Wenn man so richtig überarbeitet ist und dann auch noch feststellt, dass das durch Eduard Mörike sprichwörtlich gewordene „blaue Band“ so kurz vorm kalendarischen Frühlingsanfang gar nicht flattern möchte, macht sich Unmut breit. Im Kühlschrank befinden sich exakt folgende Dinge: Eine vergammelte Paprika, eine Milchschnitte (deren Haltbarkeit man nicht mehr zweifelsfrei klären kann), eine Flasche Sekt (von der man weiß: Die lag, die liegt und die wird auch noch weiter da vor sich Jahrhunderte rumliegen), ein Lippenstift (weil alle sagen, Kosmetik gehört in die Kühlung, aber der kleine Kerl geriet wohl dort in Vergessenheit), ein natürlich gereifter Käse (er antwortet schon brav auf leichte Rechenaufgaben) und eine Augengelmaske (die ich noch nie benutzt habe-aber unbedingt haben musste).
Klappt man die Tür zu könnte man heulen. Vor Hunger und weil man einmal mehr weiß: Ich kann nicht kochen. Und noch schlimmer: Es ist mir sogar nach all den Jahren vollkommen Brause. Das ist das Schlimme: Die Resignation. Während man sich das noch so denkt, zieht man gedankenverloren eine Tielfkühl-Gourmetlichkeit hervor und stellt fest: Im Auftauen bin ich richtig gut! –Auch wenn Kirsch-Streusel-Kuchen keine adäquate Mahlzeit ist. Aber Kleinlichkeit ist in dieser Situation völlig fehl am Platz. In kleinen Dingen sollte man nicht kleinlich sein. –Zumindest sich selbst gegenüber nicht.
Beim überquellenden Wäschekorb hingegen hört der Spaß auf. Obwohl auch das seine guten Seiten haben kann. Denn sind alle Lieblingsstücke in der Wäsche, kommen endlich auch einmal die alten, längst vergessenen Evergreens wieder zum Zuge. –Dass man aus der Hälfte „herausgewachsen“ ist, birgt natürlich eine schwierig zu umschiffende psychische Klippe. Hat man die jedoch genommen (auch weil man zu müde für Verzweiflung ist), muss man sich nur noch darum kümmern, den Berg Wäsche irgendwo hin zu schieben, die Tür zu schließen und bis Samstag (dem Putz-, Wasch-, Mit-Familie-Telefonier und Einkaufstag) nicht wieder in besagtes Zimmer zu schauen. Bis dahin kann mich der Frühling mal und das blaue Band kann durch Lüfte flattern, wo es will –aber nicht bei mir!