Haariges (kein Wortspiel, es geht wirklich um Haare!)

April 15th, 2008 § 4 comments

Wenn man bei einem Friseur sitzt und die Worte: Sie möchten also was freches? vernimmt, sollte man sofort laut und deutlich NEIN sagen oder sich den Umhang vom Leib reißen und so schnell wie die Beine tragen aus dem Laden laufen. Diese Frage bedeutet selten etwas Gutes. Mich hat sie einmal die Hälfte meiner Haarpracht gekostet. Freunde erkannten mich nicht mehr, meine Mutter erklärte, dass ich nicht mehr ihr Kind sei und mein Vater enterbte mich.

Vom Gerücht, dass viel Sonne die Haare wachsen lässt, angetrieben, verbrachte ich einen Sommer damit, jedem Sonnenstrahl nachzujagen. Wenn ich später wie ein Lederlappen aussehe, ist das die Schuld des Friseurs.

Ein anderes Mal antwortete ich auf die Frage, wie mir mein neuer Haarschnitt gefällt: “Ich wollte zwar nichts asymmetrisches, aber wenn ich mir jetzt noch einen Holzpapageien-Ohrring für die kürzere Seite kaufe, kann ich bei der Ortsvereinigung der Grünen eintreten.” Anstatt die eigene Arbeit kritisch zu hinterfragen, bzw. einfach mal festzustellen, dass man statt überall gleich viel abzuschneiden, die eine Seite auffallend kürzer bearbeitet hat, werden trotzig die Arme verschränkt. Das beleidigte Gucken gehört wohl zum Handwerk des Friseurs und wird mittlerweile auch in der Meister-Prüfung auf Kommando verlangt.

Ich frage mich oft, warum ich diesem Völkchen ihr ausgedehntes Luderleben finanziere und zum Dank etwas auf meinem Kopf vorfinde, das in manchen Fällen an eine Körperverletzung erinnert. Wenn die wie ein Tricolor-Meerschweinchen auf dem Kopf aussehen, dann ist das Künstlerpech oder soll eben im Gegenteil die Kreativität widerspiegeln. Aber normale Menschen, mit einem ästhetischen Empfinden mögen keine schwarz/rot/blonden Blocksträhnen in den Haaren – auch nicht zur EM. Und NEIN, ich mag auch keine Vo-ku-hi-la-Frisur, denn dafür müsste ich in den 80ern leben und mir einen Oberlippenbart wachsen lassen. – Ich möchte bitte einfach nur waschen, schneiden und selber fönen.

Aber das macht wohl in der heutigen Zeit kein Friseur mehr, der noch was auf sich hält …

§ 4 Responses to Haariges (kein Wortspiel, es geht wirklich um Haare!)"

  • Bjoern says:

    Die Friseurmafia beschäftigt mich auch seit einigen Tagen. Ich habe nachts geheime Treffen des sog. ‘SchnippSchnappOrdens’ beobachtet. Sie tanzen um das Feuer und rupfen gefesselten Jungfrauen das Haar aus. Dabei schreien sie wie wild “Fasson, Fasson!”. Es war grauenhaft.

  • [...] Im Moment belege ich bei der VHS einen Abendkurs für späte Quereinsteiger ins Frisörhandwerk – man weiß nie, wozu man das mal brauchen [...]

  • Judith says:

    Pfiffig, peppig und trendy hast Du bei Deiner Aufzählung total vergessen. Auch die Definition von “Spitzen schneiden” divergiert von Salon zu Salon. Der Stylist/Coiffeur/Artist schneidet fröhlich drauf los und ist ganz verwundert, wenn ich nicht der Ansicht bin, dass meine Spitzen 15 cm lang sind.
    Ironischerweise war ich gestern in der Weißbiermetropole erstmalig beim Friseur. Zunächst durfte ich wählen, ob ein Junior- , Senior- oder Masterstylist meine Haarpracht bearbeiten durfte. Ich nahm den Senior und plötzlich erschien ER. Das Haupthaar akurat gescheitelt, der Bart quasi onduliert. Apfelgrüne Strähnen durchzogen sein Haar.
    “Sie brauchen aber dringend was peppiges!” ich wickelte mich in meinen Umhang und hoffte, dass er mich nicht wiederfinden würde…

  • LÄÄÄsterschwester says:

    DER HERR S. sah aus wie ein Meerschweinchen!EIN MEEEEERSCHWEINCHEN!
    Was schließen wir aus diesem Laden?
    Wenn der Friseur schon besch…..auf dem Kopf aussieht SOFORT RAUSGEHEN!!!

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