Hicks…

June 29th, 2011 § 0 comments

Noch vier Wochen bis zu den großen Ferien und ich stelle fest, dass Hollywood –kaum arbeite ich ein halbes Jahr als Lehrerin- einen Film über mich gemacht hat mit Cameron Diaz in der Hauptrolle. Glücklich bin ich über die Besetzung nicht. So’ n ordinären Mund will schließlich keiner. Die Beine hingegen würde ich wohl nehmen…

Früher war ich sehr zeigefreudig. Das geht nun nicht mehr. Ich habe es eingesehen: Was in der Uni recht und vor allem (manchmal )billig war, hat nun ein Geschmäckle. Nächste Woche gehe ich mit meinen 5ern und den Halbstarken aus der 6 auf Klassenfahrt. Der ältere Kollege lobte halblaut im Lehrerzimmer den fantastischen Landwein, den Langeoog zu bieten habe. Ich befürchte, er meint den Fusel aus dem Tetrapack. Lehrer kurz vor der Pensionierung sind nicht mehr ganz so anspruchsvoll und Kummer gewöhnt. Frei nach dem Motto: Hauptsache et knallt.

Alkohol scheint überhaupt das Thema schlechthin bei meinen Schülern zu sein. Vorab mussten die Schüler Bögen ausfüllen, auf denen vermerkt werden sollte gegen was sie allergisch sind oder was sie nicht essen dürfen. Prompt bekomme ich von zehn elfjährigen Schülern die Blätter zurück, und lese: „Kein Schweinefleisch, kein Alkohol“. Emre meldet sich noch einmal extra und wiederholt, was seine Mutter gesagt hat: „Ich darf kein Schwein und kein Alkohol“. „Emre, du bist elf Jahre alt“. „Trotzdem: Kein Fleisch, kein Alkohol“. „Emre, ich will nicht hoffen, dass die anderen Nicht-Moslems mit elf Jahren Alkohol dabei haben“, ich lächle zunächst innerlich, bevor ich in einige nachdenkliche Gesichter schaue. Stefan hebt zaghaft den Finger: „Also kein Bier?“ „Ihr seid elf! Gut… Kevin. Du nicht. Du bist ja schon 14“. „Darf ich dann was mitbringen?“ „Nein!“ „Rauchen ist aber okay?“

Ich fühle mich daraufhin genötigt eine flammende Rede gegen Alkohol, Zigaretten und andere Suchtmittel zu halten. Ich rede mich richtig in Rage. Die Kinder sind still und lauschen scheinbar andächtig und verständig. Als ich mir gerade selber in Gedanken auf die Schulter klopfen will und mit einem verbalen Feingriff in die Witzeschublade dem Ganzen den letzten Pfiff versetzen will, ruft Stefan in die Klasse: „Man ey! Ist ja wie im Knast hier. Jetzt fehlt nur noch, dass sie uns auch noch das F****** verbieten“.

Verständnis ist manchmal eine Sache von Sekunden. Ich habe heute mit der Landwein-Kur bereits begonnen und dem rotnäsigen Kollegen im Lehrerzimmer mit dem Flachmann zugeprostet.

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