August 26, 2008

Grabpflege ist auch Öffentlichkeitsarbeit

Selbst wenn man schon lange tot ist, so verliert eine Sache doch nie an Relevanz: Die Außenwirkung. Den Betroffenen selbst kann das relativ gleichgültig sein. Aber den Hinterbliebenen ist es das eben nicht. Ein sonntäglicher Spaziergang über den Friedhof kann ein wahrer Augenöffner in Sachen PR für Hinterbliebene auf der einen und der Feststellung von defizitären familiären Gegebenheiten auf der anderen Seite sein.

„Da denken doch alle, da würden Asoziale liegen!“ Diesen Satz sagte meine Mutter bei einem neuerlichen Besuch der Familiengruft und versuchte mit ein paar Handgriffen und kaum zu verstehenden  Unmutsäußerungen zu retten, was noch zu retten war. Doch schon bald war die Entscheidung gefallen: Hier war nichts mehr zu retten und was würde ihre Mutter dazu sagen, die nun hier liegt und bei der es aussieht, wie bei Hempels? Dem Vater ist es ja egal. Der hat sich nie was aus Blumen und einem schönen Vorgarten gemacht. Der hätte am liebsten den ganzen Garten voller Tabakpflanzen gehabt.

„Wir reißen hier den ganzen Kram raus! Und machen der Oma alles schön neu!“ (Dem Opa natürlich nicht). -In wenigen Minuten war das Organisatorische per Mobiltelefon geklärt und die Umgestaltung eine abgemachte Sache. Mit dem Vorgefühl, bald nun nicht mehr der Gesprächsmittelpunkt des Gräberfeldes 21 zu sein, ging meine Mutter beschwingt an anderen Gräbern vorbei und deutete auf ein trostloses und überwuchertes Grab: „Tja, die Kinder von der Ella kommen wohl auch nicht mehr. Und wie hat sie sich für die undankbaren Dinger immer aufgeopfert und jetzt guck dir das an. Ein Jammer sag ich dir, ein Jammer!“

1 Comment

  1. LÄÄÄsterschwester says:

    Deswegen will unser Vater ja SENKRECHT also quasi stehend begraben werden damit
    er die Grabpflege noch selber machen kann …;)

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