Glück

December 5th, 2008 § 2 comments

Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich sehr unglücklich. Ja, man könnte sogar sagen, dass ich das unglücklichste kleine Geschöpf auf der ganzen weiten Welt war. Ich war gar davon überzeugt, dass man vom Weltall aus mein Unglück durch einen riesigen roten Pfeil sichtbar, bequem erkennen konnte und die Astronauten im Chor riefen: „Schaut mal, da ist das traurige und unglückliche Fräulein Laura!“

Ja, liebe Leser, so dumm und töricht war ich in dieser schweren Zeit. Die Fähigkeit mich in Dinge hineinzusteigern habe ich nicht eingebüßt, sie jedoch in erträglichere und maßvollere Bahnen gelenkt. Auch meiner Phantasie schließe ich gelegentlich die Zügel. Meine Vergesslichkeit ist mir in dieser Angelegenheit eine große Stütze und so kann ich mich heute an den tatsächlichen Grund meines „Unglücklich-Seins“ nicht mehr einwandfrei erinnern.

Als ich aber so an diese Zeit dachte, überlegte ich was das eigene Glück oder eben Unglück eigentlich ausmacht. Da fiel mir Fontane ein. Der ist einem gerade in solch kniffeligen  Fragen extrem hilfreich, weil er es nüchtern, kurz, lebensnah, manchmal bitter, manchmal augenzwinkernd auf den Punkt bringt. So heißt es in seinem Roman „Stine“ etwa an einer Stelle: „Aber ich bin so gut dran wie gewöhnliche Menschen, die Gott schon danken, wenn ihnen nichts Schlimmes passiert.“  Das heißt mit anderen Worten, dass  Glück in erster Linie die Vermeidung oder das Ausbleiben von Leid ist. Eine zufällige, nicht beeinflussbare Sache. Ganz unspektakulär, ohne Firlefanz, ohne Lametta.

Und wenn man das in dieser Art und Weise verinnerlicht macht das zum einen vieles im Leben leichter und zum anderen  machen dann auch die Worte meiner Oma heute für mich endlich einen Sinn. Die sagte, wenn man ohne triftigen Grund schlecht gelaunt war und behauptete das Leben sei schlecht, Folgendes: „Ich habe einen Weltkrieg mitgemacht. Habe ich etwa schlechte Laune oder bin unglücklich?“

§ 2 Responses to Glück"

  • Rick says:

    Vermutlich hat das Glücklichsein in einer modernen Konsumgesellschaft auch eine relative Komponente – wird schließlich als Gesellschaftszwang quasi stets vermittelt man müsse stets “gut drauf” sein, man solle kein Partykiller sein, keine Trantüte etc. In so einer Gesellschaft ist kein Platz für Nachdenklichkeit, behaarte Intimzonen, ungepiercte Körper oder alles was sonst den Menschen noch so ausmacht.

    Sei also ‘mutig’ und sag ja zum Unglücklichsein, liebe Laura. Und vergiss niemals : Intelligenz ist eine Bürde, keine Gabe. Heute mehr denn je… ;)

  • Laura says:

    ich zweifle an dem ausdruck ansich.”glück gehabt. ich hab heute das letzte körnerbrötchen beim bäcker bekommen!” oder “glück gehabt! ich hab als einzige einen flugzeugabsturz überlebt!” wo ist denn da bitte das maß, die relation? wenn ein begriff inflationär verwendet wird ist er mir suspekt. dieses ganze gaga-gerede á la anselm grün oder rosi pilcher “werde glücklich und lebe” ist doch nicht zum aushalten…

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