Für die Abschaffung des Abtönungspartikels

June 19th, 2008 § 8 comments

In  der Linguistik gibt es eine sprachliche Erscheinung, die mir besonders viel Freude während meines Germanistik-Studiums bereitet hat: Der Abtönungspartikel. Im Grunde nichts aufregendes. Und doch zeigt diese Sammelbezeichnung, für all die unnützen Füllwörter, die die deutsche Sprache so zu bieten hat vor allem eins: Füllwörter sind unheimlich beliebt.

Worte, die zu nichts nütze sind, kommen immer mehr schwer in Mode. Obwohl das System Sprache ohne sie vermutlich besser dran wäre, werden diese meist kleinen Wörter von nahezu jedem in den Wortschatz liebevoll integriert. Faszinierend ist in diesem Zusammenhang vor allem die Feststellung, dass bei vielen Menschen der Hauptwortschatz scheinbar nur noch aus solchen Worten besteht. Getrost kann man in diesem Zusammenhang also auch von Abtötungspartikeln sprechen. Denn Sprache  geht anders.

Selbstredend, wird der studierte Germanist nun laut aufschreien und behaupten, dass gerade in der deutschen gesprochenen Sprache diese Modalpartikel unheimlich wichtig sind. All diese jas, halts, dochs, vielleichts, mals, gells, ehs und ebens gelten als winzige Möglichkeiten Modalitäten näher zu bezeichnen. Doch da muss ich halt jetzt mal vielleicht eben sagen, dass das ja gar nicht stimmt, gell?- Sind solche Sätze nicht unerträglich? Warum sollen sie in der Konversation vis- à -vis so unverzichtbar sein wo hingegen es in der geschrieben Sprache für dieses grammatikalische Malheur heißt: Wir müssen leider draußen bleiben!

Ist es nicht eher so, dass diese Worte prima dazu da sind, um Zeit fürs Lügen zu gewinnen? Ungefähr so: „Hast du was mit der Trulla?“ „Wie ich ja schon sagte…es ist doch ganz anders…halt so, wie ich dir eh schon gesagt habe…vielleicht hörst du mir endlich mal zu!“-Das ist das hässliche Gesicht dieser grammatikalischen Abart.

 

§ 8 Responses to Für die Abschaffung des Abtönungspartikels"

  • Claudio says:

    Es gibt keine unnötigen Wörter, sonst wären sie schon längst aus dem Sprachsystem eliminiert worden.

  • Anna Licht says:

    Für manche anscheinend unnütze Verbalkonstrukte gibt es interessante Erklärungsmodelle.

    Wobei es meistens wohl doch (man beachte hier die waghalsige Aneinanderreihung von Füllwörtern!) eher auf ein “ich red ja nur, ich sag ja nix” hinausläuft.

  • Laura says:

    @claudio: naja, auch schöne, etwas aus der mode geratene worte werden des öfteren “eleminiert”….und dafür bleiben unschöne Worte erhalten (die aufzählung würde hier einfach den rahmen sprengen…)-

  • LÄÄÄsterschwester says:

    Interessante Theorie… was UNNÖTIG ist wird eliminiert… tsetsetse…

  • Judith says:

    Man liest ja immer was man will- ich habe zuerst “Abtörnpartikel” gelesen und dachte, das wäre ein neues Wort für Dreck unter den Nägeln…

    Allerdings glaube ich nicht, dass Unnötiges eliminiert wird- an einen sprachlichen Sozialdarwinismus glaube ich HALT nicht, gell???!!!!

  • Laura says:

    ich habe zuerst auch tatsächlich an abtörnungspartikel gedacht….mich dann aber aufgrund unserer diskussion (die ich selbstredend voraus geahnt habe…von wegen claudia katharina und so) umentschieden…;O)

  • Ugugu says:

    asche über mein blog! werde künftig keine abtörnungspartikel mehr verwenden. wie ich drauf komm? bin via die referer in meiner statistik auf diesem blogeintrag gelandet, und habe ganz kurz blut geschwitzt, mein blog könnte als besonders abschreckendes beispiel aufgeführt sein ;-)

    in der gesprochenen sprache, da bin ich allerdings nicht ganz einverstanden, dienen diese fiesen partikel wohl in erster linie dem zeitgewinn zum nachdenken während dem sprechen. (und dann erst der lüge)

  • Laura says:

    nun ja also dein blog hab ich nun wirklich dabei nicht im kopf gehabt…;O)))))zögern, um anschließend vorsätzlich zu lügen? ich glaub wir meinen das gleiche!

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