Samstag, 13.00 Uhr in einer Filiale eines schwedischen Bekleidungshauses.
Wenn ich nicht schon durch die viel zu warme Luft und die vielfältigen Gerüche (von penetrantem Schweiß, über aufdringliche Parfüms, bis hin zu chemischen Duftstoffen) beinah besinnungslos wäre, müsste ich auf der Stelle einen manisch-depressiven von Autismus und lautem unkontrollierten Lachen angehauchten Anfall bekommen und mich schreiend auf dem dreckigen Boden wälzen. Stattdessen bleibe ich weiter gleichmütig in der Schlange zur Kasse eingereiht und lausche dumpf den Gesprächen der jungen Menschen um mich herum:
“Ey hoffentlich hat die Kathi sich nicht gestern das gleiche Top gekauft. Ich hab keinen Bock mit der alten Schlampe heute Abend im Partnerlook rumzulaufen. Boar, und wenn die den Dennis wieder so anmacht dann hau ich der Fotze n´ paar auf ´s Maul. Ich schwör´, ey.” – Mich schaudert ´s und ich beginne unkontrolliert mit den Augen zu rollen …
“Ey, und voll stressig heute. Ich muss noch auf den Assi-Toaster, mir die Nägel machen – so kann ich ja nicht rumlaufen, guck mal, wie hier die Strass-Steine schon abbröckeln – dann brauch’ ich noch n’ paar neue Schuhe und ins McFit muss ich auch noch. Boar voll Stress, ey.” – Mir dämmert, dass das mit dem PISA-Test vielleicht noch wesentlich schlimmer ist, als uns die Bildungsminister weismachen wollen…-
“Echt, und wenn die Alte beim Frisör mir nicht die Extensions wieder raus macht, dann geh’ ich echt steil, ey. Guck ‘ma wie ich ausseh, Alter! Die muss mir erst ma den Ansatz wegfärben, ey, sonst geh ich heute nirgendwo hin, ich schwör’s.” – Zustimmendes Genicke der Freundinnen …
“Boar und meine Alten nerven voll wegen Schule und so. Ich soll Ausbildung nach der Schule machen. Ey, ich mach doch keine Ausbildung, ey. Ich will studiern, da brauch ich erst ma fünf Jahre gar nix zu machen. Und dann zieh ich mich für Playboy oder so aus und heirate n’ reichen Macker, ey.” – Wieder einstimmiges, anerkennendes und zuspruchartiges Gelächter.
Mir wird ganz schlecht und ich lege die drei Teile, die ich kaufen wollte weg und verlasse diesen Ort des sozialen und intellektuellen Schreckens.
Abends gehe ich mit einer schon lang nicht mehr gesehenen Bekannten ins Kino. Während ich noch am Kinoerfrischungsstand überlege, warum wir so lange keinen Kontakt mehr hatten, fällt es mir schlagartig bei ihren folgenden Schilderungen wieder ein. In 120 Sekunden gab sie mir ungefragt eine Zusammenfassung der letzten sechs Monate ihres bewegten Lebens. Ich überlegte still vor mich hin, ob ich eine große Portion Popcorn mit einer Cola nehmen sollte, während sie lautstark von ihren zehn verlorenen Kilos erzählte. – Ich bestellte mir ein Wasser, um nicht gleich den Stempel: Moppelig, ledig – Problemfall, aufgedrückt zu bekommen.
So spartanisch ausgestattet und übelst gelaunt empfing ich dann in den Kinosesseln die frohe Botschaft ihrer neuen Beziehung zu Mike (Fotomodell, ästhetische Aktfotografien = männliches Flittchen, jung, ohne Schulabschluss und klamm im Portemonnaie). Ich war froh, als der Abend vorbei war.
Ein paar Wochen später begegnete mir diese Bekannte abermals und mir war klar, warum sie sich so lange nicht mehr gemeldete hatte: Mike hatte per SMS schlussgemacht, dafür hatte sie ihre verloren geglaubten zehn Kilos wieder. Das war ein riesiges Drama. Zehn Kilos. Die Trennung? – Zehn Kilos! Die Enttäuschung? – Zehn Kilos! Mike? – Zehn Kilos!
Und dann schalte ich zu allem Überfluss am Donnerstag auch noch diese Quoten-Dumpfbacken Sendung mit Minni Maus auf Helium ein und denke ganz ruhig und schon fast ein bisschen resigniert an folgende kluge Worte:
“Die Frauen, die ich sehe, bringen mich ganz herunter, physisch; meine Nerven. Sie spannen mir die Gedanken so ab. Sie sind so erstaunlich matt, beinah unklug aus Zusammenhangslosigkeit.” (Rahel (Levin) Varnhagen von Ense, 1808).
Du sprichst aber jetzt in der Masse von den Frauen, die im 21. Jahrhundert erst zu Frauen wurden, oder? ;)
Obwohl ich das mit den Pisa-Statistiken auch schon länger vermute …
Na selbstredend! Und auch bei denen wird sich hoffentlich noch die ein oder andere Ausnahme finden…-wenn man ganz genau hinschaut:O))
Codename: “Versteckte Intelligenz” sozusagen. Übrigens konnte ich heute einem 15-Jährigen, der sich in meiner Gegenwart lautstark darüber mokierte, dass sein Handy ums Verrecken nicht ASO schreiben wollte, beibringen, dass man in solch schwierigen Fällen einfach mal auf die Muttersprache zurückgreifen und es mit zwei Buchstaben mehr probieren kann. Ach so?, sagt er da und tut wie empfohlen. Und siehe da, das Mobiltelefon hat es kapiert. Der Bub jetzt auch. ;)
Vorbildhaft!!!-Du bist Deutschland!;O)
Manche Frauen des 20. Jahrhunderts waren aber auch nicht besser:
http://www.archive.org/details/GegenStandpunktDieFrauenfrage
Es gilt, das Bild von den Deutschen, die von Deutschen allzugerne in den Worthungerturm von Pisa weggesperrt werden, (wenigstens) ein bißchen zu korrigieren, na ja, der Einzelheit wegen vielleicht besser: zu retuschieren:
http://schmoll-et-copains.typepad.com/schmolletcopains/2008/03/wohltemperierte.html
Nö, ich bin nur FrauD, ohne eutschland ;)
Auch gut.
Also, die Frauen, die ich so kenne, stehen fast alle mit beiden Beinen fest im Berufsleben, haben keine Probleme, sich gegen Männer, auch konfrontativ, durchzusetzen und haben mit den von Dir da geschilderten Gackerhühnern nichts gemein.
Eigentlich hatte sich in meinem Kopf schon ein “Tja, so sehen die heutigen durchschnittlichen Hauptschülerinnen aus” gebildet.
Aber jetzt bin ich auch geschockt.
Wie alt waren diese Mädchen?
Doch nicht etwa schon in der 13ten?
(Aus dem Kontext raus würde ich ja auf 9tlerinnen oder 10tlerinnen tippen. Zwecks “Ausbildung/Studium”, “meine Alten” und so ziemlich allem anderen zitierten)
Würde ich das nicht so gut wie jeden Tag auch in der Stadt sehen, würde ich mich wohl jetzt auch wirklich lange darüber auslassen.
Aber man stumpft ja (zum Glück?) ab, mit der Zeit.
wenn der eindruck entstanden sein sollte, dass ich generell denke: alle frauen sind so. dann muss ich das korrigieren: Einige viele frauen sind so, vor allen die jüngere generation. Ich persönlich habe auch keine dieser sorte in meinem bekanntenkreis (aber auch keine, die sich “konfrontativ” ständig gegen Männer aufplüstern)…aber wenn man samstags in den innenstädten unterwegs ist, das fernsehen anschaltet, lehrerin ist usw. kann man solche verhaltensmuster, sprachauswüchse und meinungen entdecken (übrigens auch bei jungen männern)….
[...] vorher besser einmal Arne Hoffmanns Genderama, bei Manndat oder diese Betrachtungen über die Frauen des 21. Jahrhunderts lesen [...]
Warum nicht einfach H&M sagen? Wozu diese Manierismen
schleichwerbung? pfui!!!