Ich hab doch Sorry gesagt!

December 12th, 2008 § 0 comments

Eine Entschuldigung, in der die drei vermeintlich unscheinbaren Wörter „aber“, „du“ und „auch“ vorkommen ist im Grunde gar nichts wert. Nichts als warmer Atem von Menschen, die sich entweder nicht entschuldigen können oder  überhaupt nicht wollen.

Wer sich hingegen richtig und formschön entschuldigen kann, zeigt Größe. Einen Fehler einzusehen und ihn mit etwas Abstand betrachtet zuzugeben und noch einmal anzusprechen erfordert wahren Charakter. Man muss sich daran gewöhnen, dass ein zugegebener Fauxpas nicht zwangsläufig den ganzen Menschen in Frage stellt oder eine riesige Niederlage im alltäglichen zwischenmenschlichen Kräftemessen darstellt. Allerdings sollte man auch nicht meinen, dass eine rasch und hastig hervorgebrachte Entschuldigung ohne echte Reflektion alle Untaten wieder gut macht. Gerade wenn es um verbale Entgleisungen geht, gilt meist der alte Skat-Spruch: Was liegt, das liegt!-

Manche Menschen sind recht ungelenk, wenn es um dieses Thema geht. Der Geist ist bei vielen willig, jedoch hapert es an der stolperfreien Umsetzung. Ich konnte mich lange Zeit nur bei jemandem entschuldigen, wenn mein Gesicht durch irgendetwas verdeckt war. Also nuschelte ich hinter großen Zeitungen kaum für den anderen hörbar: „Ach ja: Das von eben tut mir leid.“ Man beschränkt sich eben auf das Nötigste, wenn man befürchtet mit diesen winzigen und wenigen Worten  seiner eigenen Autorität ein Grab zu schaufeln.

Allerdings gibt es auch Menschen, die hauen sich eine Entschuldigung raus, die im Keim eine handfeste Drohung in sich birgt. Auf meiner Schule –einige Stufen über mir- gab es eine Dörte (sie hieß nicht so, aber der Name passt besser zu ihr). Dörte war viel größer und kräftiger, als die anderen Kinder in ihrer Stufe. Kam ihr wer krumm, gab´s was auf die zwölf.

In einer Schulpause rempelte sie mit voller Absicht einen kleinen schmächtigen Jungen vor dem Kiosk so arg zur Seite, dass dieser bedingt durch eine unglückliche Verkettung diverser Umstände  mit blutender Nase zu Boden ging. Als er da so verschreckt  im Dreck lag, die Pausenaufsicht angeschlendert kam und eine gespenstische Stille sich über dem Schulhof ausbreitete,  brüllte Dörte in ihrer nonchalanten Art, die mit Sicherheit Tote wieder zum Gehen bewegt hätte: „Ey steh´ wieder auf! Ich hab´ doch Sorry gesagt!“ Vor lauter Angst rappelte sich der bleiche Junge hoch und stammelte: „Tut mir leid. Bin selber schuld. Ich stand im Weg.“ -
 

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