Touristen, traurig aus. Mit rot-weißem Absperrband sind notdürftig umgefallene, mehrere hundert Jahre alte Grabsteine umwickelt. Grabplatten haben sich von der Mauer, die rings um den Friedhof läuft, gelöst und sind herausgebrochen. Mausoleen sind beschmiert und stark beschädigt. Manche Wege gar nicht mehr passierbar. </p>
<p>Auch die Toten gehören zu unserem kulturellen Gut. An jeden Stein in freier Wildbahn heftet man in Weimar reflexartig gleich eine Gedenktafel: „Hier saß Goethe“. Bei jedem Gebäude ist man fast schon pathologisch bemüht einen Zusammenhang zu irgendeiner Figur der Goethezeit herzustellen (und wenn es auch nur ein entfernter Schwippschwager des Kutschers von Goethe ist). </p>
<p>Aber den Weimarer Friedhof, der uns ebenso etwas über jene Zeit und noch darüber hinaus erzählen könnte, hat man ausgespart. Goethe hätte das vielleicht sogar gefallen. Seine Toten hat er nie mit zu Grabe getragen. Der Tod war für ihn Mittel zum Zweck: Sterben und Werden.<br />
Das kann freilich nicht für die Klassik Stiftung Weimar oder die Stadt Weimar gelten, die gut daran verdienen, dass Goethe einmal in Weimar lebte. Und wer jetzt denkt: „So sei doch höflich!“, dem entgegne ich ganz und gar in Goethe-Manier: „Höflich mit dem Pack? Mit Seide näht man keinen groben Sack.“</p>
<p><a href="http://www.anjejackert.de/wp-content/uploads/2011/08/123-088.jpg"><img src="http://www.anjejackert.de/wp-content/uploads/2011/08/123-088-225x300.jpg" alt="" title="Weimar Friedhof" width="225" height="300" class="alignnone size-medium wp-image-529" /></a></p>
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		<title>Basler zerlegt den BVB: Bild-Redakteure im Kampf mit dem Sommerloch</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 17:25:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe mir gestern eine Bild-Zeitung gekauft. Und zwar wegen folgender Überschrift: „Der Bundesliga-Check. Basler zerlegt Dortmund“. In erster Linie zerlegt der Mann seit Jahren mit Nachdruck ja eher seine Leber, Lunge und die Raucherbeinchen mit den lila-schimmernden Adern, die er stets stilvoll in Adiletten kleidet. Ich war also neugierig. Doch als ich in mein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe mir gestern eine Bild-Zeitung gekauft. Und zwar wegen folgender Überschrift: „Der Bundesliga-Check. Basler zerlegt Dortmund“. In erster Linie zerlegt der Mann seit Jahren mit Nachdruck ja eher seine Leber, Lunge und die Raucherbeinchen mit den lila-schimmernden Adern, die er stets stilvoll in Adiletten kleidet. Ich war also neugierig.</p>
<p>Doch als ich in mein mit BVB-Aufklebern geschmücktes Automobil stieg, klingelte auch schon das Telefon. Meine Mutter! Ob ich das von dem „Voll-Horst“ Basler eigentlich schon gelesen hätte, fragte sie. Die 70 Cent hätte ich mir im Grunde auch getrost sparen können, denn die nächsten zehn Minuten zeterte meine Mutter –untermalt von den gebrummten Unmutsbekundungen meines Vaters im Hintergrund- ins Telefon, was der Basler da so alles vom Stapel gelassen hatte.</p>
<p>Der Mario ist natürlich ein Kern-Asi. Mit amtlicher Hohlraumversiegelung. Als Fußballer kann man sich das leisten. Es gehört sogar ein bisschen zum guten Ton. Man erwartet das. Und als Fußballer –das muss auch mal gesagt werden- hatte der Mario echten Unterhaltungswert. Der Abgang bei den Bayern war zumindest im Vorabend-Programm-Bereich von RTL. Das ist immerhin schon mal was.</p>
<p>Aber zurück zum Bundesliga-Check. Kehl sei als Kapitän eine echte Fehlbesetzung und nach Birgit Prinz der männlichste Kapitän, so Basler. –Der Mann hat recht. Der Kehl taugt höchstens für die Pressearbeit. Schließlich hält er ja jetzt schon ungefragt seine Fresse wie sein Ex-Kollege Metzelder in jede Kamera. Vielleicht machen die beiden einfach demnächst besser in PR. Bei Metze läuft es ja auch nicht mehr so…</p>
<p>Ansonsten bot die groß als Aufmacher gesetzte Kolumne nichts Überraschendes mehr: Champions League ist was anderes als das „Europa Gedöns“…ach ja….aha…..mh….jaja. Es wird hart in der nächsten Saison….jaja…aha…soso….Der Gündogan sei ein Guter….aha….Götze und Kagawa sind Hoffnungsträger…..mmmmhhhhh….</p>
<p>-Doch dann: „Ich bin froh, dass wir alten Haudegen-wie der Effe, der Jeremies und ich- nicht gegen die BVB-Kids von heute ran müssen“. –Also bitte, liebe Bild-Redakteure! Effe und Jeremies. Haudegen. BVB-Kids.</p>
<p>Klar, es ist Sommer, das Wetter schlecht, die Bundesliga noch nicht am Ball, aber so was, das sich eher nach Kurz-Interview mit Basler aufm Klo anhört, unterfüttert mit ein bisschen dünner Sättigungsbeilage und Standard-Klamauk à la Atze Schröder sowie Dummsinns –Plattitüden in Franz-Josef-Wagner-Manier…also das hat ja nun echt niemand verdient. Auch nicht für 70 Cent.</p>
<p>Lasst den Mario doch mal wirklich selber was ganz alleine schreiben! Oder malen! Würde zwar dauern und er müsste erst noch den Grundschulabschluss nachholen, aber dann könntet ihr mal ein bisschen Pause machen. Täte euch offensichtlich ganz gut…-Viel Spaß noch im Sommerloch!</p>
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		<title>Ein Tag wie jeder andere</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 22:11:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich will nicht wie ein weinerliches, quengelndes Kind klingen. Und doch: Irgendwie geht mir das mit dem anstehenden Geburtstag ziemlich an die Nieren. Fast täglich erkundigen sich Freunde und weit entfernte Bekannte, ob ich diesen runden Geburtstag gedenke zu zelebrieren. Ja, sie drängeln sich im Grunde feist auf. Ich rede mich raus und behaupte, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich will nicht wie ein weinerliches, quengelndes Kind klingen. Und doch: Irgendwie geht mir das mit dem anstehenden Geburtstag ziemlich an die Nieren. Fast täglich erkundigen sich Freunde und weit entfernte Bekannte, ob ich diesen runden Geburtstag gedenke zu zelebrieren. Ja, sie drängeln sich im Grunde feist auf. Ich rede mich raus und behaupte, dass ich den 31sten groß feiern werde. Was ich natürlich nicht vorhabe. Von der eigenen Geburtstagsparty hat man schließlich selbst am allerwenigsten. </p>
<p>Also fahre ich weg und mache Urlaub bei Wolfgang. Bum. Zack. Aus. Ich lass mir von der buckeligen Verwandtschaft doch nicht den guten Kaffee wegsaufen, Kuchen wegschnetzeln, deprimierend-pseudo-lustige Geburtstagskarten schenken und die frisch bezogene Wohnung verwüsten. Bei Wolfgang tue ich den ganzen Tag dann so, als ob gar nichts Besonderes los ist. Wolfgang übrigens auch. Dass ich in seinem Garten abhänge, in seinem Haus rumlaufe und seine Sommerresidenz temporär in Beschlag nehme, stört ihn nicht. Wolfgang ist ein guter Kerl. Die gibt es ja selten genug. </p>
<p>Ich bin in einem Formtief. So, wie die Fußballer-Frauen. Letzte Woche während der Klassenfahrt war ich sogar zu abwesend um die Kinder zur Raison zu rufen. Die Klopperei im Schulbus noch vor der eigentlichen Abfahrt? –Ich rümpfte noch nicht einmal die Nase. Kind aus dem Landschulheim verschwunden? -Ich zuckte mit den Achseln und rief gleichgültig die Polizei. Ein Ball, der direkt in meinem Gesicht landete? –Ich sammelte ihn gedankenverloren ein und ging. Die Kinder fragten und verlangten hingegen nach einem ordentlichen Anschiss. Als ich den verweigerte, verkloppten sie den Ballwerfer. Als nachts zwei Mädchen in meinem Zimmer standen und vor Heimweh weinten, weinte ich mit und verteilte wie in der Betty-Ford Klinik Heimweh-Pillen. Ich selber aß die halbe Packung auf. </p>
<p>Am Strand beim Muscheln sammeln, trat ich zuerst in eine Qualle und verknackste mir dann beim angeekelten weghüpfen den Fuß. Das wäre mir früher alles nicht passiert. Ich bin dünnhäutig geworden. Ein Jammerlappen. Ich habe sogar Angst davor, dass mich ein Regentropfen hinterrücks erschlagen könnte. </p>
<p>Es ist lächerlich, ich weiß. Schließlich sind die meisten Menschen in meinem direkten Umfeld, vielvielvielevielviel älter als ich es bin. Darum geht es auch nicht. Es ist vielmehr wohl so, dass ich jetzt denke: So, das war’s jetzt mit dem Albern-sein, mit dem Arsch in die Überwachungskamera halten, den unangemessenen Kicherschleifen, dem Tollpatschen, dem in-den-Fettnäpfchen-der-Welt baden, dem unvernünftig- und idealistisch-sein, … dem hemmungslosen Träumen. Mit 30 muss ich meine Steuererklärung selbst machen, ernsthafte Gespräche mit meiner Bank-Beraterin führen, Arbeitsunfähigkeitsversicherungen abschließen, knallige Farben und Muster meiden, meine Taschen- und Schuhsammlung verstecken, Faltencremes kaufen und den Müll trennen. Tja…Rechte und Pflichten. Das Zeitalter der Pflichten bricht nun an. Und das, wo ich doch eigentlich eher mehr der Mensch für die B-Note, also die Kür, bin. Alles prima machen, wenn es ohnehin nicht darauf ankommt. Das ist mein Ding. Druck ist was für den Toilettenspülkasten. Aber nicht für mich.  </p>
<p>„Das Leben ist eine Kunst, in der es leider zu viele Dilettanten gibt“. Ich hoffe, die 30 ist wirklich nur eine Zahl und kein Fallbeil, das mich über Nacht zur Dilettantin macht.</p>
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		<title>Hicks&#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 16:11:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laura</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Noch vier Wochen bis zu den großen Ferien und ich stelle fest, dass Hollywood –kaum arbeite ich ein halbes Jahr als Lehrerin- einen Film über mich gemacht hat mit Cameron Diaz in der Hauptrolle. Glücklich bin ich über die Besetzung nicht. So’ n ordinären Mund will schließlich keiner. Die Beine hingegen würde ich wohl nehmen&#8230; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch vier Wochen bis zu den großen Ferien und ich stelle fest, dass Hollywood –kaum arbeite ich ein halbes Jahr als Lehrerin- einen Film über mich gemacht hat mit Cameron Diaz in der Hauptrolle. Glücklich bin ich über die Besetzung nicht. So’ n ordinären Mund will schließlich keiner. Die Beine hingegen würde ich wohl nehmen&#8230;</p>
<p>Früher war ich sehr zeigefreudig. Das geht nun nicht mehr. Ich habe es eingesehen: Was in der Uni recht und vor allem (manchmal )billig war, hat nun ein Geschmäckle. Nächste Woche gehe ich mit meinen 5ern und den Halbstarken aus der 6 auf Klassenfahrt. Der ältere Kollege lobte halblaut im Lehrerzimmer den fantastischen Landwein, den Langeoog zu bieten habe. Ich befürchte, er meint den Fusel aus dem Tetrapack. Lehrer kurz vor der Pensionierung sind nicht mehr ganz so anspruchsvoll und Kummer gewöhnt. Frei nach dem Motto: Hauptsache et knallt.</p>
<p>Alkohol scheint überhaupt das Thema schlechthin bei meinen Schülern zu sein. Vorab mussten die Schüler Bögen ausfüllen, auf denen vermerkt werden sollte gegen was sie allergisch sind oder was sie nicht essen dürfen. Prompt bekomme ich von zehn elfjährigen Schülern die Blätter zurück, und lese: „Kein Schweinefleisch, kein Alkohol“. Emre meldet sich noch einmal extra und wiederholt, was seine Mutter gesagt hat: „Ich darf kein Schwein und kein Alkohol“. „Emre, du bist elf Jahre alt“. „Trotzdem: Kein Fleisch, kein Alkohol“. „Emre, ich will nicht hoffen, dass die anderen Nicht-Moslems mit elf Jahren Alkohol dabei haben“, ich lächle zunächst innerlich, bevor ich in einige nachdenkliche Gesichter schaue. Stefan hebt zaghaft den Finger: „Also kein Bier?“ „Ihr seid elf! Gut… Kevin. Du nicht. Du bist ja schon 14“. „Darf ich dann was mitbringen?“ „Nein!“ „Rauchen ist aber okay?“ </p>
<p>Ich fühle mich daraufhin genötigt eine flammende Rede gegen Alkohol, Zigaretten und andere Suchtmittel zu halten. Ich rede mich richtig in Rage. Die Kinder sind still und lauschen scheinbar andächtig und verständig. Als ich mir gerade selber in Gedanken auf die Schulter klopfen will und mit einem verbalen Feingriff in die Witzeschublade dem Ganzen den letzten Pfiff versetzen will, ruft Stefan in die Klasse: „Man ey! Ist ja wie im Knast hier. Jetzt fehlt nur noch, dass sie uns auch noch das F****** verbieten“. </p>
<p>Verständnis ist manchmal eine Sache von Sekunden. Ich habe heute mit der Landwein-Kur bereits begonnen und dem rotnäsigen Kollegen im Lehrerzimmer mit dem Flachmann zugeprostet. </p>
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